Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 23 (29.11.1866)
- Date
- 1866-11-29
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Hr Polizeidirektor von Strohdach ließ Dr. Iellinek sagen, er'müsse ihm persönlich seinen Dank für die Festrede aus'drücken. Außerdem werden immer noch Stimmen aus höheren Kreisen laut, die ihre Anerkennung ausdrücken, und die Bevölkerung — die israelitische zumal — ergibt sich seit diesem epochemachenden Tage — einer gehobenen Stimmung, die mit der Huldigung der patriotischen Leistung ihres geistigen und ihrer Cultusvorsteher Hoffnungen im Sinne der von Dr. Iellinek auf der Kanzel hochgetragenen Gleichberechtigung verbindet. B. Breslau 5. November. Die Oestcrreicher, die sich während des letzten Krieges in Preußen aufgehalten hatten, waren nicht grade zu beneiden. Sie wurden zwar von Seiten der Regierung im Lande geduldet, hatten auch sonst keine besondern Unannehmlichkeiten von Seiten der Polizei zu erleiden; aber trotz dem war ihre Lage eine äußerst fatale. — Denn, wohin sie kamen, hörten sie nichts wie Spott und Hohn; wohin sie blickten, sahen sie nur schändliche Karrikaturen und schmutzige Pamphlete über den Kaiser, das Heer und seine Führer, über ihr armes Vaterland und ihre unglücklichen Landsleute. —• Und dazu mussten sie schweigen; keiner durfte es wagen, sich der Geschmähten anzunehmen und sie zu vertheidigeu. Ließ sich doch Jemand Hinreißen und nahm für Oesterreich das Wort, so konnte er einer peinlichen Anklage auf Majestätsbeleidigung oder dgl. gewärtig sein; denn überall gab es Spione, die ihn aus purem Patriotismus denunziren zu müssen glaubten. — So erschien auch neulich vor der Stadtgerichts Deputation als Angeklagter der Candidat der jüd. Theologie Samuel B. aus Ungarn, der die Universität in Breslau besucht. — Er und der Stud. phil. Moritz M., gleichfalls aus Ungarn, unterhielten sich beim Spaziergange über Oesterreich. — Sie führten ihr Gespräch vor der Thüre eines Hauses, aus dem zufällig ein paar Frauen herauskamen, die sich ohne Weiteres in den heftigsten Ausdrücken über die von Trautenauern angeblich begangenen Gewaltthätigkeiten ergingen und behaupteten, daß alle Oesterreicher eine gleiche Gesinnung hätten. B. vertheidigte seine Landsleute, und meinte, man müsse nicht von einzelnen Angehörigen auf Alle schließen, und namentlich nicht vergessen, daß doch auch in Preußen nicht alle Einrichtungen so musterhaft und alle Staatsbürger so tugendhaft seien, daß 'mau schonungslos über andere Staatsbürger hersallen könne. — So hätten sich z. B.. die preußischen Soldaten bei der Trautenauer Affaire auch nicht tadelfrei benommen, und es sei namentlich das Benehmen der Soldaten, welche absichtlich auf die Bürgerhäuser geschlossen hätten, unzweifelhaft nicht zu billigen. Hierdurch wurde natürlich das Gespräch und die Betheiligung der beiden Frauen, welche mit keinem schlechten Mundwerk versehen waren, immer lebhafter und leidenschaftlicher, in Folge dessen sich B. hinreißen ließ, das Benehmen der preußischen Soldaten in einer Weise zu charakterisiren, die allerdings im höchsten Grade beleidigend war. Dieß benützte das eine Weib, um B. bei der Polizei zu denunziren. Er wurde verhaftet, aber nach einigen Tagen wieder frei gelassen. Diese Woche nun erschien er vor dem Gerichtshöfe, angeklagt Mitglieder der bewaffneten Macht beleidigt zu haben. — Er bestritt, die beleidigenden Aeußerungen gethan zu haben, und auch die von ihm vorgeschlagenen Entlastungszeugen bekundeten, daß sie dieselben nicht gehört haben, obgleich sie dem Gespräche größtentheils beiwohnten. — Doch die Denunziantin erhärtete ihre Anssage durch einen Schwur. Der Staatsanwalt beantragte nun 8 Tage Gefängniß, weil B. die genossene Gastfreundschaft so schlecht gelohnt habe. — Der Vertheidiger bestritt, daß die beleidigende Aeußernng gethan worden sei, und daß selbst in diesem Falle ein Dolus obgewaltet habe, da das Gespräch nur ein vertrauliches war. Er beantragte daher Milderungsgründe anzunehmen und jedenfalls nicht über das niedrigste Strafmaß herauszngehen. Der Gerichtshof stimmte dem Vertheidiger bei und verurteilte B. zu 10 Thaler Geldbuße. — Letzterer hat jedoch bloß die moralischen Folgen der Bestrafung zu tragen, da er in Folge der königlichen Amnestie die Geldbuße erlassen bekam. ' H. K. Retv.Jork. Die Gemeinde Beth-El-Emeth in Philadelphia hat den jährlichen Gehalt ihres verdienstvollen Predigers Herrn I. Lecser auf 2000 Dollars erhöht, und ihm für den Fall, daß er durch Alter oder Krankheit unfähig würde, sein Amt zu versehen, einen lebenslänglichen Jahresgehalt von 1000 Dollars bestimmt. — In Canada existirt das Judenthum beinahe nur dem Namen nach. Der einzige Versöhnungstag übt noch etwas Zugkraft auf daö gläubige Gemüth, kaum ist aber dieser heilige Tag vorüber, dann verfällt alles wieder in den alten Jndifferentismus, die Synagogen sind verödet, und das religiöse Leben findet kaum eine Stätte, wo es gehegt und gepflegt würde. In Quebek wohnen mehrere Israeliten, sie haben ein Bethaus, welches nur 3 oder 4 mal des Jahres zur Abhaltung einer öffentlichen Andacht geöffnet wird. — Unlängst wurde da eine Hochzeit gefeiert, der zur Trauung aus Montreal berufene Prediger hatte seine Noth um ein Minjan bei dem heiligen Amte zusammenzubekommen. — In Montreal ist eine^ansehnliche Seelenzahl von Glaubensgenossen, sie haben 2 Synagogen, eine für den englischen und deutschen, eine für den portugiesischen Ritus, die an hohen Festtagen ziemlich besucht sind, jedoch sind alle Läden nnd Geschüftslokalitäten an Sabbath und Festtagen mit Ausnahme des Versöhnungstages geöffnet. Glaubenslosigkeit ist das charakteristische Merkmal der kanadischen Juden, von dem nur einige wenige Familien in Montreal eine Ausnahme machen. Hier in New-Aork' ist das reformistische Element seit der Anwesenheit des Dr. Einhorn bedeutend in der Zunahme begriffen. — Der Mann versteht es für seine Ansichten Propaganda zn machen, wovon er am 21. Oktober d. I. einen schlagenden Beweis lieferte. — An diesem Tage wurde das Jahresmeeting des theologischen Seminars der Emauuel-Gemeinde abgehalten. — Programm'sgegenstände waren folgende 2 Punkte: — 1. Daß der Name Emanuel-Verein in einen andern passenden umgeändert werden solle, 2. Daß der Paragraph in den Statuten, welcher seststellt, daß die Majorität der Verwaltung der Gemeinde Emanuel in New-Aork angehören müsse, ausgehoben werde. — Wie man sieht haben beide Anträge den Zweck die Resormelemente in hiesiger Stadt an sich zu ziehen und zu konzentriren. Nachdem der Präsident, Hr. Schloß das Protokoll des letzten Meetings gelesen hatte, erstattete er den Jahresbericht. Aus diesem entnehmen wir, daß 2 Jünglinge, die das Columbia College besuchen, den hebräischen Unterricht bei Herrn I. Adler, Sohn des Predigers Dr. Adler genießen. — Dem Vater und dem Sohne wurde der Dank des Vereins, letzterem auch eine Remuneration votirt Das Vermögen des Vereins beträgt 6000 Dollars. — Herr Dr. Einhorn ward zum Ehrenmitgliede der Verwaltung gewählt. Nach mehreren geschäftlichen minder wichtigen Angelegenheiten, kam das eigentliche Programm zur Debatte, und schon der erste Punkt bot Anlaß zur Kennzeichnung der Tendenzen, die nun der Verein zu vertreten gedenkt. —- Herr Mayer schlug den Namen „Samuel" vor, betonend, daß der neue Name auch das Wort „El" enthalte, und daß der Prophet dieses Namens der erste Begründer theologischer Schulen war. Herr Sinsheimer, wie er selbst sagt nicht Mitglied der Emanuel-Gemeinde, ist gegen jede Namensveränderung, die Emanuel-Gemeinde als wahre Vertreterin der Reform, könne am besten den Namen einem Vereine im Geiste der Reform geben. — Nun erhob sich Dr. Einhorn und sprach wie folgt: Es freut mich wahrzunehmen, daß mein geehrter Vorredner, der so warm für die Beibehaltung des Namens — „Emanuel" plctidirt, und den ich erst in diesem Augenblicke kennen zu lernen die Ehre habe, nicht zur Ema-