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Das Abendland · 1867-03-21 · 6 (21.3.1867) · p. Seite 44

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
6 (21.3.1867)
Date
1867-03-21
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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44 Analoge Zagen -er Vorzeit. Schon längst haben Geschichtschreiber darauf hingewiescn, daß im Munde fast aller Völker des grauen Alterthums Sagen lebten, die vieles von dem, was uns in der Genesis über die Kindheit der Erde und der Menschheit erzählt wird enthielten. So z. B. war unter den meisten die Sage von einer in der Urzeit stattgehabten großen Ueberschwemmung zur Vertilgung des Menschengeschlechts, verbreitet. Nicht nur, daß dies die Glaubenswürdigkeit, der in der Genesis uns erzählten Begebenheiten zu schwächen nicht vermag, zeugt es vielmehr von der Wahrheit derselben, denn so wie der Glaube an einen Gott bei allen Menschen und unter allen Völkern, sowohl bei den Kamtschadalen und Samojeden am Eismeere, als auch bei den Wilden auf den Südseeinseln sich erhalten, nur daß mit der Länge der Zeit dieser sich verflachte und endlich ausartete, so daß zuletzt außer einem Einzigen, allen andern die wahre Erkenntniß Gottes und die richtige Vorstellung von demselben verloren gegangen und an deren Stelle Herz und Geist verkümmernder Götzendienst trat, so erhielten sich auch die Thatsachen und Begebenheiten in der Erinnerung der Völker, nur daß die Nebenumstände bald vergessen, und zufolge dessen die Thatsachen selbst entstellt und nach der jedem Volke eigenen Phantasien, mit Zusätzen und Beigaben ausgeschmückt wurden. Ist aber der Glaube an einen Gott deshalb weniger wahr, weil die Menschen in Versunkenheit gerathen, und zu Holz und Stein, du bist mein Gott, sprechen? Setzt nicht vielmehr das jedem Menschen innewohnende und sich immer bethätigcnde Bewußtsein, daß es ein höheres Wesen außer ihm gibt, Zeugniß für die Existenz desselben ab? Ebensowenig vermögen nun auch die abenteuerlichen Zusätze der im Götzenwahne lebenden Heiden die Wahrhaftigkeit der in der Genesis erzählten Begebenheiten in Zweifel zu stellen. Sind etwa die Worte der Bibel, daß das Menschengeschlecht nach der Sündfluth von Noah, seinen Söhnen und deren mit ihnen geretteten Familien sich fortpflanzte weniger wahr, weil die Phantasie der heidnischen Dichter, dessen Regeneration von den hinter sich geworfenen Steinen des Deukalion und der Pyrrhe hergeleitet hat. Müssen sie nicht im Gegentheil in den Augen eines jeden Vernünftigen an Wahrhaftigkeit gewinnen, wenn man ihre Einfachheit und Natürlichkeit mit jener Absurdität der Heiden vergleicht? Es wird daher, abgesehen von wissenschaftlichen auch von religiösem Standpunkte aus, keine unnütze Arbeit sein, alle diejenigen Sagen des Alterthums, welche mit den im Talmud und Midrasch vorkommenden eine Aehnlichkeit haben, oder in einer gewissen Beziehung zu einander stehen, zu sammeln und untereinander zu vergleichen. Wir unserseits wollen für diesmal den Faden beginnen, mögen ihn dann andere fortspinnen * *). M. Stark. Noch einmal Hajek. Von H. Kohn. Um nicht die Geduld des gütigen Lesers noch länger wegen Hajek's auf die Probe zu stellen, verzichte ich gerne *) Der Verfasser bespricht nun die Ähnlichkeit der Sage im Traktat Sanhedrin 109. — Bon dem Gastbette in der bösen Stadt Sodom mit dem Bette de» Prokrustes in der griechischen Mythologie. — Daß jedoch dieser Hinweis längst bekannt, und von uns selbst in unsererbereits 1846 erschienenen Brochüre: „Beiträge zu einer Geschichte der Cultur und der Schulen unter den Juden" bemerkt wurde, unterlassen wir ««, längst Bekanntes in unserem Blatte zu reproduciren, indem wir zugleich den obigen wahren Bemerkungen des Herrn Verfasser» unser« vollen auf die Veröffentlichung meiner ausführlichen Replik gegen Herrn Hock, besonders, da auch schon H. Wolf so gütig war, mich gegen seine Angriffe zu vertheidigen.— Doch sei es mir erlaubt, nur noch einige wenige Bemerkungen zu dem fraglichen Datum zu mächen, sowohl um H. Hock zu berichtigen, als auch H. Wolf zu ergänzen/— Was meine Ansicht bezüglich der Glaubwürdigkeit jenes Datums am meisten in Frage stellen könnte, ist der Einwurf des H. Hock, daß es damals in Böhmen keine Kämpfe zwischen" Heiden und Christen mehr gegeben habe, da doch sonst der heil. Adalbert im Lande geblieben wäre, sic zu bekehren, statt nach Preußen zu gehen.— Dagegen lässt sich aber folgendeerwiedern: Hajek hat unter Heiden nicht gradezu Götzendiener gemeint, er verstand vielmehr darunter jenen Theil des Volkes, der obwohl getauft, doch noch seine heidnischen Sitten beibehaltcn hatte, und noch so wenig christlich war, daß er offen gegen die Kirche und den Bischof ankämpfte.— Hierher gei hörten viele Großen des Landes, und besonders die Wrschoi wezen, welche mit bewaffneter Macht den Bischof sowohl, j wie auch herzogliche Truppen angriffen, später sogar den i Stammsitz Adalberts, die Stadt Lubic, erstürmten und alle! anwesenden Verwandten des Bischofs ermordeten.— Darum; verließ also Adalbert seinen Bischofssitz, weil er sich in Prag nicht mehr sicher wußte, und jede Hoffnung aufgab, die Sünder zu bessern und die ihm anvertraute Heerde zum wahren Glauben zurückzuführen. —*) Schon Dubravius*) der Zeitgenosse, und darum nach H. Hock auch der treuliche Abschreiber Hajeks, (eine Vergleichung ihrer Werke hat mich nicht so ganz von dieser Ansicht überzeugt,) gebraucht den Ausdruck Heiden gar nicht, bei ihm sind die mit Hilfe der Juden besiegten Feinde eben die schon genannten Wrschowczen und ihr Anhang.— Zu jenen Zeiten waren die Juden in Prag sehr angesehen und reicht) und da nun die feindlichen Horden bei ihren Streifereien sogar Prag gefährdeten, so ist es wohl nichts wie natürlich, als daß auch die damals schon zahlreichen Juden zugleich mit ihren christlichen Mitbürgern zum Schutze der Stadt gegen jene Feinde zogen.— Das Stillschweigen der früher» Chronisten über diese Mithülfe der Juden ist wohl bedenklich, doch leicht erklärlich. Sie berichten ja überhaupt von den Juden wenig, fast gar nichts; auch mochte jener Sieg nicht die hohe Bedeutung gehabt haben, welche ihm H. Hock beilegt. Die Partheikämpfe der Wrschowezen hörten noch lauge nach 995 nicht auf, und so dürfte es vielleicht nur ein vorübergehender Vortheil gewesen sein, den damals die Bischöflichen resp. Herzoglichen mit Hülfe der Juden über die Aufständischen errangen. — Das Vorhandensein einer Synagoge auf der Kleinseite hat schon H. Wolf nachgewiesen. — Bezüglich Boregks, der bei David Gans heißt, habe ich mich allerdings geirrt; es war mir erst jetzt möglich, seine Böhm. Chronik« zu bekommen, und da überzeugte ich mich, daß er den vubravius nicht nur benützt, sondern oft sogar wörtlich übersetzt hat. — Wie H. Hock es ungerechtfertigt finden kann, den Hajek als Judenfeind zu erklären, ist mir ganz unbegreiflich, — da doch Hajek, wie kein Anderer seiner Vorgänger oder Zeit genoffen, so viel Schlechtes von den Juden zu erzählen weiß, da er doch selbst von den Juden anderer Städte und Länder alle möglichen Verbrechen mittheilt, obwohl deren Geschichte gar nicht in seine Chronik hinein gehört.— Auch die 4 angeführten Daten des H. Hock, in welchen Hajek die Juden Beifall, und andern weniger bekannten Analogien in den Sagen der Vorzeit bei den verschiedenen Völkern mit Vergnügen die Spalten unseres Blatte» eröffnen. Der Redakteur. 9 CosmasPragensisChronicaelib. lad. ann.994 8. 16.—- Bohemia pia van 6. B. Pontanus 4 Braitenberg Lib. III. 8.36. Vergl. auch Palacky Gesch. von Böhmen Band I S. 238. *) Dubravius historiae bohemicae lib. YI S. 40. *) Cosmas Prag Chronic. Boh. II. 45.— Vergl. auch Palacky Band I. S. 338. —

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