Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 5 (7.3.1867)
- Date
- 1867-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M. 5. IV. Jahrgang Central - Organ für alle Interesse« U& I»tzMth««s. Pränumerationsbetrag ganz;. 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr. vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung und Zustellung ins Haus, sür's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher jeden Monats. Redakteur: J). LhrMllNN. Administration Geistgaffe Nr. 908—1. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Die Seminerfrage. — Die Juden in Pribram. — Ueber Hajek von Liboczan. — Berichtigungen und Ergänzungen. II. — Briese eines Draußigen. XIX, XX. — Ein Wort übr die Stenografie bei den alten Hebräern. — Replik.— Bemerkung. — Corresp ondenz en: Prag, Pest. — Notizen: Prag, Hostaun, Ungarn, Rzezow, Berlin, Karlsruhe, London. — Inserate. — Die Leminarstage. Vom Kreisrabbiner I. Wiesner. Bereits vor vielen Jahren habe ich mich in mehrern Zeitschriften, wenn auch nicht immer mit Beifügung meines Namens — denn der Name thut hier nichts zur Sache — über die Nothwcndigkeit und Dringlichkeit einer rabbinischen Pflanzschule für den österreichischen Kaiserstaat überhaupt und für Böhmen insbesondere ausgesprochen. Auch mehrere meiner Herren Collcgen haben so viel ich weiß, mit allem Eifer für Rabbinerschulen plädirt. Wir haben uns jedoch zu unserem großen Leidwesen überzeugen müssen, daß die Sache in maßgebenden Kreisen keinen Anklang findet. Die Ursache davon kann und mag ich nicht ermitteln. Unter solchen Verhältnissen scheint es uns aber angemessener zu schweigen, als den Gegenstand immer wieder, ohne Aussicht auf den geringsten Erfolg, aufs Tapet zu bringen, ,denn wir lieben es nicht leeres Stroh zu dreschen, D'*m “isiS mxtttP dW2 D'-an neiS iöp nufö p Um jedoch den Verdacht abzuwehren als hätten die Rabbiner oder die Kreisrabbiner die Absicht, oder als läge es in ihrem Interesse diese hochwichtige Angelegenheit todt zu schweigen, sei es mir erlaubt meine Ansicht in gedrängter Kürze noch einmal hier darzulegen.-Soll man es zum hundertsten oder zum tausendsten Male sagen, wie nothwcndig es sei ein Institut ins Leben zu rufen in welchem künftige jüdische Seelsorger, für ihren gewiß nicht leichten Beruf, eine genügende, die alte Gründlichkeit mit der neuen Vielseitigkeit vereinigende wissenschaftliche Ausbildung erlangen können? Mit halben Maßregeln ist in dieser Beziehung nichts gethan, damit wird nur der Zerrissenheit und Zerfahrenheit, an denen wir ohnehin schon genug zu leiden haben, noch Vorschub geleistet.-Aber haben wir nicht ein allen Anforderungen entsprechendes Rabbiner-Seminar in Breslau? Unsere Vorfahren wollten in demselben Orte lieber zwei oder noch mehrere Unterrichtsanstalten, als eine einzige haben, weil, wie sie sagten, der gegenseitige Wetteifer dem Fortschritte der Wissenschaft nur förderlich sein könne. Unsere Zeit hingegen möchte ganz Deutschland, und den österreichischen Kaiserstaat obendrein auf ein einziges Institut verweisen, das noch dazu für uns ein ausländisches ist. .Selbst abgesehen davon, daß man noch nicht weiß wie sich die Regierung in Bezug auf die Befreiung der österreich. Zöglinge am Breslauer Seminar, vom Militärdienste, entscheiden wird, ist es bekannt genug, mit welchen Schwierigkeiten es selbst für denjenigen der ein Stipendium genießt, verbunden ist im Auslande zu studiren; und kann man es mit Bestimmtheit wissen, ob von 5 oder 6 Subventionirten, auch nur ein einziger sein Ziel wirklich erreicht, und sich am Ende für das Amt eines Rabbiners eignet? — Das Breslauer Seminar ist überdies ein Privutinstitut, und ist es einer jüdischen Bevölkerung von ungefähr 100000 Seelen, wie sie Böhmen zählt, auch nur angemessen, da wo es um ihre heiligsten Interessen, um die Wahrung und Fortpflanzung des väterlichen Glaubens handelt, ihre ganze Zuversicht auf eine ausländische Privatanstalt zu setzen? — Die Leitung dieser Privatanstalt befindet sich gegenwärtig, wir wollen es gerne zugestehen, in sehr guten Händen; aber welche Garantie haben wir denn dafür, daß dies auch immer so sein werde? — Wer bürgt uns dafür, daß das vom Stifter des Breslauer Seminars bestellte Curatorium, das sich bei jedem Abgang selbst ergänzt, und von dem die Besetzung der Stellen in diesem Institute einzig und allein abhängt, wer bürgt uns dafür sage ich, daß diese ganz unabhängigen und unbeschränkten Curatoren jederzeit die rechten Männer für diese höchst wichtigen Posten finden werden, oder, daß sie dieselben auch nur werden finden wollen? Und tritt einmal ein solcher Fall wirklich ein, wird das Breslauer Seminar von einem Geiste beherrscht, wie wir ihn nnsern Seelsorgernnicht wünschen, was dann? sollen wir dann unsere Zöglinge abrufen? und an welche Lehranstalt sollen wir sie weisen? Oder wird man sich erst dann zur Gründung eines eignen 'Instituts entschließen, wenn der günstige Zeitpunkt einmal vorüber, und die Mittel dazu nicht mehr zu' erschwingen sind? Nebstdem darf auck nicht außer Acht gelassen werden, daß' es nicht bloß darauf ankömmt eine gewisse Anzahl von Rabbinen sa° briksmäßig herzustellen, um den Bedarf an Seelsorgern' zü *