Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 5 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 nyka Ceska etwa verhimmeln, oder auch nur vor wo immer — verdienten Tadel lossprechen zu wollen, doch eine maßvollere weniger negative Kritik zum Zwecke haben, nachdem überhaupt bei jeder Negation gute Gründe so billig wie Brombeeren zu haben sind. Bis auf die neuere Zeit galt Hajek, obwohl schon Dobner und später Dobrowsky ihm viele Irrthümer vorgeworfen hatten, für den Lieblingshistoriker seines Vaterlandes, seine Chronik erwarb ihm in der vaterländischen Literatur einen glänzenden Namen, und begründete auch in der Geschichtsforschung seinen nicht zu wegläugnenden Ruhm als den sogenannten „böhmischen Livius." Palacky in seiner „Würdigung der böhmischen Geschichtsschreiber 1830" hat wohl den schwersten Stein gegen ihn geworfen, indem er ihm den Sinn für historische Wahrheit vollends absprach, und in neuester Zeit beliebte es ihm, noch weiter zu gehen, indem er (vergl. Schmalfuß: Hajek von Libocan) in einer Sitzung der Prager gelehrten Gesellschaft unter nicht geringem Aufsehen den Satz entwickelte: Hajek habe nicht nur als Historiker, sondern auch als Mensch keinen Anspruch aus Achtung. Es war nämlich Palacky geglückt unter den Schätzen des berühmten Wittingauer Archivs einen cechischen Originalbrief v. I. 1527 auszufinden, welcher auf dessen Redlichkeit einen Schatten zu werfen schien. Hajek sungirte eine Zeit lang in Rozmital als Pfarrer und wurde von hier im Jahre 1527. nach Karlstein zum Dechant befördert. In dem von Palacky gefundenen Briese theilt nun Zdenek Leo von Rozmital, (Grundherr dieses Städtchens) dem bereits in Karlstein installirten Hajek mit: „es liege gegen ihn eine Beschwerdeschrist vor, worin er von seinem Rozmitaler Nachfolger, so wie auch von der Gemeinde Rozmital beschuldigt werde, von den Einkünften der Rozmitaler Pfründe sich mehr als ihm gebührte, zugeeignet, das Pfründervermögcn nicht ungeschmälert hinterlassen „und sogar einige zum Kirchengut gehörige Sachen weggenommcn zu haben!" Aus diese drei Beschwerdepunkte basirte Palacky sein Verdammungsurtheil über den sittlichen Charakter des Priesters und Menschen Hajek. Gegen diese Strenge des Anathems erhob sich nun P. Karl Vinaricky (unter dem böhmischen Dichtcrnamen Jablonsky bekannt jetziger Dechant des Wyschehrader Domkapitels im 5. Hefte der von ihm redigirten Zeitschrift der katholischen Geistlichkeit „Casopis katolickeho Duchovoenstva“ und setzte (S. 134—142) mit unläugbarer Sach- und Detailkenntniß die Nichtigkeit dieser Beschwerdepunkte auseinander, und daß trotz des Briefes kein auch nur im Entferutesteu stichhaltiger Beweis für* die Wahrheit der vorgebrachtcn Beschuldigungen vorhanden sei; daher spreche das täglich steigende Ansehen, dessen sich Hajek bei den höchsten Herrschaften und den ausgezeichnetesten Männern seines Vaterlandes bis zu seinem Ableben erfreut habe; das sich nicht mit der Annahme vertrage, Hajek habe in der von Palacky vorausgesetzten Art seine Ehre gebrandmarkt! Da Palacky auf diese Apologie bisher nichts geantwortet hat, so dürfte Vinaricky in den Augen vieler Unbefangener wenigstens die sittlickie Unbescholtenheit des Hajek gerettet haben, obwohl eine wenn auch nicht vollständige so doch theilweise Absolution von seinen Monographischen Fehlern erst von geschichtsforschenden Autoritäten, die bei ihrer Kritik weniger nach einseitigem und voreingenommenem Partheistandpunkte als vielmehr nach besonnener und vorurtheilsfreier Auffassung zu Werke gehen, abgewartet werden muß — Wenn Palacky von Hajek sagt, cs habe ihm der freie politische Blick und das Gefühl für die Nation alinter essen gefehlt, so wissen wir, wohin das hinaus will und kennen den Grund, warum Palacky ihn so schonungslos an den Pranger stellt. Noch immer ist die Frage eine offene, ob nicht Hajek wirklich Quellen benutzt habe, welche unsere Zeit nicht mehr besitzt? Betrachten wir zu diesem Zwecke die nächste Veranlassung welche unseren Hajek zum Chronisten machte! Von Karlstein aus kam er 1534 als Seelsorger nach Tetin der bekannten Marterstätte der h. Ludmilla. Er ward hieraus nach Prag berufen, wo er in der Kleinseitner Augustinerkirche zum h. Thomas viele Jahre hindurch Prediger blieb. In dicke Epoche seines Lebens fällt sein Wirken für böhmische Historie! (Jllustrirte Chr. von Böhmen II. 381). Es war nämlich Martin Cuthenus von Spriugsfeld ein eifriger Utraquist damals mit der Abfassung einer böhmischen Chronik beschäftigt. Cuthcns Arbeit: Xronika o zaloZeni zeme.öeske erschien zu Prag 1539, also 2 Jahre früher als Hajeks Chronik. Von Cuthen in Varaine mit Mathias Colliuuö erschien ferner auch eine von mir in Nr. II des heuerigeu Jahrgangs dieser Zeitschrift schon erwähnte Beschrerbung des Einzugs Kaiser Ferdinands I in Prag— Mehrere ansehnliche Männer hegten nun die Besorgniß, der Nichtkatholik Cuthen dürste leicht im Sinne seiner Parthei^ zum Nachtheile der Katholiken schreiben, sie bestimmten also Hajek, auch die Feder zu ergreifen, um den muthmaßlich einseitigen Berichten Cuthens ein größeres Gegengewicht in ihrem Sinne entgegenzustellen. Sie rüsteten Hajek zu diesem Behufe mit einem namhaften Büchervorrathe und handschriftlichem Materiale aus, verschafften demselben freien Zutritt zu der Landtafel, die zu jener Zeit noch das alleinige Landesarchiv und völlig unversehrt war, und wirkten ihm noch überdies andere Begünstigungen von Seiten der Landesbehörden aus. Hajek rühmt selbst in seiner Vorrede, daß er von einigen ausgezeichneten Männern Böhmens, namentlich von dem Oberstlandrichter Heinrich Berka von Duba, dem Vicelandrickter Johann Hodiejowsky von Hodiejow, dem Ritter Peter Bohdanecky von Hadkow und dem Mag. Briktus von Liczko lebhaft angeeifcrt und unterstützt worden sei. In einem von Dobner ausgesundencn cechischen Originalbrief Hajeks, dessen Adresse an den damaligen Königgrätzer Burggrafen Johann Litoborsky von Chlum auf Petzka (1542) lautet, bekennt Hajek dankbar, daß ihn der genannte Burggraf an den Herrn Wezlik (1541 kaiserlicher Fiskus anempfohlen habe, was ihm in vielerlei Hinsicht ersprießlich gewesen sei. Wezlik habe ihn nämlich bei den Landständcn aufgeftthrt, und es seien ihm sogleich drei Copisten für die laudtäflichen Documcnte zugcordnet worden, auch hatten alle Burggrafen, Kreishauptleute, und Rathsmänner den Auftrag erhalten emsig uachzusorschen in Städten, Kirchen und Burgen nach geschichtlichen Urkunden und auf dem Flachlande nach den Traditionen des Volkes, das Gefundene aber solle Hajek zur Benützung mitgetheilt werden. Hajek hat dem Werk auch mittelst einer lateinischen vom 17. Oktober 1541 datirten Dedicationsschrift dem Monarchen Ferdinand I. selbst zugeeignet, worin er sagt: „Curavi igitur omnia iideliter agere, nil [Studio addere, vel metu supprimere, malens laudem veritatis, quam plausum gratiae impetrare. — W ie manchem heutigen Historiker wären solche Grundsätze dringend a n z u em p feh le n! — Kaiser Ferdinand I. bewilligte Hajek schon früher unterm 27. Mai 1539 ein Privilegium auf 10 Jahre, ernannte aber zugleich den Herrn Johann den älteren Popel von Lobkowitz auf Zbirow damaligen Oberstlandrichter, ferner Johann Hodiejowsky von Hodiejow damaligen Vicelandricbter, endlich Herrmann Ledecky von Dub zu vorläufigen Censoren des Werks „aby na te kronice s pilnosti posedöli, ji bedli wö prehledli a co2by vni neporadneho na§li to pretrhly a vymazaly. . Waren alle diese Herren mit der Lüge im Bnnde, und Helfershelfer eines Lügners? Privelegirte der Kaiser ei» Lügenlverk? Hajek hat mit seiner Chronik bei den Zeitgenossen, die der Aera seiner Erzählungen doch um so viel näher standen, keine Tadler, bei der Nachwelt aber bis ins 18. Jahrhundert desto mehr Lobredner gefunden, sogar Pelzel schrieb seine Geschichte mit Citaten aus Hajek. — Weleslawin, ein nüchterner Beurtheiler äußert sich im Jahre 1585. „Hajeks Werk ist das ausführlichste, und ich darf wohl sagen das fleißigste und reichlichste über die böhmische Geschichte. Viele Böhmen schätzen zwar Hajeks Chronik gering,weil derVerfafferdenUtraquisten manchmal zu nahe trete, und viel Unnützes ja auch Fabelhaftes deimische— man begreift allerdings nicht woher er seine vorchristliche Chronologie genommen, und wie 5*