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Das Abendland · 1867-01-24 · 2 (24.1.1867) · p. Seite 12

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
2 (24.1.1867)
Date
1867-01-24
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 naleri (T. V. p. 466) zu dem Aufrufe veranlasst wird: Jam piget, tot Judaeorum fabellas prae gravioribus patriae monumentis ex Hagecio audire!“ („Es wird schon zum Uebcrdrusse, so viele Fabeln über die Juden von Hajek zu hören, wo weit wichtigere, vaterländische Denkwürdigkeiten vorhanden sind!") Obwohl nun die neuere Forschung in diesem Urthcile über Hajeks Chronik vollkommen übereinstimmt und dasselbe durch viele Beweise rechtfertigt, so verlohnt es sich dennoch der Wahrheit und Gerechtigkeit willen immer noch, die Angabe^djleses Geschichtschreibers zu prüfen, ob er nicht doch manwesmal gegen seinen allgemeinen, lügenhaften Charakter Estich, und unter seinen unzähligen Mährchen nicht auch immches Glaubwürdige berichtete. Die Erzählung Hajeks, in tmlchcr'er der Juden zum ersten Male in seinem Werke erwähnt, scheint ein solches glaubwürdiges Faktum zu sein; und ob zwar auch zur Begründung dieser Annahme bis jetzt noch hinlängliche, positive Beweise fehlen, dürfte man doch durch die Unhaltbarkeit der gegen sie aufgestellten Gegenbeweise dazu berechtigt sein. — Hajek erzählt zum Jahre 995,') daß die Christen gegen die Heiden viele Kämpfe zu bestehen hatten und lange nichts ausrichteten. Endlich aber „versammelten die Christen alle ihre Macht und nahmen auch die Juden zu Hilfe," und besiegten die Heiden. Dann fährt er fort: „Und dieweil die Juden den Christen, n ider die Heiden, einen solchen ritterlichen Beistand gethan, als wurde ihnen erlaubet, unter den Christen, an dem Ufer des Wassers Mulda, eine Schule zu bauen, welches also geschehen, und derselbe Ort, wo die Schule gestanden, ist noch bis auf den heutigen Tag in der kleinern Stadt Prag über der Brücken unter dem Kloster zu unserer lieben Frauen zu sehen." —, Wie alle Hajek'schen Daten wurde auch dieses, trotzdem der judeufeindliche Schriftsteller dabei vollkommen aus seiner Art schlug, von allen Seiten angegriffen und für lügenhaft erklärt. — So sagt Cassel in seiner Geschichte der Juden?) Man könnte wohl meinen, daß Hajek zu Gunsten der Juden kein solches Datum erfunden haben werde; „allein es stützt sich wohl seine Erzählung auf die Tradition der Juden in Prag, die einen Leichensteil?) vorzeigen, der 100 Jahre älter ist, als die Erbauung der Altstadt selbst; es ist bei dem Ansehen, das sie in dieser Zeit während Adalbert's Aufenthalt daselbst genossen, unwahrscheinlich, daß sie noch keine Synagoge gehabt hätten, und Hajek will bloß für die Erbauung einer uralten Synagoge, weil sie gegen das kanonische Recht war, eine Entschuldigung gefunden haben, die dem Jntreffe des Christenthums nicht fern stand." — Auch Grätz* *) stimmt dem bei, und verweist auf diese Stelle. — Ein näheres Eingehen auf diese dagegen geltend gemachten Behauptungen möge die vollkommene Grundlosigkeit derselben Nachweisen. Vor Allem ist es wohl unbestritten, daß die Juden Prags zu Hajeks Zeiten ihr Alter noch nicht an den genannten Grabstein ankuüpfen konnten, da jener Chronist bereits im Jahre 1541 sein Werk herausgab?) und dieser Leichenstein nach Rappoports unwiderleglichem Beweise") erst im Jahre 1606 gesetzt wurde. Der Erzählung Hajeks konnte also unmöglich die Tradition zu Grunde liegen, die sich bezüglich des hohen Alters an diesen Grabstein knüpft. Was die behauptete Unwahrscheinlichkeit betrifft, daß die damals gut situirten Juden noch keine Synagoge gehabt haben sollten, so steht dagegen fest, daß sie gleichwohl eine aus Holz erbaute besaßen?) — Da die Juden, so weit cs sich aus *) Wenceslai Hagacii Böhmische Chronik übersetzt von I. Sandel. Leipzig 1718 Seite 154. a. , *) Siehe Ersch und Gruber Lao xoloxäckis, Sect. II. Theil 27 S. 127. b. *) Es ist dieß der 100. Grabstein. Siehe Gal Ed von Lieben S.53 *) Grätz Geschichte der Juden Band VT. Seite 68. Anm. 3. *) Einleitung zur Sandelschen Uebersetzung der Chronik Hajeks. ") Rapoports Einleitung zu Gal Ed von Lieben S. XXXVII. 7) Literä rische Beiträge zu Licbermann's Jahrbuch 1852. den Quellen feststellen lässt, erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts^) in Prag erscheinen, so mochte diese hölzerne Synagoge wohl die erste gewesen sein, welche sie bald nach ihrer Ankunft erbaut hatten. Mit der Zeit wuchs auch die Seelenzahl der Prager Gemeinde, so daß die alte Synagoge nicht mehr Raum genug für Alle bot. Darum erbaten sich die frommen Juden als Lohn für die geleistete Hilfe nichts, als die Erlaubniß zum Baue eines zweiten Bethauses?) — Daß der böhmische Livius eine ganze Geschichte zu Gunsten der Juden erfunden haben sollte, um die ihnen ertheilte Erlaubniß zum Baue einer Synagoge zu rechtfertigen, wird durch Hajek selbst widerlegt, indem bis zu seinen Zeiten noch mehrere Tempel und Bethäuser in Prag gebaut wurden, und cs ihm doch nirgends weiter einfällt, ein Wort zur Entschuldigung dieser Verstöße gegen das Jus canonicum zu sagen. — Außerdem erwähnt der bekannte David Gans in seiner hebräischen Chronik in nax ('3 ‘nb '3 pSn) zum Jahre rirn (997) dieses Kampfes nach der Chronik Banks S. 57; er hat dieses Datum also nicht ans Hajeks Werke entlehnt. — Ferner schreibt auch Joh. Dubravius'") in seiner Historia bohemica, (Liber VI. Pag. 41) Die Soldaten Boleslaus des Zweiten hätten die Heiden nicht besiegen können, bis christiani admixtis sibi Judaeis in cantos ex inopinato adoriuntur und sie in die Flucht schlugen, worauf dann die Jud.m ob ihrer bewiesenen Tapferkeit permissu Pragensium Synagogam inde Pragae sibi constituerunt. — In diesem Falle dürfte also Hajek nicht gelogen haben.— Biographische ZlchM. der hervorragendsten Wilnaer Rabb. welche durch die in den Jahren 1648 — 49, so wie bald darauf in den Jahren 1654—55 entstandene Judenverfolgung in der Ukraine, Lithauen, Podolien etc. nach Deutschland auswanderten von David Holub. (Fortsetzung.) Unsern Efraim verlassend, wollen wir sogleich IV. dessen Schwiegersohn R. Jakob ben Binjamin Aschkcnasi vorführen. Dieser wurde ebenfalls in Wilna etwa um 1621 od. 22") geboren. Er stammte aus einer uralten, deutschen Ge- ®) Grätz Gesch. der Juden, Band VI. Seite 68. — 9) Es wäre sehr intressant, wenn es sich Nachweisen ließe, daß diese zweite Synagoge mit der Altncuschnl identisch seien. — Eine- Nachricht, welche die letztere im Jahre93l entstehen lässt,macht diese B.r muthung sehr wahrscheinlich. '") Siehe I'rebsrr Horum Lobemiearum antigui scwiptvre» aliguot insigues partim hactenus incogniti — Dubravius starb 1553.) — ") Wir nahmen obige Zahl als sein Geburtsjahr aus dem Grunde an, da wir aus der kleinen Einleitung seines Sohnes Zebi Aschkenasi zu Ture Sahab Chofchen Mischpat, welches er 1692 mit Noten herausgab, aus der Unterfertigung ersehen, daß sein Vater Jakob noch 1692 gelebt hatte. Im Monate Siwan des Jahres 1696 wurde schon desien Enkel Emden, der seinen Namen führte, geboren; folglich dürfte unser Jakob etwa 1694 od. 95 schon todt gewesen sein. Und da wird aus der von uns weiter unten anznsnhrcnden Angabe Emdens ersehen, daß sein oben genannter Großvater 73 Jahre alt wurde, so mnßte er 1621 oder 22 geboren worden sein. In den '33 22" 2712 finden wir seines Vaters Namen nur zweimal mit )'Hj b/zeichuet, und zwar am Ende der Resp. Nr. 61 datirt Ofen 1686 und der R. Nr. 95 ebenfalls Ofen 1630 Daß aber in den uns vorliegenden '33 33" 2713 Fiirther Ausgabe die die Unterschrift seines Baters am Ende der letztgenannten R. mit der Eulogie sich vorfindet, ist a:>g.nscheinlich ein Druckfehler.

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