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Das Abendland · 1867-04-18 · 8 (18.4.1867) · p. Seite 63

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
8 (18.4.1867)
Date
1867-04-18
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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63 Worte des Abschieds. Der Herr Vorsteher der Beerdigungsbrüderschaft schilderte nach vollzogener mna das Leben und Wirken des Verblichenen, und beklagte den schweren Verlust den unsere Gemeinde durch dessen Tod erleidet. Bei dieser Ansprache blieb kein Auge trocken. Der Gemcindevorstand fasste den Beschluß, den Sterbetag des sel: Kreisrabbiners — W ms 22"2 — alljährlich nach religiösem Brauche zu feiern. P. Ungarn. Der Staatssekretär im ungarischen Cultusministerium, Gedeon Tarnaky hat einer israelitischen Abordnung eröffnet, daß die Sonderstellung der Juden in Ungarn bald möglichst aufgehoben, und ein Jsraelite als Referent für die kirchlichen Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen angestellt werden solle. Auch die Interessen des israel: Tchulfonds in Ungarn sehen einer Reglung nach den Grundsätzen der konfessionellen Autonomie entgegen, worüber eine Versammlung jüdischer Rotabeln gehört werden soll. Lemberg. Am 3. d. M. starb hier vr. Adam Barach- Rappoport, eine als Mensch, Bürger Arzt und Schriftsteller hochgeachtete Persönlichkeit — seine Frau ist die Tochter des renomirten Arztes vr. Rappoport, eines nahen Verwandten des berühmten Präger Oberrabbiners. — Einer seiner Söhne ist Professor an der Wiener philososischen Fakultät, eine Tochter ist an den Professor der Physiologie zu Ollmütz, vr. Ludwig Jeiteles verheirathet. Sein einziger jüngerer Bruder ist der bekannte unter dem Namen vr. Märzroth schreibende Schriftsteller. — Leipzig Ein neues Apokryph — aus einem Palimpfeft der Ambrossiana in Mailand — eine neue Apokalypse. „Die Prophetic und Himmelfahrt Mosis"—ist kürzlich entdeckt worden. Die auch für das neue Testament wichtige Urkunde wurde jüngst in Zürich von dem Theologen Volkmar vorgetragen, und soll einen ergreifenden Eindruck auf die Hörer gemacht haben. Es sei, wird geschrieben, ein wahrhaft großartiges Denkmal aus längst vergangener Zeit. Frankfurt a. M. 6. April: Am gestrigen Abende hielt vr. Michael Bernays ans Bonn den letzten der von der hiesigen Musäumsgesellschaft veranlassten wissenschaftlichen Vorträge. Er sprach über die Epochen der Göthe'schen Lyrik und fesselte die zahlreiche Zuhörerschaft sowohl durch die lichtvolle Weise, in welcher er die einzelnen Epochen charaktresirte wie auch durch den meisterhaften Vortrag einer Anzahl von Gedichten. Hamburg, vr. Herrmann Schiff, bekannter Novellist, Verfasser von „Schief- Levinche" und ähnlicher satirischer Judaica starb hier am 1. April 67 Jahre alt. Et. Gallen. Bekanntlich wollte unsere Regierung das nach jüdischem Gesetze vorgeschriebene rituelle Schlachten des Viehes wegen Thierquälcrei nicht gestatten. Auf Grund der von dem hiesigen Rabbiner vr. Engelbert und dem Rabbiner vr. Kayserling in Lengnau beigebrachten Gutachten von berühmten Autoritäten auf dem Gebiethe der Veterinärkunde, welche gerade die jüdische Art zu schlachten als die am wenigsten thierquälerische erklären, wurde das bezügliche Verboth von der Regierung wieder zürückgenommen. Paris. Das israelitische Wohlthätigkeitskomite hat von mehreren Individuen zu wohlthätigen Zwecken 4100 Frks erhalten, und mehr als 2000 Frks wurden zur Unterstützung der Armen in Jerusalem abgeschickt. — Es muß bemerkt werden, daß hier ebenso wie in London keine Zwangssteuer für den Cultus eingeführt.— Alles was die jüdischen Commune braucht, wird durch freiwillige Beiträge gedeckt, und doch stehen alle öffentlichen Institute in der schönsten Blüthe. ,* Am 3. März verstarb hier der berühmte Advokat Earl Narciß Oulif, Professor an der juridischen Fakultät zu Metz, früher Advokat in Metz und in Brüffel. — Dieser unser hochgestellte Glaubensgenosse war Ritter der Ehrenlegion und des belgischen Lcopoldordens. London. So eben ist ein Katalog der im britischen Musäum vorhandenen Bücker und Manuskripte erschienen, der nahezu, 900 Druckseiten füllt. Bearbeiter desselben ist der Oberbibliothekar I. Winter Jones. — Holland. In Holland sind gegen 100000 Juden, ungefähr ein Drittel derselben wohnt in Amsterdam. * In der Walworthstrasse im südlichen Theile Londons ist vorletzten Sonntag eine neue Synagoge eröffnet worden. Rußland. In Rußland sind während des verflossenen Jahres 25194 römische Katholiken, 9 Protestanten, 36 Israeliten und 2 Muselmänner zur Staatskirche übergetreten. Petersburg. Herr Aron Kaufmann Israelit, wurde unlängst vom russischen Marine- Ministerium zum Generalintendanten der Schiffswerften ernannt. — Er hatte ein Mittel gefunden zur Vertilgung der Insekten in den Schiffen und zur Wahrung des Schiffsholzes vor Fäulniß. — Er hat die Resultate seiner Erfahrungen in einem Werke veröffentlicht, das auf Kosten der russischen Regierung gedruckt wurde. — In Anerkennung dieser Leistung hat ihm die Universität zu Rostock das Doktordiplom zugeschickt. — New - Hork. Wie in den meisten größern Gemeinden Europa's wurde auch hier von der Kanzel herab durch die Prediger Rev. vr. Bondi und vr. Hübsch das Gedächtniß Munk's gefeiert. Der „vebre^ veader" brachte den Nekrolog Mnnk's, vom Redakteur des „Abendland" in äußerst gelungener englischer Uebersetzung. Rev: vr. A. Günzburg hielt in seiner Synagoge zur Rochestcr eine treffliche, in dem vorgenannten amerikanischen Blatte abgedruckte Predigt, worin er zur Unterstützung der durch den letzten Krieg in das äußerste Elend gerathene Bewohner des Südens ausfordert.— Jerusalem. Unser Glaubensgenosse Josef Plattner wurde zum provisorischen Kousul des Königs von Griechenland in hiesiger Stadt ernannt. — Aeber die Magie bei den Älten. von Rabbiner Dr. Samuel Mühsam. (Fortsetzung) Die griechischen und römischen Nachrichten bestätigen zur Genüge, daß Egypten sich in der Magie hcrvorthat und in keiner Weise von den persischen oder chaldäischen Magiern zurückstand.1) In einer Stelle des Homer (odyss IV) heißt cs, daß Proteus, der zur Zeit des trojanischen Krieges zu Memphis regierte und der Magie Vorschub leistete, so großes Ansehen genoß, daß Menelauö sich an ihn wendet, um die Mittel von ihm zu erfahren, kraft deren er den Zauber, der ihn mit seinem Schiffe au die Insel Pharos bannte, lösen könnte. Auch Diodor erzählt, daß der Zaubertrank, den Polydama, die Gattin des Thomis, bereitet hatte, und welchen Helena (nach Homer) den Telemaque trinken ließ, um ihn das Vergangene vergessen zu machen, noch zu seiner Zeit unter den Frauen seines Landes in Anwendung käme, um eine trübe Erinnerung aus dem Gedächtnisse zu bannen. Ferner sagt auch Cicero (de divin I) eandem etiam artem Aegyptii longinquitate temporum innume-rabilibus pene seculis consecuti putantur. Das sprechendste Zeugniß von dem Renome der egyptischen Magier liefert, wohl die Thatsache, daß noch heutigen Tages ein hernmziehendes, mit Taschenspielerei sich abgebendes Zigeunerweib im Französischen sowohl, als auch im Englischen „Egyptierin" genannt wird: Egyptienne— Gypsy. Die Bibel nennt die egyptischen Magier mit den technischen Ausdrücken der „Weisen," „Zauberer" oder „Chartumim, die Ä)irksamkeit derselben datirt aus der ältesten Zeit, denn schon um die Zeit Josephs läßt sie Pharao alle ') Egypten hat zu allen Zeiten einen großen Hang für das Orakelwesen verrathen; das beweisen die mannigfachen ausländischen Orakelfoemen. die sehr rasch in Egypten heimisch geworden; kaum war beispielsweise die römische Sage von der weissagenden Sibylle entstanden, als sie in Egypten auch schon en vogue war. (Vergl. Meine „Jüdische Sibylle" Wien 1864.)

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