Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 6 (21.3.1867)
- Date
- 1867-03-21
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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43 sterdam. Dort angelangt wurden sie von ihren Brüdern gastlich ausgenommen und nach Kräften unterstützt, vorzüglich hatte sich R. der Unterstützung der damals dort domizilirenden Rabb. der sephardischen Gemeinde Saul Mortera und Isaak Aboab zu erfreuen, welche ihn, da sic selben als einen großen Talmudisten fanden, seinen Haushalt sicherten, um ungestört seinen Studien obliegen zu können. Fast täglich kamen Transporte dieser Unglücklichen an, und alle wurden mit uncrmüdeter Mildthätigkeit unterstützt. Da aber die Zahl derselben so anwuchs, daß die Gemeinde nicht mehr im Stande war sic zu erhalten, so wurden sie auf Kosten derselben nach Frankfurt a. M. cxpedirt, wo sie auch da wie in den andern Gemeinden Deutschlands liebreich ausgenommen, und mit milden Gaben unterhalten wurden. Zur selben Zeit beabsichtigten der Arzt Esraim Beyano und Jakob Kastillio die 4 Ritualcodices des Josef Karo herauszngeben; jedoch mit dem Plane dieselben mit einem Nachweis über die sämmtlichen in denselben enthaltenen Vorschriften wo sie in der Mischna in den Talmnden und in den Schriften der Decisoren zu finden seien zu bereichern. Es wurde von ihnen R. da sie ihn für eine solche Arbeit tüchtig fanden, aufgesordert, einen solchen in gedrängter Kürze zu bearbeiten. Allein dieser die Schwierigkeit dieser Arbeit wohl kennend schlug es ihnen mit dem Bedeuten ab, daß eine solche Arbeit von einer einzelnen Person unausführbar sei, vielmehr die Kräfte mehrerer in Anspruch nehme. Auf Aufforderung des dort lebenden Gelehrten Moses Rafael de Aguilar*) ihren Wunsch zu realisiren, gab er ihnen endlich nach; jedoch mit dem Bemerken, daß er einstweilen bis zur Ankunft seines gelehrten Schwiegersohnes Ascher b. Jehuda den Anfang machen wolle, wo sie dann mit vereinten Kräften rüstig ans Werk gehen werden. Allein sein gedachter Schwiegersohn starb ihm während seiner Rückreise nach Polen in Hamburg und R. mußte, da er ihnen nunmehr das Wort *) Er war derselbe, der bekanntlich in Gemeinschaft mit den oben gedachten Jsak Aboab an der Spitze von 600 angesehenen Juden aus Amsterdam nach Brasilien answandcrte, und sich dort unter holländischem Schutze der von David Nassi, einem gcbornen Brasilier, gegründeten Colonie anschloßen. Jedoch löste sich dieselbe durch die Besitznahme Brasiliens von den Portugiesen 1654 auf, indem sie auf Befehl der portugiesischen Regierung das Land räumen mußten, worauf sie sämmtlich wieder in ihre Heimath zurückkehrten. (Vgl. Jost's Geschichte 2. Band) Aguilar stammte ans Spanien und verfaßte außer der in Bibl. Jud angeführten hebräischen Grammatik in spanischer Sprache nach 1. "E> E“l Analekten aus den beiden Talmnden und aus den Midraschim geschöpft in alfabetischer Ordnung. 2. crrcn “'EC Erzählungen und Legenden ebenfalls aus den beiden Talmnden und Midraschim gesammelt, beide handschriftlich, die Saab. Baß gesehen und deren er in seinem CVCTEr erwähnt. Endlich 3. np'ICir.üV,® T"i Vorschriften über das Schlachten enthaltend, Amsterdam 1681 (S. Sifte Jeschenim II.) welche drei letzteren vr. Fürst nicht anführt. Er besaß auch eine ansehnliche Bibliothek worniuer über 50 Handschriften, die auch Sabb. zu seinem Sifte Jeschenim benützt halle und ihm auch für diesen ihm erwiesenen Dienst am Schlüße seines Werkes öffentlich dankt. Er starb 1680 in Amsterdam. Ein Verwandter von ihm war auch wahrscheinlich der bekannte Baron Moses de Aguilar. In Spanien als Marane (gezwungener Christ) lebend entfloh er heimlich mit der Mutter mit Zurücklaffung seiner großen Güter nach Amsterdam; daselbst zum Judenthume übergehend, begab er sich 1732 nach Wien wo ihn Karl VI. eingedenk der großen Dienste, die ihm dessen Vater in Spanien erwiesen in den Freiherrnstand erhob. Als im Jahre >742 die Juden Mährens während des ersten schlesischen Krieges verdächtigt wurden mit den Preußen zu halten und von Maria Theresia in Folge falscher Vorspiegelungen ihrer Räthe zu einer Kriegskontribution von 50000 fl« belegt wurden, die sie binnen 6 Tagen zu entrichten haben, widrigenfalls sie des Landes verwiesen werden: da war Baron Aguilar der sich seiner bedrängten Brüder heiß annahm, und durch seine Besürwortung nahm die erhabene Regentin ihr Edikt wieder zurück. (Vgl DTrn r,iT.p v. Abr. Trebitsch. gegeben, diese mühselige Arbeit allein über sich nehmen. Es erschien 1664**) als Randglossen zu dem Texte des Schulchan Arnch unter dem Titel: nSun "IK3, welche von der Zeit an fast in allen Ausgaben der *jr,y |nbtP beigedruckt sich vorfinden. Die Anlage dieser Arbeit ist folgende: 1. Angabe der Quellen, wo in der Mischna, den beiden Talmnden und in den Schriften der Geonim eine jedwede Ritualvorschrist ihren Ort habe. 2. Anführung aller Rischonim wie auch fast aller Gutachten der alten und neuen Rechtslehrer in wie fern zwischen ihnen eine Ucbereinstimmung oder ein Dissens stattfindet. 3. Sind die Glossen zu in weit größerem Maßstabe als in den andern Codices angelegt; vorzüglich luit Benutzung der D'JH wrn seiner Landsleute (X’jbic ’öcn) wie: u. i"v n"3 um wie er meint, da dieser Codex der wichtigste für den Decisor ist, auch eine ausführlichere Behandlung verdiene. Endlich 4. Glossen und Bemerkungen wie auch Sach- und Worterklärungen und manche Berichtigungen vom Verfasser selbst. R. beurkundet in seinem Werke eine Staunen erregende Belesenheit in der rabbinischen Literatur, indem er außer den Talmuden und den Schriften der Geonim nicht weniger als 80 rabbinische Werke zitirt, die er gesehen und benützt. Und hat durch seine Arbeit besonders denjenigen, die sich mit der Kasuistik vertraut machen wollen, einen wesentlichen Dienst geleistet, indem er ihnen gleichsam den Weg zu der Quelle, woraus jede Halacha entspringt, zeigt. Und obgleich dessen Werk nicht zu den neuen Erscheinungen zu rechnen sei, da derartige Arbeiten schon längst vor dem seinigen ins Leben getreten waren, wie: pcic nyaj von Binjamin b. Jechiel, tsatPö tsnn von Samuel Florentin, m)W |Dn von Sabb. Chassan, dp» nx"io von Meschullam b. Israel, p-u: miö von Michael ha- Kohen b. Mose, bdipö py u. a. m. die er vielleicht vor sich gehabt und benützt, zeichnet sich das [einige durch Präcision und concise Darstellung wie durch Benützung fast aller bis zu seiner Zeit heraufreichenden Gutachten von allen frühern aus. Außer dem genannten Werke schrieb er noch nNTnn ’Sbc, methodische Regeln über die rabb. Decision, die er als Beigabe zu den 4 Schulchan Aruch hinzufügen wollte. Ferner r6ian 4?c, Commt. zu der Mischna. Beide erwähnt am Schluffe seines Beer Hagola zu Choschen Mischpat; letzteres führt er auch in seinen Glossen zu Jore Dea C. 296 und 297 an, jedoch sind beide nicht edirt worden, und vielleicht nicht mehr cxestirend. Endlich Berichtigungen und Noten zu einigen talmudischen Traktaten besonders zu Sebachim u. Menachot auf die er viel Zeit verwendet hatte, und sehr bedauert dieselben beim Ueberfalle des Feindes nicht gerettet zu haben. (Vgl. Einleitung). Von seiner Familie ist uns Niemand als sein bereits genannter Schwiegersohn Ascher b. Jehuda, der in Hamburg starb, bekannt. Der berühmte Eliah Wilna soll ein Sproß von ihm gewesen sein. Als seinen Verwandten nennt er den gefeierten Jeschaja Horwitz Syc) Wann und wo er gestorben ob in Amsterdam oder in Wilna können wir vor der Hand nicht eruiren. **)'Fälschlich ist Sabb. Angabe, daß die 4 R. E. mit den Glossen Ribkes znm erstenmal in Amsterdam 1661 (mwb) in Oktav erschienen sei, da einerseits aus dem Datum, daß R. selbst am Schlüße zn Codex b. Chaj. mit den Worten: 21k22 '1 DV DTiyEtreX HB n**nn angibt, anderseits aus einem vom Verf. entworfenen Schema eines nx»“in TO» vide TS zu T-,c ) worin die Jahreszahl 1663 angeführt wird, genugsam erwiesen ist, daß die von uns oben angegebene Jahreszahl die richtige sei. Eine zweite Ausgabe desselben veranstaltete David Nunetz Torre, welche 1698 ebenfalls in Amsterdam in der Officin des Emanuel Athias in 8. erschien. Beide Ausgaben werden im Bib. Jud nicht angeführt. 6*