Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 22 (15.11.1866)
- Date
- 1866-11-15
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Die Jahreszahl Y:n—1694 ist sicherlich unrichtig, und selbst wenn man Y3n 1664 corrigirt, steht dieses Datum mit jener Urkunde im Widerspruch, welche von der Cassirung des Friedhofes im Jahre 1632 spricht. Möglich, daß ein Stück des Platzes zeitweilig zur Beerdigung den Inden noch überlassen wurde. Später besaßen die Egerer Juden nie mehr einen eigenen Friedhof, und mußten ihre Leichen auf dem israelit. Gottesacker zu Königsberg beerdigen lassen, was bis auf die jüngste Zeit noch immer geschehen ist. *) Correspondeiy. Rzescholau den 28. Oktober 1866. Der 27. Oktober 1866 war für die EultuSgemeinde Rzescholau bei Pilsen ein Tag der Freude, indem an demselben die Einweihung ihres neuen sehr schönen Gotteshauses Statt fand. — Dieser Bau ist für diese einst hervorragende, mit der Zeit aber kleiner gewordene Gemeinde um so rühmenswerter, als sie seit einigen Jahren durch verheerende Feuer sehr empfindlich betroffen und am Schebuov Feste im Jahre 1865 auch ihr Gotteshaus ein Raub der Flammen wurde. — Die Einweihungsfeier, welche von vielen frommen Glaubensbrüdern der Nachbargemeinden Praschuo Aujezd, Radnitz, Rokycan etc. besucht wurde, fand auf folgende Weise statt: Vormittags 10 Uhr bewegte sich aus der Wohnung des in weiter Ferne durch seine Wohlthätigkeit rühmlichst bekannten Herrn Leopold Eisncr, dessen Hr. Sohn Salomon sich auch um das gesammte Arrangement sehr verdient gemacht, der Zug in'S neue Gotteshaus. Voran schritt eine Abtheilung der bekannten Radnitzer uniformirten Bergcapelle einen passenden Marsch blasend — hinter denselben zog die hoffnungsvolle Schuljugend — sodann kamen 3 weißgekleidete Kranzeljungfern, deren mittlere, die Tochter des Herrn Leopold Eisner aus einem reichgestickten Polster den Schlüssel des Gotteshauses trug. — Diesen folgte der Eantor mit einem improvisirten Chor, worauf der Trauhimmel von 4 schwarzgekleideten jungen Herren getragen wurde; derselbe war (auch) von kleinen weißgekleideten Mädchen umsäumt, und unter demselben schritten die Functionaire, die Herren: vr. Deutsch, Prediger in Pilsen, Bernhard Mandl, Prediger in Brandeis und Herr Localist Utitz aus Rzescholau, mit Thorarollen in der Hand. — Beim Portale des Gotteshauses angelangt, hörte die Musik zu spielen auf, und während dem der Zug das äußere Gebäude dreimal umschritt, sang der Chor die rituellen Einweihungshymnen ab. Der um das schöne, fromme Werk des Tempelbaues sich sehr verdient gemachte Vorsteher Herr Weißkopf übergab dem Herrn vr. Deutsch den Schlüssel, und nachdem das Gotteshaus unter den üblichen Psalmen und Gebeten geöffnet wurde, wurden die Plätze von den zahlreich Anwesenden eingenommen. Der Herr vr. Deutsch betrat die Kanzel und hielt eine sehr schwungvolle, erbauliche Rede, welche auf die Zuhörer, unter welchen auch Honoratioren christlicher Confession, wie auch der hochwürdige Ortsgeistliche sich befanden, einen erhebenden Eindruck machte. — Nach Beendigung der Thora - Vorlesung, zu welcher alle An¬ *) Mit diesem 4. Artikel dessen verspätete Veröffentlichung in den Calamitäten der letzteu Monate ihren Grund hat, ist die treffliche Arbeit unseres gelehrten Herrn Mitarbeiters abgeschlossen, nicht aber die Geschichte der Juden in Eger, die vielleicht noch durch manche der Vergessenheit entzogenen Dokumente und historischen .Daten vervollständigt werden könnte. Wir ersuchen alle Freunde der jüdischen Geschichte, die durch irgend welche Mittheilungen zur erwähnten Vervollständigung beitragen können, solche uns freundlichst zukommen zu lassen. Die Redaktion. wesenden im Gotteshause vorgerufen, und hierbei reichliche Gaben gespendet wurden, hielt der beliebte Prediger Herr Mandl eine weihevolle, dem Moment und Orte angepasste Rede, welche bei Erwähnung seines Wirkens vor einem Vierteljahrhunderte als Prediger und Religionslehrer daselbst den andächtigen Zuhörern Thränen der Rührung erpresste. Nachdem der Redner noch der Existenz des Judenthums eine historische Reminiscenz gewidmet, sprach er nach Ertheilung des üblichen Scgensspruches das Gebet für das geliebte Kaiserhaus, worauf gleich die außerhalb des Tempels postirte Musikcapelle di- Volkshymne anstimmte. Nach Verrichtung des üblichen Samstag - Mnssaphs Gebetes war die Feierlichkeit zu Ende. — Gegen Abends vereinigte sich die tanzlustige Jugend zu heiteren Tanzweisen im Wirthshause, und hielt da Stand, bis Aurora (hier ausnahmsweise inimica) die wild romantische Gegend mit ihrer regelmäßigen Visite beehrte. — M. Breslau. 2. November. Gestern Nachmittag 3 Uhr fand die feierliche Grundsteinlegung der neuen Gemeindesyna goge im Beisein der Comite-Mitglieder, der beim Bau beschäftigten Arbeiter und zahlreicher Gemeindeglieder statt. — Nach einem vortrefflich ausgeführten Gesänge des Chores unter der Leitung des Hrn.Cantor Deutsch sprach Hr. Land -Rabbiner Tiktin ein Gebet in hebräischer Sprache, worauf Herr Rabbiner vr. Joel die Weiherede in deutscher Sprache hielt. In wahrhaft erhebenden Worten wies derselbe aus die Bedeutung der Feier hin, die keine seltene sei, da das Volk Gottes stets und überall, wohin es sein wandernder Fuß getragen, gern eine Stätte der Einkehr und der Sammlung aus dem Gewühl und Geräusch des Lebens gegründet habe. Die Wichtigkeit des Momentes liege darin, daß zum ersten Mal die hiesige Gemeinde, die sowohl an Größe als an Intelligenz ihrer Glieder zu den hervorragendsten Deutschlands zähle und ein Muster und Vorbild für andere sein solle, die Grundsteinlegung eines Gotteshauses begehe, welches für die Gemeinde als solche erbaut wurde, daß ein Mittelpunkt geschaffen werde, der alle die verschiedenen Ausstrahlungen und Bethätigungen des religiösen Lebens in sich vereinigt. Ehre und Dank gebühre daher den Männern, die seit langen Jahren diesem Ziele trotz mannigfacher Hindernisse beharrlich entgegenstrebten. Möchten dieselben auch dereinst das Werk in seiner Vollendung schauen als den einenden und versöhnenden Mittelpunkt aller verschiedenen Meinungen und Bestrebungen, die ja nichts Zufälliges und Willkührlichcs, sondern in dem menschlichen Geiste begründet seien, nnd alle in dem Brenn- und Mittelpunkte der Begeisterung für die heilige Religion zusammmströmen. Einer Gemeinde, wie die hiesige, gezieme es, auch zu beweisen, daß sic den Ansprüchen einer in ihren Anschauungen völlig veränderten Zeit Rechnung trage; dann werde das Wort des Gottesmannes in Erfüllung gehen: □vsjjn by? nVcn t-- „Mein Haus soll ein Bethhans sein für Alle," ein Haus, in welchem Alles, was Mensch heißt, auch der Andersgläubige, von dem Gefühle eines heiligen Schauers der Nähe Gottes erfüllt werde. Nach diesen Worten las Herr Vorsteher Friedenthal die dem Grundsteine zu übergebende Urkunde vor, worauf unter dem Gesänge des Chores me Einfügung des Grundsteines in die Baugrube stattfand- H. K. fötale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Zu den in der vorigen N. genannten, durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers ausgezeichneten Israeliten