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Das Abendland · 1866-11-29 · 23 (29.11.1866) · p. Seite 182

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
23 (29.11.1866)
Date
1866-11-29
Page
Seite 182 (sequence 6)
Language
German
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182 iiucl-Gemcinde gehört. — Es ist dieß ein günstiges Omen. Die vorgeschlagenen Amendements sprechen für sich, es ist nichts als gerecht, daß keine einzelne Gemeinde und stände sie noch so hoch im Ansehen ausschließlich das Recht der Leiterschaft für sich in Anspruch nehme bei einem Institute, welches die Wohlfahrt aller Juden in Amerika anstrebc, es wäre dieß gegen die demokratischen Institutionen unseres Landes, nach denen jedes Mitglied eines Vereines, gleiche Ansprüche auf alle Rechte hat. — Man hat zur Begründung dieses Artikels die Besorgniß geltend gemacht, wir könnten von den Orthodoxen überschwemmt werden, ^nun, um einen solchen unliebsamen Zufluß zu verhindern, gibt es ein einfacheres Mittel, mau stelle fest, daß nur Mitglieder solcher Gemeinden in den Verein ausgenommen werden, in deren Liturgie die Gebete um Rückkehr nach Jerusalem und Widerherstcllung der Opfer gestrichen sind; denn die Messiasfrage ist die eigentliche Angel um die sich alle brennenden Fragen, bei unseren religiösen Kämpfen drehen. — Ich bin gewiß weit entfernt, die Gefühle der Emanuel-Gemeinde verletzen zu wollen, allein ich, der mit den Bestrebungen dcicsr Gemeinde so sehr sympathisirt, darf es wagen zu sagen, daß sie durchaus nicht die einzige wahre Reformgcmeinde in diesem Lande sei, es sind mehrere, die aus der gleichen Höhe religiöser Anschauung stehen. Es wäre unschicklich von meiner eigenen Gemeinde zu sprechen, ich erinnere deßhalb an die Keneseth-Isracl Gemeinde in Philadelphia, an die beiden Gemeinden Zion und Sinai in Chicago, an die treffliche Gemeinde „Har Sinai" in Baltimore, die zu einer Zeit das Banner der Reform hochhielt, als sie noch mit ihrer Richtung isolirt dastand. — Die gegenwärtige Verfassung eueres Vereines ist nur .geeignet bei jenen Gemeinden Gleichgiltigkeit oder gar Abneigung zu erregen. — Wer zu viel Selbstgenügsamkeit an den Tag legt, darf nicht von andern eine Selbstverleugnung erwarten, die an das Aufgeben der eigenen Existenz streift. — Doch die Thatsachen sprechen überzeugender. Ist euere Institution denn jetwas mehr als ein Phantasiegebilde? Ihr habt eine achtbare Anzahl Mitglieder, eine treffliche Verwaltung, jährliche Meetings; aber eines fehlt — das Seminar, ihr habet Alles, nur keine Lehrer und keine Schüler. — Wir haben so eben aus dem Berichte des Präsidenten von der Existenz zweier Zöglinge gehört, — Wo ist ihr Professor? Dr. Adler unterrichte: sie, wie ich weiß nicht. — Euer Seminar ist ein heimlich geborenes Kind, weil die edle Mutter, die cs gebar,zu sehr sich schnürte, und würde die Emanuel-Gemcinde einen Einbnß an ihrer Ehre erleiden, wenn sie ihren so wohlklingenden Slawen von einer Mißgeburt trennt? Soll man von euerer Gemeinde sagen, daß sic nur Interesse hat für solche Schöpfungen, die aus ihrem Schooße hervorgehen? Daß sic den Namen „Emanuel — Gott mit uns" nur in dem Sinne einer allein sccligmachenden Kirche führt? — Nein, das wäre Vcrläumdung, eine Gemeinde von so würdigem Streben konnte für einige Augenblicke auf einen Irrweg geführt werden, unmöglich aber für die Dauer darauf,beharren.— Ocfsnet die Schranken für alle reformistische Elemente, auch für jene, die den sogenannten amerikanischen Ritus angenommen haben, und euer Verein wird in Kraft und Lebensfrische sich entwickeln. — Es gilt der Zukunft des amerikanischen Judenthums, ihr wöget die schönsten Tempel errichten; ihr habet bloß in die Luft gebaut, wenn ihr nichts thut für die religiöse Erziehung der Jugend, wenn ihr nicht ein Institut schaffet für eure künftigen Rabbiner und Lehrer. Schaffet ein großes Lehrinstitut, in welchem die allgemeinen Wissenschaften vereinigt mit der Wissenschaft des Judcnthums vorgetragen werden, in welchem Zöglinge, die Steigung und Talent dazu haben, für das theologische Seminar vorbereitet werden, welches letztere dem Ganzen die Krone anfsetzt. Laßt! euch von dem Phantom des Sektcngeistes nicht schrecken in | einem Lande, wo die verschiedenen christlichen Sekten ihre gesonderten Seminarien besitzen. — Die Orthodoxen und Halbreformirten gehen jetzt mit der Errichtung eines solchen Institutes um, lassen wir uns* von ihnen nicht überflügeln Ncu-Aork mit seinen materiellen und geistigen Mitteln darf sich nicht die Palme aus den Händen reißen lassen. Rabbi Jochanan den Sakai errichtete einst eine Schule auf den Ruinen des Tempels, laßt uns neben unfern prachtvollen Tempeln Schulen errichten, und New-Aork wird das Zion werden nicht bloß für Amerika sondern auch für Europa. Die Wirkung dieser Rede war eine überwältigende, die noch durch die Erklärung des Herrn vr. Adler, daß er sich dem Amendement anschließe, obgleich er die frühere Fassung in der damals vorherrschenden Anschauung begründet sieht, noch erhöht wurde. — Zuletzt wurde beschlossen, die Wahl eines neuen Namens einem Comite von 5 Mitgliedern im Vereine mit dem Verwaltungsrathe zu überlassen. — Der zweite Punkt des Programms wurde ohne Debatte angenommen. Zum Schlüße wurde der Antrag vr. Adlers, daß die Mitglieder der Verwaltung solchen Gemeinden angehören müßcn, in deren Liturgie die Gebete um Herstellung der jüdischen Nationalität und Ankunft eines persönlichen Messias gestrichen sind, einem Comite zugewiesen. Das nächste Iahresmeeting soll am 3. Sonntage des Monats Oktober 1867 stattfinden. — Yerus. Ierusalem. Aus der Relation des Sir Moses Montefiore über seine letzte Reise nach Palästina ersehen wir, wie in Jerusalem in ächt jüdischem Geiste Wohlthätigkeit geübt wird, und nicht etwa von reichen Leuten, deren Ueberfluß es gestattet, dem armen Mitbruder die Last des Lebens zu erleichtern, ohne selbst sich anzustrengen, sondern von solchen, die sich selbst mit großer Mühe und Plage kümmerlich ernähren. — Sir Moses erzählt: Zwei junge Waisenkinder kamen in meine Wohnung. Ihre Anmuth und Schönheit zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ich fragte sie: Bei wem wohnt ihr, und wer leitet euere Erziehung? Wir wohnen im Hause des Jakob Aaron Kalcher, der für uns väterlich sorgt, antworteten die Kinder— Wer ist dieser Kalcher? fragte ich weiter, und zweifelte gar nicht, es müsse ein sehr reicher Mann sein der 2 Waisen in sein Haus aufnimmt. Wie erstaunte ich aber, als ich hörte, daß dieser Kalcher ein armer Handwerker sei, der sich mit Noth ernährt, und nur vor dem Pessachfeste als Zimmerweißer — das ist sein Handwerk — etwas verdient. Ich war neugierig den wohlthätigen Mann kennen zu lernen, und ließ ihn zu mir kommen. Sein Aeußeres verrieth seine Armuth nicht, sondern zeigte von Genügsamkeit und Zufriedenheit. Ist es wahr, fragte ich ihn, daß Sie zwei Waisenkinder ins Haus genommen haben? Zu dienen! antwortete er - - Haben Sie auch eigene Kinder? fragte ich weiter— Ich habe 7 eigene Kinder die mir Gott erhalten möge— Und Sie haben noch diese Last auf sich genommen? bemerkte ich — Die Eltern dieser Kinder antwortete jener, waren meine Nachbarn, und als die Eltern plötzlich wegstarben, hielt ich es für meine Pflicht, mich der Kinder anzunehmen— Sie sind, Gott sei dank, gesund und munter, was meine Kinder essen, essen sie mit, und wenn wir Hunger leiden, ertragen auch sie den Hunger mit Geduld. Auch eine arme Wittwe und einen andern armen Mann, der sich im Schweiße seines Angesichts sein tägliches Brod erwirbt, lernte ich kennen, die Waisenkinder ausgenommen— So wird in Ierusalem von den ärmsten Leuten Wohlthätigkeit geübt. Wahrlich solche Menschen verdienen die Theilnahme und die Unterstützung ihrer europäischen t-Aaubensbrüdcr. — Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. In vielen Orten, wo Sc. Majestät bei Allerhöchst dessen Reise einen länger» oder kürzern Aufenthalt zu nehmen gcruhetcn, wurden auch die Deputationen der jüdi-

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