Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- IV (1867)
- Issue
- 2 (24.1.1867)
- Date
- 1867-01-24
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
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13 lehrtenfamilie, auf deren Herkunft die Descendenten einen gewissen Ahnenstolz führten, indem sie bei jeweiliger NamenSunterfertigung nie unterließen das Epithet (enp jm) p«i jnae hinzuzufügen; ein Ehrenname, der nur einer solchen Familie beigelegt wurde, deren Glieder sich durch Aufopferung ihres Hab und Gut, ihrer Freiheit, ja ihres Lebens selbst aus Liebe zu ihrem väterlichen Glauben hervorthaten. Er war Schüler des R. Jakob Rabb. zu Lublin, (-QD nbJö) Pater des in der talmudischen Welt allbekannten R. Jehoschua Heschel Rabbiner zu Krakau und soll auch als Preis seiner Geistesvorzüge wegen die Tochter des oben beregten R. Jakob zur Gattin erhalten haben (idiä.), deren Besitz ihm aber der unerbittliche Tod bald entrissen hatte. Hier lag er seinen Studien mit einem unermüdlichen Fleiße ob, und erwarb sich bald ein immenses Wissen in allen Zweigen der rabbinischen Literatur, vorzüglich machte er sich die Halacha zum Gegenstände seiner Forschung, und brachte es hierin so weit, daß er— laut Zeugniß des David Oppenheim, der sein Freund und Schüler war— alle vier Ritual— 6oäiee8 xar eoeur gekannt haben soll und er wurde auch wirklich unter den in seiner Vaterstadt lebenden talmudischen Capa-, citäten als eine der vorzüglichsten anerkannt. Seiner seltenen Fähigkeiten und zugleich seines edlen biedern Charakters wegen, die ihn auf eine glänzende Zukunft hoffen ließen, bewog auch den damals in Wilna domizilirenden bereits genannten R. Efraim Kohen ihm seine Tochter, bald darauf nach dem Verluste seiner ersten Ehegenossin, zur Frau zu geben. Diese, welche wie bereits erwähnt, Nachama hieß, und nachmals die glückliche Mutter des weit berühmten Zebi Aschkenasi wurde, war ein frommes, tugendhaftes und mit seltenen Geistesvorzügen begabtes Mädchen, würdig an der Seite eines solchen Mannes zu glänzen. Sie bot ihm auch gern ihre Hand, und so verlebten sie eine Zeitlang in ungestörter Ruhe glücklich und wonnevoll. Aber nicht lange sollte ihnen dieses glückliche, häusliche Slilleben dauern; eine unglücksschwangere Wolke wölbte sich über ihr Haupt, welche ihr Leben vollends zu verdunkeln oder ganz und gar zu vernichten drohte! Die bereits oben gemeldete, schreckliche Judenverfolgung, die mit Riesenschritten in einer kurzen Frist in großen Dimensionen nach allen Richtungen des Polenreiches um sich griff, wälzte sich auch wie eine verheerende Lavine auf Wilna los. In dieser Schreckenszeit mußte auch Jakob mit seiner theuern Lebenshälfte nebst Schwiegervater und dessen Familie den Wanderstab ergreifen. Er ließ seine Gattin mit ihrer väterlichen Familie voraus nach dem benachbarten Mähren fliehen, während er wichtiger Familienangelegenheiten halber noch einige Tage da Zurückbleiben mußte. Kaum beendet, dachte er an nichts weiter als die hastige Flucht zu ergreifen, um sobald als möglich seine theuern Angehörigen zu erreichen. Aber während seiner Flucht hatte er noch ein schreckliches Abenteuer zu bestehen! (Schluß folgt). üemerkung. Die Talmudstelle Baba Kama 54, b die von den Herren Religionslehrer Adler und I)r. Kleist (Abendland 1866 Nr. 17. 18 20) auf verschiedene Weise gedeutet wurde, scheint uns durch den scl: vr. Beer (Jeschurun Jahrgang II. deutsch. Abthcilung S. 24—25) die richtigste Erklärung gefunden zu haben. Nach ihm bezieht sich die Frage auf die Ücbersetzung der Septuaginta, die im Dekalog des 2. B. M. raian vixn £7ti trjg yrtg rrg ayad^g hat, wogegen im 5. B. M. dieser Zusatz fehlt. Wahrscheinlich zielt Rabbi Jose mit seiner Frage m* vn t,S:n niom (Tosifta B. Warna C. 6) auch auf die Uebersctzung der Septuaginta, die wirklich diesen Zusatz hat, während im hebr. Text keine Veranlassung zu dieser Frage vorhanden ist, da die Worte ■piom *|Tim sich bekanntlich gar nicht a. a. O. befinden. Rabbiner vr. Kodak. Lorresponderyerr. Kollin. Wenn etwas geeignet ist, die noch hie und da gegen die Juden herrschenden Vorurtheile zu zerstreuen, so ist es gewiß die Wirksamkeit des Israeliten in seiner bürgerlichen Stellung, die allen Mitbürgern ohne Unterschied der Confession zum Wohle gereicht, und der auch von kompetenter und berufener Seite die verdiente Anerkennung zu Theil wird. Ihr geschätztes Blatt lässt keine Gelegenheit vorübergehen, derariige Leistungen unserer Glaubensgenossen zur allgemeinen Kenntniß HU bringen, und so erlaube ich mir auf das Wirken eines Mannes aus unserer Mitte hinzuweisen, der sich der allgemeinen Achtung in unserer Stadt erfreut- und der durch seine aufopferungsvollen Leistungen auf humanistischem Gebiethe die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten Behörden auf sich lenkte. Es ist dieß der hiesige praktische Arzt Herr Josef Grün, der durch unermüdete Thätigkeit und Berufseifer seinem Stande und auch dem Judenthum Ehre macht. Bereits durch mehrere Jahre wird seine Thätigkeit im Jmpfgeschäfte vom hohen Staatsministerium belobend anerkannt. Zum Schlüsse des verflossenen Jahres wurde ihm auch von Seiten des k. k. Kreisvorstands wegen seiner ersprießlichen Dienstleistungen an der Koliner allgemeinen öffentlichen Krankenanstalt, eine belobende Anerkennung ausgedrückt. Bei der letzten Cholcraepidemie hat er sich in hervorragender Weise ausgezeichnet, was Sic aus der beifolgenden Zuschrift unseres hochverehrten Herrn Bürgermeisters, die ich Ihnen vollständig mittheile, ersehen können. Sie lautet. Sr. Wohlgeboren! Herrn Aosef Hrün, praktischen Arzte und Magister der Geburtshilfe zu Kollin Genehmigen Euer Wohlgeboren den Ausdruck des wohlverdienten Dankes, dessen Sie sich durch Ihr aufopferndes, rastloses Mühen, bei Ihrer weder bei Tag noch Nacht erlahmenden Thätigkeit in Leistung von ärztlichem Beistand an Reich und Arm, an Freund und Feind in den Tagen der letzten Cholera-Epidemie sich um unsere Stadt und ihre Bewohner in der vollsten Bedeutung rühmlichst erworben haben. Bekümmert um Ihre Selbsterhaltung als Familienvater hatte ich nur zu oft Gelegenheit, Sie vom Schweiße triefend von Haus zu Haus eilend, Hilfe ertheilen zu sehen, die von der Seuche am härtesten mitgenommenen Stadttheile verfolgend; und weit entfernt, das Verdienst Ihrer Herren Collegen etwa verdunkeln zu wollen, sehe ich mich dennoch zu der gerechten Erklärung veranlasst, daß Ihnen, in soferne Ihre Thätigkeit, wie dieß die mir in jener Zeit vorgelegten Kranken-Rapporte Nachweisen, am meisten in Anspruch genommen wurde, auch das größte Verdienst und die ruhmvollste Anerkennung gebührt. Zu den angenehmsten Augenblicken meiner nur zu häufig durch Mühseligkeiten getrübten Amts-Wirksamkeit als Gemcindevorstand, zähle ich demnach den Gegenwärtigen, wo mir die freudige Gelegenheit geboten ist, Ihrem übrigens allgemein anerkannten Verdienste noch überdies durch einen ämtlichen Act die gebührende Geltung zu verschaffen. Wollen Eure Wohlgeboren denselben als den gcriTrgften Beweis der Ihnen schuldigen Anerkennung geneigtenst entgegennchmen; und der Segen des Allmächtigen, den zahllose Gebete für die Erhaltung so manchen theuercn Familien« Mitgliedes Ihnen erflehen, möge Sie weiters auf Ihrer obzwar beschwerlichen, doch immer der edelsten Laufbahn, die