Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 5 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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36 fern man sich hier auf ihn zu verlassen habe, doch seit der "Epoche des Christenthums ist er ziemlich fleißig und irrt nicht häufig. Eine gleiche'besonnene Würdigung Hajeks zeigte auch die nachfolgende Schule von böhmischen Historikern, Dubravius, Stransky Balbin, Pesina von Cechorod, bte nicht alle in Bausch und Bogen verlogeln waren. Palacky lässt die oben erwähnte Verthcidigung nicht gelten, daß HajekbesondcreQuellen vor sich gehabt, welche uns jetzt unzugänglich sind, und daß er sich sogar fleißig auf böhmische Chronisten beruft, die wir nicht einmal d e m N a m e n n a ch m e h r k e n n e n, so auf Johann Klipta, auf einen Weleslav, auf einen Heinrich Duchrowsky auf einen Racek Dobrohorsky Domherrn zu Altbunzlau, auf einen Jaroslav von Hradischt, Mönch zu Strahow. Obwohlman kaum annehmen kann, daß Hajek seine damaligen Zeitgenossen Persönlichkeiten u u d s o g ar deren Stand namhaft machen konnte, ohne daß sie überhaupt existirt hatten!! so meint Palacky dennoch, wenn diese 5 — 6 apokryphen Haje kscheu Gewährsmänner wirklich gelebt haben, so sei ihr Bert u st für uns nicht sehr zu bedauern! — Wer wohl diese „uns“ sein mögen? Ob alle, die sich mit Geschichtsforschung abgeben, oder der nur eine gewisse historische Schule? — Zu bedauern aber ist jedesfalls daß derselbe kritische Würdiger der altböhmischeu Geschichtsqucllen nicht näher darthut, warum er diesen Verlust sogar unerheblich findet? Das Resume der in diesen Zeilen entwickelten Anschauung i'st, daß Hajek wohl kein Geschichtsschreiber, der die Q u e l le n s e i n e s W e r kes mit kr itisch erS chärfe gesichtet habe, wohlaber ein Chronist sei, der vermöge des ihm zu Gebote gestandenen Materials, und vermöge der ihm zu Theil gewordenen Protection unmöglich bloße Erdichtung statt Wahrheit und Fabeln statt Geschichte seinen Zeitgenossen auftischen konnte. Was nun speciell das Datum Hajeks betrifft, das Herr Kohn in Nro. II. zum Gegenstände seiner Besprechung machte, so mag es dahin gestellt bleiben, was an dem Kampfe der Christen gegen die Heiden Wahres oder Falsches sei — für den Fall der Wahrheit dieses Factums muß ja die Hilfe die die Juden leisteten nicht in jüdischem Kriegsvolke, sie konnte ja in durch jüdisches Geld gemietheten Söldnern oder in anderer materieller oder geistiger Unterstützung bestanden haben — aber das aus dieser Prämisse von Hajek gefolgerte Factum der Erbauung einer Judensynagoge auf der Kleinseite unter dem Kloster zu unserer lieben Frauen gehört weniger in das Reich der Verlogenheit und der „tot Judeorum fabellas ex Hagecio“ und hatvielmehr einen positiveren geschichtlichen Hintergrund. Nach der glaubwürdigeren Ueberliefcrung des böhmischen Chronisten Cosmas, dem als Prager Domdechant zu seiner Chronica Boemorum reichliche Quellen zu Gebote standen, und der auch an den Staatsgeschäften Theil nahm und mit einer für sein Zeitalter höchst rühmlichen Treue schrieb stand im Suburbium Ujezd ante civitatem minorem Pragae, auf der Kleinseitc eine Synagoge, (vcrgl: Podiebrad Altherthümer der Prager Josefstadt p. 10.) die ein Jude, der Jacob hieß, besaß oder wenigstens erbauen ließ. Im Jahre 1124 unter der Regierung des Herzogs Wladislaw I. nahm dieser Jude Jacob die Taufe an, und zwar aus unlauterer Absicht, zur Erschleichung eines Hofamtes, und ließ diese kleinseitner Synagoge in ei ne katholische Kirche oder Kapelle umgestalten und durch den Bischof Meinhard von Bamberg im Jahre 1124 feierlich einweihen. Nach der Hand aber zerstörte er wieder den aufgcrichteten Altar und profanirte die darin aufbewahrten Reliquien. Verrathen und von der Judenschaft mit einem Lösegelde von 3000? Pfund Silber und 1(X), Pfund Goldes dem Tode entrissen, wurde Jacob aus dem Lande gejagt — das Sühngeld aber vom Herzoge Wladislaw zur Auslösung derjenigen Christen verwendet, welche bei Juden damals Sklavendicnste verrichteten. Die verhängnißvollc Kapelle bestand fort und bildete unter dem Namen Maria — Magdalena Kirchlein (ecclesiola 8. Maria Magdalena) die erste Grundlage der nachmaligen großartigen Klosterstistungcn an diesem Orte, und zwar eines Frauenklosters der Dominicanerinnen zu St. Anna (videtur eodem in loco fuisse extructa Capella Monialium depoenitentia, in qua olim Judaeus Jacobus in honorem 8. M. Magdalen acapellam aedificaverat (Hammerschmied Prodrom P. 459) und später eines Mannesklosters desselben Predlgcrordens: und au der Stelle des letztgenannten seit 1763 säcularisirten Dominikanerklosters, beziehungsweise St. Maria Magdalcncn Kirchleins, beziehungsweise der vom Bischöfe Meinhard in eine C a p ell e v e r w a n d elt e n Judensynagoge e rh e b t sich jetzt d i c a u s d en alten Grundlagen hervor gegangene neu erbaute Kaserne d e s z w e i t e n k.k.Gendarmerier e g i m e n t e s. öerichtigungen und Ergänzungen. ii. Bei der Quelleuarmuth der jüdischen Geschichte im Allgemeinen und Spezialgeschichte insbesondere, ist die Sammlung und Zusammenstellung auch der minutiösesten Nachrichten ein verdienstliches Werk. Auch das Unscheinbarste ist zuweilen geeignet einen Lichtstreif aus das sonstige Dunkel zu werfen, nnd uns einen Blick in die camera obscura der jüdischen Vergangenheit zu vcrstatten. Wir müssen es daher mit Dank anerkennen, daß der wackere Herr L. Wolf sich die Mühe nimmt, aus seltenen. Wenigen zugänglichen Büchern und Broschüren, das die Juden Betreffende, auszugsweise zu veröffentlichen. Nur aber sollte sich der Herr Sammler vor Ungenauigkeitcn hüten, besonders wenn dadurch die Züge des Bildes, das er skizzircn wollte, verschoben und entstellt werden. In dessen Memorabilien der Prager Judcnschaft (II. Nro. 2 d. Bl.) wird uns aus einem Berichte über den Einzug des böhmischen Königs Ferdinand im Jahre 1527 in Prag, mitgetheilt, daß er den Juden nicht gestatten wollte, ihn nnter dem Traghimmel, welchen sie ausgestellt, um ihm wie üblich mit der Torarolle in der Hand, ihre Aufwartung zu machen, einzuführen. Man könnte dadurch zu dem Glauben verleitet werden, als ob der Monarch, ungeachtet seiner Zusage, sie in ihrem Glauben zn schützen, ihnen doch nicht recht gewogen gewesen wäre. Es würde daher hier die Ergänzung am Platze gewesen sein, daß laut desselben Berichts auch dem Wunsche der Herren des Prager Raths, den König unter ihrem Traghimmel einzuführen, nicht statt gegeben wurde, und sie sich ganz so wie die Juden nur erbaten, sie bei ihrem Herkommen zu schützen. Von dem Sonnenblick der Majestät hatten daher die Juden mit der Stadtobrigkeit gleichen An theil erhalten. Auch sogar den Gaul desselben Monarchen, der bei dem 2. Einzuge seines Herrn im Jahre 1558, eine so bedeutende Rolle spielte, hat Herr W. arg verleumdet. Es thut auch da eine Berichtigung Noth. Denn das ungeberdige Roß war ganz unparthciisch, und sein widerspenstiges Wesen galt nicht bloß den Juden. Die betreffende Stelle dieser Beschreibung lautet nämlich, so wie sic uns vorliegt, folgendermassen: Die Jesuiten empfingen den Kaiser vor der Klemenskirche, des Kaisers Pferd wurde da so unruhig und muthwillig, wollte durchaus nicht stehen und drehte den Nacken immer nach der den Jesuiten entgegengesetzten Seite, so daß Niemand, am wenigsten der Kaiser, ihren Gesang und Empfang beachten konnte. Gleich darauf enrMngev ihn die Inden, aber nicht nur das Pferd, sondern auch de^ Kaiser wandte sich von ihnen weg.