Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 8 (18.4.1867)
- Date
- 1867-04-18
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 2× ep/1024888
- Rashi 1× ep/1002670
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64 zusammcuberufeu, um seinen Traum deuten zu lassen. Auch scheint cs, daß sie allgemein gekannt und sehr ausgebeeitet gewesen seien, da man sie sofort finden konnte, wenn man eine Aufklärung ihrerseits bedurfte. Das Wort „Chartumim," das unstreitig die egyptischen Magier bezeichnet, wird von den Commentatoren verschieden gedeutet. Raschi versteht darunter Wahrsagen aus Todtenknochen (vom aram. time Knochen); Rdak und Aben Esra erklären sie als solche, die den Ursprung der Dinge kennen und die Zukunft enthüllen. Nach Philippson soll das Wort als ein hebräisches, dem egyptischen nachgebildetes angesehen werden, und diejenige Abthcilung der egyptischen Priester bezeichnen, die sich mit der Abfassung und Auslegung der Hieroglyphcnschrift beschäftigt, ohne jedoch hieraus beschränkt zu sein. Gewöhnlich wird das Wort Chartumim von der hebräischen Wurzel elleretll abgeleitet, welches ein Werkzeug zum Schreiben oder zum Grabeu, Griffel und Grabstichel, bezeichnet— und diese Ableitung hat für sich die Wahrscheinlichkeit, daß die alten Magier als Auszeichnung irgend einen Stab oder ein dem Schreib- oder Grabstichel ähnliches Ding in der Hand getragen. So berichtet z. B. Cicero, daß die römischen Auguren, zur Zeit des Romulus, theils um sich von andern kenntlich zu macheu, theils zur Auszeichnung, eine besondere Gattung Stäbe in der Hand gehalten, die man Lituus nannte. Es war ein dünner nach einem Ende etwas gekrümmter Stab. Da man mit Sicherheit annehmen kann, daß Romulus nicht grade der Erfinder dieser Auszeichnung gewesen, so läßt sich vermuthen, daß wie die Auguren, so die egyptischen Magier einen ähnlichen Stab trugen und deshalb von der Bibel Chartumim genannt werden. Strabo bestätigt diese Vermuthung, indem er ausdrücklich sagt, daß die persischen Magier während ihrer Amtsverrichtungen, „beim geheiligten Feuer" Ruthen oder Stäbe in der Hand hielten. Wahrscheinlich wird nun dieser Gebrauch von allen, die sich mit Magic abgaben, angenommen worden sein'), und man wird unter Chartumim all diejenigen verstehen können, die der Magie im weitesten Sinne oblagen. Man darf eben nicht vergessen, daß der Magierordcn nicht bloß Zauberei und Wahrsagerei trieb, sondern daß ihm in erster Reihe die Förderung der Wissenschaft und die Besorgung des Cultus oblag. Zweifels ohne haben die egyptischen Magier sich viel mit natürlichen Erfindungen abgegeben, Eichhorn behauptet sogar, daß unter Chartumim ein Orden für Forscher in der Naturkunde zu verstehen sei; auch aus den wenigen Andeutungen, die die Bibel über sie giebt, sowie aus dem Umstande, daß sie anderswo „Weisen" genannt werden, läßt sich annehmen, daß sie befähigte und tüchtige Männer waren, und auch Cicero^) nennt ssie „rerum divinarum humanarumquei perid.“ Wahrscheinlich werden auch die Ha-rofim, die Joseph zur Einbalsamirung der Leiche seines Vaters bestellt, der Magierkaste angehört haben. Die Männer, welche der egyptische König dem Moses und Aron gegenüberstelltc, sollen Jannes und Jambres geheißen und in Aegypten dasselbe Amt bekleidet haben, das Daniel in Chaldäa, die Bibel nennt diese Namen nicht, sie werden erwähnt vom Targum Jonathan, zu 2 M. 7, 11, kommen auch 2 Tim. 3, 8 vor u. auch Plinius^) und Apulejus erwähnen sie; letzterer nennt auch Moses neben Jannes als Magier. Was nun das vorher erwähnte Eingreifen der egyptischen Magie in die Vorgeschichte des israelitischen Volkes anlangt, so kann wohl kaum angczweisclt werden, daß das Verhältniß, in welchem Israel zu den Egypticrn und später zu andern Völkern stand, dieselben moralischen Schäden in Israel erzeugt, deren sich auch jedes andere Volk unter gleichen Voraussetzungen nicht hätte entschlagen können. So sehr auch die gottbegeisterten Männer, die an der Spitze Israels standen, •) Der Talmud sagt es ausdrücklich (Lanbedrm 67) *) de divin 1. II. s) historia natur. 30, 1. gegen die Unsitten und Vorurtheilc heidnischer Völker ankämpftcn, es war rein unmöglich, Israel dem Einflüsse des Zeitgeistes zu entreißen. Ist ja das eben ein Charaktcristikon Israels, daß cs zu allen Zeiten mehr oder weniger die Eigenthümlichkeiten des Volkes annimmt, mit und unter dem es lebt, und, einer geschmeidigen Masse gleich, der unwiderstehlichen Macht nachgiebt, mit der der Geist der Zeit auf die Menschheit seinen Druck ausübt. Was Israel durch die Berührung mit den Heiden davongetragen, wer möchte cs glauben, daß davon noch heutigen Ta-ges in erklecklicher Menge in Israel lebt und webt, und daß aus gar manchem „Minhag," so sehr ihn auch eine skrupulöse Pietät als „uralten Brauch in Israel" beschönigt, ein heidnisches Vorurtheil hervorglotzt! — Gewiß gehört die Kunst der Magie, der sich Israel im Alterthum ebenfalls näherte, zu den anrüchigsten, ausländischen Giftpflanzen, die, diesmal nur durch kurze Zeitperioden, in jüdischem Boden Nahrung gefunden. Es gab eine Zeit/) wo von Seiten eines jüdischen Königs eine förmliche Hetzjagd auf die vielen Magier des Landes angeordnet werden mußte; eine andere Zeit/) wo selbst ein jüdischer König „seinen Sohn durchs Feuer führt und Magie treibt" in optima forma; eine dritte Zeit, wo ein gottbegcisterter Prophet die Zukunft Israels mit den Worten schildert: „Zauberer werden ausgerottet sein und Zeichendeuter nicht gefunden werden in der Mitte Israels."^) Die Schrift verbietet die Zauberei etc. zu wiederholten Malen, und kurz vor dem Einzüge Israels in das gelobte Land faßt sic alle Warnungen hierüber nochmals zusammen und legt dem Volke Israel ein Gesetz vor, das die Magie in allen ihren Theilen verdammt/) Zugleich lehrt uns dieses Gesetz, daß auch Palästina eine Pflanzstätte der Magie gewesen sein müsse und das in der weitesten Bedeutung des Wortes, denn die Schrift macht hierbei nicht weniger als acht Arten und Abarten der Magie namhaft, die sonst nur einzeln und zerstreut erwähnt werden. Die bezügliche Stelle ist enthalten im 5. Buche Moses, Kapitel 18, Vers IO u. 11 und heißt: „Es soll nicht gesunden werden unter dir,— der Wahrsagerei, Tagwählerei, Zeicheudeuterei oder Zauberei treibt; oder Beschwörer, Geistesbanner, Weissager oder Todtenbeschwörcr." (Fortsetzung folgt.) ') Der Talmud erzählt, daß auch Simon ben Setach 80 Zauberinnen in Askalon hinrichten ließ. a) „Die Töchter Israels räuchern der Zauberei wegen." (Beraclioth 53). 3) Der Prophet Elijahu betet zweimal „erhöre mich!" Das zweite bezieht sich auf die Bitte, daß man ihn nicht für einen Zaubererhalten möge, (ibid 6.) 4) Die Schrift setzt Todesstrafe auf die Magie; dasselbe haben die Iege8 duodecim tabularum der Römer gethan, und auch Plato spricht im 11. Buche „de legibus" dem Zauberer den Tod zu. Lokal - Veränderung. Der Gefertigte bringt hiemit zur Anzeige, daß er vom 8. Mai d. I. an in der breiten Gaffe Nro. 108—V. 1. Stock seine Wohnung haben wird, wohin er gleichzeitig seine Geschäftslokalität, sowie die Redaktion und Administration des „Abendland" verlegt. Von dem genannten Zeitpunkte an find alle Briefschaften dahin zu adreffiren. D. Ehrmann Buchhändler und Redakteur des „Abendland." Druck von Senders & Brandris in Prag.