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Das Abendland · 1867-04-04 · 7 (4.4.1867) · p. Seite 53

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
7 (4.4.1867)
Date
1867-04-04
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 * Bei den Berathungen des Vorstands ist nun auch hier die Oeffentlichkeit eingeführt worden. — Wie man sagt beabsichtigt der Vorstand H. vr. Iellinek als 2. Rabbiner hieher zu berufen. Frankfurt a. M. Bei der Sitzung des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde am 24. v. M. hielt Herr vr. Steitz einen interessanten Vortrag. Er schilderte die Bestrebungen der altern und jüngern jüdischen Kabbala, und kam mit Jost, dem Geschichtschreiber des Judenthums, zu dem Schlüsse, daß die unter dem Namen Frank bekannt gewordenen, jüngst in der Schenk-Rink'schen Brochüre behandelte gehcimnißvollc Persönlichkeit, einer Abzweigung der jüngern Kabala angehört habe, die den Uebertritt zu andern Confessionen in Zeiten der Noth um deßwillen erlaubte, weil ihr Messias sämmtliche Confessionen zn einigen bestimmt sei. — Es sei diese Annahme um so wahrscheinlicher, da keine der in der genannten Brochüre erzählten Thatsachen derselben widersprechen, während sie durch eine von Jost mitgetheilte Urkunde (ein von Ofenbach ausgegangenes Rundschreiben an die Synagogen) bekräftigt werde.— * Der König von Würtenberg hat dem hiesigen Bürger und praktischem Arzte, Herrn Med. vr. Stein in Anerkennung seiner verdienstlichen Leistungen in dem jüngsten Feldzuge, welchen derselbe als Oberarzt mitmachte, die goldene Militär - Verdienstmedaille zuerkannt. Dieselbe wurde dem Betreffenden heute Morgen von dem ältcrn hiesigen Bürgermeister übergeben. (Herr vr. Stein, der Sohn unseres geehrten Freundes Herrn Rabbiner Leopold Stein, ist ein junger Mann von ausgezeichnetem Wissen, der sich bereits durch seine literarischen Leistungen einen ehrenvollen Namen errungen hat). Gera. (Fürstenth. Reuß j. L.) Die Stellung der Israeliten ist bei uns nicht besser als in Mecklenburg. Sic können nach Lage unserer Gesetzgebung bei uns weder Grundbesitz noch das Bürgerrecht erwerben. Verschiedene Anträge im Landtage sowie die Bemühungen der Presse, diese Beschränkungen aufzuheben und die Juden zu emancipiren, sind ohne Erfolg geblieben. Daß trotzdem in unserem Lä'ndchen einige Juden wohnen, welche nicht nur Grundbesitzer und Bürger, sondern sogar Gemeindevertreter sind resx. waren, das beweist wie sehr in den Kleinstaaten die Scheu herrscht, durch Feststellung von Principien in der Gesetzgebung bestehende und nicht zu ändernde Thatsachen anzuerkennen.— Jene Juden waren russische Staatsangehörige vor der Revision unserer Verfassung im Jahre 1856. Consequenterweise hätte man ihnen Bürgerrecht und Grundbesitz nehmen müssen. — Das that man nun allerdings nicht, aber man vermochte auch nicht den Entschluß zu fassen, die Israeliten gesetzlich zu emancipiren. Gegenwärtig wird dieß nun doch geschehen müssen. — Paris. Unser Glaubensgenosse Herr vr. W. Kahn hat wegen seiner bewährten Tüchtigkeit' als Schriftsachverständiger bei dem Proccsse gegen die Verbreiter falscher russischer Banknoten von der russischen Regierung einen kostbaren Brillantring erhalten— London. Sir Moses Montefiore beabsichtigt ein neues geräumiges Hospiz für arme israelitische Familien in Jerusalem zu errichten. — Es soll nahe an dem im Jahre 1859 errichteten gebaut werden. — Rußland. In einer etnographischen Skizze von Samogitien berichtet das „Magazin für die Literatur des Auslands" über die dortigen Juden: Der Jude ist hier wie im ganzen deutschen und slavischen Osten immer geschäftig, zu Allem bereit, unterthänig und gefällig weiß er alle zu beschwatzen, und ist getriebener als Alle.— Er zieht als Hausirer durchs Land, macht den Wirth in den Krügen, ist Schneider, Schuhmacher u. s. w. Er läßt sich auf jeden Handel ein, und weiß es stets so einzurichten, daß der Bauer im Vortheil zu sein glaubt. — Mit größter Beredsamkeit macht er der Bäuerin klar, daß es ihm ganz gleichgültig sein könne, ob sie ihm sein Tuch mit einem Huhn oder mit einer Gans bezahlen oder mit einer Mütze voll Eier, die Mütze als treffliches Maaß anpreisend. Lissabon. Der Unterstützungsverein der jüdischen Damen in Lissabon a'Saii ]ölD hat seinen Jahresbericht ausgegeben. Es ist erfreulich, daß jüdische Wohlthätigkeit auch an den äußersten Gränzcn Europa's, in einem Lande, das durch Jahrhunderte von keinem Juden betreten wurde, segensreich wirkt. — Cap stad t. Herr S. Jakobs, Generalprokurator der Capkolonie, ein Jsraelite der treu seinem Glauben anhängt, hat zu einer Reise nach England einen 6 monatlichen Urlaub erhalten.— Zwei jüdische Häuser der Capkolonie werden sich bei der Pariser Weltausstellung betheiligen — Sie senden Wolle und Straußfcdern dahin. — Neu-Iork. Die Hyder des Fanatismus wagt es selbst im Lande der Glaubensfreiheit ihr Haupt zu erheben.— Die Predigten einiger protestantischer Geistlichen und die Cirkulare einiger Feuerassekuranzgesellschaftcn athmen so viel plumpen Judenhaß, daß man sich in die ehemals blühende Gefilde Spaniens versetzt zu sein glauben könnte. Glücklicherweise ist unsere republikanische Verfassung gestählt gegen solche fanatische Wuthausbrüche, die nur jene brandmarken, von denen sie ausgehen. — Ciucinati. Letzten Sontag predigte der hiesige Rabbiner vr. Lilienthal in der unitarischen Kirche unserer Stadt. — Als Text nahm er die Bibetstelle:— „Fürchtet euch nicht, stehet stille und sehet die Hilfe unseres Gottes."— Das Thema seiner Rede war: „Eine freie Kirche in einem freien Staate."— Es dürfte wahrscheinlich der erste Fall sein, daß ein jüdischer Prediger von einer christlichen Kanzel herab am Sontag predigt. — Baltimore. Der Bau des hiesigen jüdischen Hospitals wird bald vollendet sein.— Das Gebäude, welches eines der schönsten in der Stadt zu werden verspricht, wird an 30000 Dollars kosten. — Louisville. Am 21. März, also am Purunfeste wird der Grundstein zum neuen Tempel gelegt. — Bombay. (Ostindien) Die „Bombay Gazette" berichtet von einem glänzenden Banquet, welches unser dortige Glaubensgenosse Herr Abdulla David Saßon dem Statthalter vor dessen Rückkehr nach England gab. Bei dieser Gelegenheit theilt sie uns folgendes über die Familie Saßon mit: Herr Abdulla David Saßon ist der älteste Sohn des unlängst verstorbenen David Saßon. Die Verdienste des Dahingeschiedenen sind allgemein bekannt. Er war nicht bloß für Bombay, sondern für ganz Ostindien ein großer Wohlthäter — er war der Gründer der meisten Wohlthätigkeitsvereine in unserem Lande, er erbauete Schulen, für deren Erhaltung er durch Stiftungen sorgte, er gründete Spitäler, kurz es lassen sich die Akte der Wohlthätigkeit, die er an den armen Volksklassen ausübtc, nicht anfzählen. Sein Geschäft erstreckte sich von England aus über Japan, Persien, Arabien, Indien und China. Sein Name ist in der Geschäftswelt allbekannt. Er war das Haupt der Familie. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß sein Tod allgemein betrauert wird. Zum Tröste der unglücklichen Menschheit hat er seinem genannten Sohne nicht bloß seinen Ungeheuern Reichthum sondern auch seine vielen Tugenden als Erbschaft hinterlassen. Herr Abdulla David Saßon zeichnet sich ebenfalls durch seinen Wohlthätigkeitssinn aus. Er steht in hoher Achtung bei der Regierung, und hat das Ansehen seines Hauses durch die Gaben seines Geistes und seines Herzens noch erhöht. Er ist neben seinen Reichthümern und seiner vorzüglichen Geschäftstätigkeit ein äußerst intelligenter Mann und besonders in der Diplomatie des Orients von großer Erfahrung. Zum öftern hat er den Gesandten Englands in Persien und China durch seine Rathschläge und Erfahrungen ersprießliche Dienste geleistet.

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