Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 7 (4.4.1867)
- Date
- 1867-04-04
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 sr. für gut befunden haben, die Jesuiten, als, nicht in der Gunst des Kaisers stehend, darzustellcn, und ließen den Passus aus, und dies wahrscheinlich mit voller Berechtigung, und in augenscheinlicher größerer Wahrhaftigkeit; denn wer des Kaisers ganze Hingebung an die Sache des Katholicismus, wer seine spätere allgemein vermerkte Abhängigkeit von den Jesuiten und insbesondere sein Verhältnis zum Haupte desselben in Oesterreich zu Canisius, kennt, der wird wohl nicht einen Augenblick darüber im Unklaren sein, ob der Kaiser die Mitglieder des Jesuitenordens bei seinem Einzuge so beleidigt habe, wie es Cuthenus wahrscheinlich in seiner Voreingenommenheit gegen alles Katholische, mittheilt! Nur nebenbei fei bemerkt, daß Cuthen's Werke schon das eigenthümliche Schicksal hatten, theils durch Auslassungen, theils durch Zusätze in ihrer Originalität corrumpirt zu werden. „Habent sua fata libelli Kuthens Werk" Kronyka o zalozeni zem§ fceske (v Praze 1539—4) mit mehreren Portraits und einer Zueignung an den Magistrat der Altstadt Prag wurde — außer von Kramcrius (im Jahre 1817) schon im Jahre 1585 neu abgedruckt von Adam von Weleslawin in Verbindung mit Aeneas Sylvius böhmischen: „Kronyka dwö o polozeni zemö dc. dc.— Da die Weleslawinische Ausgabe die Kapitel des Kuthcn in den Text des Aeneas Sylvius mit kleinerer Schrift chronologisch einschaltete, so entstand nachher der bibliographische Jrrthum, Kuthen habe des Sylvius Werk mit Noten versehen. — Ich habe also mit Wissen, und nach meinen Quellen den Sonnenblick der Majestät weder den armen Juden vorenthalten, noch den Gaul des Monarchen — mit oder ohne Jnbetrachtnahme der Jesuiten— so arg verläumdct, als daß von einer angedichteten Judenantipathie— die sich historisch auch anderseitig Nachweisen läßt, und worauf ich gelegentlich n"'X zurückkommen werde — die Rede sein könnte, es fallen aber in die Wagschale der Kritik die peccuta pommissionis nicht minder schwer als die peeeata commissionis, denn es heißt in der Beurtheilung historischer, selbst wenn auch fürstliche Personen eben so gut lö'Cin xb als ljrun xb 130ö! — Da dieser Artikel eine von Juden veranstaltete Empfangsfeierlichkeitbehandelt, so finde zum Schlüsse noch folgende Schilderung eines feierlichen Audenaufzuges zu Konstanz im Zahre 1415 zu Ehren des Papstes Martin Y. Ihren Platz, da sie manches enthält was minder serdinandäischen Huldigung analog ist. Nach der Erzählung des Konstanzer Syndicus Ulrich von Reichenthal (Monatsschrift des böhmischen Museums 1829) kam während der Konstanzer Kirchenversammlung, durch deren Beschlüsse einst das große Kirchenschisma ein Ende nahm, und Johannes Huß und Hieronymus von Prag verbrannt wurden, die zahlreiche Konstanzer Judenschaft dem neuerwählten Papste Martin V im Jahre 1415 ebenfalls entgegen, als er nach seiner Krönung in feierlicher Procession durch die Stadt geführt wurde, und zwar erschien sie, um die Worte des gleichzeitigen Berichterstatters, der ein Augen - und Ohrenzcuge der meisten damaligen Vorfälle war, anzuführen: „Mit viel großen brennenden Kerzen, und hatten All' ihr' Habit an, als sie in ihrem langen Tag stehen, und trugen die zehn Gebote in einem rothen sammetenen Tuch, und unter einer Himmelgen (Traghimmel), das war ein golden Tuch, und sangen sehr in hebräisch, und knieten All' nieder, und boten ihm die zehn Gebot dar, und baten ihn, sie zu bestättigen, als sie von anderen Päpsten Herkommen waren. Da empfing er die Gebot nicht, aber unser Herr der König Si gmund) empfing sie, und sprach: Moyses Gebot' waren (echt und gut, aber sie wollten die nicht recht verstehen. Da redet der Papst etwas, das ich nicht verstehen könnt', und zu dem letzten hört' ich, daß /der Papst also sprach: Omnipotens deus auferat velamen aboculis vestrisut possitis videre lumen aeterne vitae.— (Der allmächtige Gott lüfte! den Schleier von Eueren Augen, damit Ihr das Licht des ewigen Lebens sehen könntet.)— Damit da segnet' er sie in bem_ Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes."— (S. die Schriften der Gesellschaft für Beförderung der Geschichtskunde zu Freiburg im Breisgau Bd I 1826 p. 229.) Religion und Wissenschaft. Die Zeit in welcher man die Heiligkeit und Göttlichkeit der Bibel die Autorität des Talmuds und d« Ehrwürdigkeit des Midrasch ungestraft antasten, schmähen und herabsetzen durfte, weil aus einzelnen Stellen derselben hervorging, daß sie nicht jeuen hohen Standpunkt in der Naturwissenschaft, den wir erreicht haben, einnahmen, ist glücklicher Weise schon längst hinter uns. Jeder Vernünftige und Denkende weiß, daß der Zweck dieser Bücher nicht ist die Menschheit mit der Natur bekannt zu machen, sondern sie Moral und Religion zu lehren, welchem Zwecke sie auch auf's vollkommenste entsprechen. Denn wenn anders könnte man ja mit Recht fragen, warum die Bibel nicht, alles das, was , zur Verbesserung des menschlichen Daseins hier auf Erden beiträgt, und worauf die Menschen erst nach vielen Jrrgängen und tausendjährigen Beobachtungen und Erfahrungen gekommen sind, lehrte, warum die heilige Schrift nicht überhaupt alle diejenigen Erfindungen zum Wohle der Menschheit, zu welchen man erst nach langem Denken und Forschen gelangte, mittheilte. Viele dieser Erfindungen wären ja auch im Dienste der Religion zu verwerthen, so z. B. die des Telegrass. Wenn unfern Vorfahren der Telegraf bekannt gewesen wäre, so würden sic nicht nöthig gehabt haben, das mühevolle und mit Unregelmäßigkeiten verbundene Anzünden der Fackel auf den Spitzen der Berge zur Bekanntmachung des tiHinn unrp und später als dieses Mittel nicht mehr ausreichte das mit noch mehr Schwierigkeiten verbundene Ausschicken von DTtibtJ' zu diesem Zwecke. Unsinnig aber sind diese Fragen, wenn wir von dem Grundsätze ansgehen, daß Gott die Menschen direct nur Moral und Religion lehrm wollte, Kunst und Wissenschaft aber sie sich selbst anzueignen haben, und daß er zu diesem Behuse den menschlichen Geist mit den hiezu erforderlichen Fähigkeiten ausgestattet hat. Hieraus ergibt sich uns auch, daß Gott dem Menschen hier auf Erden auch einen solchen Wirkungskreis angewiesen, innerhalb welchen dieser selbst schöpferisch und schassend auftreten kann. In Religion ist daher, weil ihr Ursprung in Gott kein Fortschritt möglich, sonst wird ihr Ursprung verläugnet; denn von Gott kommt nichts Unvollkommenes des menschlichen Hinzuthuns oder WegnehmenS Bedürfendes iD'Din xb 130 1P13N xbl. In Kunst und Wissenschaft da kann und soll ein stetiger Fortschritt stattfinden; denn der Mensch schafft nicht Vollkommenes, sondern strebt es nur an und nähert sich ihm immer mehr. Dem ganz entsprechend greift auch die Bibel auf diesem Gebiethe nicht vor und spricht immer von den Standpunkt aus, aus welchem die Menschen sich damals befanden, wie dieß auch schon der Talmud weislich bemerkt oix '33 pt^bo min mal die Torah sprach nach Art der Menschen. Das Gesagte gilt aber nur von Kunst und Wissenschaft in sofern sie diese Name verdienen z. B. von der Wissenschaft, welche die Geheimnisse der Natur und ihr innerstes Wirken erforscht, nicht aber von Dingen, die vor aller. Augen liegen und so lange bekannt sind als die Menschheit alt ist. Wenn wir nun in unfern Religionsbüchern etwas finden das mit dem, was man jeden Augenblick zu sehen Gelegenheit hat in Widerspruche steht, so ist unser Befremden und Erstaunen ganz gerechtfertigt. Ein solches Befremden und Erstaunen erregte in uns eine Stelle im Midrasch Tanchuma Abschnitt xyi daselbst heißt es wörtlich |ö pnp pnnp nobi dx *iox3P D'3-in jü xbi o'ij-'n joi sX3tn foi 2^33.1 |oi f]iyn