Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 5 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 decken, sondern vielmehr darauf die Wissenschaft des Jndenthumes wieder bei unserer Jugend einzuführen. Die Gotteslehre war im Judenthume immer ein Gemeingut, die Scheidewand zwischen Priester und Laien ist ihm unbekannt; hätten wir ein Institut, das die rabbinischen Quellen den Talmud und seine Literatur, in strengwissenschaftlicher aber auch anziehender Weise behandelt, wer weiß ob nicht auch hier und da Jünglinge, welche die Theologie nicht zum Brodstudium gewählt, sich würden bewogen fühlen, aus diesen Quellen von Zeit zu Zeit mm Nutzen und Frommen ihrer religiösen und wissenschaftlichen Bildung zu schöpfen?- Darum halte ich dafür, daß es denn doch besser wäre, wir hätten unser eignes Institut im Vaterlande, an dem zuvörderst jeder Lern- und Wißbegierige, ob Rabbinatskandidat oder nicht, Belehrung und Unterricht finden könnte, und das wir durch einen freigewählten Landesausschuß zu leiten uud zu überwachen im Stande wären, und von dem wir endlich mit Gewißheit voraussctzen könnten, daß es zu keiner Zeit mit der Ueberzeugung der Landesmajorität in Konflikt gerathen werde. — Mögen diese redlich gemeinten Worte einen empfänglichen Boden finden. — Die Juden in pribram. von Rabbiner D. Oppenheim. Daß in den alten Bergstädten Oesterreichs, wo seit langen Jahren kein Jude wohnen durfte oder darf, ursprünglich Juden gewohnt haben, in manchen sogar größere Gemeinden gewesen seien, dürfte bekannt sein. So war es in Böhmen, in Mähren (Jglau), in Ungarn. Wer würde denken, daß z. B. Pribram, eine Stadt die Veranlassung gegeben zu den böhmischen Judenhetzen des I. 1866, und diesen auch am besten den officiellen Geschichtsnamen geben dürfte, daß dieses Städtchen in der Mitte des 13. Jahrhunderts und früher schon eine Judengemeinde gehabt habe, die sogar ziemlich groß gewesen sein muß. — Was man bisher von der Geschichte der Juden in Böhmen von ihrer Niederlassung daselbst bis in's 13. Jahrhundert weiß oder besser was man in dieser Periode als geschichtlich wahr annimmt, beschränkt sich auf ein Minimum, einmal weil aus den Zeiten vor König Ottokar II. nichts Documentarisches vorliegt und andererseits weil man gegen die Chronisten (besonders gegen Hajek, der seit Dobner's Bearbeitung als ausgemachter Lügner gilt) gar zu mißtrauisch gewesen. Ich halte mich immer überzeugt, daß an den Hajek'schen Berichten über die Juden Böhmens in den ersten Jahrhunderten ihres Aufenthaltes daselbst immerhin etwas wahres sei, und daß, was man am wenigsten glauben wollte; schon im 11. und 12. Jahrh. die Zahl der in Prag (am Wysehrad) und im Lande wohnenden Juden eine bedeutende gewesen sei. So nimmt man gewöhnlich an, daß erst unter Wenzel I. Juden auf dem flachen Lande sich niedergelassen: wir werden gleich von einer größeren Judengemeinde hören, die gerade unter diesem Könige in einer Landstadt nebst kleinen Dorfgemeinden in der Umgebung bestanden hat. Wir fanden dieß in einer jüd. Quelle, was nur wieder beweist, wie viel rein Geschichtliches aus dem literarischen Material zu lernen ist. Mordechai b. Hillel (-21112 zu Küp X22 §. 180) und nach ihm Schl. Luria (nnSiP 8t? ozu p"2, letzter Abschn. §. 42) citiren vollständig ein kurz und lichtvoll geschriebenes Gutachten des R. Abigdor b. Clijah ha- Cohen an die Ge¬ *) Die Schreibung 212"'2. verdient berücksichtigt zu werden! **) O'pTpT kann hier nicht in der Bedeutung „Thaler" genommen werden, da dieß chronologisch unmöglich ist. Bis ins 14. Jahrh. wird unter pipT (auch ohne das näher bestimmende *102) nur die ferne Mark verstanden. Die Steuer betrug also 480 Thaler, oder falls der Fuß ein anderer sein sollte, jedenfalls eine so beträchtliche Summe, daß man auf eine starke Gemeinde schließen muß. meinde Pribram (*D12-'B S.lp), dem folgende Thatsache zu entnehmen ist. — Den Inden zu P. wurde vom Könige eine Steuer im Betrage von 60 feine Mark Silber**) aufgelegt, die die Gemeinde ganz allein zu leisten hatte. Die umliegenden Dorfgemeinden d-2Wwollten nun durchaus, um sich selbst vor einer etwaigen sie besonders betreffenden Repartition zu bewahren, zu dieser Steuer einen Theik zusteucrn. Obwohl die Pribramer dieß nicht zngcben wollten, und auch die einflußreichsten Männer von Prag (jxiq -m^rr) gegen solches Vorgehen sich erklärten. Es half aber nichts, die Leute wußten die Quästoren der königl. Kammer vrm>) (fjfii dahin zu bewegen, daß sie von ihnen eine Summe als Stencrbeitrag annahmen, u. ihnen auch zurcchneten, wodurch die Gcm. P. zu Schaden kam, denn sie mußte später viel mehr zahlen, als ihr ursprünglich ausgeworfcn wurde. Avigdor's Entscheidung fiel nicht unbedingt gegen die Jischnbim aus, weil es nicht hinlänglich constatirt war, ob sie durch unerlaubte Mittel zur Leistung des Steuerbeitrages kamen. Es ist nun die Frage: wann ist diese Geschichte vorqefallen? Nachdem nicht anzunchmen ist, daß irgendwo eine Spur dieser Verordnung sich finden werde, so bietet zur Zeitbestimmung die Person des Abigdor den nächsten Anhaltspunkt. Abigdor, ein Schüler des R. Simcha aus Speier, älterer Zeitgenosse des R. Meir Rothenburg der in Kore und Scder ha-Doroth unter den Toßaphisten aufgezählt, wird von Zunz auf 1245 angesetzt, ein Zeitpunkt der wie sich aus den genauesten Nachforschungen ergibt, in die spätere Lebensjahre Abigdor fällt. Man wird also was unser Factum betrifft, auf 1230—50 verwiesen. In dieser Periode (von 1230—53) regierte in Böhmen Wenzel I, der Einäugige, ein König dessen Regierung durch drückende Steuerbelastung gerade characteristisch ist.***) Selbst den Adel schonte der verschwenderische König nicht, und die Unzufriedenheit über diesen Unfug war zu einer solchen Höhe gestiegen daß der böhmische Adel in Mähren mit Wenzel's Sohne Ottokar an der Spitze, eine Empörung ins Werk setzte die erst 1248 friedlich beigelegt wurde. In die erste Hälfte der 40er Jahre fällt der Mongolcnkrieg, an dem Wenzel, da sein Land hart bedroht war, starken Antheil nahm, die zweite Hülste wird von den inneren Unruhen ausgefüllt, man darf also annehmen, daß unser Vorfall nicht in diesem Jahrzehnte sich ereignet habe, und ist es am wahrscheinlichsten daß derselbe in die 30gcr Jahre zu setzen sei. Wenn also schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in einem Städtchen wie Pribram eine Jndengemeinde gewesen, von der man eine so hohe Summe als außerordentliche Steuer verlangen könnte, ist man da nicht zur Annahme berechtigt, daß schon viel früher in den Landstädten Böhmens Inden gewohnt haben, und daß im Allgemeinen die jüd. Bevölkerung Böhmens hoch hinaufreiche undV eine Vcrhältnißmäßig bedeutende gewesen sei! Heber Hajek von Liboyan und die von ihm erwähnte Judensynagoge auf der Kleinseite Prags. Von Leopold Wolf in Prag. Es ist nur ein Akt journalistischer Gerechtigkeit, daß dieses Blatt in dessen letzter Nummer IV in dem Artikel „Berichtigungen und Ergänzungen" über den böhmischen Geschichtsschreiber, oder wenn cs mehr beliebt wird, Chronisten Hajek ein apodiktisch wegwerfendes Urtheil gefällt wurde, auch nachfolgenden Zeilen Raum. gebe, die sine ira et Studio geschrieben, weit entfernt Hajeks Kro- ***) So sagt auch David Gans (mit Berufung auf einen Chro« nisten) von Wenzel I., desieu Verschwendungssucht auch er anführt: minn by ^22 nr üöixi d-dö.i Yy lay by .lSiy n« 1-22.1 «in