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Das Abendland · 1867-03-21 · 6 (21.3.1867) · p. Seite 45

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
6 (21.3.1867)
Date
1867-03-21
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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45 in Schutz nehmen soll, bewiesen mir das grade Gegentheil von dem, was H. Hock von ihnen aussagte. — Im Uebrigen theile ich vollkommen die Ansicht des H. Wolf, Hajek hat viel gelogen; aber manchmal ist ihm doch zu glauben.')— Lorrespon-enM. Dub (im südl: Böhmen) Hochgeehrter Herr Redakteur! Wenn ich mich heute aus meinem Verstecke in die Oeffentlichkeit wage, so geschieht es bloß um meine Herren Collegen, besonders aber die Capacitäten in Böhmen zu ermuthigen dem Hilferufe der Armen sowohl in den kleinen Landgemeinden, denen bei dem besten Willen nicht Abhilfe geleistet werden kann, als den Dorfbewohnern, die mit Angst dem herannahenden Peßachfcste entgcgenzittern, weil sie den Hunger der ihrigen nicht zu stillen vermögen, ein offenes Ohr, ein fühlendes Herz, einen thätigen Beistand zu gewähren. Haben wir denn in Böhmen keine Talmud -Autoritäten? Haben wir nicht einen Rappoport, einen Freund in Prag, einen Aron Kornfeld in Jenikau, von andern tüchtigen Rabbinen gar nicht zu sprechen. — Warum sollen diese Herren den Hilferuf der Draußigen nicht beherzigen, und für den Armen ein Nahrungsmittel am Peßach, Reiß und Hülsenfrüchte — ermöglichen? — Das pro brauche ich nicht zu erörtern. Was sollte ich ihnen sagen, das sie nicht selber wissen. Und sollten diese Herren fürchten dem Laien dadurch eine Bahn auch für die Zukunft geöffnet zu haben, trotzdem wir Talmud und Poßkim für den Genuß haben, so möchte ich sie auf einen K* *an (Menachoth 99 b) aufmerksam machen, und glaube, wenn der arme unwissende Hausvater zu leicht zu erlangenden Nahrungsmittel öffentlich greifen kann, er weniger heimliche Seitenwege, die sein Gewissen belasten, einschlagen würde. Sie, meine hochgeehrten Herren! können unmöglich das Elend in seiner wahren Gestalt kennen. Sie leben in der großen Stadt oder in großen Gemeinden, wo der Wohlthätigkeit von so vielen Reichen Rechnung getragen werden kann in den kleinen Landgemeinden wo man nur dem ganz Armen und das nur spärlich das Mazzosmehl, das wahre cnb '21p — reichen kann, muß man wahrlich ernstlich darauf bedacht sein, daß der Arme mit seinen gewöhnlich vielen Kindern nicht verkümmern, denn die Preise der Mehlsorten drohen einen schwindelnden Höhepunkt zu erreichen. Unser Wirkungskreis ist zu beschränkt und in seiner Gemeinde kann überhaupt kein Rabbiner ohne Zustimmung der Talmudheroen sich über keinen Minhag wegsetzen. Und nun M'Sy 72 '2'p wendet Ihr, die Ihr Wissen und Macht, Herz und Gefühl, aber auch Achtung und Zutrauen des ganzen Landes in vollem Maaße besitzet. Euch einigen den Genuß der Hülsenfrüchte öffentlich am Peßach zu erlauben, so werdet ihr nicht nur den Armen die Noth geringer machen, sondern auch den Gemeindevorständen die Sorge erleichtern und ein tausendstimmiges L2M2 wird euch von allen Seiten entgegenjubeln. — Mögen diese Zeilen in Ihrem weitverbreiteten Blatte und in dem Herzender böhmischen Talmud - Celebritäten eine günstige Aufnahme finden?) H. Scheider, Rabbiner. ') So seine Daten vom I. 1096, 1296, 1324, 1389 für 1324 über den unter König Johann eingeführten Judeneid ist Hajek dem „Hermann, Gesch. der Israeliten in Böhmen (S. 81. Anm. 2) der einzige Gewährsmann. — *) Wir wollten der gut gemeinten Anregung unseres greisen im Amte stehenden Lorrespondenten die Aufnahme nicht versagen, obgleich wir nn« wenig Erfolg von ihr versprechen, da der fraglich« Gegenstand Breslau. Wenn der Fremde, der mit dem oberschlesischen Zuge nach Breslau gekommen ist, den Bahnhof verlässt, befindet er sich bald auf einem schönen, von Prachtbauten umrahmten Platze, der den Namen Fränkelplatz führt. Es ist dies ein ganz neuer Stadttheil, der von den dankbaren Breslauern zu Ehren der Gebrüder Fränkel so genannt wurde. Und in der That sind die Verdienste dieser hochherzigen Männer der Art, daß sie einer solchen Auszeichnung, die sonst nur edlen Fürsten und siegreichen Feldherrn zu Theil wird, vollkommen würdig waren. — Sie haben Großes für ihre Vaterstadt gethan: ihr von Menschenliebe erfüllter Sinn hat Institute ins Leben gerufen, ■ die nicht bloß ihren Mitbürgern zum wahren Segen gerei-! chen, sondern auch weit über die Grenzen ihres engern Va- I terlandes hinaus von der höchsten Bedeutung sind.— Man j denke bloß an das jüdischtheologische Seminar, I das ihnen sein Entstehen verdankt.*) Wie bedeutungsvoll ist diese Anstalt für das gesammte, deutsche Judenthum geworden?— Doch wir hatten ja erst vor Kurzem Gelegenheit, über die segensreiche Thätigkeit des Seminars in diesem geschätzten Blatte zu berichten, wir wollen uns daher heute mit der bloßen Erwähnung desselben begnügen und gleich zu den übrigen fränkelschen Stiftungen übergehen. Da nennen wir zuerst das Hospital, an welchem jährlich Hun^ derte von Kranken unentgeltliche Pflege und Heilung finden. Während des letzten Krieges wurden daselbst auch mehrere verwundete Oesterreicher (Israeliten) liebevoll ausgenommen und gepflegt.— Neben dem Hospital befindet sich das Fränkelsche Waisenhaus. Gegen 40 elternlose Knaben und Mädchen werden gegenwärtig daselbst erhalten und bis zu ihrer Selbstständigkeit erzogen. — Ersetzt das Waisenhaus den armen Kindern die elterliche Pflege, so gewährt das Zufluchtshaus armen, alten Leuten, denen die natürlichen Pfleger ihres Alters, die Kinder, fehlen, wie schon der Name der Anstalt ausdrückt, eine Zufluchtsstätte wo sie in Ruhe und ohne Sorgen den Abend ihres Lebens zubringen können.—**) Am Schluffe des Jahres 1866 befanden sich daselbst 11 männliche, 16 weibliche, zusammen 27 Inj fassen.— Es durften bisher nur verheirathete Personen ausgenommen werden, doch erfuhr dieses Statut auf Grund eines an das Legat des verstorbenen Curators Prinz pr. 2500 Thl. geknüpften Bedingung eine Zusatzbestimmung, wodurch fortan auch unverheirathete Frauenzimmer nach zurückgelegtem 55. Lebensjahre ausgenommen werden können. Dem kleinen Gewerbtrcibenden wird es oft schwer zum Be-! triebe seines Handels den nöthigen Eredit zu erhalten und? besonders in Zeiten, wie das letztvcrflosscne Jahr, wird es ihm fast unmöglich, auch gegen die größten Sicherheiten eine Anleihe zu machen. Da besteht nun ein fränkel'sches D arbereits in den 40ger Jahren in Prag ernstlich zur Sprache 'kam, ohne daß ein Abkommen vom bisherigen U8U8 erzielt worden wäre. — Eine für die Gestattung des Genufles plaidirende Brochüre unter dem Titel 'pttnntfS hatte sogar eine Gegenschrift von Seiten des Herrn Rabb. Sam. Freund hervorgerufen. Aus diesem Grunde wünschen wir auch nicht, eine fruchtlose Dißkussion in unserem Blatte fortzuspinnen, da überdieß ein rabbinischer Collegialbeschluß nicht so schnell zu Stande kömmt und mehr Zeit braucht als von Purim bis Peßach. Di e R edaktion. *) Jetzt, wo in Oesterreich die Seminarfrage auf der Tagesordnung ist, dürfte es vielleicht intresiant sein, zu erfahren, welches Kapital das Breslauer Seminar erforderte. Als Betriebskapital wurden der Anstalt 100 Taus. Thaler übergeben, besten jährliche Zinsen ca. 5000 Thl. betragen. Ferner ein Grundkapital des Lehrerpensionsfondes v. 3000 Thl; ferner ein Kapital zur Fundirung von Freitischen oder Stipendien für auswärtige Schüler der Anstalt von 5000 Thl. (Für Breslauer Seminarzöglinge wurden 4 Stipendien zu je 50 Thaler, noch besonders bestimmt. — Außerdem wurden den Curatoren die Mittel geboten, die Revenüen des Seminars nach Bedürfniß noch zu vermehren. — **) Auch bemittelte, alleinstehende Alte finden gegen Erlag von 500 Thlrn Aufnahme daselbst. —

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