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Das Abendland · 1867-04-18 · 8 (18.4.1867) · p. Seite 60

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
8 (18.4.1867)
Date
1867-04-18
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 Gegenstand aber, der so eben geprüft ward, und bei welchem, dieser Zwischenfall sich ereignete, war — die Religion. Memorabilien der Prager Iudenschast Von Leopold Wolf in Prag. III. Der Judengarten auf der Neustadt Prags. Zur Zeit der Regierung des Kaisers Karl IV. waren die bisherigen Altstadt und Kleinseite nebst dem Hradschin und Wyschchrad nicht mehr hinlänglich um die Menge der stets sich mehrenden Ansiedler aufnehmen zu können. Prag war damals nicht nur die volkreichste Stadt in ganz Deutschland, sondern auch des kaiserlichen Hofes wegen zugleich der Sammelplatz der Künste und Wissenschaften. Karl führte einen doppelten Hofstaat, einen als deutscher Kaiser und einen zweiten als böhmischer König. Durch die Anwesenheit des Monarchen, eines zahlreichen in- und ausländischen Adels und hoher kirchlicher Würdenträger herrschte natürlich damals in Prag ein reges Leben, das durch die zahlreichen Besuche fremder Herrscher wie des Königs von Dänemark, des Königs von Polen, der Herzoge von Liegnitz, Oppeln, Sagan, Troppau, Baiern, Stettin, Braunschweig, Mecklenburg, des Churfürstcn von Brandenburg, des Burggrafen von Nürnberg, des päpstlichen Legaten, der Bischöfe von Paris, Strassburg und Metz u. s. w., der Gesandten der Könige von England und Frankreich, des Herzogs von Burgund, und durch die Repräsentanten der zahlreichen größern Städte des deutschen Reiches nur noch mehr an Aufschwung gewann. Dazu kam noch die Stiftung der Prager Universität. Es strömten aus allen Gegenden, aus England, Frankreich, der Lombardei, aus Ungarn und Polen und ans benachbarten Ländern Studenten herbei, Söhne von Edlen und Fürsten, studierten und hielten sich hier auf. Die ausländischen Kaufleute schickten viele Maaren in diese Residenz, und ließen sie durch ihre Söhne entweder verkaufen, oder gegen andere Maaren Umtauschen. Hammerschmied (in seinem Uroäromus g1oria6 Pragenae) gibt an: für eine kleine enge Kammer habe man damals monatlich einen Dukaten Zins geben und für eine erträglichere Studenten — oder Kaufmannswobnung jährlich hundert Dukaten zahlen müssen. Der Handel blühte in Prag auf seltene Art und eine natürliche Folge davon war die Einwanderung zahlreicher Juden. Wiewohl in Dcutschlaud den Juden nichts weniger als hold, suchte Karl IV. sie doch für Prag zu gewinnen, wohl wissend, daß sie die besten Vermittler eines regen Geschäftverkehrs, dessen Emporkommen er sich besonders angelegen sein ließ, sein können. Aus Nürnberg, Speier, Worms und Nassau, wo sie es als kaiserliche Kammerknechte gar nicht gut hatten, kamen sie, um sich ihre Lage unter königlichem Schutze zu verbessern. Durch ein Diplom, ausgestellt in der Burg Pürglitz den 1. April 1347 gab nun Karl IV. den Entschluß zu erkennen, die Neustadt anzulegen, „da Unsere Königliche Würde stattlich ihr Gemüth darauf wendet und kehret, daß Unsere Lande und Leute, Christen und Inden, die Uns unterthan sind in Gemach und Frieden, in Zunehmung und Mehrung der Güter stetiglich bleiben." Indem lateinischen Stiftnngsbriefe der Neustadt, welchen der Kaiser am 2. März 1348 ausfertigte, heißt es fernerhin unter anderem „Freiheiten, Vorrechten, Begnadigungen, Gesetzen, Gewohnheiten und Würden, die der Neustadt zugestanden wären" letzteres erlauben Wir, daß die Juden in eben der neuen Stadt für sich Wohnungen bauen mögen, und nehmen sie daher in Unser n kön i gl i ch en Schutz. Karl ertheilte noch am nämlichen Tage für die neuen Einwohner einen Gnadenbrief, worin er sie, Christen und Juden auf zwölf Jahre von allen Stenern und Abgaben freisprach. Die Hauptansiedlung der Juden auf der N e n st a d t w a r am sogenannten Judengarten (der heutigen Sonnengasse) und nicht nur die lebenden Juden wohnten hier, sondern cs war da auch die letzte Ruhestätte der Verstorbenen. Es erhellt dieß dokumentarisch aus folgendem Factum. — Im Jahre 1680 wüthete in diesem Stadttheile die Pest. — Es starben täglich 40 bis 60 Menschen und alle Kirchhöfe waren so überfüllt, daß der Nenstädter Magistrat einen Garten (zu Wolschan) ankaufen und ihn zum Kirchhofe weihen lassen mußte. — In manchen Gassen blieb kein Mensch übrig, und der Magistrat klagte, wie Schottky berichtet: „Die Juden ließen ihre an der Pest gestorbenen Todten auf dem Kirchhofe (am Judengarten) oft unbeerdigt liegen oder brächten sie gar nicht tief in die Erde. — Im Jahre 1410 unterm 13. November bestättigte König Wenzel IV. den Prager Inden den Besitz ihres Neustädter Friedhofes— also des Jndengartcns (Pelzel. Leben Wenzels. S. 576.) Hingegen befindet sich nach dem letopis öesky(245—246) in den altböhmischen Annalen eine Tradition, vermöge welcher Premysl OttokarII. im Jahre 1254 den Judengarten mit Israeliten bevölkert haben soll — wie denn im Jahre 1488 König Wladislaw II. zufolge derselben Annalen dieser Ansiedlung wieder ein Ende gemacht hätte. — Die betreffende cechische Originalstelle lautet in freier deutscher Uebersetzung wie folgt: „Als der König Wladislaw mit seinem Rathe und seinem Gefolge ins Nenstädter Rathhaus ritt, um dort zu Gericht zu sitzen, hielt er dort an, und überlegte, ob er diesen Jndengarten oder Friedhof (tu zahradu zidovskou neb hrbitov) vernichten, umwandeln, damit die Neustadt vergrößern, und auf diesen Platz Häuser bauen können, damit sich hier Leute ansiedeln und der Gemeinde Steuer zahlen. — Deßhalb berief er die Judenältesten zu sich, und Seine Majestät hatte mit ihnen darüber öftere Unterredungen bis sie seiner Majestät die Einwilligung dazu ertheilten. Und auf diesem Platze ließ Seine Majestät den Judengarten ansiedeln und derselbe sollte nach nun die Wladislawische Gasse heißen, damit sie bei den Leuten in Ansehen komme trotz der großen Unreinigkeit, die hier herrschte. Und wirklich waren in kurzer Zeit hier schöne und theuere Wohnhäuser aufgebaut und man dankte Gott, der einen solchen guten Richter und König gegeben habe. Jedenfalls verdient erstere Mittheilung mehr Glaubwürdigkeit, denn der Name „Judengarten" erhielt sich bis in die Neuzeit, während wir von einer Wladislawischcn Gasse gar nichts wissen. IV. Ein Brief Kaiser Ferdinands I. Unter den böhmischen Landesregenten gab eS zu verschiedenen Zeiten, bald den einen bald den andern, die den Juden nicht wohl wollten, und es kam öfters vor, daß der Plan gefaßt wurde dieselben nicht nur aus Prag, sondern auch aus dem ganzen Königreiche zu vertreiben. — Auch Ferdinand I. gehörte zu denen, dem eben nicht allzugroße Sympathie für seine jüdische Unterthancn nachgerühmt werden können. Derselbe traf im Jahre 1560 die ernstlichsten Maßregeln, die böhmischen Juden des Landes^ zu verweisen, und nur auf die dringenden Bitten seiner '-Böhne der Erzherzoge Carl und Ferdinand so wie namentlich des Königs Maxmilians und seiner Gemahlin ließ sich der Kaffer bewegen den Auswanderungsbefehl auf kurze Zeit zurückzunehmen. Schottky citirt ein Schreiben des Kaisers an seinen Sohn Erzherzog Ferdinand vom 13. März 1560, das für die Geschichte der Prager Juden ein beachten sw erth es Aktenstück ist, und das ich hier mit Bezugnahme auf meine dießbezügliche Bemerkung in Nro. 7

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