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Das Abendland · 1867-02-21 · 4 (21.2.1867) · p. Seite 31

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
4 (21.2.1867)
Date
1867-02-21
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 steil -ui Theil wird. Als der Zug vor die armenische Kirche anlangte, läuteten die Glocken und der Bischof mit dem ganzen Clerus folgten der Bahre. Suchschau. Geschichte und Darstellung des jüdischen Cultus von Dr. M. Duschak in Gaha. Manheim I. Schneider XVI. 401 S. Kein Theil der religiösen Praxis im Judenthume ist so enge mit den geschichtlichen Phasen der Nation verbunden als der eigentliche Cultus, man könnte beinahe sagen, er ist ein Produkt derselben. Was die Zeitanschauung, deren Geltung man in unserer Zeit mit der Benennung „Zeitgeist" zu potenziren glaubt, niemals bewerkstelligen konnte, hat auf liturgischem Gcbiethe die gebietherische Macht der Thatsachen nach den Verhältnissen umgestaltet, ohne daß auch nur ein Widerstand gegen solche tief eingreifende Reformen versucht worden wäre. — Das babylonische Feuer, das den ersten Tempel zerstörte, hatte für ein Menschcualter eben fo rasch das Feuer auf den Opferaltären verlöscht, als 4—5 Jahrhunderte später das römische Feuer, das in den 2. Tempel drang, dieselbe Umgestaltung des jüdischen Cultus erzielte, und zwar für Jahrtausende, die bereits verflossen wie für eine Zukunft, die zu den immensurablen Größen gehört. Hingegen ist cs dem sogenannten Zeitgeist bis jetzt noch nicht gelungen die Gebete um Wiederherstellung des blutigen Opferdienstes aus der Liturgie zu streichen, und alle derartigen Versuche, durch aktiven oder passiven Widerstand gelähmt, sind isolirt geblieben, und niemals recht tief in die Massen gedrungen. — Daher kömmt es auch, daß in neuerer Zeit die Reform sich zumeist auf dem Gcbiethe der Liturgie bewegt, weil ihr hier die Geschichte am meisten zu Hilfe kömmt. Jeder andere Theil der religiösen Praxis hat sein eigenes Schicksal, der Cultus in der engeru Bedeutung des Wortes hat eine Geschichte. Herr I)r. Duschak, wegen seiner vielseitigen Leistungen in der jüdischen Literatur rühmlichst bekannt, hat cs in dem vorliegenden Werke unternommen, eine Geschichte des jüdischen Cultus zu schreiben und die gelehrte Welt wird ihm für die vorzügliche Arbeit Dank wissen. Das reiche Wissen, die systematische, lichtvolle und gefällige Darstellung, das Streben nach Objektivität und Pragmatismus in der jüdischen Wissenschaft, erheben das Werk über die ephemeren Erscheinungen der Zeit, und lassen es als eine Bereicherung der jüdischen Literatur erkennen. Nach einer allgemeinen Einleitung wird im ersten Theile der Tempelkultus, im 2. Theile der Synagogeucultns und als Beilagen die gottesdienstlichen Anstalten behandelt. Der erste Theil erscheint in seiner ausführlichen Behandlung als eine gründliche archäologische Studie, in welcher der Verf: nach Art mancher Vorgänger der Symbolik eine Bedeutung und Ausdehnung gibt, die leicht zu willkührlichen Auffassungen und Erklärungen verleiten. In den übrigen Theilen des Buches hingegen zeigt sich der Vers: als den nüchternen Gelehrten, dessen wissenschaftlicher Darstellung man mit Anfmcrksamkeit und Spannung folgt. Im Ganzen aber gibt sich eine immense Belesenheit und ein Rcichthum an Gedanken kund. Es wäre schwierig auf einzelne schöne Parthien hinzuweiscn, denn in der That ist das ganze Buch höchst instruktiv und interessant, hingegen ist es leichter einige Punkte hervorzuheben mit denen wir uns nicht einverstanden erklären können. — S. XI können wir Thorhüter, Sänger und Administranten nur als untergeordnete, nicht als ordnende Diener (Präsidenten) des Cultus betrachten.^ — S. 11. Das Erstgeborne war ein selbstständiges Opfer. S. 18 ist die Erklärung des Wortes nniö'x höchst gezwungen. Wichtiger als diese Unerheblichkeiten ist uns ein Passus auf S. 119. Nachdem der Tempeldienst am Versöhnungstage ausführlich geschildert wird heißt es. „Die Mädchen von Jerusalem zogen dann weißgekleidet in die nahen Weinberge zum fröhlichen Tanz, wobei mancher Liebesroman angckuüpst war" (wurde) — Wir haben bereits vor Jahren in einem Aufsatze in den „Wiener Mittheilungen" nacbgewiescn, daß dieses Tanzfest, das der Verf: nur obenhin berührt, das aber ein wahres idyllisches Volksfest zur Vermittlung von Ehebünduissen war, unmöglich am heiligen Versöhuungsfeste, wo jeder sinnliche Genuß ohne Ausnahme streng verboten war, stattfinden konnte. Ein Ball im Freien, zu dem die Gäste nur schlaffe vom Hunger und Durst abgemattete Glieder bringen, bei dem die Damen auf Waschungen und Parfumirungen verzichten müssen, wäre selbst für Lappländer Naturen eine starke Zumuthung. Ein Fest, das bei aller Naivität der Zeit an das Frivole streift, war kein passender Schluß für den höchsten Bußetag. Das junge Volk konnte sich nicht so rücksichtslos den sinnlichen Vergnügungen hingeben, während der Hohepriester die Nation mit Gott auszusöhnen suchte. Der Herr Verf: arrangirt es freilich so, als ob der Tanz am Nachmittage nach Vollendung des Gottesdienstes statt gefunden hätte; allein die priesterlichen Funktionen währten ja bis zur Nacht, und erst bei Ausgang des Festes verließ der Hohepriester den Tempel, und begab sich, begleitet von den Vornehmsten des Volkes in sein Haus. Wahrlich, wenn die bezügliche Talmudquelle sich noch so klar und bestimmt über das Stattfinden jenes Volksfestes am Versöhnungstage aussprechen würde, wir müssten aus den angeführten Gründen au eine Jnterpelation denken. Glücklicher Weise kommen wir aus den Schwierigkeiten mit einer kleinen Tcxtemcudation heraus. Die Stelle lautet: Es gab für Israel keinen freudigcrn Tage als der Bersöhnungstag und den 15. Ab, da gingen die Töchter Israels in's Freie etc. Offenbar bezieht sich das Wörtchen d a auf den letzten Tag, den 15. Ab (für 112^ ist 12t? zu lesen.) Beide Tage werden mit Recht als die höchsten Freudcntage bezeichnet. Der Versöhnungstag bot dem Geiste den höchsten Genuß, der 15. Ab steckte die äußersten Grenzen für den erlaubten sinnlichen Genuß. — Wir haben diesem Punkte eine ausführliche Erörterung gewidmet, theils zur Ehrenrettung unseres heiligsten Bußetages, theils um die Nothwendigkeit einer strengen Kritik bei pragmatischen Darstellungen, denen die agadischcn Duellen die geschichtliche Unterlage abgeben, darzuthuu. Wir hoffen, der Herr Verf: werde unsere Bemerkung neben dem Ernst einer wissenschaftlichen Ueberzeugung als einen Beweis der Achtung, die wir seinem gediegenen Werke zollen, anerkennen. Es versteht sich von selbst, daß der Vertheidigung und weitern Begründung der gegnerischen Ansicht die Spalten des „Abendland" offen stehen. Die äußere Ausstattung, ist, was Format, Papier und Typen betrifft, eine vorzügliche, leider aber wimmelt das Werk von Druck- und Satzfehlern, ein Uebelstaud, der in der Entfernung des Verf: vom Druckorte theilweise seine Entschuldigung findet. R. Feuilleton. Die Tante. Eine Erzählung von Siegfried Hölder. (Fortsetzung.) 4. Kückschau. Kaum einen Monat alt war ich ein gänzlich verwaistes Kind. — Die Theilnahme, die man in unserem Orte allgemein dem traurigen Ende meiner braven armen Eltern schenkte

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