Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 2 (24.1.1867)
- Date
- 1867-01-24
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9050333-9088986-9050899--0581-9050905- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 einem Sterblichen beschieden, zum Wohle Ihrer Mitbrüder geleiten. Empfangen Euer Wohlgeboren die Versicherung der ausgezeichnetsten Wcrthschätzung. Ihres ergebenen Bürgermcistcramt Knirsch rn/x». Kolin den 1. Jänner 1867. ° Bürgermeister. Solche Fakta zeigen es deutlich, daß der Jude in öffentlicher Stellung seine Pflichten kennt, und sie ehrenvoll zum Wohle der Gesammtheit zu erfüllen weiß. Eine solche Anerkennung ehrt eben so den, der sie erthcilt als den, der sic empfängt, sie zeigt, daß der Edle und Intelligente jedes Verdienst zu schützen weiß, und den Werth des Menschen nicht nach der Confession, sondern mit einem gleichen Maaße für Alle, bemisst. Z. Breslau. Unter lebhafter Betheiligung der Gemeinde-' Mitglieder fand im vorigen Monate unter Vorsitz des königl. Polizeipräsidenten die Rcpräsentantcnwahl statt. Trotz den Agitationen der orthodoxen Parthci gehören die Gewählten fast sämmtlich der freisinnigen Richtung an. — Ein gewiß sehr seltenes Fest feierte in den letzten Tagen des alten Jahres der Briefträger Würkhcim. Es war sein 50jähriges Amtsjubiläum.— Von Berlin aus wurde er mit der Ernennung zum Oberbriefträger und einem Geschenke von 50 Thalcrn erfreut, außerdem erhielt er von den Kaufleuten seines Postbezirks die ansehnliche Summe von mchrern hundert Thalcrn zum Präsent, und auch seine Collcgen erwiesen ihm mannigfache Aufmerksamkeiten.—■ Er ist bei seinem hohen Alter noch so rüstig, daß er voraussichtlich seinem neuen Amte noch lange wird vorstchcn können. — Das neue, österreichische Militärgesctz hat die Hörer des jüdischtheologischen Seminars, welche geborene Oesterreicher sind und noch im militärpflichtigen Alter stehen, in nicht geringe Unruhe versetzt.— Sie dürften sich wahrscheinlich mit einer Petition an Sr. Majestät den Kaiser wenden, damit bet dem Mangel an einer zeitgemäßen Bildungsstätte für Rabbinen in Oesterreich das Breslauer Seminar als eine solche auch von der Regierung anerkannt werde. — H. K. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Dem Regimentsarzt Or. Philip Ellbogen, einem Bruder des H. Rabbiner Ellbogen in Jnng-Bunzlau, wurde von Se. Maj. dem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Joseph Ordens verliehen. Wien. Anfangs dieses Monats wurde im hiesigen Israel: Tempel ein taubstummes Brautpaar getraut. Sowohl der Bräutigam als die Braut waren Zöglinge des hiesigen TanbstummeninslitutS. Der größte Thcil der eingeladencn Gäste bestand aus Taubstummen. * Bekanntlich wurde in der Person" des Herrn Joseph Szanto' ein israelitischer Feldprcdigcr für die Iriegsdancr angcstellt. Derselbe hat bereits seine Stelle nicdcrgelegt, und erhielt von Seiten des hiesigen Generalkommando ein Ancrkennnngsschrcibcn für sein ersprießliches Wirken. Das ^Gesuch des Vorstandes wegen definitiver Anstellung eines israelitischen Feldpredigcrs wurde vom hohen Kriegs- Ministerium mit Rücksicht auf die Finanzverhältnisse abschlägig beschieden. — * Baron Anselm von Rothschild mit seinen 3 Söhnen und einer Tochter haben auf die Rechte eines Frankfurter Bürgers und preußischen Untcrthans Verzicht geleistet. Urmin (Ungarn) Der als hebräischer Literat vortheil* Haft bekannte Oberrabbiner I. Wiener ist mit Tod abgegangen. — Berlin. Die hiesige Stadt zählt bei einer Bevölkerung von 630000 Seelen 19000 Israeliten. Arlon (Luxemburg) Hier wurde eine neue Synagoge eingeweiht. Oberrabbiner Astruc aus Brüssel leitete die Feier, der sämmtlichcBeamten beiwohnten. Zn den Kosten des Baues die 36000 Frks betrugen, leisteten die Stadt, das Departement und der Staat 24000 Frks. Luxemburg. Im Dorfe Strassen wurde am 22. v. M. ein jüdisches Mädchen von 14 Jahren, Tochter einer Wittwe Löwy, welche die dortige von Ordensschwestern geleitete Schule besuchte, gewaltsam in der Kirche getauft. Der Vorstand der isr: Gemeinde hat die Sache bei den Behörden anhängig gemacht und vorläufig das Mädchen nach einem Institute in Frankreich bringen lassen. — Schwerin. Das Gastspiel des Opernsängers Herrn Sontheim am hiesigen Hostheater erreichte im „Troubadour" den Glanzpunkt. Nachdem er die Arie im 3. Akte unter stürmischen Beifall widcrholen mußte, wurde er noch im Costüm in die Loge zum Großherzog beschieden, der ihm seine Anerkennung ansdrückte. Tags darauf erhielt er von ihm das goldene Ehrenkreuz seines Hansordens der Wenden. Modena. An der hiesigen Militärakademie docirt unser Glaubensgenosse Herr I)r. Cüsare Rovighi, der zugleich Mitglied des dasigen Gemeinderaths ist. Während des jüngsten Krieges bekleidete er die Stelle eines Kapitain in dem Privatkabinet des Generals Cialdini, eine t Vertrauensposten, den er schon während des Krieges im Jahre 1859 inne hatte Bei der jüngsten Anwesenheit des Königs Viktor Emanuel zu Venedig wurde er von der Stadt Modena beauftragt, dieselbe unter den andern Abgeordneten der andern Städte des Reiches bei dem Könige zu vertreten. Padua. Das Collegium ruddinieurn wird nur noch ein Jahr bestehen. Der dießjührige Cnrsus wurde im November mit 2 Schülern eröffnet, die nur mit dem Vorbehalt ausgenommen wurden, daß sie selbst für ihren Unterhalt sorgen müssen. Paris. Herr Ernst Walabregne ist zum Richter in Grenoble, der Großrabvine von Bayonne zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. * Unser Glaubensgenosse Eugen Manuel hat von der Akademie für sein poetisches Werk „Page« intimes“ den montionischcn Sittlichkeitspreis von 2500 Frks erhalten. * Der Baron James von Rothschild übergab der Administration der öffentlichen Wohlthätigkeit 30000 Bons für je ein Kilogr: Brod um dieselben unter die Armen der Stadt zu vertheilen. Stockholm zählt bei einer Bevölkerung von 123000 Einwohnern 700 Juden. Bukarest. Der Fürst Carlos hat der Jsraclitengemeinde als Schadenersatz für die vom Pöbel demolirte Synagoge 2000 Dukaten übergeben lassen. Jerusalem. Die von Herrn Franchetti ans Turin in Jerusalem gegründete Handwcrksschnle zählt gegenwärtig 39 Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren, 29 derselben sind ans Jerusalem, einer aus Hebron, drei ans der Türkei, einer aus Griechenland 1 aus Rußland 1 aus Oestreich 1 aus Algier 2 aus Marokko. Unter ihnen sind 16 Schuhmacher 8 Goldarbeiter 6 Blechschmiede 5 Schneider 2 Apotheker 1 Schlosser 1 Buchbinder. Der Inspektor des Instituts ist Herr Hansdorff. Baron Franchetti hat neuerlichst wieder 1500 Frks zur Erweiterung der Anstalt gewidmet. Asien. In Ccntralasien erleiden die Juden noch immer dieselbe Behandlung, wie sie vor 100 Jahren ihre Glaubensgenossen in Europa erfahren mußten. Sic sind in den Städten, in denen sie wohnen nur auf gewisse Stadtthcilc angewiesen und dürfen außerhalb ihrer Ringmauern keinen Handel trei-