Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 3 (7.2.1867)
- Date
- 1867-02-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IT. Zaliraang. frag den?. Jeder 1867 Pränumerationsbetrag ganzj. 3 fl., halbzahrig 1 fl. 50 kr. vierteljabrig 80 kr. «itPostzusendung und Zustellung ins Haus, für's Ausland ganzj. 2 Thlr. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Interesse« -es In-e«th»«s. Erscheint am 2. und 4. Donnerstag eines Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher jeden Monats. Redakteur: A. LhrMckNN. Administration Geistgafle Nr. 908—I. Inserate werden billigst berechnet. Inhalt. Ueber M. Mendelssohn. — Die Inden unter den Franken und Westgothen. — Briefe eines Dranßigen. — XVII, XVIII. — ' Glauben oder Forschen. — Allgemeine Wehrpflicht. — Correspondenzen: Pardubitz, Breslau. — Notizen: Prag, Lübek. Bern. Venedig, Florenz, Ancona. Rovigo, Vercelli. Paris, Madrid. — Feuilleton. Die Tante — Inserate. Arber M. Mendelssohn. Ein Vortrag von Profeffor Dr. Kaempf. (Im Auszuge mitgetheilt,) (Schluß) Wenden wir uns nun dem Philosophen Ms. zu' Was Ms. Thätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie betrifft, fehlte und fehlt es nicht an engherzigen und kleinlichen Zünftlern, die behaupteten, und behaupten, daß Ms. der Name Philosoph im schulgemäßen Sinne gar nicht zukommc, indem auf diesen Namen nur derjenige Anspruch habe, der ein eigenes System geschaffen und dasselbe mit einer eigenen Terminologie ausgestattet hat." Nun fürwahr, der Marquis d’ Argent war hierin anderer Meinung, er hat ohne Scruppel unfern Ms. dem Philosophen von Lanssouei gegenüber „un Philosophe“ genannt, und zwar aus so voller Ueberzeugung, daß er dem Prädicat „Philosophe" noch ein anderes, nämlich „mauvais juif“ hinzufügen zu müssen glaubte, um durch die Negation bezüglich des religiösen Glaubens die Position hinsichtlich der Philosophie zu verstärken. Wir wollen dem edlen Marquis sein Scherzwort darum nicht verargen,— nannte er doch sich selbst „mauvais catholique,“ und den König „mauvais Protestant“! Aber wir bedürfen nicht erst der Negation zur Verstärkung der Position. Nach unfern Begriffen kann man ein Philosoph ersten Ranges sein, ohne einem leeren Formalismus zu huldigen, denn darauf läuft häufig die ganze Zimmermanns— „Arbeit in Betreff von System—Bau und Terminologie"—Ausstaffirung hinaus. Die Zünftler haben auch auf Ms. eigene« Geständniß hingewiescn, nämlich: „er verstehe Kant nicht, er vermöge den Kant'schen Spekulationen nicht zu folgen, seine Kräfte gestatten es nicht mehr" oc. dem könnte man aber Kant'« eigene Worte an Ms. entgegensetzen, „daß nämlich von Abnahme der Kräfte Ms. in dessen Jerusalem nichtzu merken sei, und daß er sehr bedauere, daß Männer, wie Ms., sich von den Untersuchungen, zu denen er (Kant) den Weg zeigt, sich zurückziehen." Aber auch ohne Kant's anerkennendes Urtheil genügen Ms. eigene Worte zur gerechten Würdigung seiner Größe und Höhe auch ans dem Gebiete der spekulativen Philosophie. Daß er Kant zu würdigen verstanden, beweist sein Ausruf: „O hätte ich vor meinem zwanzigsten Jahre Kant zum Freunde gehabt!"— Wenn er aber in einem Schreiben an Elise Reimarus (v. 5. Jan. 1784) bezüglich der Kritik der reinen Vernunft sagt: „Ich für meinen Theil muß bekennen, daß ich ihn nicht verstehe"— so ist hierunter— meines Erachtens— weniger das Verstehen „Können," als vielmehr das Verstehen „Wollen gemeint. „Daß ich ihn nicht verstehe"— involvirt die Frage: eui bono? Moses Mendelssohn, der Mann der entschiedensten Positivität — weshalb wir ihn auch im Eingänge Regenerator nennen zu müssen glaubten— konnte sich mit Negationen, die sich Selbst— „Zweck zu sein schienen, nicht befreunden; Tabula „rasa" machen, war nicht sein Geschmack. Die von Kant behauptete Idealität von Raum und Zeit schien dem mehr realistischen Ms. der bestehenden Welt den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Der „Alles Zermalmende" an sich wa^chhm allerdings ein Gigant im Reiche des Denkens, den er sich als Führer in seiner Jugend wünschte, — aber das Handwerk des „Zermalmens" mochte ihm nicht behagen. Ms. that bezüglich Kant's das Gegentheil von dem Spruche: „Man liebt die That und haßt den Thäter"— Ms. haßte die That und liebte den Thäter; er huldigte der Ansicht, daß auch der Philosoph nur pflanzen und bauen, nicht aber niederreißen und zerstören dürfe, indem auch hier, wie im Reiche der Natur, was weichen muß, von selbst weiche. Ms. glaubte, daß auch der Baum der Weltweisheit nur neue Blätter anzusetzen brauche, um die alten, welken zum Abfallen zu bringen. Hören wir ihn selbst. In einem Schreiben an das edle Geschwisterpaar Reimarus äußert er unter Anderm: die Philosophie— sagt Kant— ist baulustig; wenn sie eine Zeit lang fortgebaut hat, so reißt sie wieder ein, um den Grund zu untersuchen." Gut! spreche ich, diese Lehrmeisterin soll mir willkommen snn, wenn ich die Baukunst studiren will. Verlange ich aber