Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 5 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 Aus diesem wird ersichtlich, daß das nichts weniger als fromme Pferd sogar die Jünger Loyolas nicht respectirte, da dürfen sich auch die alttestamentarischen Kammerknechte nicht mehr beklagen. Ob wirklich sich auch der Kaiser von diesen abgewandt? Wer will unter solchen Umständen entscheiden, -welchen Antheil das Roß, und welchen sein Reiter an dieser Frontveränderung hatte! Genug, wir glauben Beide von der ihnen angedichteten Iudenantipathie rein gewaschen zu haben. Smon Hock. Sriefe eines Draußigen. 'Von Rabbiner Ehrenth eil in Horic XIX. Schwer ists sich Gehör zu verschaffen, wenn rings um uns her helle weithintönende Stimmen laut werden, und unser Thema überhaupt nur einen kleinen Theil unserer Umgebung nahe angeht— was Wunder also wenn in dieser bewegten Zeit in der die Wogen des politischen Lebens so hoch gehen, die vereinzelt laut werdenden Stimmen für ein vom ganzen jüdischen Böhmerlande zu errichtendes Rabbiner- und Lehrerseminar nicht gehört werden, und der Mann der dafür immer wieder seine Stimme erhebt als ein „sonderbarer Schwärmer" belächelt wird. — Hie äechen hie Deutsche"! Majoritäts- oder Minoritätsvotum, das sind die Rufe die jetzt gehört und extra muros et intra discutirt werden, wer von etwas Anderem mit mehr als gewöhnlichem Interesse jetzt sprechen wollte, wäre ein Prediger in der Wüste, und doch haben nicht nur die allezeit getreuen Feudalen, sondern auch wir böhmischen Juden unseren „Zeithammer" der gar laut und eindringlich an unsere Herzenswände pocht, und uns mahnt die Z e i t zu begreifen, ihrem Rufe zu folgen, und neben hoher Politik auch ein Bischen ausschließlich jüdische Interessen zu vertreten— auch wir böhmische Juden haben ja unsere Abgeordneten, unsere legal gewählten Vertreter, und wir sind berechtigt zu hoffen auch auf dem Gebiete unserer Culturzustände sie für uns eintreten zu sehen — ja! wir erwarten, daß unter diesen wackeren bürgerlichen Vertretern auch ein „Thun" sich zeige — ein Thun sagen wir, ein rüstiges Schaffen ein energisches Ergreifen der Initiative in dieser hochwichtigen Angelegenheit von der das geistige Heil und die geistige Blüthe unserer Gemeinden abhängt— Möge es Gott der Herr unserem edlen verehrten vr. Wessely vergelten, daß er der jüdischen Wissenschaft durch Hinzuziehung neuer Lehrkräfte zum Thalmudthorainstitute eine wenn auch nur kleine unzureichende, doch zeitgemäße Stätte schuf, aber soll man den verdienstvollen Mann in diesem Beginnen allein lassen? soll sich das böhmische Israel damit begnügen was doch immer nur ein Nothbehelf ist? während kleine unbemittelte Gemeinden mit lobeaswerthen religiösem Eifer große Summen aufbringen um Synagogen zu bauen, soll eine Landesjudenschaft nicht daran gehen können ein Bildungs-Institut für die Lehrer und Rabbiner ihrer Gemeinden zu errichten? pochet nur Ihr Männer von Einfluß und Ansehen, pochet nur an bei Eueren böhmischen Glaubensgenossen, und es wird Euch fürwahr aufgethan werden— so mißlich auch unsere geschäftlichen Zustände sein mögen, Jeder wird demungeachtet seinen „7pt£>n jvjfna" gerne als Opfergabe niederlegen auf den Altar des Judenthumes, nur möchten wir dann das N7 Tipyn" nicht gelten lassen, denn fürwahr! es wäre unseren Reichen da Gelegenheit geboten sich innerhalb des böhmischen Israels ein Monument zu stellen „aere pereimiua" XX. „Schon wieder der „Draußige" mit seinen Pro- Men! höre ich so manchen Leser meiner Briefe sagen, „hat der Mann nichts Anderes zu thnn als uns Rathschläge zu ertheilen? frägt liebevoll ein Anderer, „und wenn ihn schon einmal ein Fingerjucken zum Schreiben drängt, mag er immerhin historische Reminiscenzen, archäologische Forschungen, u. d. gl. geben, aber für Alles Andere lasse er den lieben Gott sorgen"— aber meine lieben Leser! ich schreibe ja eben historische Reminiscenzen, ich schreibe ja über Pflege des jüdischen Unterrichtswesens, und ist es nicht historisch, daß hiefür die Judengemeinden allezeit Opfer zu bringen stets bereit waren? wenn der Unterricht auch damals dem Geiste jener Zeit angemessen ein einseitiger war — ist der Bachur wenn auch in moderner Fassung — für dessen geistige Sättigung ich plaidire, nicht auch ein a r ch äologischer Begriff? ist er nicht eine historische Erscheinung im Judenthume? ist jüdische Opferfrcudigkeit von der ich immer wieder schreibe, an die ich immer wieder apellire, nicht eine geschichtliche Erscheinung, ob auch H a j e k u. Consorten nichts von ihr sagen?— Lass' mir daher gütiger Leser meiner Briefe! meine Eigenart, und meinen Freimut, ein Plätzchen im „Abendland" und ein Plätzchen in deinem Herzen ist Alles was ich für meine brieflichen Wünsche verlange, aber nicht viel weniger als dein ganzes Herz wünschte ich dem Judenthume und seinen heiligen geistigen, religiösen, und cultuellen Interessen zugewendet zu sehen, und darum habe ich auch die Ambition zu sagen: lora?] irn ’ö „Gebe Gott, daß meine wohlgemeinten schlichten Worte Anklang fänden." — Ein Wort über Stenografie bei den alten Hebräern. Von Markus Freund Hanptschullehrer. Daß die ersten Buchstaben wirkliche Hiroglyphen waren, beweist die Aehnlichkeit der Buchstaben aus den ältesten morgenländischen Sprachen mit den bezeichnenden Gegenständen, welchen sie entlehnt sind. Die ganze Schrift war nichts als eine rohe körperliche Abbildung, daher hat man auch in allen Sprachen für Schreiben und Malen nur einen Ausdruck, veaoeiv Daß auch die hebräischen Buchstaben Aehnlichkeit haben mit dem Gegenstände, den sie bezeichnen sollten, beweist schon ihre Benennung nach dem ihnen ähnlichen Gegenstände. Siehe Court de Gabellie in seinem monde primitiv. Daß sich die alten Hebräer der Zeichenschrift bedienten, erleidet keinen Zweifel. Wenn sich Moses beim Schreiben der Tora der Zeichen- oder Schuellschrift b edient hätte, dürfte uns dieß nicht wundern, und dürfen wir uns, unbeschadet unseren Festhalten an der uns überkommenen Tradition von der bestimmten Zahl der Wörter und Buchstaben der' Tora, diesem Glauben hingeben; findet doch auch der Talmud eine Abkürzungsschrift, notarikon, in den Büchern Mosis z. B. Genesis 15, 2, (siche »'Bn dort) und leisten die Kabbalisten Wunder in Auffindung solcher Stellen. Reggio in der Vorrede zu seiner nwt je mm behauptet, daß es keine Kunst und Wissenschaft gebe, die nicht in deu 5 Büchern Mosis enthalten wäre, folglich müsste auch die Stenografie ihren Theil dort suchen. Daß aber jüd. Gelehrte sich in ihren hebr. Werken einer Kürze- oder Schnellschrift mittelst Abbreviatur gar häufig bedienten, sehen wir aus ihren hinterlassenen besonders halachischen Werken, und reicht fast jedes derartige Buch, nachdem es dem Leser mit seinem Namen und Titel bekannt gemacht nnd im Eingänge vulgo Hakdama ihm über dessen Charakter und Zweck des Erscheinens Auskunft gegeben nnd sich überhaupt ad eoram präsentiert hat, in einem Verzeichnisse der in seinem Innern enthaltenen Abbreviaturen und Erklärung derselben den Schlüssel zu diesen Geheimnissen. Nicht nur sind fast alle quadrill. Wörter in den 5 Büchern Mosis eine Zusammenziehung aus 2 Wörtern, wie z. B. dvn- ,L>v7N u. s. w. sondern es hat / /