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Das Abendland · 1866-12-27 · 25 (27.12.1866) · p. Seite 196

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
25 (27.12.1866)
Date
1866-12-27
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 samen Verband Israels." I Darum ist die jenseitige Welt das volle Gegenspiel der dießseitigen, Diejenigen, welche hier obenan stehen werden dort den letzten Platz einnehmen, und die hier im Hintergründe ihre Stelle haben, denen ist dort der höchste Rang Vorbehalten?) Eben so sagt der Begründer des Christcnthumes: „Also werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten fein."3) Ja, er geht noch weiter indem er erklärt: „Es ist leichter, daß ein Kamcel durch ein Nadelöhr gehe, denn, daß ein Reicher ins Reich Gottes komme. "4) Sehr bemerkenswerth ist es noch, daß während die biblischen Antropomorphismen Gott zürnend, eifervoll, racheschnaubend?) u. s. w. darstcllen, die talmndilche Allegorie das höchste Wesen, klagen, seufzen, weinen nnd Thräncn vergießen lässt/') Es war dem Christenthnme wieder Vorbehalten auch in dieser Beziehung bis aufs Aeußcrste zu gehen. Ein tiefes Weh war cs eben, das die ganze Welt durchzitterte, Rom hatte mit roher Hand den Lebensnerv der ganzen Menschheit verletzt, es war die vorherrschende Neigung der noch nicht ganz verhärteten Herzen sich in elegischen Klage- Ionen zu ergießen, zu weinen und zu''trauern. Und wie der Mensch gewohnt ist die Gefühle seines eigenen Herzens auch auf den unendlichen Schöpfer des Weltalls zu übertragen, so war es auch ganz in der Ordnung, daß Gott das Leid der Nationen im Allgemeinen und das des jüdischen Volkes ins besondere in recht menschlicher Weise mit empfinden muffte. Nicht minder charakteristisch ist es, daß gerade am Wendepunkte, als die religiösen moralischen und politischen Anschauungen im Judenthume eine so durchgreifende Aendernng erfahren, unsere Aufmerksamkeit von zweien Männern in Anspruch genommen wird, die vollkommen geeignet sind, der eine die alte, der andere die neue Zeit zu repräsentiren. Schamai, der straffe, unbeugsame, kurz angebundene, der rasch und thatkräftig sofort mit dem Stocke drein schlagen möchte, wenn es Jemand wagt seiner ungeschminkten Rechtschaffenheit, seiner strengen Religiosität im Entferntesten nahe zu treten, der kühne Verordner und Verfechter der achtzehn Artikel, er fühlt sich noch ganz als Senator der hasmonäischen Zeit, als Mitglied eines Tribunals, das Muth genug hatte einen König vor seine Schranken zu laden. Daß die Zeiten der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, der rüstigen Thätigkeit, nach allen Richtungen hin, zu Ende sein sollten, es wollte dem greisen Senator nicht recht eingehen, und auch seine viel jünger« Schüler konnten oder wollten mit dieser Idee sich lange nicht befreunden. — Hingegen war der überaus bescheidene, anspruchslose und geduldige Hilel ganz der Mann der neuen Zeit, die nichts so sehr als Geduld und Ergebung im höchsten Grade verlangte. Auch die Junger Hilels waren ihren Meistern nicht unähnlich, sie waren die ruhigen sanften und verschämten (pr.Sjn |*ma), und es liegt ganz in der Natur der Sache, daß die Ansichten und Lehrmeinungen dieser Hilclitcn, die ihrem größten Theile nach das Gepräge der Milde und Nachsicht tragen, deu Lehrsätzen der Schamotten gegenüber, die eine unnachsichtliche Strenge athmen, immer mehr Raum gewinnen mussten, weil ebendie Schule Hilels den Geist ihrer Zeit für sich hatte und von diesem getragen wurde?) Kulturhistorische paralellen. Als zwei Spartaner in Susa vor den König geführt wurden, wollte man sic zwingen, sich dem persischen Ge- ') Chagiga 5; a. — *) PesachimÖO a. — 3) Matth. 20; 16. s. w. — ') Matth. 19; 24. Luc. 18 25. — ')'Ueber de» Sinn des Woetes im H brauchen verweise ich auf die treffliche Adhmd. linu; des Hrn. Pros. Wrffely, Leu Chananja Nr. 39. — *) Berachoth 3; a. Chagiga 5; 2. u. s. w. — 7) Erubin 13; b. / brauche gemäß vor demselben auf die Erde zu werfen; sie I thaten cs aber durchaus nicht, und erklärten, daß dieses bei ihnen nicht Sitte sei, und daß sie unter keiner Bedingung einem Menschen auf solche Weise, ihre Ehrerbietung bezeigen würden. Einen solchen spartanischen Charakter hatte auch Mardechai Haman gegenüber. Die Spartaner hatten den Atenern im zweiten Perserkricge ihren Beistand zugcsagt, konnten aber erst später ein Heer abschicken, weil ein altes religiöses Gesetz ihnen verbot, vor dem Vollmond znm Kriege auszurückcn. Diesen religiösen Aberglauben hatten auch unsere Ahnen bei Eingehung einer Ehe, welche leider auch zuweilen zum Kriegsschuld platz wird. Rappoport hat nachgewiesen, daß mehrere hervorragende Rabbinen sich vom Handwerke nährten, daß R. Jsac Napchi ein Schmied, N. Jochanan Hafandler ein Schuster war. Auch Jphikrates gehörte, als der Sohn eines Schusters, der unter den Griechen verachtetstcn Klaffe freier Bürger an. Philipp der Macädonier liebte unter anderm den Trunk. Die Sitten und Einrichtungendes macädonischen Volkes waren so beschaffen, daß bei ihnen gerade so wie bei den germanischen Völkern des Alterthums Gelage und Feste eine wichtige Rolle spielten, und daß so wie noch im Anfänge des 18. Jahrhundertes an deutschen und nordischen Höfen ein guter Staatsmann und Diplomat auch ein starker Trinker sein musste. Einen frappanten Gegensatz bildet das Ob Centralismus, oder Föderalismus, das ist heute die brennende Tagesfrage. In Griechenland war einst Föderalismus, um aber der Centrifngalkraft entgegen zu arbeiten bestand der delfische Amphiktionenbund. Dieser hatte die Beschütznng des Tempels und Orakels zu Delsi und die Erhaltung des alten verwandschaftlichcn Bandes von 12 Völkerschaften, die sonst auf jede Weise von einander getrennt waren, zu seinem eigentlichen Zwecke. Ein heiliger unter furchtbaren Verfluchungen geleisteter Eid verpflichtete die Glieder des Bundes zu Unterhaltung und Bcschützung des Apollotempels zu Delsi zur Sorge für die gemeinschaftlichen Feste in demselben und zur Schonung derMitverbüudeten im Kriege. So waren auch im alten Israel 12 Föderativstämiue, die ihren Zentralpunkt im Tempel hatten, wo die Seele des ganzen Volkes war. Also Landtage und Reichstag. vr. M. Duschak. Zur Geschichte der Juden i« ööhmen. Von H. Kohn. (Schluß). Als ich hinkam, brachte er mir die gute Bothschaft, daß ich frei sei und in Frieden nach Hanse gehen könne, und er ließ mich durch Soldaten nach Hanse führen. — Trotzdem aber ruhte und rastete ich noch keineswegs, denn jetzt galt es die Stellung des R. Joseph. Die ganze Gemeinde war schmerzlich getroffen, und man jammerte und weinte überall, denn man verzweifelte an der Rettung dieses guten und braven Mannes, des R. Joseph, der da eingesperrt war. — Sein Urtheil, wie es der Graf gefüllt hatte, lautete, ihn morgen Mittags bei seinen Füssen aufzuhängen, und 2 Hunde neben ihn zu stellen; — und doch war er so unschuldig und Alle „Groß bis Klein, bezeugten, daß er ein redlicher und braver Mann sei. — Am andern Morgen zeitlich früh gingen die Vorsteher zu den Geistlichen, die Jesuiten genannt werden, und baten sie, einen von ihnen zum Grafen als Fürsprecher zu schicken. Sie aber erwiederten: Wir wollen Euch Alles thun, was ihr von uns verlangt, aber in dieser Angelegenheit können wir euch nicht im Mindesten helfen; denn erst gestern ließ

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