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Das Abendland · 1867-02-07 · 3 (7.2.1867) · p. Seite 19

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
3 (7.2.1867)
Date
1867-02-07
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 töcctcu feines öMentbenS für bie zzolge 9itcincinbcui nicl)r ©e- Halt angethan werben solle; beim wenn Gott will, erbarmt er sich beS Einen nnb läßt wieber ben Anbern hartnäckig bleiben. Denn Heil möge nur benlenigen widerfahren, bie ba willig sinb! — In bei- That trat auch nach bem Abgang ber Merowingischen Könige unter Carl bem Großen eine für bie Inden günstigere Periobe ein! Briefe eines Draußigen. Bon Rabbiner Ehrentheil in Horic. XVII. Im Orient klärt es sich, bie Wolken «m politischen Himmel baselbst scheinen sich allmälig zu zerstreuen, und da wir nun voraussichtlich keine Truppen ins Morgen! anb senden, so wollen wir basür bem „Abendland" unsere Aufmerksamkeit zuwenden, und demselben unsere wenn auch unbedeutenden journalistischen Hilsstruppen zusenden. — Wir möchten Ihnen angesichts der Rabbiner - Seminarsrage die nun so gebieterisch an uns herantritt mit den Worten des Proseten zurusen! "IF“? 'FOOF» erweitern S i e geehrter Herr Redaeteur! die Räume Ihres Sprechsaals, aus daß Raum werde für die vielen verschiedenen Meinungen über diesen hochwichtigen Gegenstand, die wir im Interesse der guten und heiligen Sache veröffentlicht zu sehen wünschten — Mögen viele edle Männer die da berufen sind das Wort zu führen zum Heile Israels, in der Semiuarsrage ihr Votum abgeben, ist doch der Gegenstand von unberechenbarer Tragweite für unser religiöses und eultuelles Leben. — Böhmen also soll wie wir zu unserer innigsten Geuugthuung vernehmen zuerst die Initiative ergreifen und an die Creirung eines Seminars gehen; — Böhmen aber, b. h. das böhmische Judenthum trägt auch zunächst die Bedingnisse eines baldigen Entstehens und gesegneten Fortbestandes eines solchen Institutes in sich — Böh m e n das nicht zerklüftet in religiösen Partheien ist, die böhmische Judenschast die Dank dun Himmel in mit thalmudischem Wissen gepaarter moderner Bildung keine Gefahr sür die Religion Israels sieht, das böhmische Judenthum das die kleinlichen bitterbösen Kämpfe gegen den gemäßigten Fortschritt mit richtigem Takte als die unheildrohende Wolke am Himmel des jüdischen Lebens erkannt hat, und sich daher gerne dem Lichte und der friedlichen Entwickelung wissenschaftlichen Geistes zuwendet, dieß böhmische Judenthum ist daher mit Recht berufen, während anderswo lange vonAmtswcgen berathen und debattirt wird um sür die Registraturarchive viel schätzbares Materiale zu liefern, rasch und aus eigener Initiative ans Werk zu gehen, um so eher als in der bereits bestehenden Thalmudthoeaanstalt ein Kristalisationspunkt gegeben ist, und an der Spitze dieses Institutes ein Mann wie vr. Wessely steht, von dem nur zweckentsprechende Maßnahmen zu erwarten stehen. Wollen Sie geehrter Herr Redaeteur! in dieser Angelegenheit uns Draußigen durch öftere Berichte stets a jour zu erhalten die Güte haben. — Auch „draußen" rührt es sich der trotz der starren Schneedecke die sich ringsumher über unseren Gesichtskreis gelagert -- ja dort wo der Schnee am dichtesten liegt in dem Gebirgsorte Rokitnitz nahe der preußisch-schlesischen Gränzerührt sich die jüdische religiöse Thatkrast und werden seit einiger Zeit alle möglichen Vorbereitungen zum Baue eines Gotteshauses gemacht, und soll schon mit Beginn des Frühjahrs der erste Spatenstich zur Aushebung des Grundes gemacht werden. Viel zu dem löblichen Beschlüsse soll die Energie des H. Mauthner des gegenwärtigen Vorstehers beigetragen haben, und dürsten die wackeren und für das Judenthum glühenden Männer Herr Borges und Weiß daselbst das gottgefällige Werk aus allen Kräften fördern Helsen — Wir wünschen dem frommen Beginnen Gottes reichen Segen und eine baldige rühmliche Vollendung. — XVIII. „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat eben keinen zu verlieren." e>ie kennen wohl diesen alten tiefernsten Spruch, und wissen auch, daß die Ereignisse des abgelausenen Jahres derart waren, daß das innerste Räderwerk des Geistes leicht alterirt werden konnte;^So ward denn auch ein braver bernsstreuer Lehrer H. Weiß in Hollie im Chrudimer Kreise ein Opfer jener unheilvollen Zeit— innerhalb der stillen Mauern des Landesirreninstitutes, umfangen von den Banden des Irrsinns sitzt nun schon seit Monaten der Mann der sonst in den geheiligten Räumen der Schule segensreich wirkte, und seine Gattin Frau Sofie Weiß eine wackere gebildete Frau muß, da Hollie ihr wenig oder gar nichts als Pension bieten kann, am Hungertnche nagen, und was noch schmerzlicher sür das Mutterherz ist ihre drei kleinen Kinder verkümmern sehen, wenn nicht mitleidige edle Menschenfreunde ihr milde Gaben zufließen lassen, und sie in den Stand seyen durch einen kleinen Handel ihre Kinder deren Aeltestes 3 Jahre zählt, ernähren zu können— Hier meine geliebten edelhcrzigen Glaubensgenossen! ist Euerer Wohlthätigkeit ein weites Feld geboten— hier Ihr von Gott mit Wohlhabenheit gesegneten Brüder in Rah und Fern! hier heißt es eine junge brave Schwester in Israel vom Abgrunde des Bettelns mitleidsvoll zu retten, und sie dem süßen Borne eigenen ehrenhaften Erwerbes zuznsühren — lasset den Ruf des schlichten „Draußigen" nicht ungehört verhallen — es ist die Familie eines Lehrers eines derjenigen, leider noch immer zu wenig anerkannten, Individuen, die ihres Lebens beste Kräfte sür unsere Jugend einsetzen— sie spricht zu Euch durch die Feder des „Draußigen" der sich glücklich schätzen wird der Vollstrecker Eueres edlen Willens, der Bote Euerer Milde zu sein— Jede auch die kleinste Gabe wird gerne entgegengenommen um nach öffentlicher Bescheinigung der Bestimmung zuznsühren. Glauben ober Forsche». Vom Kreisrabbiner I. Wiesner. R. Simlai, ein Lehrer des dritten Jahrhunderts war der erste, der d e Verordnungen der h. Schrift aus die bestimmte Zahl von 613 sixirte, aber zugleich sich auch geneigt zeigte diese große Menge der verschiedenartigsten Vorschriften, in Anlehnung an die Worte des Propheten oder Psalmisten, auf einige wenige Grnndelemente, eils, sechs oder drei, in welchen die moralischen Seiten, das Verhalten zum Nebenmenschen, am meisten betont ist, zurückznsühren (s. Makoth 23 b). Neu ist dies wohl nicht, hatte doch schon viel früher der große Hillel, und zwar ohne dafür eine Stütze bei den Propheten oder Psalmisten zu suchen, erklärt, wie der schlichte Grundsatz: „Was du nicht willst, daß es dir geschehe, das füge auch deinem Nebenmenschen nicht zu," die Quintessenz der ganzen Thv'-a sei, zu der sich alles Andere wie ein Kommentar zum Texte verhalte. — Bei weitem ans mehr Originalität dürste der letzte Versuch dieses Lehrers Anspruch machen, der daraus ausgeht alle Pflichten der Gotteslehre auf das eine Grundelement, aus die ehrliche und gründliche Forschung zu reduziren, mit Hinweisungaus das Wort des Propheten: „So spricht der Ewige znm Hause Israels, forschet mich und ihr werdet leben" (Amos. 5, 4). Hier tritt offenbar das Intellektuelle, das Streben nach Wissen und Erkenntniß in den Vordergrund, dem alles Andere untergeordnet wird. — Diesen Ausspruch hat der spätere R. 3*

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