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Das Abendland · 1867-01-24 · 2 (24.1.1867) · p. Seite 11

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
2 (24.1.1867)
Date
1867-01-24
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 Im Feber des Jahres 1527 wurde Ferdinand 1. in Prag zum böhmischen Könige gekrönt, und Zweck dieser Zeilen ist die Schilderung eines feierlichen Auszuges, den auch die Prager Juden dem einzichcnden Herrscher damals bereiteten. Derselbe ist zum Thcile in der Monatschrift der Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen 1829 erwähnt; Schreiber dieses hat jedoch eine im Besitze des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen sich befindliche Druckschrift aus dem Jahre 1527 : „Künikglicher Mayestat zu Behem vn Hungern dc. Zug vnd cinreitten, auff die Crönung gen Prag Anno MDXXVII. vorliegen, worin folgende aus die Juden bezügliche Stelle vorkömmt. „Item es sein auch K. M. vn derselben Gcmahel auff ein viertail Mcil für die Statt Prag entgegen gangen biß in iij. 6. Juden (300) Köstlich in samat, Damast vund ander Seydin gewandt vund Merdrin schawben (Mardermützen) geklaidt. Auch zum tayl in jrcn gcysllichen habittcn vnd jr Preccpta (die Torarolleu) köstlich mit guldin tnch vun Edelm gestain vmbwundcn vnd gezyrct vndcr aiuen himel entgegen getragen. Auch zwo jr aigne Cantreycn (Eautoren) gehebt die auff Hebrcisch jn Figuratiuis vun sunst nach jrer Monier gesungen haben oc. :i\". Ein anderer Bericht sagt: „Als königliche Majestät in der Ordnung auf den Platz kommen, sind gestanden ob denn mehr als tausend Juden, mit einem großen schönen Fahnen. Sie haben auch einen Himmel gehabt, daran ein Tafel gehangen und darauf die Zehen Gebot aufs zierlichst geschrieben in Willen Seine königliche Majestät unter dem Himmel einzuführen. Seine königliche Majestät hat aber solches keineswegs gestatten wollen. Darnach haben sic Kö. Maj. aufs unterthünigst gebeten, daß Seine Kö. Maj. sie bei den Zeherl Geboten ihrem Glauben und dem alten Testamente (als frumme Jüdcn) wöll bleiben lassen. Solches hat ihne Kö. Maj. zusagcn lassen, und daß er wöll ihr gnädigster Herr sein." Prag erfreute sich jedoch nie lange der Anwesenheit seines neuen Herrschers, Kriege in Ungarn und in Deutschland führten ihn bald weg, und Böhmen fühlte bald, daß die Person des Königs ihm entfernt und gewissermassen entfremdet sei, indem er nur einige Wochen oder höchstens einen bis zwei Monate, niemals aber ein Jahr hindurch sich in Prag aufhiclt, wo cs ihm wegen des damaligen Glaubenszwiespaltes nicht recht behagen wollte. Ferdinand I., ein strenger und finsterer Zögling des unerschütterlichen und starrsinnigen Franciskaners und Eardinals Timencs gab sich nach seiner Wahl zum böhmischen Könige gariz den Eingebungen der an seinem Hose vielgewaltigen Ordensgeistlichen und Weltpriestcr hin, welche als Gcwissensräthe oder als Regierungsräthe ihn als Fürsten umstellten und nach ihrem Willen leiteten. Um sich zu erklären, wie Ferdinand I., der anfangs sich gegen Andersgläubige viel duldsamer bewies, wie dies auch die Erziehungsresultate bei seinem Sohne und Nachfolger Maximilian II. beweisen, die Priesterhcrrschaft dennoch später begünstigen konnte, muß man wissen, daß einer der ausgezeichnetesten Jesuiten seiner Zeit, der furchtbare Sophist und Polemiker Canisius, welcher der Stifter der JcsuitcnCollcgien in Wien war, und dieselben auch in Prag einführte, sein vertrautester Rathgeber lvar. — Unter dem Einstusse dieses Mannes finden wir den Kaiser auch als er nach dem Tode seines Bruders des Kaisers Carl V. am 8. .November 1558 zum ersten Male in Prag als deutscher Kaiser seinen feierlichen Einzug hielt. Sein zweiter Sohn Ferdinand, der die schöne und geistreiche Augsburger Patricicrstochter Philippine Welser geheiratet hatte und nach dem Tode seines Vaters dann Tirol als Erbthcil bekommen hatte, war damals Statthalter des Königreiches Böhmens, leitete das Empfangsceremoniell und lud dazu auch die Prager Judeuschaft ein. Nach der Erzählung von Mathüus Collinus (von Kollin) und Martinus uthenus (von Kuttenberg) die eine damals bei dem gelehrten Prager Buchdrucker Georg Mclantrichus (eine^ griechische Uebersctzuug des eigentlich böhmischen Namens Ceruowlasek — Schwarzhärchen — erschienene Beschreibung der Feier und des Einzugs Herausgaben, bethciligten sich die Prager Juden auch wieder bei diesem Empfange Ferdinands. „Auch sie kamen aus dem von ihnen bewohnten nördlichen Thcile der Altstadt an der Moldau hervor, um der kaiserlichen Majestät Ankunft zu erwarten. Dieses war die Ordnung und Beschaffenheit des Zuges. Dreizehn weißgekleidete Jünglinge erösfneten ihn, die große Fahne, die sie trugen, war mit Karakteren bemalt, die sie nur kennen; andere ebenfalls weiß gekleidete Knaben sangen dann hebräische Psalmen nach verschiedenen Melodien. Darauf kamen Greise in schwarzen Mänteln, und nach ihnen 11 ihrer Religionsdi.ner; L trugen einen kostbaren purpurrothen mit Gold durchwirkten Traghimmel, vor welchem viere aus ihnen cinhergingen, der Eilste aber trug unter dem Himmel in ein Goldstück eingehüllt, die Pergamcnttafel auf der die Zehn Gebote geschrieben sind. Nun folgten wieder Psalmsänger, deren Melodien eben verschieden waren; nach ihnen 46 ihrer Nettesten, in Kleider, die mit Marder und schönen Fuchspelzen gefüttert waren; gleich darauf die Schüler der Synagoge, im veilchenblauen Mänteln, die Köpfe mit feinem Leinenzeug bedeckt, endlich junge Knaben in weißen Hemden, deren Halskrausen mit Gold gestickt waren. So zogen sie aus den großen Ring der Altstadt, von da gegen die Brücke, nahe an welcher sie rechts, von dem Zollhause gegenüber (dem heutigen Colloredischen Pallaste) ihre Stelle einnahmen.-Der Kaiser kam, und gleich nach der christlichen Geistlichkeit, die vor dem Klemcnskloster aufgestellt war, sollten, so schreiben unsere Berichterstatter aus jener Zeit, die Feinde des Christenthums, die Juden den Kaiser empfangen, aber ihr Vorhaben verunglückte. Die Unruhe und der Muthwille des Pferdes das seine Majestät ritten, war Schuld, daß Sie von allem dem, was die Juden Vorbringen wollten, nichts hören konnten. Auf dem ganzen Zuge war zwar dasselbe immer munter, wieherte oft, und stand nie stille. Aber unruhiger als auf dieser Stelle war es nie: dreimal zog der Kaiser den Zügel, aber nie konnte er cs zum Stehen bringen, so wie es auch immer den Nacken nach der den Juden entgegengesetzten Seite drehte. Aber nicht nur das Pferd des Kaisers der Kaiser selbst wendete sich von ihnen weg. Von ihrem Gesang und Geschrei betäubt, eilte er das Zollhaus vorbei zum Brückenthnrm — Das Wiehern eines Pferdes machte den Darin zum Könige. Das Wiehern eines Pferdes war auch den Präger Juden ein Omen, freilich von weniger glücklicher Vorherbedeutung! — Die Geschichte hat uns den Namen des Lieblingspferdes Alexanders des Großen aufbewahrt und an dem Grabe des Bucephalus wurde sogar die Stadt Bucephalia zum ewigen Andenken an dasselbe, angelegt. Der Name des Pferdes Ferdinands I. fehlt in den Annalen unserer Vorfahren, und wir wissen von ihm nur das Eine zu verzeichnen— feine Judenfeindlichkeit!— Ein glaubwürdiges Dalum Hajeks. Bon H Kohn. ES ist wohl längst erwiesen, daß der Chronist Hajek der gewöhnlich auch der böhmische Livius genannt wird, sehr viel Lügenhaftes in seinem Werke aufnahm, ja gradezu das Meiste erdichtete; und besonders sind cs die Juden, die schlecht bei ihm wegkommen. In Betreff dieser scheint er es darauf angelegt zu haben, sie durch seine Fabeln der Verachtung und dem Hasse Preis zu geben, und die vielen Judcnhetzen in Böhmen während der letzten Jahrhunderte bis auf unsere Zeit beweisen zur Genüge, wie sehr er seinen ruchlosen Zweck erreichte. Da gibt cS kein Verbrechen, dessen er die Juden nicht bcschu'digt: Christen- und Kindermord; Kirchenverbrennungen, Brunuenvcrgiftungeu, kurz Alles, was der blinde Fanatismus nur je den Inden zur Last gelegt hat, haben sich nach Hajek auch unsere Vorfahren in Böhmen zu Schulden kommen lassen, so daß Dobner in seinen An. 2*

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