Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1866-11-29 · 23 (29.11.1866) · p. Seite 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
23 (29.11.1866)
Date
1866-11-29
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9050333-9088929-9050853--0527-9050855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

178 den, daß derselben vom Ertrage des vom Capellmeister von Herbek zn veranstaltenden Conzertcs für die Witwen und Waisen der Gefallenen, eine Unterstützung zukäme. — Als einen frommen Wunsch vieler achtbaren Draußigen melde ich Ihnen was an vielen Orten mir bereits geäußert wurde, eS mögen nähmlich seitens der löblichen isr. Landesrepräsentanz von Zeit zu Zeit die Namen der Beneficianten die als Lehramts — oder Rabbinats - Candidaten das ihnen von der Munificenz der Landesrepräsentanz gewährte Stipendium genießen, durch ein jüdisches Organ veröffentlicht werden, es wäre diese Veröffentlichung auch von mehrfachem Nutzen. — Erlauben Sie mir noch zum Schluffe auch meinerseits ein pium äesickeriuin auszusprechen — möchte doch wenn schon einmal C o n c u r s e ausgeschrieben werden müssen, wenigstens die Vorsicht gebraucht werden diese Lockrufe richtig zu sty li siren, oder deren Stylisirung einfach dem Redacteur der Zeitung in der der Concurs erscheinen soll zu überlassen; oder glaubt man, es sei gleichgiltig ob man einen Eoncurs so oder so stilisire ist es wirklich nur lächerlich wenn man — wie dieß eben jüngst geschehen — in einem Concurse sagte „über die Mächtigkeit der hebräischen Sprache ausweis e n" und dieß von einem Chasan verlangt, gleich daneben aber „dokumentirte Belege" wünscht, oder ist dieß etwa nicht mehr a l s l ä ch e r l i ch ist es nicht eine Schmach für eine jüdische Cultusgemeinde? wir sind ja so eifrig bemühet Alles abzustreifen was uns unseren Mitmenschen lächerlich erscheinen lässt, warum sollen wir uns für Jnsertionsgebühr und Jnseratenstempel also fürs gute Geld an den Pranger stellen? Die Männer der Deformation: Neuchlin und Luther nnd die Juden. von Leopold Wolf in Prag. Mit der Kirchenreformation endet die finstere Zeit des Mittelalters, und eine Gcschichtspcriode beginnt, die für die Ideen des Fortschritts und der Aufklärung eine neue freie Bahn eröffnet. Nachdem der päpstliche Stuhl siegreich über den Prager Professor Huß triumphirt und die utraquistische Bewegung aus dem Felde geschlagen hatte, war es wie ein unerwartetes wunderbares Naturphänomen, daß das Auftreten der Humanisten gegen die Dunkelmänner und die Stimme des Wittenberger Lehrers, jene große Erschütterung veranlassen konnte, die bisher so oft vergeblich versucht worden war. Die vielen neu errichteten Universitäten in Deutschland hatten manche neue wissenschaftliche Ansicht in Umlauf gebracht, und das nach Erfindung der Buchdruckerkunst wiederbelebte Studium der griechischen und lateinischen Klassiker, hatte allenthalben einen auf Höheres gerichteten Forschungssinn geweckt. Einen großen Antheil an dem Entstehen des culturhistorischen Reformationsdramas können aber auch die Juden für sich in Anspruch nehmen, und es verlohnt der Mühe an der Hand der Kirchen- und Literaturgeschichte den Spuren dieser Erscheinungen zu folgen, und den pragmatischen Entwicklungsgang derselben in näherem Bezug auf das Judenthum zu beobachten. Wir begegnen hier zuerst dem edlen und erleuchteten Reformator des Untcrrichtswesens Johann Reuchlin, der das Studium der griechischen Sprache mit seinen Freunden, und das der hebräischen Sprache fast allein in Deutschland zu begründen bemüht war. Er selbst verdankte den ersten Unterricht in der hebräischen Sprache dem hochachtbaren 1419 zu Groeningen geborenen Johann Wessel, und während er in Folge seiner Standespflichten als Landesrichter des schwäbischen Bundes in Staats- und Rechtsgeschäften zu Wien am Hofe des Kaisers Maxmilian verweilte, ließ er sich von dem gelehrten Talmudisten Jacob Jechiel Laons, den der Kaiser zum Ritter geschlagen und zu seinem Leibarzte erhoben hatte, in die Gesammtmaterien der hebräischen Sprachwissenschaft einweihen. Seine Liebhaberei für das Hebräische behielt er auch dann noch bei, als er 1498 mit juridischen und diplomatischen Aufträgen zum dritten Male nach Rom geschickt wurde. Er bezahlte sogar den Unterricht den ihm der Jude A b d i a s dort ertheilte, mit einem Ducaten für jede Stunde. Im Jahre 1499 kam er wieder nach Deutschland zurück, nnd gerade in den folgenden Jahren machten er und sein Neffe Schwarzer^ (M e l a n ch t h o n) sich als Schriftsteller um die griechische und hebräische Sprache sehr verdient. Diesen Studien entstammen Reuchlins damals epochemachenden Werke Ruckimenta dedruica 1506, und äe arte eadda1i8tiea 1517. Reuchlin überzeugte sich so sehr von dem Nutzen und der Nothwendigkeit, die Juden für die genaue Kenntniß der hebräischen Sprache und für die Erklärung des alten Testamentes zu benützen, daß er, der bei Luthers Auftreten ruhig und gelassen blieb ganz aus seinem von Natur vorsichtigen und diplomatisch feinem Character heraustrat, als fanatische Zeloten die Bücher der Juden und wohl auch diese selbst vertilgen wollten. (Schlosser. Seckendorf. Rau) Reuchlin ist außer seinem bedeutenden Wissen in lledruieis für uns noch weiter von besonders hohem Interesse, weil er in dem für das Judenthum so hoch wichtigen Streit mit den unwissenden und judenfeindlichen Kölner D omin ikanern, an deren Spitze der Torquemada Deuts^lands der Ketzermcister Hoch stratten, ferner der Professor der Theologie Arnold von Tongern, und der Fanatiker Ortuinus Gratius standen, und denen als Helfershelfer Johann Pfefferkorn, ein getaufter Jude aus Mähren, der um einer Kriminalstrafe zu entgehen in seinem 36. Jahre mit Weib und Kindern in C ö l n zum Christenthume überging und ein zweiter Convertit Victor von Karben, der bei seinem Uebertritt zum Christenthum Weib und Kinder verließ, zur Seite standen, und Material zur Anklage gegen die Juden und den Talmud sammelten, um mit Hilfe des Papstes vom Kaiser Maxmilian, der damals die Juden aus seinen Erblanden Oesterreich, Steiermark und Kärnthen ausgewiesen hatte, die Confiscation des Talmuds zu erwecken. — Zu diesem Zwecke verbanden sie sich mit des Kaisers Schwester der Herzogin Kunigunde, die in ihrer Jugend den Feind ihres Vaters Friedrich III. den Herzog Alb recht von Baiern geheirathet, und nach dessen Tode in ein Kloster getreten und Aebtissin der Klarisserinen geworden war. Pfefferkorn, welcher 1506 Christ geworden war, beschäftigte sich, um sich der katholischen Geistlichkeit zu empfehlen damit, die Juden durch seine Predigten zum Christenthum zu bekehren, und da er der Erfolglosigkeit seiner Predigten den jüdischen Gelehrten zuschrieb, so suchte er die Religiousbüchcr der Juden zu vernichten, und reiste zu diesem Zwecke nach Italien, um gestützt auf Kunigundens Empfehlung, den dort weilenden Kaiser, zu dem auch wirklich am 19 August 15ü9 im Lager zu Padua ihm ertheilten Mandat alle jüdischen Bücher, mit Ausnahnie jedoch der Bibel, verbrennen zu dürfen, zu überreden.— Für die Oberen des Dominikanerordens mochte die Sache wohl mehr all Crpressungsmittel gedient haben da vorauszufehen war,^ atz die Juden wohl zumeist überall gern ein tüchtiges Lcnegeld für ihre heiligen Bücher zahlen würden. Pfefferkorn er,uchte nun Reuchlin mit ihm an den Rhein zu gehen und die Bücherverbrennung zu leiten. Reuchlin lehnte aber natürlich dieses unsaubere Geschäft ab, und stattete ,m .^genthelle über Aufforderung des vom Kaiser als Commlssarms m dieser Sache ernannten Reichskanzler »md Kurfürsten ui- Mamz, des Erzbischofs Uriel von Memmingen rm Jahre 1510 ein Gutachten in einem für die Juden ganz gunstlgeu Sinne. Aus Erbitterung darüber gab Pfefferkorn urcker dem Titel Handspiegel" eine Schmähschrift gegen Reuchlin heraus, und rief dadurch einen Krieg gegen die Humanisten hervor! welcher den Reuchlin ganz gegen seinen Willen zum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.