Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 9 (2.5.1867)
- Date
- 1867-05-02
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Aber die laute und öffentliche Rezitation bleibt immer die Hauptsache, das leise Mitmurmcln. welches der Gencralkadisch bedingt, hat gar keinen Sinn. Wenn das für sich Beten genügen würde, dann wäre ja die Kreirnng des Kadisdigcbctljc« völlig überflüßig, beten doch alle, wenn sie in der Synagoge sind, in der Regel das allgemeine Gebeth ja ohnehin mit. Wir haben noch einen 3. Punkt zu berühren, der die geistlichen Leiter der Bethäuser selbst betrifft. Während nämlich die alten Rabbiner ihre Vorträge mit dem hoffnungsreichen und gläubigen bxu px*? «ai schloßen, krönen die jüdischen Kanzclrcdner der Gegenwart ihre oratorischen Gebäude mit den Worten d es Priestersegens. Es ist dies den christlichen ^Predigern entlehnt, aber wenn diese cs auch ganz konsequent als Priester der Kirche anwenden, so kommt cs unseres Erachtens keineswegs jüdischen Rabbinern oder Predigern zu, den Segen, der bloß den Ahroniden zu sprechen vorgeschricben wurde, zu usurpiren. Unsere Rabbiner sind durchaus nicht Stellvertreter des Priestergeschlechts, ihnen wohnt, wie bekannt, kein sakramentaler Charakter inne, sie sind bloß Lehrer und Ermahncr, und es stehen ihnen keine der Funktionen zu, die den legitimen Priestern zugetheilt wurden. Ja streng genommen, ist nach dem Talmud, die Anmaßung eines Nichtpricsters, diesen Segen crtheilcn zu wollen, sogar Ucbcrtrctnng eines göttlichen Geboths (* 24 b. nwi/is an .w nc-’in “na c'aa. ES sind dies Bedenken, die die immer größere Dimensionen einnehmende, immer mehr sich verallgemeinernde Neugcstaltung unserer Gotteshäuser und ihrer Einrichtungen nach gewissem Muster, in uns wach gerufen, wir haben bei alledem nicht die Prätension, die hier ausgestellten Ansichten als maßgebend zu betrachten, wollen vielmehr den Gegenstand nur in Anregung bringen und der Erwägung von Fachkundigen angelegentlich empfehlen. Simon Hock. Etwas über die zwei berühmten polnischen Gelehrtenfamilien. deren Mitglieder meistens den vulgären Namen Hcschel führten. von David Holub. Zwei berühmte polnische Gelehrtenfamilien, ans denen ganze Reihen von Rabbincn und Talmudgclehrtcn hervorgingen, florirte im 17. und 18. Jahrhundert, die zufälliger Weise meistens den Namen Heschcl führten, und die größten Rabbinatsstühle in Polen und Deutschland bekleideten. Da man aber, thcils ihres glcichführcndcn Namens wegen, theils da sie zufällig in einem und demselben Orte nach einander als Rabbiner snngirtcn, nicht selten den Einen als Glied in die genealogische Kette des Andern setzte, und in Folge dessen oft zu falschen Angaben verleitet wurde; so glauben wir vorzüglich den jüdischen Literatnrfreunden einen we¬ *) Daß der ‘""i im Talmudtraktat rer 118 b.TosePhoth Schlagw. ib'S nicht begreifen kann, was an solcher Handlung Unerlaubtes sei, weil, wie schon Jsserls bemerkt, ihm jene oberwähnte Talmudstelle vielleicht entgangen sein mag, kann das Verfahren doch Wohl nicht rechtfertigen. Auch der Umstand der a'üna 7^2 von den Ahroniden gesprochen werden muß, die Kanzel aber sich der Volkssprache dazu bediente wird doch wohl bei Männern des Fortschritts die mehr auf den Ge st als auf den Buchstaben sehen, den Kern der Sache nicht alteriren. Denn das Wesentliche bleibt immer das von heiliger Stätte aus, die den Ahroniden vorgeschriebenen Formeln, mit der Absicht der Versammlung den Segen zu ertheilen, gesprochen werden, und das reicht wohl hin sich jene Uebertretnng TZZ n.S sn;n IT schuldig zu machen. sentlichen Dienst geleistet zu haben, wenn wir von diesen beiden Häusern ein genealogisches Verzeichniß liefern. Der Ahn des einen Hauses war: R. Hcschel Rab. zu Krakau und Nachfolger des im Jahre 1633 verstorbenen und in der kabbalistisch - literarischen Welt berühmten Natan Nata Spira, Urgroßvater des Jon. Eibenschütz und Verfasser des Werkes Megalleb Amukot, von dem folgende Sage coursirt: Als dieser (Spira) bereits das hohe Greisenalter erreicht hatte, und schon nahe dem Tode war, gerieth die Krakauer Gemeinde in eine große Verlegenheit; denn sie wussten eigentlich nicht, wen sie als würdigen Nachfolger dieses Nestors wählen möchten. Sie kamen überein sich an ihr religiöses Oberhaupt selbst zu verwenden. Dieser ohne sich lange zu bedenken, crw.iedcrte ihnen lakonisch folgenden Vers: riiff mn by c£? leiy, dessen Anfangsbuchstaben der vier ersten Worte Stpyn, so wie die Buchstaben der zwei letzteren den Zahlenwert xpj? (Krakau) geben. Es wurde also auf Vorschlag ihres Rabbi der oben genannte Hcschel zu ihrem Rab. gewählt. Seine Nachkommen in männlicher Linie waren: 1. Sein Sohn R. Jakob Rabbiner in Lublin Lehrer und seinsollendcr Schwiegervater unseres Jakob Wilna. 2. R. Jehoschna Hcschel b. Jakob, Sohn des vorhcrgenannten R. Jakob Lublin, war Rabb. in Lublin, Brzese und Krakau und Nachfolger seines Namensgefährten N. Hcschel b. Josef I in welchem letztgenannten Orte er das Nabbinat um 16632) (Zem. David I 34 a) noch bekleidete. Er verfasste mehrere geschätzte Novella's zu einigen talmndifchcn Traktaten, einen Komm, über den zu den Traktaten der drei Baba'S, mehrere G. A., die in verschiedenen Werken, wie in NB'vx mey und .N-,na c*jiiu n'nv' abgedruckt sind, wie auch Koinmcntationcn über R. E. Eboseben Nlsebpat und Novella's über die N. Codices, welche beide noch handschriftlich (Cod. Op. e. 79. Cod. Mich.) epistircn. 3. Sein Sohn Saul b. Hcschel, dessen G. A. in den sich finden, war ebenfalls R. in Krakau. 4. R. Löw b. Saul Sohn des vorhergcnanntcn und Schwiegersohn des Zcbi Aschkcnasi und mithin ein Schwager des Jakob Emden, war zuerst Rabb. in Glogan, dann Lemberg und erlangte hernach den Rabbinatspostcn zuAmstcrdauD) den erst sein Schwiegervater bekleidet hatte. Dieser hatte 2 Söhne, von denen der eine Saul b. Löw hieß und ebenfalls das Nabbinat zu Amsterdam einnahm und Vers, des Sx'ix pa das theils Novella's zum Pent. und Novella's zu mehreren talmudischen Traktaten enthält. Asnlai lernte ihn bei seiner zweiten Ankunft nach Amsterdam im Jahre 1778 kennen, (.2 fiaiytt x"n D'öanf? njn) Der andere Z. Hirsch auch vulgo Hirsche! — Löbl genannt, wurde früh. Rabbiner in London und kam 1772 nach Berlin wo er 1800 starb. Er nahm Theil an der Eibenschützsche Fehde und wollte ebenso Wessely verfolgen, hätte es Mendelssohn nicht verhindert (Bergt. Fürst B. I. l. p.) Er schrieb Glossen zu seines Onkels Emden Abot Komm, on^ wie auch nnj? ana» Beglaubigungsschreiben, daß die Gutachtensammlung n. d. T. L'rr^a wirtlich von Ascher;< ') Vci Gelegenheit wird bemerkt, daß in unserem Aufsätze in Nr. 18 Seite 141 d. Bl. in der Note 2 statt „Vorgänger" — „Nachfolger" heißen soll. 9 Fälschlich ist Fürsts Angabe in seiner Note zu „Hcschel b. Jakob" (Bibl. Jnd. I. S. 388) daß Genannter nach dem Tode Natan Spiras d. h. im I. 1633 Rabb. zu Krakau wurde; da wir aus Z.D. I. p. 34 ersehen, daß oben genannter noch um '("an — 1663 Rabb. in Krakan war. Und der Nachfolger des erwähnten Natan Spira konntekein anderer gewesen sein, als dessen Großvater He-chel, der wie bereits oben erwähnt nach Spirä's Tode (1633) tii das Rabb inat folgte. Nach ihm nahm R. Hcschel b. Josef den RabbinatSposten daselbst ein, der 1648 daselbst starb, und erst nach diesem kam unser Hcschel b. Jakob in das Nabbinat, der wie gemeldet noch 1663 dort als Rabb. fnngirte. 9 Er war nicht Rabb. in Krakau wie vr. Fürst in (Bibl. Jnd. Art. Hcschel angibt; sondern in den oben genannten Orten wie sie uns David Meldola in TH der auch ein Schüler des oben gedachten N. Löb gewesen war, angibt. 9*