Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 4 (21.2.1867)
- Date
- 1867-02-21
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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30 CorrespondenM. Skalsko. W\t dem Rufe "jbnx oipe ^rrn forbcrt Herr Rabbiner Ehrentheil es mögen die Spalten dieses Blattes sich öffnen um die verschiedene Meinungen bezüglich der Rabbinats- Seminarfrage aufznnehmen. Ich erlaube mir daher ausmerksam zu machen, daß als seinerzeit dieses Blatt unter früherer Redaktion eine ähnliche Aufforderung brachte, neben einer einzigen Stimme die sich hierüber vernehmen ließ auch meine subjektive Meinung ausgenommen wurde; Ucbrigcns blieb cs aber stille anayn rumsa, denn da maßgebende S t i m m e n a n s g e b l i e b e n, so wurde das Ganze alsbald den verschollenen Geschichten beigelegt, wie es hoffentlich auch diesmal geschehen dürfte, wenn nicht jene Männer sprechen werden denen cs in erster Reihe zukömmt in solchen Angelegenheiten das Wort zu führen. Wo sind aber jene Männer die durch des Volkes Vertrauen an die Spitze desselben berufen sind?— W o sind die Rabbiner?— Wo die Landes- Repräsentanten? — Warum schweigcu sie Alle?-my *]f?ip '3 "|Sip nx »jy’ötpn An ihnen ist eö den ersten Schritt zu machen und wird es das Volk gewiß nicht unterlassen ihnen zu folgen denn nxi 'v sr 8*71 C*S3fV iS«? Finden sie aber die Errichtung eines solchen Institutes unzweckmäßig oder unmöglich, so sollen sie uns eines Bessern belehren, bis dahin jedoch bleibe ich meinem unmaßgebendem Grundsätze treu, daß zur Erhaltung jüdischreligiöser Wissenschaft Skup'ö min piaan die Errichtu n g eines R a b b i n a t- und Lehrer- Seminars im österreichischen Staate nicht nur höchst nothwcndig, sondern auch leicht möglich, und daß hiezu kein Land als Böhmen und keine Stadt als Prag geeigneter ist. D. Kahn. Leipzig im Januar. Wie alljährlich so feierte auch in diesem Jahre der M. Mendelssohn-Verein hier den Gedächtnißtag des großen Wcltwciseu und Regenerators des Judenthums, vr. J oh. Jacobi der von Berlin die Festrede zu halten berufen wurde, hat in einem sehr freundlichen herzgewinnenden Schreiben diesen ehrenvollen Auftrag abzulehnen sich gedrungen gesehen, weil die bevorstehenden Wahlen zum Reichstag des Rorddcutschen-Bundcs seine persönliche und schriftliche Mitwirkung bedürfen obgleich er sich über die Thätigkcit der Vorläufer des 18. Jahrhunderts so gerne öffentlich aussprechen möchte. — Der Vorstand des Vereines musste die freundliche Bereitwilligkeit des Herrn Prof. vr. H.W u t t k e dankbar anerkennen, der eine treffliche Rede (in kaum drei Tage) zur Zufriedenheit der großen Versammlung geliefert hat. Redner betrachtete Mendelssohn als Popularphilosoph im Anschluß an Leibnitz, Wolf, würdigte in M. . . die noch immer unübertroffene klare philosophische Darstellungsweise, die subtilsten Begriffe so fest zu kennzeichnen und zu veranschaulichen, hob besonders in geistvoller Ausführung dessen Meisterwerk hervor d. i. der Phüdon, woraus er die schönsten Stellen zitirte. Der tüchtige Deklamator vr. O. Willman trug einige passende Gedichte von Adolph Böttgcr unter allgemeinem Beifall vor. Der berühmte Eomponist H. I. Jadasohe spielte mit cigenthümlicher Virtuosität seine eigene treffliche Eompositionen, auch H. Goldberg Schüler vom hiesigen Eonservatorium sang einige schöne Lieder. So wurde die dießjährige McudclSsohnfcier durch Mitwirkung verschiedener Kräfte, Inden und Nichtjuden begangen, bei der darauf folgenden Tafel haben Herrn vr. Goldschmidt, Prof. vr. Wuttke, vr. Fr. Friedrich, M. Fr ä nke l sinnige schöne Trinksprüche gebracht, Prof. Wuttke schenkte der Vereinsbibliothek ein Exemplar 1. Ausgabe Phädon, vom Verfasser selbst korrigirt. (1767.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Der Ilmbau des israel. Tempels ist bereits am 19. d. SLtf. in Angriff genommen worden. Das in Folge eines Beschlusses der letzten Generalversammlung verstärkte Bau-Eomite besteht aus den Herren: Sam. Fischet, Leopold Pollak, Philipp Reach, vr. Robitschek und Gustav Schitz. Wir haben das tolerante und humane Verfahren des reformirten Pastors Herrn Koffuth, der seine Kirche zur zeitweiligen Benützung für den jüd. Gottesdienst anboth mit aller Anerkennung zu registrireu— Das Anerbicthcn wurde dankend abgelehnt, da auf eigenem Grund und Boden in der früher»: Wohnung des Herrn Prof. Kaempf für einen Interims- Gottesdienst gesorgt ist. Pest. Mit hohem Statthalterei - Erlasse wurde eine Anzahl ungarischer Rabbiner nahmhaft gemacht, denen das Recht zusteht, Rabbinatsbeflissenc Jünglinge für den Besuch des Preßburger Seminars vorznbereilen. Dresden im Februar. In diesem Monat feiert der Oberrabbiner vr. W. Landau seine silberne Hochzeit, der hiesige Gemeindevorstand beabsichtigt den Jubilar in besonderer Weise zu überraschen, auch in der Mitte des Vorstandes der Leipziger israelitischen Gemeinde sind Stimmen dafür dem vr. Landau an diesem Frcudentage ehrenhafte Aufmerksamkeit zu beweisen. Frankfurt a. M. Baron von Rothschild ist für das norddeutsche Parlament mit 5300 unter 6000 Stimmen gewählt worden. In Hamburg ging vr. Ree, auch als Schriftsteller in der jüdischen Literatur bekannt, aus der Wahlurne hervor. Berlin. Rach der Zeitschrift des preußisch - statistischen Bureau's beträgt in Preußen durch den erhaltenen Länderzuwachs die Anzahl der Juden 314797. * Das 35 jährige Bestehen der trefflichen Zeitschrift. „Magazin für die Literatur des Auslands" unter der Leitung des Direktor Lehmann wurde am 26. Jäncr von mehreren Mitgliedern des Vereins „Berliner Presse" und mchrercn Freunden der Zeitschrift und ihres verdienstvollen Redakteurs festlich begangen. * Ihre Majestät die Königin besuchte das jüdische Spital und geruhete Ihre Zufriedenheit mit der Einrichtung desselben auszusprechen. Bühl (Baden) Die diamantene Hochzeit des Ehepaares Kaufmann Schweizer und Rachel geb: Ullmann, wurde in der hiesigen Synagoge durch eine würdige Andacht gefeiert. Laut einer vom Herrn Bezirksrabbincr Leopold Schott von der Kanzel aus vorgezeigten Urkunde wurde dieses Greisenpaar, das sich seiner vollen körperlichen und geistigen Rüstigkeit erfreut, am 10. Feber 1807 ehelich getraut. — Beinahe die sämmtliche Einwohnerschaft der^Stadt wohnten der Feierlichkeit bei, auch die Spitzen der Staats- und Gemeindebehörden in der Stadt waren anwesend. Die größte Ucberraschung wurde dem Jubelpaar durch ein Gnadengeschenk, womit es an diesem Tage von Sr. k. Hoheit dem Großhcrzoge von Baden bedacht wurde. London. Die West-London Gemeinde will einen neuen Tempel mit dem Kostenauswande von 400000 Frcs erbauen. Sir Francis Goldschmidt Parlaments Mitglied hat hiezu 50000 Frcs, Herr Julian Goldschmid 25000 Frcs gezeichnet. Lnsale. Cavaliere Emil Vitta (Jsraelite) hat dem Herrn Bischof Collobiana 2000 Lire übergeben zu dem Zwecke die Hälfte dieses Betrages den Armen der Stadt, die andere Hälfte den sehr bedürftigen Laienbrüdern des Ordens äei mendieanti zuzuwendcn. Konstantinopel. Bei dem Leichenbegängnisse des Herrn Raphael Comando betheiligte sich die Elite der Stadt. Eine Abthcilung regulärer Truppen begleitete den Zug— Beim Vorübcrzicheu des Condukts vor dem Hafen fatutirten die Schiffe mit gesenkten Segeln, eine Ehre, die sonst nur Für-