Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 7 (4.4.1867)
- Date
- 1867-04-04
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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Körperschaft stehen sie bei den Königen in hohem Ansehen und sind nicht ohne bedeutenden Einfluß auf die politischen Verhältnisse des Staates; im Kriege ist der Oberste der Magier der stete Begleiter des Königs und seine Rathschläge werden als Entscheidungen der Götter ausgenommen und befolgt, eine Thatsache, die der Prophet Jeremias (39, 3) auch beim chaldäischen Kriegsheere erwähnt, indem er einen Rab-Mag, einen Obermagier, in dem Gefolge des Königs von Babylon nennt. Plato nennt die persischen Magier die besten Hofmeister der persischen Könige. Von diesen alten persischen Magiern sollen noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Ueberbleibsel gefunden worden sein, die sich Parsis oder (Uiedres nennen?) In Hindustan ansäßig, sind sie sanfter und gutmüthiger, als andere indische Nationen und leben abgeschieden sowohl von den anderen Völker, als unter einander; selbst den Gottesdienst verrichten sie nicht an öffentlichen Orten, sondern jeder in seiner Behausung. Nichts ist ihnen heiliger, als das Feuer, das sie auch beständig unterhalten und deßhalb niemals ein Licht auslöschen. Es erinnert dieß an die alten Römer, welche das Feuer das in dem Tempel der Göttin Vesta ewig unterhalten werden musste, für heilig hielten und die virZiues Vestales, die sechs zur Bewachung des Feuers bestimmten Jungfrauen, mit Gcißelhieben züchtigten, wenn diese das Feuer je auslöschen ließen. Aehnlich war es bei den alten Magiern, mit dem Unterschiede, daß diese das Feuer auch anbcteten, wie denn das Wort „Magier," das der altpersischen Sprache angehört, und von ihr aus die Griechen und Römer und von diesen auf uns übergegangen ist, ursprünglich nur einen Feuer- Anbeter, später erst einen weisen und gelehrten und endlich einen weissagenden Mann bezeichnet. Jene Parsis oder Ghebres, die man ihren eignen Aussagen und den Urkunden nach, die man bei ihnen vorfand, wirklich als Nachkommen der altpersischen Magier soll betrachten dürfen, beten indessen das Feuer nicht an, verehren vielmehr einen Gott, dem sic als dem alleinigen Erhalter der Welt Macht und Weisheit zuschreiben. Eigenthümlich bleibt es, daß sie sich diesen Gott als einen Herrscher denken, dem sieben Minister zur Seite stehen und denen ebenfalls Ehrfurcht gebührt; ihre Todten beerdigen sie nicht, sondern legen sie auf Gitter, die sie über den Gräbern errichten, und lassen sie «von den Vögeln etc. verzehren. Die Formen, in chenen die Kunst der Magier im Altcrthume sich bewegt, sind mannigfacher Natur, tragen aber den gemeinsamen Charakter, daß sie sich sämmtlich mit der Entzifferung der Räthsel abgeben, in denen die Zukunft an den Uneingeweihten herantritt. Zumeist wird den Magiern die Kunst vindizirt, Träume und gegebene Zeichen, besonders Himmelszeichen, zu deuten, Verstorbene aus den Gräbern hervorzurufen, Schlangen und andere gefährliche Thiere zu bannen, und die Offenbarungen der Götter als Quelle für Weissagungen benützen zu können. Bei der unersättlichen Begierde der Alten, die Zukunft zu enthüllen, war es natürlich, daß die Magie überall Anhänger und Vertheidiger gehabt, und zur Schande der Menschheit gesagt, oftmals den Sieg über die gesunde Vernunft davongetragen?) Die älteste Form, in der die Magie auftritt, ist die der Astrologie oder der Kunst, aus den Sternen die Zukunft zu prophezeien; sie war auch die am meisten verbreitete. Daß die Heiden die Planeten nach ihren Gottheiten nannten, kam den Magiern, die sich bekanntermaßen vielfach mit der Astronomie beschäftigten, zu gute, indem sie jedem Planeten den Einfluß jener Gottheit zuschreiben konnten, deren Namen er trug, eine Machination, die zu nichts Geringerem führte, als daß ein ') Bergt. Unzer „Sammlung kleiner Schriften" S. 61. *) Charakteristisch ist es, daß Apulejus, der bekannte Verfasser des von Herder so gepriesenen Romans „der Goldene Esel," als er nämlich angeklagt wurde, eine reiche Wittwe durch Zauberei an sich gebracht zu haben, in seiner geistreichen Vertheidigungsschrift „Apologia" nur den Vorwurf von sich zu wälzen sucht, ohne die Möglichkeit einer solchen Zauberei auch nur mit einem Worte in Abrede zu stellen. und derselbe Stern bei dem einen Volke nach dieser Richtung hin, und bei dem andern Volke, welches denselben ^>tern nach einer andern Gottheit nannte, vielleicht grade nach der conträren Richtung das Schicksal der Menschen beeinflussen durfte. Die Worte Plato's, daß die Menschen die Augen nur darum bekommen hätten, um in die Sterne sehen zu können, und die des Aristoteles, daß die untere Welt von der oberen regiert werde, haben zu Mißdeutungen Veranlassung gegeben, die der Astrologie nicht bloß im Altcrthume, ja sogar bis auf die Neuzeit herab, Anhänger und Vertheidiger verschafft. Noch im Jahre 1607 erschien zu Paris von einem Manne der Wissenschaft, von dem Juristen Wilhelm des Bordes ein Werk, das der Astrologie apologetisch das Wort spricht, und sie als eine für den Menschen heilsame Kunst hinstellt. Gleichermassen hat noch im Jahre 1796 der Regensburger Bischof Wittmann in seinen Anmerkungen zum Pentateuch zwar nicht für die Astrologie speziell, doch für die Magie überhaupt eine Lanze gebrochen, indem er aus drei Voraussetzungen, die er aufstellt, die Unantastbarkeit der Magie deduzirt: 1. Unsere Begriffe über Körper sind unvollkommen, darum die über den Geist noch unvollkommener; 2. Körper, die von einander entfernt sind, können gegenseitig auf einander einwirken; 3. die bösen Geister scheinen in der menschlichen Gesellschaft Ergötzung zu finden. Nachdem er diese drei Puukte beleuchtet und durch angeblich glaubwürdige Beispiele erhärtet, hält er die Zauberei für rationell möglich und führt schließlich Bayle als seinen Gewährsmann an, der so spricht: „Die Geschichtsschreiber aller Zeiten und aller Octen erzählen von prophetischen Träumen und magischen Dingen so erstaunliche Thatsachen, daß diejenigen, welche daran nicht glauben, entweder wenig Aufrichtigkeit oder zur Abwägung triftiger Beweise zu wenig Verstand haben." 1) Auch die Bibel erwähnt die Astrologie der Völker, aber nur im Sinne ironischer Mißbilligung, was später im Talmud in offener und nbsprechendster Weise und zu wiederholten Malen geschieht. -) Dem allgemein eingefleischten Volkswahn, als stünden die Menschen unter dem Einflüsse der Gestirne, tritt der Talmud, die Einzigkeit Gottes in der Leitung des israelitischen Volkes glorifizirend, entschieden und durchgreifend entgegen, indem er zunächst in der Erklärung der biblischen Worte „dein Same wird sein wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meere" constatirt, daß das Geschick Israels nicht vom Gange der Natur beeinflußt wird, sondern daß, wenn es zu Gott hält, so hoch steigt, als „die Sterne am Himmel", und wenn es von Gott ablüßt, so tief fällt, wie „der Sand am Meere";— ferner aber als Gegensatz zu den Völkern die Behauptung aufstellt * *?iö p* Sx’itt”1?, Israel steht nicht unter dem Einflüsse der Gestirne, sondern einzig und allein unter dem Gottes, eine Behauptung, die er einerseits, im Hinweise aus die Unzweideutigkeit der biblischen Schilderungen von einer unmittelbaren Einwirkung Gottes in das Geschick Israels, als eine über alle Zweifel erhabene Thatsache hinstellt, und anderseits begründen und begleiten läßt von Beispielen über die Unhaltbarkeit und Ohnmacht astrologischer Voraussetzungen. So erzählt der Talmud, daß die Astrologen, baar jeder öenutnftigcu Basis, sich stets und überall Blößen gegeben haben, so der gelehrte Heide Ablet in seiner Voraussagung vor dem Talmudlehrer Samuel, so ein anderer Astrologe, der in den Sternen gelesen haben will, daß die Tochter des Rabbi Akiba an ei- ') Vergleiche: „Ucber den Willen in der Natur" von Ledopenlianer In einer Abhandlung daselbst betitelt: „Animalischer Magnetismus und Magie" (S. 97) sagt S.:" Animalischer „Magnetismus und sympathetische Kuren beglaubigen empirisch die Möglichkeit einer magischen Wirkung." Siehe weiter S. 99 ff. „Zm Willen liegt die magische Kraft, alle Beschwerungsmittel sind Vehikel und Fexirungömittel des Willens. *) Ein direktes Verbot gegen die Astrologie sindet der Talmud in den Worten der Schrift: „Ganz sollst du sein vor dem Ewigen." (kesachim 110.)