Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 3 (7.2.1867)
- Date
- 1867-02-07
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Dach und Fach für mich und meine Familie, so danke ich der weisen Matrone für ihren baulustigcn Vorwitz. Sie mag ihn an Kartenhäusern oder Luftschlössern versuchen.!" Ncs. Scharfblick erkannte sehr richtig, daß Kant's negatives Verfahren eonsequent nur zu einem einseitigen Subjeclivismus führen mußte. Hat er falsch gesehen? hat Fichte seine Bcsorgniß nicht gerechtfertigt?—. Und vollends gar Ms. Constrnirung und Kritisirung des Spinozismus! (Ich bringe— gegen das chronologische Verhältniß— Spinoza nach .Kant zur Sprache, weil Ms. philosophischer Beruf sich hier viel glänzender offenbart). — Für Ms. war es schon eine kühne That, daß er den Spinozismus zu beleuchten wagte. Man muß bedenken, in welchem Mißkredit die Lehre des Amsterdamer Glasschleifers damals stand, und welcher Mißlicbigkeit derjenige sich aussetztc, welcher sich mit dieser Lehre befaßte, in so fern er nicht von vorn herein das Verdammungsurlheil durüber sprach. Das that nun aber Ms. kcinesweges, vielmehr beweist seine Bemühung einen geläuterten Pantheismus herzustellen, wie sehr er mit Spinoza sympathisirtc. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, dem Grunde nachzuspüren, in welchem diese Sympathie wurzelte. Einmal war Ms. mit dem spinozistischen System früh bekannt worden; cs lag als abgeschlossenes Ganzes vor ihm; er übcrnam cs nicht in Bruchstücken, wie in seinen spätcrn Tagen die Kant'sche Philosophie. Sodann fühlte er die Wahlverwandtschaft zwischen dem Spinozismus und seinem eigenen realistischen System. Spinoza erkennt doch dem Raume Objcctivität zu; hier ist doch „Dach und Fach" geborgen, was bei dem „Alleszermalmenden," wie ja bekannt, nicht der Fall ist. Und auch nur soweit wollte Ms. das System Spinoza's anerkennen. Wo Spinoza die Realität der Einzel- Dinge negirt, da ist für Ms. auch schon der Scheideweg, wo er von jenem sich trennt; denn nicht nur die Substanz— auch ihre Modificationcn will er real wissen. Jedenfalls ist Ms. Kritik des spinozistischen Systems die gründlichste und bündigste, die je geschrieben worden, und in einer Form gegeben, die wahrhaft klassisch zu nennen ist. Die Juden unter den Franken und Westgothen. von Leopold Wolf in Prag. In den ersten Zeiten des Mittelalters gegen das Jahr 450 finden wir die salischen Franken unter der Herrschaft des Meroväus, dessen Nachkommen sich bis ins achte Jahrhundert im Besitze der Herrschaft über das fränkische Reich behaupteten, und nach ihrem Stammvater Meroväus den Namen Merowinger führten. Diese sind in der Geschichte namentlich durch ihre Habgier und Herrschsucht gekennzeichnet, indem sie vor keinem Mittel, ob Hinterlist oder Gewalt, Raub oder Mord zurückschrecktcn, wenn es galt ihre unlauteren selbstsüchtigen Pläne zu verwirklichen. Wie die Juden unter einem solchen Herrscherhause behandelt wurden, läßt sich nach der vorausgeschickten allgemeinen Schilderung leicht von selbst schließen. Zu einer Zeit, wo Bekehrungen ganzer Völkerschaften zum Christenthume an der Tagesordnung waren, wo insbesondere die herrschenden Dynastien vorerst für die Sache des römischen Katholicismus gewonnen wurden, und diese dann die ihnen schon untergebenen und die von ihnen unterworfenen Stämme theils durch ihr Beispiel, theils durch Gewalt in den Schooß der alleinseligmachenden Kirche einführten, ist es gar kein Wunder, wenn die Proselytenmacherei ihr Augenmerk auch auf die Juden richtete, und dies um so mehr bei den fränkischen Merowingern, wo die Annahme der Taufe von Seite Chlodwigs I. mit besonderen Wunderlegenden ausgeschmückt wurde, wie z. B. diejenige, nach welcher eine vom Himmel gesandte Taube das Oelfläschchen, welches später in Rheims bei der Krönung der französischen Könige gebraucht und gezeigt wurde, in die Kirche gebracht habe! Einem solchen Nimbus zu widerstehen, wurde den Juden als Trotz, insbesondere gegen die Fürsten aus dem bei Gelegenheit ihrer Taufe so wunderbar ausgezeichneten Herrscherstamm ausgelcgt, und sie sollten diese ihre Widerspenstigkeit hart genug büßen. Die freie Ausübung ihrer Religion wurde ihnen, wenn auch nicht ganz untersagt, so doch beschränkt, die Beschncidung war verpönt, und ihre heiligen Schriften wurden ihnen entrissen. Cultus Judaeorum interdictus magnis iinpedimentis opressus est, rex circumcisionem ac praecepta sacra eorum abstuiit (Eccardi leges Francorum). Unter den Merowingern ist es insbesondere Dagobert, dessen Judenhaß für die Juden verhängnißvoll war. Als Clotar im Jahre 628 starb, brachte Dagobert das gcsammte Reich an sich und behielt es auch ohne Theilung. Er wollte eine Stütze der katholischen Religion werden, aber der Eifer, den er für die Ausbreitung derselben an den Tag legte, verliert seinen Heiligenschein durch die gewaltsamen Mittel, die er zu diesem Zwecke gebrauchte. Namentlich wußte ihn, wie wir in Vita 8. Amandi c. II. lesen, Aicharins Bischof zu Noyon gegen die Juden einzuuehmen, und einen Befehl beim Könige zu erwirken des Inhaltes: 8i quis .Judaeorum non sponte per baptismi lavacrum regenerari voluisset, coactus a Rege, sacro ablueretur baptismate. Wenn sich ein Jude nicht freiwillig taufen lassen wollte, so wurde er vom Könige durch Gewalt dazu gezwungen!— Wir finden hier nun genau denjenigen bezeichnet, der kraft seines Einflusses der geistige und geistliche Urheber der königlichen Jndcnedicte war. Die Kirche hatte ihr Netz um den .König gesponnen, und in dieses Netz sollten auch die Juden mitgesangen werden. Es ist demnach die auch von Grätz. V. 89 angezweifclte Erzählung des Eredegarin8 c. 65: „Heraelius cum esset literis nimium eruditus, Astrologus effieitur, per quod cernens a circumcisis gentibus divino nutu imperium esse vastandum, ad Dagobertum, regem Francorum, dirigens, petit, ut omnes Judaeos regni sui ad tidem catholicam baptizandos praeciperet, quod protinus Dagobertus implevit“ ' daß der byzantinische Kaiser Heraelius der mittelst der Astrologie erfahren hatte, daß seinem Reiche durch ein beschnittenes Volk Gefahr drohe, einen eigenhändigen Brief an Dagobert geschrieben und ihn dadurch zu den Gewaltmaßregeln gegen die Juden gedrängt habe, insoserne unrichtig, als es bei Dagobert gar nicht dieses von Weitern herkommenden Einflusses bedurfte, nachdern er in seiner Nähe genug judenfeindliche Nathgeber hatte, und es ihm auch an Beispielen in seiner Nachbarschaft nicht fehlte. Schelandus, König der Westgothcn verfuhr eben so hart gegen seine jüdischen Unterthaneu. So berichtet Jsidorus in seinem Chronicon Gothorum 651 von Schelandus: „Qui in initio regni sui Judaeos ad fidem Christianam permovens aemulationem qui dem Dei habuit, sed non secundum scientiam. Potestate enim compulit, quos provocare fidei ratione oportuit. Sed sicut scriptum est sive per occasionem sive per veritatem Christus adnuntietur“ e>d)elandns habe die Juden seines Reiches in übertriebenem Religionsciser zum christlichen Glauben, nicht durch Ueberzeugung und Vernunftgründe, sondern durch Gewalt gezwungen. Ein gleiches berichtet auch Rodericus Toletanus Arehiepiscopus in seiner Historia Gothorum et Arabum Tom II pag. 25, und aus dem hohen geistlichen Eharactcr des Historiographen erkennen wir auch wieder da die Triebkraft dieser jndenseindlichen Akte, ungeachtet Jsidorus und andere damalige Kirchenlehrer dergleichen gewaltsame Bekehrungen so wenig billigten, daß sie vielmehr durch deren Antrieb aus dem Concilium zu Toledo verboten wurden. „De Judaeis autem praecipit sancta synodus, nemini deinceps ad credendum vim inferre. Cui enim vult, Deus miseretur et quem vult indurat. Non enim talis inviti salvandi sunt, sed volentes utintegra sit forma justitiae. (Concilium ToletanumIV.56) In Betreff der Juden verordnete die heilige Synode, daß