Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 20 (18.10.1866)
- Date
- 1866-10-18
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050826--0503-9050831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
157 Naturalisten waren, anstatt daß sie treu dem Satze wx 212 .dSs HX MP D'pSx KT '2 *|T HX N2N 7X ML CJ1 M2 mxn sowohl der Natur als auch dem Geiste mit gleicher Verehrung zugethan gewesen wären. Aber ebenso unzulänglich sei die Verehrung des Geistes ohne Regardirnng der urwüchsigkräftigen Natur, indem die Spiritualisten (und diese meinte wohl der Redner) aller Menschenliebe ihre Herzkammern verschließen und die Unzulänglichkeit malte er herrlich in ein zeitgemäß politisches Bild aus, dem jeder deutlich ablesen konnte, die blutigen Züge, daß leider oft offene Gewalt das Recht unterdrücke und die Geradheit, Aufrichtigkeit in den Hintergrund dränge. Herrlich lodernd ging alsdann die sinnige Mittelstrasse hervor, die der reinfühlende Jsraelite einzuschlagen gewusst, indem er sowohl Natur-Feste feiert, als auch solche von rein geistiger Bedeutung; dieses Fest schließlich fasse beide Tendenzen in sich. So viel über den Inhalt der Predigt. Die Festigkeit in Schritt und nicht minder in Charakter, mit welcher der Redner hintrat vor Viele, die an Jahren ihm voraus sind, die sichere unbefangene unerschrockene Haltung, die fließend rein moderne Sprache, als vorzüglichstes Gepräge der ausländischen Schule, all das neben der gefühlvoll, dennoch schlichten Darstellungsweise mussten dem in frühester Jugend schon Viel versprechenden jungen Manne die gebührende Ehre verschaffen, er verfiel auch nicht in den gemeinsamen Fehler vieler Novizen — in schwülstige Stilfiguren. Zum Schluß drängte es den Redner, der doch nicht mit belehrender Tendenz zu den Angehörigen gesprochen, diesen für ihre Geneigtheit zu danken, so wie überhaupt für die freundschaftliche Aufnahme, die man ihm nach langjähriger Abwesenheit zu Theil werden ließ und die Predigt war zu Ende. — Soll ich sie mit schlagender Kürze charakterisiren, so möchte ich sie aufrichtig als ein günstiges Prognostikon für seine Zukunft proclamiren. I. Stransky. Böhm: Leipa. Die schreckliche asiatische Epidemie, die sich mehrere Opfer in unserer Gemeinde aussuchte, hat leider auch die Spitzen unserer Cultusfunktionäre plötzlich weggerafft, und Sie können sich nicht vorstellen, welche Bestürzung und Trauer in unserer verwaisten Gemeinde herrscht. Nachdem unser tüchtiger Cantor, mit Zurücklassung einer trostlosen Wittwe und 5 kleinen Kindern der Seuche erlegen, starb am 8. d. M. auch unser ehrwürdige Rabbiner Herr Dr. Lehmans nach zweitägiger Krankheit ander Cholera. Der Verblichene, Sohn des Herrn Rabbiners in Nymwegen, war erst 26 Jahre alt, und sollte in einigen Tagen die Tochter unseres würdigen Vorstehers, Herrn Zinner heirathcn; allein das traurige Verhängniß hatte es anders beschlossen, und anstatt der Fackel Hymen's wurde die Grabesfackel angezündet. Herr Dr. Lehmans hat sich besonders um den Jugendunterricht in unserer Gemeinde verdient gemacht, und die arme Jugend beweint mit uns den Tod ihres treuen Lehrers. S. Wien l2. Okt. Verehrter Herr Redakteur! Sie appeliren an mich, ob sich die auch in Ihrem werthen Blatte reproduzirte Geschichte von den beiden vertauschten Särgen bewährt. Nun aber läßt sich bei dem Ueberhandnehmen der Todesfälle während der jetzigen Epidemie mn solcher Vorfall bestättigen, ohne daß dadurch der Chebra Kadischa ein Vorwurf gemacht wird. Denn gerade dieser Verein erfüllt, wie kein zweiter hier, seine Aufgabe in der gewissenhaftesten Weise, und es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Vorsteher dieses Vereins — unter diesen zumal die Hernr Em. Biach u. Gustav Simon — sich nicht blos auf die untergeordneten Beamten der Anstalt verlassen, sondern s e l b st t h ä t i g in die Geschäfte des Vereins cingreisen. Da ich in meinem heutigen Berichte den Gottesacker berühre, so kann ich nicht umhin, eines Todten zu gedenken, dessen Name in Prag den besten Klang hat. Ich meine Herrn Wolf M. Taussig, der am 18. März d. I. hier gestorben ist. Seine Familie läßt ihm ein prachtvolles Monument setzen, das folgende deutsche Inschrift trägt: „Hier ruht ein edles Her;, das für die Armen schlug. Und jeden fremden Schmerz, als wärs der eigne, trug, Es schloß sich eine Hand, voll Segen bis zur Bahr', Wolf Benjamin genannt, ein Liebling Gottes war". Die letzte Zeile hat eine besondere Prägnanz, da Herr vr. Jellinek in der Rede, die er am Sarge des seligen Hrn. Taussig hielt, die betreffende Bibelstelle benutzt hat. Vom Lector am hiesigen Bethhamidrasch Herr I. H. Weiß erscheint nächstens ein Werk über die Sprache der Mischna, das nicht verfehlen wird, in den talmudischen Kreisen die größte Aufmerksamkeit zu erregen. Herr Weiß zeigt in seinem neuen Werke, daß viele Mißverständnisse in Betreff der Mischna in der mangelhaften Kenntniß ihrer sprachlichen Gesetze ihren Ursprung haben. 6. Triest im October 1866. Die asiatische Epidemie hat in unserer Stadt leider furchtbar gewüthet, und in viele Familien Trauer und Trostlosigkeit gebracht. Unsere Gemeinde hat zu den vielen Opfern, welche dem unversöhnlichen Feinde schonungslos fielen, ein bedeutendes Contingent gestellt; sie beweint den Verlust mehrerer ihrer Mitglieder. Das Unglück hat jedoch ihr Gottesvertrauen nicht geschwächt, vielmehr ihr religiöses Gefühl und ihren bewährten Wohlthätigkcitssinn angespornt, um in den Zeiten des Drangsals durch inniges Gebeth und durch Werke der Mildthätigkeit das göttliche Strafgericht von uns abzuwenden. Unser Herr Oberrabbiner hat den 16. September als Bettag um Befreiung von der Seuche angeordnet, an welchem Tage die große Synagoge von 9 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends geöffnet war, und die zahlreichen Betenden, welche zur Andacht hcrbeiströmten, aufnahm. Es wurden bei dieser Gelegenheit über 1700fl. gespendet, welche an verschämte Arme vcrtheilt wurden. Auch für den Versöhnungstag traf unser würdiger Herr Oberrabbiner aus Sanitätsrücksichten die geeigneten Anordnungen. Von 1 bis 3 Uhr Nachmittags wurde der Gottesdienst in allen Synagogen unterbrochen, die während dieser Zeit gelüftet wurden. Der fromme Seclenhirt ließ auch durch ein Cirkular bekannt machen, daß ein jeder, der sich an diesem Tage unwohl fühle, Nahrung zu sich nehmen dürfe, mit möglicher Beachtung jener Vorschriften die der Religionscodex für solche Fälle festsetzt. Der Allgütige hat uns seinen Schutz angedeihen lassen, und wir haben nicht gehört, daß jemand in Folge der Anstrengung und Entbehrungen an diesem heiligen Tage erkrankt wäre. Möge des Herrn Gnade uns beschützen und bald freudigere Tage erleben lassen. 8. London. Ein englisches Journal erzählt folgenden Charakterzug aus dem Leben des Sir Moses Montefiore: Der berühmte Philantrop machte einst am Bord eines Dampfschiffes die Bekanntschaft eines Mitreisenden, der einen kleinen Knaben mit sich führte. Als. das Schiff landete, nahmen Sir Moses und sein neuer Freund Quartier in demselben Gasthause. Kaum war Sir Moses eine Stunde auf seinem Zimmer als er von der Hand seines Freundes ein Bittet erhielt, in welchem ihm dieser anzeigte, daß er. £, wenn dieses Billct gelesen werde, nicht mehr existirc, und daß er