Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 23 (29.11.1866)
- Date
- 1866-11-29
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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180 auszusprechen sich erlaubt, bi» dat qui cito dat würde hier seine praktische Anwendung finden. Die ehrcnwcrthcn Herren Gemeindevorständc werden gewiß so freundlich sein von Individuen wenn auch noch so kleine freiwilligen Beträge in Empfang zu nehmen und dann die Sammlung an den Gefertigten zu senden, so wie jeder Einzelne den beliebigen Beitrag unmittelbar daher leiten könnte. Die Namen der Herren Spender werden sodann veröffentlicht.*) Bom Isr: Cult: Gemeindevorstande Dobruschka im November 1866. Seligwann Trebitsch. Correspondenzen. Prag. Wie wir bereits in der vorigen Nro. in einer kurzen Notiz gebracht haben, hat der Vorstand des Beerdigungsvereins seinen Sitzungssaal rcnoviren lassen. Wie wir uns dieser Tage aus der eigenen Anschauung überzeugt haben ist die Renovirung wirklich eine äußerst geschmackvolle zu nennen. Wände und Plafond in gelbem Grund haben viele schöne Gemälde in fr68co Situationen aus der Wirksamkeit des Hauptvereins und seiner Zweigvereine darstellend, so wie auch Abbildungen mehrerer photographisch aufgenommener Grabmäler des alten Friedhofs. Da der Sitzungssaal bekanntlich auch zur Abhaltung einer jährlichen Vereinsandacht mit Predigt benützt wird, so ist auch die Kanzel des Predigers harmonisch mit dem ganzen Styl der Ausschmückung hergestellt worden. Das Ganze macht einen wohlthuenden Eindruck auf den Beschauer, und hat sich der geehrte Vorstand mit diesem Unternehmen um den Verein verdient gemacht, denn es soll gerade eine angenehme Stimmung sein, durch die die Mitglieder zur Erfüllung ihrer beschwerlichen und traurigen Pflichten Anspornung erhalten. Wir haben es zu unserer Freude erfahren, daß das Streben des Vorstandes den Bedürfnissen und Ansprüchen der Zeit Rechnung zu tragen, den Tendenzen des Vereins nur förderlich waren, und so begrüßen wir auch in der erwähnten Renovirung einen Akt, der namentlich von den gebildeten Mitgliedern freudig anfgenommen werden wird. Mit Leitung und Anordnung der Arbeit, hat der Vorstand sein Mitglied Herrn M. A. Wahle betraut, und derselbe hat sich seiner Aufgabe mit vielem Geschmack und eifriger Thätigkeit entledigt. R. Horjtz. Die Gedächtnißseier für die im letzten Kriege gefallenen jüdischen Soldaten, die hier abgehalten wurde, hat auf alle Anwesenden einen sehr erhebenden Eindruck hervorgebracht. — Der Glanzpunkt derselben war die meisterhafte Rede unseres ehrwürdigen Rabbiners, Herrn vr. Ehrentheil. In einer schwungvollen, von Patriotismus und inniger Liebe zum Judenthume gleichmäßig getragenen Sprache weiht er ' den Gefallenen einen begeisterten Nachruf, indem er einerseits nachweist daß Waffenehre und Waffenruhm im Judenthume seit ältesten Zeiten als heilge geistige Güter hochgeschätzt wurden, anderseits die Hoffnung ausspricht, daß das geflossene Blut der Gefallenen ein neuer Kitt sein werde zur Befestigung der Einigkeit und der Bruderliebe unter den versckiedenen Stämmen uud Eonfeffionen des großen Vaterlandes, das durch die letzten Ereignisse wohl gebeugt aber nicht erdrückt wurde, und sich unter Gottes Beistand zu neuem Glanze und Ruhme erheben werde. — In geistvoller Weise *) Die Redaktion erklärt sich auf Verlangen des Löbl. Vorstands zu Dobruschka, bereit, Beträge in Empfang zu nehmen, und solche von 8 Tagen zu 8 Tagen dem Vorstände einzusenden, so wie die Namen der Spender und die gespendeten Beträge in diesem Blatte zu veröffentlichen. wurden diese Ideen an passende Bibelstellen angekuüpft, und der Geist, der durch die ganze Rede wehete, war für Kopf und Herz gleich befriedigend. — Wie wir hören soll die Rede durch den Druck veröffentlicht werden, und sie verdient in der That in weitern Kreisen bei Juden und Christen bekannt zu werden.*) Der k. k. Festungskommandant zu Josefstadt, welcher zur Feierlichkeit geladen war, entschuldigte in einem amtlichen Schreiben, daß er nicht persönlich kommen könne, meldete jedoch, daß das Offizierkorps aus seiner Mitte eine Deputatation absenden werde, was auch geschah, indem drei Herren Artillerieofficiere vom Hauptmann abwärts en parade erschienen waren. — Auch das hiesige k. k. Beamtenpersonalc war vollzählig anwesend. Alles verließ in gehobener Stimmung das Gotteshaus, erfüllt von den Gefühlen der Humanität, denen der Redner einen so beredeten Ausdruck gab. — 0 — Wien 16- November. Nach längerer Pause bin ich in der Lage etwas Bedeutungsvolles mitzutheilen. Der gestrige Tag, der 15. de- November war ein Ehrentag für Wien — noch mehr für ganz Oesterreich. Ihre Leser werden schon aus den Zeitungen erfahren haben, daß an diesem Tage im alten Tempel eine Seelenfeier für die israelitischen Soldaten stattfand, welche im letzten Kampf ihr Leben für das Vaterland verloren. Schon einige Tage früher entfalteten die Mitglieder des Vereins für israelitische Soldaten eine regsame Energie. Fcstordnung, Proben, Einladungen, Zuschriften, Deputationen waren an der Tagesordnung. So verfügte sich I)r. Iellinek an der Spitze einer Deputation zu S. M. dem Kaiser, u. Sr. k. k. H. dem H. Erzherzog Albrecht. Wohlwollend ausgenommen hatten Sie die Ehre von der Wirksamkeit des Vereines und der veranstalten Feier Mittheilung zu machen und Zusicherungen erlauchten Wohlwollens und Schutzes zu erfahren. Se. E. Generalkommandant Hartung erließ einen Tagesbefehl, der die Soldaten jüdischen Glaubens für den 15. als Ehrenwache vor das Tempelgcbäude beorderte, während er in einer besondern Zuschrift dem Verein in warmen Worten seine Anerkennung ausdrückte. Am 15. um 5 Uhr Abends begann die Feier mit einem v. Prof. Sulzer componirten Gesang. Dann betrat Or. Iellinek die Kanzel und besprach die biblischen Worte: Wie sind gefallen die Helden! Das war eine Rede, wie sie der Bedeutung der Feier entsprach. Die düstern Bilder des jüngsten Feldzuges aufrollend, daß die Zuhörer sie vor dem eigenen Auge zu sehen glaubten, entzog er sie dem Auge bald durch historische und politische Betrachtungen, die zwischen Kaiser Josefs Zeit und unsern Tagen eine Parallele zogen nnd so zu sagen einen harmonischen Ausgleich in den Herzen der erschütterten und überzeugten Hörer hervorricsen, als lebten wir schon mitten im goldenen Zeitalter, das Religionen und Nationen in tiefster Versöhnung nebeneinander lebend gewahrt. Wieder erklangen die Töne von Chor uud dann betrat der isr. Feldprediger die Stätte der Lade, um für die seiner Seelsorge anvcrtrauten das Kadifch zu beten. Anwesend waren: . der Commaudirende von Hartung, die Generale Roßbach, Kirchbach, Schuster, außerdem viele höhere Offiziere, der H. Statthalter, der H. Bürgermeister, der Polizeidirektor Hofrath von Strohbach der vorm. Minister Pratobevera, der patriotische Verein, viele höhere Beamte und Räthe. S. k. . H. der Herr Erzherzog Albrecht war durch Ueberhäufung mit Geschäften abgehalteu persönlich zu erscheinen und gab hierüber sein Bedauern kund. *) Die Rede ist bereits in unserem Verlage erschienen, und können wir das Urtheil unseres geschätzten Correspondenten seinem vollen Umfange nach bestättigen. Es ist wirklich eine treffliche Casualrede. Die Redaktion. i t