Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 7 (4.4.1867)
- Date
- 1867-04-04
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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54 Luchschau. Achava. Vereins-Buch für 1867 — 5627. Hcrausgegeben vom Vereine zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer- Wittwen und Waisen in Deutschland. Dritter Jahrgang, erste und zweite Lieferung. Preis beider Lieferungen 54 kr. rhein. 15 Slg. 95 kr. ö. W. Dieses Buch verdient in doppelter Beziehung unsere Aufmerksamkeit, feines Zweckes und seines Inhalts wegen. Am wichtigsten dürfte für die Leser dieses Blattes der Zweck sein, zu dessen Erreichung auch hier in Prag der Versuch gemacht wurde, der aber leider für jetzt als mislungen angesehen werden muß. Es bleibt duher nur übrig den Lehrern Böhmens, welche im Falle der Hilssbedürstigkeit sich oder ihren Wittwen und Waisen eine Hilfe sichern wollen den Anschluß an diesen, oder einen ähnlichen Verein anzurathen. Um so mehr wird es von Interesse sein einen Blick aus die Gebahrung dieses Vereins zu werfen. Wir geben daher zuerst den Abschluß des zweiten Rechenschaftsberichts. Daß er nicht so günstig ausgefallen ist, wie der erste hoffen ließ, war zu erwarten, da er über das Jahr 1866 sich erstreckt, welches seinen störenden Einfluß auch aus dieses, wie aus jedes Unternehmen geltend machte. Gleichwohl ist er in jeder Beziehung befriedigend. Zunächst beweist er wie das Hauptcomite nicht nur mit der größten Gewissenhaftigkeit und Uneigennützigkeit, sondern auch mit großen Opfern den Bestand und den Fortgang des Vereins und seiner Leistungen sicher stellte, und so jeder Böswilligkeit und jedem Mißtrauen Schweigen auserlegte. Das Gesammtvermögen des Vereins, welches nach dem ersten Jahre mit 2339 fl. abschloß, beträgt jetzt 4151 fl. 46 V„ kr. Es betrugen die Spenden des dritten Jahres 1104 fl. 38 kr. gegen 1034 im zweiten und 512 im ersten. Dazu kamen diesmal noch Spenden als Jahresbeiträge 173 fl. 36 kr., Jahresbeiträge der Ehrenmitglieder 35 fl., Jahresbeiträge der ordentlichen Mitglieder 784 fl. Erlös für das Jahrbuch 1328 fl. 34 kr. gegen 1341 fl. 12 kr. im vorigen. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder ist von 140 aus 181 gestiegen. Pensionen wurden an 9 Parteien mit 430 fl., gegen 4 Parteien im vorigen Jahre mit 235 fl. 22 kr. gezahlt. Dieses Ergcbniß in einem so ungünstigen Jahre ist erfreulich und wenn auch der Zugang von 5 Pensionsberichtigten im zweiten Jahre, die vielleicht 20 Jahre lang durchschnittlich pensionsberechtigt bleiben, etwas ängstlich machen könnte, so darf man sich doch mit der Hossnnng beruhigen, daß die Gemeinden wie einzelne Wohlthater fick von der heilsamen Wirksamkeit des Vereins immer mehr überzeugen und ihr Wohlwollen ihm zuwenden. Dies möchten wir schon um des edlen Zweckes willen auss wärmste anempschlen, indem wir um recht zahlreichen Ankauf des Jahrbuches, das beim Unterzeichneten zu haben ist, dringend bitten. Wir können dasselbe ab^r auch, abgesehen von seinem Zwecke, seines Inhalts wegen als ein vorzügliches Buch für jedes israelitische Hans bezeichnen. Dies dürste schon das Jnhaltsverzeichniß bestätigen, nämlich: 1. Mitleid und Liebe, Gedicht von Leopold Stein. 2, Liebe, das beste Mittel znm Eingcwöhnen aus Erden. Homilie von demselben. 3. Znm Snlzer-Jubiläum. a. Prolog von Mosenthal. d. Dem Sänger Zions, Festgruß von Leopold Stein. 4. Pitsche-Patsche, der Knnstcnmacher, Erzählungen von E. Kulkc. 5. Mendclsohn und Lessing, Gedicht von L. A. Frankl. 6. Geschichte der Juden im Elsaß (Schluß) von Dr. M. Wiener. 7. König Salomo als Greis, Parabel von Pros. Dr. Wessely. 8. Vier Lebensbilder aus der liebenden Frauenwelt, von der Verfasserin von „Reich und Arm." („Achawa„ II.) Mitgctheilt durch Di'. Leopold Stein. 9. Uebcr die religiöse Richtung Moses Mendclssohn's, von Dr. Rothschild. 10. Bilder aus dem altjüdischen Familienleben von Pros. M. Oppenheim, mit begleitendem Texte v. Leopold Stein. 11. Das prophetische Buch Jona, von Dr. Rothschild. 12. Nemevto! Denkmal der Liebe in Liedern, zur Erinnerung an Clementine v. Rothschild s. A. von Dr. Lcop. Stein. Israelitischer Kalender aus das Jahr 5627 als Beilage. Der uns hier gestattete Raum verbietet uns diesen reichhaltigen Inhalt einzeln zu besprechen. Wir müssen uns daher daraus beschränken die Nummern 9 und 11 von Dr. Rothschild jedem denkenden Kopse, die Nummern 10 und 12 von Dr. Stein aber jedem kunstsinnigen und sein fühlenden Herzen als ganz vortreffliche Gaben zu bezeichnen. Mögen diese Worte dem edlen Unternehmen und dem herrlichen Buche Freunde erwerben. Dr. A. Stein. Aebrr die Magie bei den Älten. von Rabbiner Dr. Samuel Mühsam. Unter Magie versteht man die Kunst, durch Anwendung gehcimnißvoller Mittel wunderbare und übernatürliche Wirkungen hervorznbringen, und Magier sind diejenigen, die dieser Kunst vorstehen. Ursprünglich kommt das Wort Magier als der Name eines medischen Volksstammes vor, der sich vorzüglich mit der Wissenschaft beschäftigt, für die Erhaltung und Fortpflanzung derselben sorgt, und außerdem die cultuellcn Verrichtungen für das Volk versieht. Wenn diese medischen Magier von den Historikern der Alten als Zauberer, Weissager, Sterndeuter und Traumdeuter bezeichnet werden, so darf dies nicht auffallen: Einerseits waren die Völker des Alterthums bei der unüberwindlichen Neigung, den Schleier der Zukunst zu lüsten, leichterdings veranlaßt, bei Personen, die geistig über ihnen standen und sich als Vermittler der Volksintereffen bei den Göttern geberdeten, eine solch unmittelbare Manifestation der Götter vorauszusetzcn, daß dieselbe selbstredend nur in der ersehnten Enthüllung von Verborgenheiten und zukünftigen Geschehnissen zu Tage treten mußte; und der Umstand, daß diese „Priester" ihre Kunst als erbliches Gut der betreffenden Persönlichkeiten erklärten und sie demzufolge als zunstmäßiges Recht'und in ausschließender Gemeinschaft ausübten, war gerade auch nicht angethan, die Wahngebilde des Volkes zu zerstreuen oder auch nur zu schwächen;— und andererseits fand ein solcher Orden die verlockendste Anregung, Vorurtheile des Volkes, wie diese, zu eignen Zwecken zu mißbrauchen, dabei nur seinen Gaukelleien einen Nimbus zu verleihen, der aus noch größere Täuschung des Volkes abzielte, und so eine von den Göttern verliehene Machvollkommenheit für sich in Anspruch zu nehmen, die um so festeren Boden gewinnen mußte, als die Leichtgläubigkeit der verblendeten Masse zunahm. Schon sieben Jahrhunderte vor der gewöhnlichen Zeitrechnung finden wir diese Magierkaste bei den Medern vollkommen organisirt und zwar mit drei Graden der persönlichen Fähigkeit zu diesem heiligen Berufe: die Herbeds sind die Lehrlinge, die Jüngsten, die Nenansgenommenen; die Mobeds, Lehrer, sind die, die den zweiten Rang einnehmen, und die Dcstur-Mobeds, vollkommene Lehrer, bilden den Kern des Ordens. Von den Medern ging der Magicrorden aus die Perser über. Die Entschiedenheit, mit der er hier anstrit, das ossene Wesen und der ausgeprägte Charakter, die er hier zur Schau trägt, verschaffen ihm beim persischen Volke eine ungleich wichtigere Bedeutung, als er gemäß seiner primitiven Elemente beim medischen beanspruchen und erlangen durste, hierzu noch im Auslande eine so allgemeine und anerkannte Geltung, daß ihm unter den Institutionen des Alterthums der erste Platz gesichert scheint. Die Glieder des Ordens bilden den Priesterstamm, wie etwa die Leviten in Israel; sie sind die alleinigen Träger der Wissenschaft und erklären sich als Wahrsager und Zauberer. Als staatlich anerkannte