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Das Abendland · 1866-11-15 · 22 (15.11.1866) · p. Seite 173

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
22 (15.11.1866)
Date
1866-11-15
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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I 1 t i f f r heben wir noch nachträglich Herrn L. Glücklich Gemcinderath in Altbuch hinzuznfügen, welcher das goldene Verdienstkreuz erhielt. — * Die letzte Nr. unseres Blattes war bereits geschlossen, als uns die erschütternde Nachricht von dem Hinscheiden der Frau Nina Hübsch, Gattin des Herrn Dr. Hübsch, Predigers der Gemeinde Ahamas Chesed in Ncu-Iork zukam. Die Nachricht hat in hiesiger Gemeinde, wo man die Verblichene wegen ihrer vielen Tugenden und ihres stillen bescheidenen und häuslichen Wesens allgemein hochschätzte, schmerzliche Sensation erregt und die Theiluahme war eine allgemeine ungctheilte. Wie wir aus dem Hebrew Leader erfahren, hatte sich die Selige schon in der nach Wochen zählenden Zeit ihres Aufenthalts in Amerika der Sympathie Atter, die sie kannten, zu erfreuen. Das am 10. v. M. stattgefundene Leichenbcgäugniß war ein großartiges, wie man es in Neu-Aörk noch nicht gesehen. 50 Wagen folgten der Bahre, und eine große Menschenmenge gaben ihr das letzte Geleite. Am Grabe wurden von dem tiefgebeugten Gatten und von den beiden Rabbinen I)r. Bondi und Dr. Milziener Leichenreden gehalten. Frau Nina Hübsch war 24 Jahre alt, und hinterlässt 3 kleine Kinder, deren jüngstes erst einige Monate alt ist. Möge der Allgütige dem hartgeprüsten Manne den Trost gewähren, den der Glaube spendet, und die armen verwaisten Küchlein in seinen Schutz nehmen. — * Die Freitischstiftung für arme israelitische Volks- Unter- und Obcrrcalschulen in Prag, hat vom October vorigen Jahres bis Ende dieses Monats 3514 Portionen vertheilt und weist eine Gesammtausgabe von 746fl. 77kr. nach. Die Einnahmen bestanden an Jahresbeiträgen und Spenden von Wohlthätern im Gesammtbetrag von 674fl. 73kr. Der Fond besteht in 1300fl. * Unter den Studircuden an der Präger Universität im vergangenen Studienjahre waren im Wintersemester 110 im Sommersemestcr 104 Juden. — Die Beerdigungsbrüderschaft hat ihren Sitzungssaal geschmackvoll renovirt. — Wie». Am 15. d. M. findet im hiesigen Tempel eine Andacht zur Erinnerung an die im letzten Kriege gefallenen israelitischen Soldaten statt. Nach verlässlichen Erhebungen sind 410 Soldaten jüdischer Religion vor dem Feinde geblieben, unter diesen befinden sich 97 Chargen vom Gefreiten bis znm Lieutenant. Lemberg. Das seiner Zeit von dem Gemeinderath entworfene und vom Landtage unterstützte Gemeindestatut der Stadt Lemberg hat die kaiserliche Sanktion nicht erhalten, namentlich wegen der darin vokommenden die Israeliten beeinträchtigenden und mit dem allgemeinen Gemeindegesetze im Widerspruche stehenden Paragraphe— * Von dem Redakteur des „Hamewasser, erscheint unter dem Titel: „Neueste Nachrichten" eine Zeitschrift in einem Jargon, der für deutsch zu jüdisch, für jüdisch zu deutsch ist. Der Herausgeber, Herr Kohn, entschuldigt sich bei seinem Publikum, wenn ihn etwa seine Bildung hindern sollte, diesen Jargon recht zu handhaben, und bittet um belehrende Winke.(?) Polen. Die in Polen ausgehobenen Rekruten sind nun doch sämmtlich nach Rußland geschickt worden, und nur die wenigen jungen Leute, die der mosaischeu Religion angehören, sind zurückgeblieben und bei dem Feuerwachtkorps eingestellt worden; einige hat man sogar unter die Polizeimannschaft vertheilt. Leipzig (Statistisches) Von den gegenwärtig aufder ganzen Erde lebenden circa 6 Million Juden wohnen die Hälfte m Europa und in Russland allein beträgt die Zahl derselben 1,300000, in Oestreich befinden sich 900000 in Preußen 254000 im übrigen Deutschland (noch mit Einschluß der von Preußen anektirten Länder) 192000 Frankreich zählt gegeu 100000 Großbritanicn 42000 Juden, in Sachsen wohnen nur etwa 1200, die wenigsten jedoch in Schweden und Norwegen wo erst auf 6000 Christen ein Jude zu rechnen ist. In Syrien und der asiatischen Türkei leben 520000 in Marokko und Nordafrika 610000 und in Amerika 250000. (Leipz. ill. Ztg.) Berlin. Beim Synagogenvcrein 8ehoehare Tob wurde Herr Dr. S. Nascher zum Prediger und Rabbiner gewühlt. Der Verein geht damit um, ein neues geräumiges Gotteshaus zu erbauen. * Die hiesige jüdische Gemeinde beabsichtigt dem Staatsministerium eine Petition einzureichen, behufs Aushebung des fast nur noch in Preußen bestehenden Judeneides (isr: Lehrer) Frankfurt. Zeitungen bringen die Sensations-Mittheilung: Das isr. Centralkomite(?) von Paris hat an sämmtliche Geistliche der jüdischen Religion in Europa einen Aufruf zur Theiluahme an einem Sanhedrin erlassen, welches zur Zeit der allgemeinen Ausstellung in Haris veranstaltet werden solle, es würde sich um eine Berathung über 2 Hauptfragen handeln, über die Abschaffung gewisser -Bpeiseverbothe und über die Verhinderung der Polygamie; welche noch bei den Juden Algeriens herrscht. Letztere Reform wird von der französischen Regierung sehr gewünscht, in Algerien befinden sich dermalen etwa 40000 jüdische Familien (Das Ganze klingt höchst unglaublich. Die Redaktion) Hamburg. Unter dem Titel „die Laubhütte" erscheint hier in Schönwald's Verlagsbuchhandlung ein neues illustrirtes Unterhaltungsblatt, das bestimmt ist, ein Ceutral- und Brennpunkt der gesummten Interessen des Judenthums, ein Spregel jüdischen Geistes Ringens und Strebens jüdischer Geschichte zu werden. (Und das Alles soll ein noch dazu illustrirtes Unterhaltungsblatt werden?) Paris. Am 17. October wurde Frl: Betty Cohn Tocktcr des berülMen Dr. Albert Cohn, mit Herrn Ernst Handle, Advokaten am kaiserlichen Gerichtshöfe vermählt. Alle jüdische und viele nichtjüdische Notabilitäten wohnten dem Trauungsakte bei. Der Vater der Braut lieferte an diesem Tage wieder viele Beweise seines seltenen Wohlthätigkeitsfinncs. In drei verschiedenen Häusern ließ er die Armen bewirthen, und schickte verschämten Armen die Speisen ins Haus. Der Bräutigam, ein noch sehr junger Mann, hat sich kürzlich durch Veröffentlichung eines Werkes einen Namen in der Literatur erworben. (Wir senden dem jungen Ehepaare, mit dem wir beiderseits im Verwandschaftsverhältnisse zu stehen die Ehre haben, unsere herzlichsten Glückwünsche zu. der Redakteur).— Am 20. d. M. findet die Wahl des Großrabbinen von Frankreich statt. Brüssel. Der neue Oberrabbiner von Belgien, Herr Astruci wurde in sein Amt eingesetzt. Bor der Installation mußte er folgenden Eid ablegen: Ich schwöre alle Pflichten, die mir meine Funktionen als Oberrabbiner vorschreiben zu erfüllen, und der Verfassung des freien Belgiens treu zu bleiben. — Brüssel hat eine Jsraelitengemeinde von 1800 Seelen— Der neue Oberrabbiner, der in seiner Gemeinde sehr beliebt ist, wurde offiziell vom Unterrichtsminister empfangen, der ihn dem Könitze vorzustellen hat. London. Der frühere Lord-Mayor, Herr Philips hat noch in der letzten Sitzung unter seiner Amtsführung vom Könige von Belgien den Leopoldorden erhalten. Es ist fraglich ob er von der Königin znm Tragen desselben die Bewilligung erhalten werde, da in England nur der Soldat einen fremden Orden tragen darf. — Tunis. Der italienische Consularrichter zn Tunis, Herr Prosper Molco hat vom König von Italien in Anerkennung seiner dem italienischen Handel geleisteten Dienste und in Würdigung seiner Rechtlichkeit und Unparthcilichkeit bei Ausübung seiner richterlichen Funktionen den Ritterorden St. Maurizio und Lazzaro erhalten. (C. I). »

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