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Das Abendland · 1866-12-13 · 24 (13.12.1866) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
24 (13.12.1866)
Date
1866-12-13
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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chischen Israeliten, denen Kuranda in doppeltem Sinne angehört, eine höchst ehrende Episode. Er gehört ihnen in doppeltem Sinne an — sage ich. Zuerst als Oesterreicher! als Deutscher! War er nicht der treueste Kämpe der Reichseinheit? Hat sein Blatt nicht, eine Cassandra, noch lange vor dem Tage von Königgrätz Mahnrufe unserer äußern Politik entgegengesendet, hat er nicht schon vor 25 Jahren in den „Gränzboten" das Auge der Patrioten, auf die Zukunft und ihr Morgenroth gelenkt, welches aufgieng, zwar, aber wieder von Nebeln umrungen, in düstrer Nacht zurückverfiel, aus der nicht das allgemeine Licht, sondern nur einzelne Sterne hervorlenchten. Und einer derselben ist Ignaz Kuranda. Er gehört aber auch als Jude den österreichischen Israeliten an, in Prag — und darum hat dieß für Ihre Stadt spezielle Bedeutung — in Leipzig, in Frankfurt überall stand er auch israelitischen Kreisen nahe und hier in Wien war es ja sein siegreicher Anlauf gegen Sebastian Brunner welcher Sieg ihm die Bahnen des Parlamentarismus und der Opposition erschloß. Ja! ihn feierten gestern die Journalisten, Ritter von Schmerling — ob auch öfters im Reichstag gerade von ihm getadelt — feierte ihn, durch ein eigens an ihn gerichtetes, liebes, artiges Schreiben, welchem Beispiel auch andre hohe Staatsmänner folgten, die ich nicht nennen darf und die Studenten feierten ihn, die gerade beim großen Zeisig beim Gründungsfest des hiesigen akademischen Lesevereins versammelt, an ihn eine Deputation zum goldenen Lamm entsandten, in den Saal, wo ein Toast um den andern zu Ehren des Juden-Ehrenmanns ausgebracht wurde. B. Nen-Hork. Amerika ist das Land energischer Unternehmungen, hier braucht es nicht so lange Zeit wie in Europa um eine Idee zur Ausführung zu bringen, dem Vorschlag muß rasch die That folgen, geschieht das nicht, so ist er lebensunfähig, und findet weiter keine Beachtung. Das lange Delibrircn und Debattiren ist nicht Sache des Amerikaners. So kömmt es, daß die kostspieligsten Bauten mit einer Schnelligkeit ausgeführt werden, von der der Europäer keine Ahnung hat. Neue Synagogen schießen aus der Erde wie die Pilze hervor, und eine Gemeinde die ihren Tempel unbequem findet, besinnt sich nicht lange mit einem Kostenaufwande von hundert Tausenden einen neuen zu bauen — Unlängst wurde hier der Grundstein für einen neuen Tempel der Emanuel Gemeinde gelegt. Dieser Akt wurde mit vieler Feierlichkeit ausgesührt. Der Prediger der Gemeinde, Herr vr. Adler, so wie die zum Feste geladenen Prediger vr. Einhorn von hier und Herr Gutheim aus Neu- Orleans hielten passende Reden die mit großem Beifall ausgenommen wurden — In Pine Bluff Arkansas wurde ebenfalls die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge feierlichst und unter großer Betheilignng der dortigen christlichen Bevölkerung begangen — Die hiesige Schaare Tesilla hat ebenfalls in einem letzthin abgehaltenen Meeting den Neubau einer Synagoge mit einem Kostenbeträge von 150000 Dollars beschlossen, eine andere hiesige Gemeinde hat einen ähnlichen Beschluß gefaßt— Es sind in diesem Monate mehrere neue Religionsschnlen eröffnet worden, deren es bereits eine erklekliche Anzahl hier gibt; es ist jedoch der Uebelstand, daß der Unterricht nur kärglich, einmal oder zweimal in der Woche ertheilt wird, es sind in der Regel nur Sontagsschulen — In der Gemeinde Ahawas Chesed hat der Prediger vr. Hübsch, dem der Hilfslehrer S. Seckles zur Seite steht, in der Gemeinde Schaare Rachmim der Prediger vr. Tintncr eine Religionsschule eröffnet. Die Gemeinde AdaS Jcschurun hat den Gehalt ihres Predigers vr. Einhorn auf 5000 und den ihres Cantor's auf 3000 Dollars erhöht. Die Antrittsrede des vr. Einhorn ist im Drucke erschienen, sie ist im Deraschastyl gehalten und sehr geistvoll, es wird darin mit den altehrwürdigen Waffen des Midrasch für die Ultrareform gekämpft; der an seine Stelle nach Philadelphia berufene vr. Hirsch aus Luxemburg, bekannt als Verfasser des Werkes — „Die Religionsphilosophie der Juden^ ist hier durchgereist und hat unverweilt die Reise nach seinem Bestimmungsorte fortgesetzt. (Nach dem vebre^v Veucker Locale und auswärtige Neuigkeiten. Pest. Ein Artikel des Pesther Lloyd vom 24. v. M. unter der Ueberschrift— „Die Judenfrage vor dem Reichstage" aus der Feder eines Inden, schließt mit folgenden Worten: Wir wünschen und erwarten von dem gegenwärtigen Reichstage ein Gesetz, welches klar und unzweideutig ausspricht, daß der jüdischen Confeffion iy Cultus - und Schulangelegenheiten volle Autonomie zustehe, und das jede die Gränzen des staatlichen Oberaufsichtsrechtes überschreitende Einmischung der Administrativbehörden widergesetzlich und verboten sei. — Kopenhagen. Der greife Oberst Lieutnant von Wollf hat in Begleitung seiner Gattin die beschwerliche Seereise von St. Thomas hieher unternommen, um Sr. Majestät dem König für die ihm zu Theil gewordenen Auszeichnungen persönlich zu danken— Er fand eine huldvolle Aufnahme— Amsterdam. Der ehemalige Jnstizminister, Herr Godefroi, unser Glaubensgenosse ist als Depntirter unserer Stadt für den Reichsrath gewählt worden— Brüssel. Bei der Anwesenheit des frühern Lord-Mayor aus London, machte ihm auch das belgische Consistorium unter Anführung des Präsidenten, Herrn Oppenheim seine Aufwartung. Auf die Anrede desselben erwiederte der Lord- Mayor mit bewegter Stimme und Thränen in den Augen: daß ihm diese Ehre werthcr sei, als alle Auszeichnungen, deren Gegenstand er in unserer Stadt war, daß er stets mit unerschütterlicher Treue dem jüdischen Glauben anhing, und wenn er je eine Conccssion Hütte machen müssen gegen seine religiöse Ueberzeugung, um die Stelle desLord-Mayor's zu erlangen, so würde er sicher diesen hohen Ehrenposten abgclehnt haben — Paris. Bei der am 15. v. M. stattgefundenen Wahl eines Großrabbinen von Frankreich wurde der Pariser Großrabbiner Herr Isidor gewählt. — * Bei der bereits im Abendland erwähnten Trauung der Tochter des Herrn Albert Cohn war auch der berühmte Tondichter Rossini gegenwärtig, und sprach dem Cantor Herrn Naumburg seinen Beifall über dessen meisterhaften Gesang aus. — * In der hiesigen rabbinischen Schule wirken folgende Lehrer: Herr Trenel lehrt Talmud und Religionskodex, vr. Waag ertheilt den Unterricht in hebräischer Sprache, Gramatik und Stylistik. Herr Isidor Cahen, Redakteur der „Archives israelites" lehrt franz. Sprache und Literatur. Herr Albert Cohn hält Vorträge über Geschichte. Der berühmte Orientalist Dernbnrg lehrt aramäisch und syrisch— Auch in der lateinischen, griechischen, arabischen Sprache, in Mathematik und Geographie wird Unterricht ertheilt— Das Aufsichtskomite des Seminars besteht aus den Herrn Albert Kohn, Munk und Dernbnrg sen. — Petersburg. Der Banquier Günzburg hat einen Preis von 300 Rubeln für das beste Werk in welchem die Strafgesetze der Israeliten mit denen der Römer und anderer Völker verglichen werden, Herr L. Rosenthal einen Preis von 1200 Rubel für das beste Werk in hbräischer Sprache über die Geographie Rußland's Amerika's und Australiens ausgesetzt. Portsmouth. Wieder ist in England ein jüdischer Lord- Mayor gewählt worden, u. z. in Portsmouth, |jerr Emanuel wurde einstimmig zu diesem Ehrenposten erhoben. Herr Aldermann Ford, der die Wahl des Lord-Mayor's befürwortete, hob in seiner Rede besonders hervor, daß die Ein-

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