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Das Abendland · 1867-04-04 · 7 (4.4.1867) · p. Seite 56

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
7 (4.4.1867)
Date
1867-04-04
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 nem S chlan genbisse sterben werde; so ein dritter, der der Mutter des Rabbi Nachmann prophezeiet, daß ihr Sohn ein Dieb werden wird, u. s. w. x) Immerhin weisen auch die jüdischen Quellen darauf hin, daß die Magie im Alterthume in großem Ansehen gestanden; so wird Bileam oftmals ein neäib bo-umoth genannt, und so soll auch eine der sechs großen Kammern des Heiligthums, Parwah, von einem Magier, der so geheißen, den Namen erhalten haben (Midoth 5, 3). Die Bibel thut der Astrologie besonders die absprechcnde Erwähnung, wo sie die Zauberei und Wahrsagerei zweier Völker geißelt, zu denen Israel in nahe, wenn auch trüber Beziehung gestanden. Diese beiden Völker sind die Egyptier und die Chaldäer. Was nun vorerst die Chaldäer betrifft, so sind sie im ganzen Alterthume wegen ihrer Astronomie und Astrologie bekannt: Die Grundlage ihrer Religion war eben die Anbetung der Gestirne. Wie bei allen alten Völkern stand auch bei ihnen die Traumdeuterei in großem Ansehen, und vielleicht war gerade diese cs, die zuerst in Chaldäa einen eigenen Orden von „Weisen" schuf, der sich mit der Kunst beschäftigte, die geheime Bedeutung der Träume zu entdecken. Die Traumdeuterei scheint überhaupt zu den Uranfängen der später so nachtheiligcn Magie ein nicht unbedeutendes Kontingent gestellt zu haben; unstreitig macht sie einen ganz wesentlichen Bestandthcil der Magie aus und ist demnach älter, als jedwede andere Form derselben. Schon die alten Hebräer hatten sich in frühester Zeit dieser Kunst genähert, wenn mau nicht aunehmen will, daß sie unter ihnen entstanden ist. Wir haben alles Recht, zu glauben, daß Gott, bevor er den eigentlich prophetischen Geist auf Einzelne ausgeschüttet, des Traumes sich als Mittel bediente, den Menschen seine Absichten oder seinen Willen kund zu thun; deshalb waren auch solche Träume viel klarer und deutlicher, als sie es bei uns sind, machten auf das Gcmüth einen viel tiefem Eindruck und enthielten zumeist die Deutung schon in sich. So wird Abimelech und Laban im Traume gewarnt, dem Jakob und Joseph im Traume die Zukunft offenbart, und zu Aron und Mirjam spricht Gott blos „im Traume." Rückwirkend mag man den Traum auch nur dann für prophetisch gehalten habln, wenn er unverworrrene und lebhafte Bilder enthielt. Später, als die prophetische Inspiration sich in unzweideutiger Klarheit als Ausfluß göttlichen Willens kennzeichnet, verlieren die Träume an Wesenhaftigkeit und darum an Bedeutung; noch später werden sie sogar als Trugbilder geschildert und die falschen Propheten „Träumer" genannt; und der Talmud endlich macht sie vollends lächerlich: „Du träumst, sagt der Talmud, in der Nacht, woran du am Ta- ) ge denkest; ■— noch nie, bemerkt Rabb«, hat Jemand von goldnen Bäumen mit goldnen Früchten, oder von einem Elephanten geträumt, den er durch einen Nadelöhr schlüpfen sah; — das Wesen des Traumes, sagt ein anderer Talmudlehrcr, liegt nicht im Traume selbst, sondern in deiner Deutung." — Da, wo Israel in nähere Berührung mit den Chaldäern tritt, findet auch wieder eine Berührung mit der Traumdeuterei und vielleicht auch Zauberei statt, und Daniel wird vom König Nebukatnezar sogar zum Haupte einer magischen Kaste in Chaldäa gemacht. Genug an dem, daß wir zur Zeit Daniels einen wohlorganisirten magischen Orden in Chaldäa antreffen. Woher die Magier oder ob sie überhaupt von anderswo erst nach Chaldäa gekommen und wenn dies geschehedas alles läßt sich nicht bestimmen?) Sie scheinen ') Der Talmudlehrer Rab erzählt, er habe gesehen, wie Jemand ein Kameel mitten entzwei schnitt und dann wieder lebend machte. Rabbi Chia antwortete ihm, daß das Lerblendung sei, da er ja kein Blut oc gesehen. 3) Auch früher; von Saul heißt es: Gott antwortete ihm weder durch Träume, noch durch Urim, noch durch Propheten. gleichzeitig mit den persischen Magiern bestanden zu haben; ihre Lehrsätze und Religionsgebräuche, in denen sie mit letzteren übereinstimmen, sowie eine gleiche Verfassung Beider und die Beiden eigenthümliche Verehrung des Feuers machen cs wahrscheinlich, daß Beide aus ein und derselben Quelle geschöpft und vollständig einerlei Charakter getragen haben. Von dem Geschichtsschreiber Diodor (II, 24) werden die chaldäischeu Magier als eine im achten Jahrhundert vorder gewöhnlichen Zeitrechnung bestehende Priesterkaste genannt. In welcher Blüthe sie zur Zeit Daniels gestanden, erhellt aus dem Ausdrucke „Chaldäer oder Kasdim," der synonym ist mit Magier oder Astrologe. Selbst wenn man zugiebt, daß diese Ausdrücke, wie viele behaupten, eine spezielle Gattung Magier bezeichnen (vergl. auch Daniel 2, 2 und anderswo), so muß Babylon immerhin im ganzen Alterthume wegen seiner Magie ungemein berüchtigt gewesen sein, denn dem Talmud ist der Ausdruck Kasdim für Zauberer ganz geläufig, und auch die Griechen und Römer kennen Magier und Chaldäer nur als ein und denselben Begriff. Nicht minder berüchtigt, war nun auch Egypten^) durch seine Magie, und wichtiger, als je eine andere, ist uns grade die egyptische Magie, weil ihrer in der Bibel umständlicher gedacht wird und sie mehr oder weniger eingreift in die Vorgeschichte des israelitischen Volkes. (Fortsetzung folgt.) *) Hüllmann in seiner „Staatsverfassung der Israeliten" (Leipzig. Brockhaus 1834) widmet dieser Untersuchung eine ganze Abhandlung mit der Aufschrift „Heimath der Mager und Chaldäer" (S. 6 — 20.) 4) In der Mitte des vorigen Jahrhunderts erschien von dem irländischen Erzbischof Robert Cleyton in englischer Sprache eine „Einleitung in die Geschichte der Juden," welche dir Zeit von der Sündfluth bis zum Tode Moses behandelt. Diese Schrift habe ich vielfach und besonders da benützt, wo ich über die Magier Egyptens spreche. Ornamentenstickereien für die Synagoge. Die Unterzeichnete, deren Firma sich seit 40 Jahren wegen ihrer soliden und schönen Arbeiten des besten Rufes erfreut, empfiehlt sich dem geehrten jüdischen Publikum insbesondere den löbl: Syuagogenvorständen zur Anfertiguug aller Arten von Ornamentenstickereien für die Synagoge als: nvov ,miD3, und Thoramäntel, und verspricht die schnellste und solideste Ausführung zur vollen Zufriedenheit der Besteller. 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