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Das Abendland · 1867-05-16 · 10 (16.5.1867) · p. Seite 79

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
10 (16.5.1867)
Date
1867-05-16
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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Israeliten stattgefunden hätten, der frühere Redakteur, des Ln Kaschau in jüdisch-deutscher Sprache erschienenen „Leitstern" ist in einer Gemeinde zu Philadelphia als Rabbiner und Prediger angestellt worden, und hat bereits sein Amt angetreten. (Nach dem Hedren Reader.) Suchschau. Im Verlage der für die Förderung der jüdischen Literatur in Deutschland sehr thätigen Schletter'schen Buchhandlung zu Breslau, ist so eben erschienen: Die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung nach mosaischtalmudischer Lehre allgemein fasslich dargestellt von vr. P. Buchhol; Rabbiner der Synagogengemcinde zu M. Friedland. 138. S. — Nach einer allgemeinen Einleitung über die Bedeutung der Familie im Iudenthume wird in 2 Abtheilungen das rechtliche und moralische Verhältniß der Gatten zu einander und das zwischen Eltern und. Kindern besprochen. Ein Anhang über das mosaischtalmudische Eherccht, Pflichten der Eltern und Kinder, Rechte der Eltern, Mündigkeit schließt sich diesen Erörterungen an. Schon die Seitenzahl des Buches zeigt es, daß der Rahmen für den so wichtigen inhaltreichen Vorwurf viel zu enge sei. Jeder einzelne Theil des gebotenen Stoffes nimmt bei gründlicher wissenschaftlicher Behandlung ein bedeutendes Volumen für sich in Anspruch — Die fassliche Darstellung hat durchaus nicht in der Kürze oder Unvollständigkeit sondern in der Methode der Behandlung ihren Schwerpunkt, und cs kömmt häufig vor, daß sie zur Erreichung ihres Zieles weiter ausholen muß, als es für die strengwissenschaftliche Form nöthig wäre. Ueberhaupt sind es die Büchertitel, die allerdings oft den Autoren auch mehr Schweiß kosten als das Buch selbst, welche dem ehrlichen Rccensenten die größten Verlegenheiten bereiten. Die mildeste Kritik, die namentlich auf dem Gebiethe der der Befruchtung und Belebung noch so sehr bedürftigen jüdischen Literatur gerne alles Gute und Brauchbare zur Anerkennung und Verbreitung bringen möchte, wird mitunter durch den Titel eines Buches zur Verzweiflung gebracht. Offenbar sind die Büchertitel in unserer Zeit nichts anderes als schöne Aushängschilder, um durch sie den Käufer anzulocken, und es wäre ungerecht gerade von den armen Schriftstellern Bescheidenheit zu verlangen. In den frühern Perioden der jüdischen Literatur, wo der Richtung entsprechend die hebräische Sprache das Medium der Vermittlung war, hatten die Büchertitel gar keine Bedeutung, niemand konnte aus ihnen den Inhalt des Buches errathen, niemand kaufte das Buch aus Interesse für den Titel. Wer wollte aus Titeln wie: Der Hain Abrahams, Das Zelt Jizchaks, die Quelle Jakobs, der Stab Moses, Die Kleider Aron's, Die Stadt David's u. s. w. den Inhalt der Schriften herausfinden? Das waren die idyllischen Zeiten der Literatur da kannte man noch keine Reclame aber auch keine literarische Kritik. Heutigen Tages wird die geistige Waare nach der Etiquette gekauft und der Titel eines Buches ist oft eine Klippe für den Autor und eine Verlegenheit für den Recensenten. Dieser soll beurtheilen, inwiefern das Buch bem Titel entspricht, und kömmt dadurch zuweilen in die unangenehme Lage einen Tadel auszusprechen, während der Inhalt des Buches nur Lob verdient — In diesem Falle befinden wir uns bei der Besprechung des vorliegenden Buches. Was darin gesagt ist, verdient alle Anerkennung, und wollen wir aus dem vielen Guten und Wahren, das uns bcr Vcrf. biethet, besonders die geistvolle Darstellung über die Bedeutung der Ehe im Iudenthume rühmend hervorheben; allein der Titel: Die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung „welch' ein weites beinahe unübersehbares Feld! Schon die Eintheilung des Buches gibt es zu erkennen, daß bei der Behandlung des Thema's nicht mit logischer Schärfe vorgegangen wurde. Das Verhältniß zwischen Geschwister und Verwandten, das in den jüdischen Quellen eine bedeutende Rolle spielt, ist ganz unberührt geblieben. Warum der wesentlichste Theil als Anhang figurirt ist gleichfalls ohne logische Begründung. Der Anhang ist überhaupt der schwächste Theil des Buches. Zunächst ist er sehr mangelhaft. Von der Scheidung, der Chaliza, von Ehehindernissen bei Ahroniden, Taubstummen ist gar nicht die Rede. Die ganze Zusammenstellung ist eine flüchtige ungründliche, auf den Unterschied zwischen einfachen Ehehindernissen und solchen, welche die Ungiltigkeit der Ehe zur Folge haben oder die gesetzliche Scheidung bedingen, ist gar nicht hingewiesen. Es legt für die Wissenschaftlichkeit des Buches kein günstiges Zeuaniß ab, wenn man beispielsweise S. 90 unter der Rubrik: Religiöse Ehehindernisse zu lesen bekömmt. Auch an den der nationalen Trauer geweihten Tagen soll man eine Ehe nicht eingehen"— Mußten hier nicht die Tage | angeführt und nach den Quellen wissenschaftlich besprochen! werden? Kann man in Bezug auf Eheschließung den Sabbath und die sogenannten „drei Wochen" in eine Paralelle stellen? Fassen wir unser Urtheil über das Buch kurz zusammen, so müssen wir sagen: Die ersten beiden Abschnitte wären als Artikel in einem Fachblatte oder als Brochüre unter einem weniger spannenden und mehr bescheidenen Titel - vortrefflich, in der uns vorgeführten Weise kann das Buch ' den Ansprüchen der Wissenschaft nicht genügen. Bei all' dem - erkennen wir in dem Verf. einen Mann von vielem Wissen i und ernsten Denken und begrüßen in ihm eine tüchtige Kraft,! von der sich die jüdische Literatur viel Gutes versprechen darf, l Trotz der gediegenen Vorarbeiten wartet die religiöse Praxis! des Iudenthums ebenso sehnsüchtig wie seine Literatur auf! ein gründliches „mos. talmudischcs Eherecht; möge der ge-! ehrte Herr Verf. seine reiche Begabung diesem so dankba-! ren Thema ferner zuwcnden. R. Aeber die Magie bei den Älten, von Rabbiner Dr. Samuel Mühsam. (Fortsetzung). Es ist klar, daß der König von Babylon mit seinen Weissagern an einen Ort ging, wo zwei Wege zusammenliefen, und daß das Loos rechts fallen mnsste, wenn er sich für eine Belagerung Jerusalems entscheiden sollte. Was das Loos betrifft, so wissen wir, daß die Wahrsager sich hierzu der Pfeile oder anderer Waffen, auch gewöhnlicher Messer etc. bedienten; sie glätteten sie vorerst, um sie recht glänzend zu machen, schwangen sie dann dreimal in der Luft und warfen oder schossen sie ab. Auf dieses letztere Verfahren scheint Ezechiel angespielt zu haben, wenn er Gott sagen lässt: weissage und schlage die Hände zusammen „und verdoppelt würde das Schwert zum dritten Male" (ibid Y. 19.) Auch befragten sie ihre Thcraphim und untersuchten dann die Eingeweide der Opfer, die sie darbrachten, um sich zu überzeugen, ob die Leber ganz, roth, gesund und groß, die Eingeweide vollständig und von natürlicher Farbe seiend) Dieses Verfahren ist allgemein bekannt, weil cs sich bei den Griechen und Römern bis in die Jahrhunderte, wo die Wissenschaft zur Blüthe gelangte, wiederholt wiederfindet; bei den Griechen heißt es Hepatoskopeia und bei den Römern extispicium. Was Letztere betrifft, so hatten sie eine besondere Klasse Priester eingesetzt, die sich Aruspices d. i. a vietimis in ara inspiciendis nannten und aus der Betrachtung der Opferthiere vor der Schlachtung, dann aus den Eingeweiden, ') Nach Aben Esra bezieht sich der Ausdruck der Bibel „Ihr sollt nicht am Blute essen" auf diesen zauberischen Gebrauch; der Talmud spricht von einem Herausreißen des Herzens aus dem lebendigen Thicre als einem heidnischen Opferbrauche.

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