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Das Abendland · 1867-05-16 · 10 (16.5.1867) · p. Seite 77

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
10 (16.5.1867)
Date
1867-05-16
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 Mildthätigkeit der löbl. isr. Gemeinden nicht in Anspruch nehmen wollten, noch schwerer, weil wir in dieser precären Geschäftszeit kaum das tägliche Brod verdienen konnten besonders aber weil wir gar keine Aussicht,zur Wiedererbauung unserer Synagoge, Schule und Rabbinatswohnung hatten. Trotzdem wir alle, in unfern Kräften .stehenden, Opfer brachten, sehen wir uns von unserem vorhabenden Ziele noch weit entfernt, wesshalb wir den einzigen Weg, zur Erreichung desselben — jenen der öffentlichen Appclation an unsere verehrten Glaubensbrüder, an alle edlen Menschenfreunde, wagen; uns durch milde Spenden in unserem gottgef. Vorhaben zu unterstützen, auf daß wir wieder gemeinschaflich an geweihter Stätte den Ewig Einen anrufen, und unsere Kinder im Glauben unserer Väter unterrichten lassen können.— Die kleinste Gabe selbst wird dankbar angenommen vom Cultus Vorstand Slabeh und Rakonitz 1. Mai 1867. K. Jopper CultuSvorsteher. Correjpon-ery. Prag. Die im Jahre 1863 gewählten neun Mitglieder der Eultusgemeindcrcpräsentanz haben nach dem Statut unserer Eultusgemeinde auszutreten, und der Vorstand hat deshalb Neuwahlen ausgeschrieben. Jeder der 3 Wahlkörper hat 3 Rcpräsentanzmitglieder zu wählen.— Die Wahl findet im Eultusgemcindehaus am 19. d. M. von 8—3 am 21.u. 23. d. M. von 8—1 Uhr statt. Es ist diesmal die Wahl von besonderer Wichtigkeit, als gerade jetzt im Schoßeder Repräsentanz principielle Fragen zur Bcrathung kommen, die auf das Gedeihen 'und den Fortschritt unserer Gemeinde mächtig influiren. Das Verhültniß der einzelnen Synagogen zur Gesammtgcmeinde bedarf schon längst der Ordnung und der Regelung. Dieses Mißverhältniß hat nicht nur mannigfache Unzukömmlichkeiten und Uebelstände erzeugt, sondern den Fortschritt der Gemeinde als solcher gehemmt. Jeder Freund liberaler Institutionen müßte unbedingt der Synagogengemeinde ihre volle Autonomie und daher auch das Recht ihren Cultus nach Belieben zu regeln gönnen, wenn sic eben eine stettige, in ihrem Innern gegliederte organische Gemeinde repräsentiren würde. In den frühern Zeiten war dieß wirklich der Fall; da hatte jede Synagoge ihre permanenten und ireuen Mitglieder, und der Austritt eines Mitgliedes aus dem Verbände um sich einer anderen Synagoge zu incorporiren, gehörte zu den seltenen Fällen, die niemals den Beistände des Synagogenvereins alteriren konnten. — Insoweit sie davon Gebrauch machen wollte, besaß die Synagogengemeinde damals auch in Wirklichkeit ihre Autonomie. Die aus der freien Wahl der Mitglieder hervorgegangencn Vorsteher mußten das Vertrauen ihrer Commitenten zu rechtfertigen und zu erhalten suchen, wenn sie sich in ihrer Stellung behaupten wollten; jedes einzelne Mitglied fühlte das Recht und die Pflicht auf vorhandene Uebelstände und Gebrechen aufmerksam zu machen und deren Beseitigung zu beantragen. In unserer Zeit haben sich in dieser Beziehung die Verhältnisse bedeutend geändert. Die durch die Freizügigkeit erfolgte bedeutende Zunahme der Population einerseits, die gewaltige Strömung der Gemüther für Regelung Verbesserung und Verschönerung des Gottesdienstes anderseits haben bei der Sorge uni ihren Bestand den regen, mitunter an die Sphären des merkantilen Lebens erinnernden Eifer, recht viele Mitglieder zu werben, wach gerufen, sie haben die Milch des frommen Slillebens in das heiße gährende Geblüt der Agitation und des religiösen Partheizwistes verwandelt. Unter solchen Verhältnissen ist es einzelnen Wortführern leicht möglich das Terrain zu gewinnen und zu beherrschen, und die wahre Autonomie der Gemeinde ist mehr gefährdet als je. Daß diese Zustände den Körper der Gesammtgemeindc, dessen Glieder die Synagogengemeinden sind, empfindlich berühren müssen, bedarf kaum der Erörterung. Die Ehre der wegen ihrer Intelligenz, ihres Gemein- und Wohlthätigkeitssinnes, ihrer musterhaften Friedsiebe hochberühmten prager Eultusgemeinde ist dabei in hohem Grade betheiligt und fordert gebieterisch eine Regelung und Ordnung. Wie wir aus guter Quelle hören, geht nun die Repräsentanz mit allem Eifer an eine Neuorganisation, und bei der Tüchtigkeit und dem guten Willen der Männer die an der Spitze der Gemeinde stehen, läßt sich nur ein günstiges allgemein befriedigendes Resultat erwarten. Auf den Umstand, daß Prag außer den sogenannten großen Synagogen noch eine doppelte Anzahl kleiner besitzt, deren Besucher ebenfalls und in gleichem Grade eine Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse und eine Regelung ihres Verhältnisses zur Gesammtgemeinde verlangen, werden wohl die Väter der Gemeinde bei ihrer dießfälligen Arbeit hoffentlich nicht vergessen. Auch geben wir uns der Hoffnung hin, daß die Repräsentanz vor einer Radikalkur vor einer rettenden That nicht zurückschrecken werde wo es gilt der Zerrüttung und dem Verfalle der Gemeinde vorzubengen. Der Hinweis, daß sie sich dadurch ein bleibendes Denkmal der Dankbarkeit erringen würde, scheint bei Männern, die nur das Wohl der Gesammtheit vor Augen haben, überflüssig — Trostloser als in Prag sind noch die Zustände auf dem Lande; hier scheint alles aus Rand und Band gekommen zu sein. Die längst erwartete Cultusordnung ist noch immer ein Gegenstand der Hoffnung, und bei dem Zersetzunqsproceß, der in den zumeist kleinen Landgemeinden einen epidemischen Charakter angenommen hat, ist jeder verlorene Tag eine neue Gefahr für das Iudenthum in der Provinz. Wenn die jüdische Landesrepräsentanz, wie es ihre Ausgabe ist, diesen Uebelständen ihre Aufmerksamkeit zuwendet, wird sie allerdings an Arbeit und Schwierigkeiten keine Noth haben, allein mit Energie und Ausdauer wird sie alle Hindernisse beseitigen und den Wünschen der Landjudenschaft gerecht werden können; ad vocem Landesrepräsentanz müssen wir bemerken, daß nach uns zugegangenen Mittheilungen, betreffs des von ihr gefaßten Beschlusses über Verwendung der bekannten aus den Steuerrückständcn herrührendcn bedeutenden Summe zur Gründung eines Waisenhauses von Seiten der h. Statthalterei die Gemeinden des Landes vorerst um ihre Meinung befragt werden sollen. X. Triest. Obgleich Ihr geschätztes Blatt sehr selten Berichte über gehaltene Predigten bringt, weil das Referat hierüber zumeist nur das subjektive Urtheil abspiegelt, und mitunter auch als Reklame benützt wird, dürften Sie doch in Betreff unseres hochgeehrten Herrn Oberrabbiners, Prof. Tedeschi, der zu den ausgezeichnetesten italienischen Kanzelrcdncrn zählt, und dessen Rednergabe allgemeine Anerkennung findet, eine Ausnahme machen. Ich gebe bloß der öffentlichen Meinung in unserer Gemeinde einen Ausdruck, wenn ich Ihnen berichte, daß die von ihm am letzten brun ti2L> gehaltene Predigt einen so gewaltigen Eindruck hcrvorbrachte, daß sie noch heute den Gegenstand des allgemeinen Gesprächs bildet. Viele achtbare Gemeindeglieder, die dem Bortrage nicht beiwohnen konnten, stellten an den Vorstand das schriftliche Ansuchen, er möge den Herrn Rabbiner veranlassen diese Predigt am 2. Festtage nochmals zu halten da die Gewährung dieses Wunsches nicht thunlich schien, wurde auf allgemeinen Wunsch die Veröffentlichung der Predigt beschlossen. Ueber das in Ihrer letzten Nr. besprochene Werk des I)r. Barzilai hat sich auch nach einer Mitthcilung der „Opinione“ der berühmte Dichter Viktor Hugo in einem Billet an den Verf. sehr enthusiastisch ausgesprochen „Sie haben, schreibt er, ein edles und schönes Werk vollendet — Sie sind ein Anführer im großen Heere der Geister, Sie haben eine Mission desLichts in ihrem edlen Vatcrlande, ich fühle mich als ihren Landsmann und Mitbrnder—Ihre Utbcrsctznng ist ein Monnment, welches i

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