Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 20 (18.10.1866)
- Date
- 1866-10-18
- Page
- Seite 158 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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158 Alles, was er auf Erden besitze, nähmlich sein einziges Kind, dem Sir Moses vermache. Der Schreiber jener Zeilen hatte sich in der That auf seinem Zimmer das Leben genommen, und Sir Moses nahm sich des Knaben väterlich an. Selbst kinderlos, konnte Montefiore das Kind adoptiren und im Iudenthum erziehen lassen, er zog es jedoch vor, seinen Schutzbefohlenen in ein christliches Institut unterzubringeu, und so wurde das Kind auf Kosten des jüdischen Philantropen im Christenthum erzogen. Das Blatt, welches dieses Faktum erzählt, führt es als Beweis an, wie sehr die Israeliten das Gewissen anderer achten, und so wenig Neigung für Proselitcnmacherei haben, daß sie die lockendeste Gelegenheit, Andersgläubige zu bekehren, unbenützt lassen. Man hat an ihnen diese Gesinnung als Gleichgiltigkeit getadelt, uns scheint es vielmehr die zarte Scheu, das Gewissen des Individuums, als einzigen Richter in Glaubenssachen zu verletzen. (Oorriere Israelit.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Von dem Musikdirektor Herrn D. Rubin ist die erste Lieferung einer größer« Sammlung von Synagogengesängcn unter dem Titel 'W erschienen. Herr Rubin ist als tüchtiger Künstler bekannt, und ist seinem Unternehmen der günstigste Erfolg zu wünschen. — Wien. Dem hiesigen Banquier Moritz Schnapper, einem Israeliten, wurde das Ritterkreuz des brasilianischen Rosenordens verliehen. Pest. Als Curiosum nehmen Sie folgende kleine Notiz: In Säg eifert wie „Sürgöny" meldet, ein Bauernbursche das Volk an, nebst dem Sontag auch den Sabbath zu feiern, und das Volk zeigt sich sehr bereit ihm zu folgen. — „Hon" bemerkt, daß es gut wäre, gegen den Einfluß des unberufenen Predigers von der Kanzel aus zu wirken. Kaschau. Die hier erscheinende Zeitschrift „der Jude" ist cingetretener Hindernisse wegen bis auf weiteres sistirt. — München. Herr Baron von Bast, ein steierischer Edelmann, starb unlängst, und legirte eine Summe von 177500fl. deren Interessen dazu bestimmt sind, arme befähigte Jünglinge ohne Unterschied der Eonsession, wenn sie nur in Deutschland geboren wurden, eine Kunst erlernen zu lassen. Der Stadt München ist die Verwaltung dieser Stiftung anvertraut. Es ist dieß abermals ein erhebendes Beispiel von Seiten eines Christen, dessen Wohlthätigkeit sich auch aus Israeliten erstreckt. Frankfurt a. M. Herrmann Goldsmith, bekannt als Astronom, starb am IO. September zu Fontainebleau, wo er Stärkung seiner schwachen Augen suchte. Er war in Frankfurt am 27. Juni 1802 geboren, und widmete sich zuerst dem Handel, dann unter Schnorr und Cornelius der historischen Malerei, endlich der Astronomie, welche er privatim zu Paris trieb seit 1848. Er entdeckte nicht weniger als 14 kleine Planeten. Goldsmith opferte sein Vermögen der Wist senschaft und bezahlte sein Streben noch mit dem Verluste seines Gesichts. Er war Jsraelite. — Paris. Am 23. August fand die Prämienvertheilung an Knaben und Mädchen der israel: Schulen des Pariser Consistoriums im Amphitheater des Conservatoriums für Künste und Handwerke, und am daraus folgenden Tage sine an den von der Stadt verwalteten israel: schulen im «stadthause des 4. Bezirks statt. Beide Feierlichkeiten hatten eine große Anzahl von Gästen herbeigeführt, welche mit vielem Interesse die vom Großrabbiner Isidor gehaltenen Reden anhörten. Bei der ersten Vertheilung führte Herr Albert Cohn, bei der zweiten der Herr Maire des 4. Bezirks den Vorsitz. (Corr: Ist:) * Der egyptische „Courier" welcher bis jetzt in Paris unter der Leitung des Herrn Angelo Edler von Tedesko (einem Israeliten aus Triest) erschien, hat sich in ein politisches Journal in stanz. Sprache unter dem Titel „l'Orient" umgewandelt. Es erscheint jetzt 8 mal monatlich in Brüssel, und hat die Tendenz die orientalischen Angelegenheiten in ihren Beziehungen zur europäischen Diplomatie zu beleuchten. Die erste No. enthält eine Studie von Herrn St. Marc Girardi« über den Ursprung dieser Fragen. Dieses Journal wird auch, so oft die Gelegenheit sich dazu biethet, der Emancipation der Israeliten das Wort reden. Herr Tedesko hat seiner Zeit auch für die Anfertigung einer militärischen Karte Italiens vom Kaiser Napoleon ein BeglückwünschungS- und Dankschreiben erhalten. London.Die „Daily Bristol Times“ bringen eine lange Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten eines Sohnes des Lordmayor zu Bristol, die im August stattfanden. Es wurde bemerkt, daß während des Zuges die Glocken der St. Markuskirche zu Ehren des Ereignisses läuteten, was auch den Armen in den Pfarreien der Stadt Freude bereitete. Unsere Leser erinnern sich, daß der gegenwärtige Lordmayor zu Bristol, Herr I. Abraham, ein streng orthodoxer Jsraelite sei, und es ist selbstverständlich, daß die Trauunzsfeier nach jüdischem Ritus begangen wurde. Padua. Bei der Aufwartung, welche unser Herr Rabbiner dem Könige Victor Emanucl machte, äußerte sich dieser. „Ich liebe die Israeliten sehr, sie sind alle meine Freunde. Bukarest. Der österreichische Generalkonsul, Herr Baron Eder hat an das rumänische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten wegen der am 30. Juni d. I. vorgesallenen Excesse gegen die Juden und der Demolirung ihrer prachtvollen neuen Synagoge eine energische Note gerichtet, in welcher eine strenge exemplarische Bestrafung der Schuldigen, die Wiederherstellung des Tempels, und eine Entschädigung für die Verluste, welche österreichische Uutcrthancn bei diesen Excessen erlitten, verlangte. Das rumänische Ministerium erkannte die Billigkeit der Forderung, sagte die Bestrafung der Schuldigen zu, und erklärte, daß die Regierung den Tempel auf eigene Kosten wieder aufbauen lassen werde. Moldau. In Bakau, einer kleinen Stadt der Moldau in der Nähe von Jassy haben schreckliche Excesse gegen die Juden, die da eine ziemlich zahlreiche Gemeinde bilden, stattgefunden. Obgleich der Präfekt von Jassy, Herr Gregor Sturdza mit vieler Energie die Aufregung gegen die Juden zu beschwichtigen suchte, waren die Leiter der Polizei in Bakau ehrlos genug, den Pöbel gegen sie aufzuhetzen, indem sie ihm Straflosigkeit zusicherten, und ihm Beispiele anführten, wo auch anderwärts Judenexcesse unbestraft blieben. Diese Aufreizungen hatten zur Folge, daß in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli eine bewaffnete Rotte sich in die von Juden bewohnten Gassen stürzte, die schrecklichsten Gräulthaten gegen die wehrlosen Israeliten vollbrachte, ohne den geringsten Widerstand von Seiten der Sicherheitsbehörde zu finden. Das Haus eines Israeliten wurde. gänzlich zerstört, der Eigenthümer desselben nebst zwei zufällig anwesenden Frauen ermordet. Als der Mann einer dieser Frauen herbeieilte, und seine Gattin als Leiche da liegen sah, fiel er ohnmächtig zu Boden, wurde aber bald daraus von einem Polizeimanne ergriffen und in's Gesängniß geschleppt, unter dem Vorwände, daß die Blutflecken au seinen Kleidern den Verdacht erregen, er selbst habe seine Frau ermordet. (A. I.) Constantinopel. Unter den 400 Arbeitern, welche bei der letzten Explosion des größten Pulvermagazins zu Constanti nopel ihr Leben verloren, waren 220 Israeliten. Bei dem großen Brande, der am 28. August an den Dardanellen ausbrach, traf der größte Verlust die Israeliten. 192 Hauser