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Das Abendland · 1867-01-10 · 1 (10.1.1867) · p. Seite 7

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Journal
Das Abendland
Volume
IV (1867)
Issue
1 (10.1.1867)
Date
1867-01-10
Page
Seite 7 (sequence 13)
Language
German
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7 Betreff der Anstellung von jüdischen Richtern an ihren Grundsätzen festhaltcn müsse, weil eia jüdischer Richter keinen Eid abnehmen könne— Die Vertreter des Handelsministeriums und des Ministeriums des Innern bemerkten, in ihren Ressorts sei noch keine Meldung eines Juden zum Eintritt in den Staatsdienst vorgekommen. Florenz. Unser Glaubensgenosse, der berühmte Diplomat, Herr Artom, wurde mit der Leitung der Gesandschaft am ftanz. Hofe betraut. Paris. Von Munk's Ausgabe des theologisch -phrlosofischen Werkes „Nore Nebuchim“ von Maimonides im arabischen Original mit französischer Uebersetzung ist kürzlich der III. Band erschienen. * Der neue Großrabbine von Frankreich, Herr Isidor beabsichtigt einen Verein unter dem Namen nstP 'löW zu gründen, der den Zweck hat, religiös-gesinnten Jünglingen, die sich dem Geschäfte widmen zu solchen Anstellungen zu verhelfen, bei denen sie in der Feier des Sabbath nicht gehindert ffind. Rußland. Aus Rußland wird eine Art Mortarageschichte berichtet. In- Sobolk verliebte sich ein Unteroffizier in ein 16 jähriges jüdisches Mädchen und wußte sie dahin zu bringen, daß sie aus dem väterlichen Hause, nach Entwendung großer Werthschasten entfloh, und ihm folgte. In der Taufe des Mädchens sah das Liebespaar das Mittel, der Verfolgung der Justiz zu entgehen— Die Vorsteher der Gemeinde wendeten sich in dieser Angelegenheit an den Gouverneur, Herrn Gervais, doch ohne Erfolg— Es sind jedoch Schritte geschehen, um von St. Petersburg aus eine günstige Entscheidung zu erlangen— Constantmopel. Im November verstarb hier der wegen seiner Wohlthätigkeit und seinem humanen Wirken allgemein geachtete Moses de Kastro — Seinem Sarge folgten die höchsten Staatsbeamten, sämmtliche Consulen der europäischen Mächte und eine Anzahl kaiserlicher Truppen bis auf den Friedhof. Vor dem Sarge gingen die sämmtlichen jüdischen Schulen und die Rabbinen und Lehrer der Stadt und rccitirten Psalmen— Jerusalem. Unsere Stadt zählt dermalen 20400 Einwohner darunter 7738 Juden. Feuilleton. Die Tante. Eine Erzählung von Siegfried Hölder. (Fortsetzung.) 3. Winterölüthen. Ueberall in Weilenheim wurde von der Liebe des alten Doktors gesprochen, nur im Hause Frohmanns nicht. Der Rabbiner und seine Gattin bemerkten es wohl, daß Schaje Doktor der Tante mehr als ein gewöhnliches Interesse zuwendete, doch schenkten sie der Sache wenig Beachtung. Das geplagte Ehepaar hatte genug mit sich und der Gemeinde zu ***** llch mit derartigen Gefühlsangelegenheiten die dem Müßiggänge den ergiebigsten Stoff für die Unterhaltung biethen, zu beschäftigen— Die Tante selbst schien es kaum zu ahnen, daß in dem Herzen des alten Mannes Spätblüthen aufgegangen seien, die von ihr Licht und Wärme erwarteten. An emem Nachmittage des Winters, der auf die Aukunft der Tante in Frohmans Haus folgte, herrschte in der Wohnung des Rabbiners ein recht gemüthliches Stillleben— Es war gerade ein Neumondstag, und die Schulkinder hatten oasur, daß ste Vormittags, nach einer alten jetzt kaum mehr gekannten Sitte, ihrem Lehrer kleine Geldgeschenke brachten, den Nachmittag frei— Ein solcher Ferialtag both der Häuslichkeit Frohmanns einige Stunden der Erholung, und war für sie erfreulicher als für die muntere Schuljugend, der das starke Schneegestöber, welches die Gasse unwegsam machte, ein unüberwindliches Hinderniß both, sich in einer freier« Atmosphäre als die Stube des Lehrers zu versammeln — Frohmann halle Zeit seiner Geliebten, wie die Rebezin den Talmud nannte, einen Besuch abzustatten, und der große Foliant, der vor ihm aufgeschlagen lag, zeigte, daß die Kälte, die draußen herrschte, seine innere Gluth nicht abgekühlt hatte— Die Rebezin arbeitete ämsig mit der Nadel, um einige Wunden der Wäsche zu heilen— Die Tante war mit den Kindern beschäftigt, die selbst bei ihren Spielen ihre treue Freundin häufig in Anspruch nahmen— Da klopfte es an der Thüre — Das Anklopfen beim Eintritte in eine fremde Wohnung war damals noch nicht so allgemein und kündigte immer einen unerwarteten Besuch an, es ist daher nicht zu verwundern, daß die Insassen des Hauses mit einer von Unbehagen nicht ganz freien Ueberraschung ihre Blicke der Thüre zuwendcten — Doch der Ankömmling brauchte nicht so viel Zeit, um sich uns vorzirstellen— Es war ein großer stämmiger Mann, dem der lange graue Schnnrbart und der weite Soldatenmantel, der um seine breiten Schultern hing, ein martialisches Aussehen gab— Die Tante erblaßte, ohne irgend einen Anlaß zur Angst zu haben— Ihr düsteres Lebensgeschick hatte ihre von Natur zarten Nerven bis zu einer krankhaften Empfindlichkeit gesteigert, und jede Ueberraschung spiegelte sich ans ihrem Antlitze ab.— Dem Frohmann'schcn Ehepaare war der Eintretende kein Unbekannter, obgleich sein Kommen nicht mit besonders freudigen Gefühlen begrüßt wurde— Es war der Amtsdragoner, s» nannte man den Gerichtsbothen des zwei Stunden von Weilenheim entfernten Amtes wegen seiner ehemaligen militärischen Laufbahn— Wenn der Amtsdragoner kam, so bedeutete das eine Vorladung vom Herrn Direktor, der als Chef des damaligen Patrimonalgerichtes, Justitz, Administration, Polizei und alle Branchen „des öffentlichen Lebens unter seiner Leitung hatte— Frohmann ging dem Ankommenden höflich entgegen, both ihm einen Sitz, und wartete ruhig der Dinge, die da kommen sollten — Der Amtsdragoner schien keine Eile zu haben, sich seines Auftrages zu entledigen, er schüttelte seinen stark beschneiten Mantel, stampfte mit seinen reiche Spuren des Winters tragenden Stieseln, trocknete sich den langen Schnurbart, .endlich setzte er sich nieder mit den Worten: „Verdammtes Wetter das, heute"— Die Rebezin, die bereits den Geschmack des Amtsdragoners kannte, hatte indessen ein Glas scharfen Brandweines und einen Teller mit Brod auf den Tisch gesetzt, welchen Gegenständen der Bewirthete, ohne eine direkte Einladung abznwarten, alle mögliche Ehre erwies— Nachdem er das Glas so ziemlich zum größten Theil geleert, und auch den Teller von seinem Inhalte nahezu befreit hatte, während welcher Thätigkeit er auch zu mehreren Malen seinen Unmuth über die rauhe Jahreszeit mit den bereits angeführten klassischen Worten Luft machte, sprach er endlich gegen Frohmann gewendet mit ernster Amtsmiene: Eine Empfehlung vom Herrn Direktor. Sie sollen Morgen Vormittags auf die Kanzlei kommen — Jetzt muß ich noch zum Jesaias Goldstein gehen, der hat auch zu kommen. „Verdammtes Wetter heute das." Mit diesen Worten entfernte er sich— Die Leser erinnern sich, daß Jesaias-.Goldstein der offizielle Name Schaje Doktors war — Die Rebezin erschöpfte sich in Vermnthungen über den Grund dieser Vorladung, und es war dießmal mehr als Neugierde, daß sie den andern Tag und mit ihm die Rückkehr ihres Mannes kaum erwarten konnte— Indessen kam Schaje Doktor, bei dem der Amtsdragoner ebenfalls seinen kurzen Monolog über das Wetter mehrere Male wiederholte, und da er in diesem Punkte nicht ganz Unrecht hatte, und das Wetter in der That nichts weniger als freundlich war, so vereinbarte man sich dahin, daß der Rabbiner und der Doktor morgen zusammen ins Amt fahren sollen. Am andern Tage erschienen die Vorgeladenen beim

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