Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 25 (27.12.1866)
- Date
- 1866-12-27
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 er einen Soldaten hängen, dessen Bruder in unserem Orden ist, und wir schickten Sechs der Unserigen hin, daß sie um seines Bruders willen für sein Leben bitten. Er aber antwortete uns zornig: Geht in eure Kirche und kein Wort weiter! Wer es wagt, für ihn zu bitten, wird neben ihn gehängt; „und so wurde der Soldat auch hingerichtet." — Trostlos gingen nun die Vorsteher zu andern Herrschaften, bis ihnen endlich ein hoher Herr, dessen Name Graf Negiral') und der der Zweite nach dem Grafen war, den Bescheid gab, ihn für zehn Tausend Goldgulden auszulösen. — Indessen war der Befehl gegeben worden, daß der Henker zu dem Manne in das Gefängniß sehe, die beiden Hunde mit sich nehme und ihm die Hände auf den Rücken binde. Dies geschah auch und der Arme saß mehr als 2 Stunden, die Hände gebunden und die Hunde neben sich, bis der Prosoß kam und dem Henker befahl, ihm die Hände loszumachen und mit seinen Hunden nach Hause zu gehen. Er (R. Joseph) müsse jedoch noch im Gefängniss bleiben, bis die Juden sein Lösegeld gebracht hätten. So saß er also noch den ganzen Mittwoch, und die folgende Nacht hindurch. Donnerstag gegen Abend brachten die Vorsteher das Geld in schöner Münze (Doppelgulden), und als sie zum Grafen kamen, fragte er sie: „In welcher Münzsorte bringt ihr das Geld?" Sie zeigten es ihm. Da fuhr er auf und schrie sie zornig an: „Packt euch mit dem Gelde nach Hause und bringt mir das Geld in lauter Groscheuftücken!" Die ganze Nacht arbeiteten die Vorsteher, um das Geld umzuwechseln, und gaben es in Säcke zu 1000 Gulden. Am Freitag morgen kamen die Vorsteher und Gemeindedeputirten zum Grafen, und als dieser sah, daß sie das Geld in Körben verdeckt brächten, schrie er mit Erbitterung : „Ihr feigen Juden, warum verdecket ihr das Geld, als ob ich es als Bestechung von euch nehmen würde!" und er befahl ihnen, daß ein Jeder von ihnen einen Sack auf die Schultern nehme, und ihn über die Brücke durch den altstädter Ring in das Rathhaus trage, wo sie es einem bezeichneten Manne übergeben sollten. — Jetzt e.st am Freitag Abend wurde der Mann frei, und „man zog den Joseph aus dem Kerker."— Und Gott schicke uns in Barmherzigkeit seinen Gesalbten, wie eS wünscht dein Vater Chanoch, Sohn des Moses, Gemeindediener in Prag. Geschrieben am Dienstag, den 22. Tebeth 5383. Nach „Herrmanns Geschichte der Israeliten in Böhmen" S. 56 verwandte Wallenstein diese 10 Tausend Gulden zu einer Stiftung, welche die Beförderung der christlichen Glaubenslehre und die Erziehung jener Kinder, die von der mosaischen zur christlichen Religion übertreten, zum Zwecke hatte. Correspondenzen. Armin. Im Dezember. Vergangenen Sabbath hat eine Publikation im hiesigen Tempel eine freudige Sensation in der Bevölkerung hervorgerufen. Ter Eultus-Vorstand ließ nämlich bekannt machen, daß zur Hebung des religiösen Sinnes im Saale der Rcligionsschule zu gewissen Zei^ ten Vorlesungen jüd. wissenschaftlichen Inhaltes abgchalten werden sollen, wozu die Herrn Rabbiner Dr. Placzek und Prof. Stößel ihre Mitwirkung bereits zugesagt haben, und noch andere Männer von genügender Fachbildung vom Vorstande cingeladen werden sollen. Wie wir hören, wird auch Med. Dr. Adolf Stößel, von dem, als Obmann der Schulsection, der Vorschlag beim Vorstande angeregt wurde, mehrere Vorlesungen halten. Die 1. Vorlesung wird vom Hrn. Dr. Placzek am Sabbathabende des 3. Jäner gehalten wer- ') Wahrscheinlich General. 1 den. — Auch hier wurde, wie in vielen Gemeinden, ein Trauergottesdienst zum Heile der gefallenen jüd. Krieger veranstaltet; allein der ganze Gottesdienst bestand aus 12112 lö und der Predigt; Predigt ist wohl nach der „Verneuerten" Ansicht, ich sage absichtlich „verncuert," weil die Ansicht schon zur Zeit Esrahs und der großen Synode bestand, ein integrirender Theil des Gottesdienstes; ein Theil, aber nicht Alles! Hätte man den Gefallenen nicht .12121 11120, nicht wenigstens einen Kadisch nachsagen können?? M. Pest. Der „Debatte wird von hier unter dem 21. d. M. geschrieben: Ein ergreifendes Bild von ächter Studententreue bot die gestrige Leichenfeier eines hier verstorbenen israelitischen Studirenden der Medicin, Namens Alois Schnitzer. Seit einer Reihe von Jahren hatte er sich einzig und allein von seinem unermüdlichen Fleiße unterstützt durch die Mühen und Schwierigkeiten der Studienlaufbahn hindurchgekämpft und Professoren und Eollegen sprachen nur mit aufrichtiger Anerkennung von dem braven Studenten. Da nahe vor dem ersehnten Ziele erfasste den jungen Mann eine böse Krankheit und die aufopferungsvollste Pflege seitens der Professoren (Prof: Wagner war jede Nacht vier fünfmal erschienen am Krankenbette deS armen Studenten) vermochte nicht das Uebel zu bannen und wenige Tage später war er, die einzige Hoffnung seiner armen Eltern, dem Tode zur Beute gefallen. Mit einem wahrhaft beispielvollcm Eifer war nun die hiesige Studentenschaft bemüht, dem dahingcschiedenen Eollegen eine würdige Leichenfeier zu bereiten An der zu diesem Behufe eingeleiteten Sammlung betheiligte sich Alles in gleich liebevoller Weise, und so wurde diese Feier eine geradezu prunkvolle. Von der israelitischen Eultusgemeinde war der ganze Chor und ein vierspänniger Leichenwagen herbeigcstellt worden; eine entsprechende Anzahl von Studenten schritt in Trauergala mit den blanken Säbeln und brennenden Wachsfackeln neben dem Sarge her, welchen freundliche Hände mit Blumenkränzen geschmückt hatten. Die andern Eollegen des Dahingeschiedenen so wie die Professoren der Universität gaben vollzählig dem Zuge das Geleite bis an den Friedhof hinaus, wo Obcrrabbiner Meisel eine ergreifende Leichenrede sprach. Lange uachdem die Feier schon vorbei war, sprachen Studenten und Professoren von dem hoffnungsvollen jungen Mann, den sie begruben. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Die hier studirenden Nabbinatskandidatcn richteten an Herrn Prof: Dr. Kämpf ein schriftliches Ansuchen worin sie ihn baten, ihnen Vorträge über das Buch Kohelet zu halten. Prof: Kämpf entsprach bereitwilligst diesem Verlangen, und hat bcreiis in dem Sitzungssaale des Tempels, den die Herrn Vorsteher auf das freundlichste zu diesem Zwecke cinräumten, seine Vorlesungen begonnen. Wie nicht anders zu erwarten, sindcn dieselben großen Beifall und haben bereits einen bedeutenden Zuhörerkreis gewonnen. Luck. Der Landtagsdeputirle Dr. Pickert besuchte vor Eröffnung des Landtages mehrere Ortschaften seines Wahlbezirkes, darunter auch Luck. Es wurde ihm auf Veranlassung des unermüdlich thätigcn Gemeindevorstehers Herrn Philipp Kohu ein ehrenhafter Empfang bereitet. Dr. Pickert sprach sich in der zahlreich besuchten Versammlung sehr lobend aus über das ihm bekannte Wirken des Herrn Vorstehers zur Hebung des Gemeiudewohles, und betonte scharf, wie die konfessionellen Vorurtheile täglich mehr und mehr schwinden. Zum Andenken schenkte er den Herrn Vorsteher scinPortrait.— In der hiesigen Cultusgemeindc wird mit Bewilligung der hohen Statthaltcrei eine öffentliche Schule creirt. — 1