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Das Abendland · 1866-10-18 · 20 (18.10.1866) · p. Seite 154

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
20 (18.10.1866)
Date
1866-10-18
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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Berliner „Kreuzzeitung" dürfte das Prager Blatt kaum die Concurrenz bestehen, allein dort müssen die Dunkelmänner im Dunkeln bleiben, und das Volk weiß,was cs von solchen retrograden Anstrengungen zu halten und zu erwarten habe. Diese Vorwürfe gelten keineswegs der cechischen Nation, die in sich so viele edle und humane Elemente birgt, und man kann die Ausschreitungen einzelner Zeitungen ebensowenig dem kechischcn als dem deutschen Volke zur Last legen. Die Volksbildung, die in die untersten Volksschichten dringt, hängt nicht von der Nationalität ab, sondern von der öffentlichen Erziehung, von der Jugendbildung, die einen Hauptfaktor des staatlichen Gedeihens bildet. — Folgendes Gegenstück zur obigen Auseinandersetzung wird uns zeigen, daß der Judenhaß nicht in einer bestimmten Nationalität seinen Grund hat, und finden wir gerade das umgekehrte Verhältniß, wo das Slaventhum die Juden begünstigt, während die Deutschen zu ihrem eigenen Nachtheilc die Abneigung gegen die Juden zu unterhalten suchen. — Es ist dieß in den Ostseeprovinzen. — Hier sucht die Regierung die Emancipation der Juden nach Kräften zu fördern, während die Deutschen den abgestandenen Kohl eines besondern Judengesetzes immer frisch aufzuwärmen suchen. — Einem unlängst erschienenen Aufsatze im „Magazin für die Literatur des Auslandes" — welcher die immer mehr um sich greifende Rnssificirung der deutschen Ostsecprovinzen beklagt, und deren Ursache in der Haltung und den Vorurtheilen der Deutschen selbst — wozu auch ihre Abneigung gegen die Juden gehört, zu finden glaubt, entnehmen wir folgende bezeichnende Stelle: — „Im Juniheste der „Baltischen Monatschrift" befindet sich ein Aufsatz von W. Müller, Pastor zu Sauken. „Zur Charakterisirung des modernen Judenthums." — Auf den 16 Seiten dieser Arbeit finden wir kaum etwas anderes, als den aus dem Felde der Kreuzzeitung ausgewachsenen und hier wiederum bis zum Ueberdruß aufgewärmten Kohl von ortodoxen und Reformjuden aufgetischt, und es gipfelt sich die ganze Arbeit in der großen Entdeckung: eine völlige bürgerliche Gleichstellung von Juden und Christen sei als die unglücklichste Lösung der Judenfrage anzusehen.—Man gewähre den Juden eine beschränkte Emancipation, man gebe ihnen passive Rechte aber keine aktive, private aber nicht officielle, bürgerliche aber nicht staatliche. Der natürlichste und einfachste Weg zur Lösung der Judenfrage, wäre für die Christenheit allerdings die Christianisirung der Juden"(!!) O, weiser Solon! diesen natürlichsten, einfachsten Weg haben bereits vor etlichen Jahrhunderten Torquamada und die Inquisition mit nicht zu verkennender Energie einzuschlagen versucht und es ist ihnen ebensowenig gelungen, als es den mehr denn 60 Missionären, die gegenwärtig in Europa an den Seelen ihrer Brüder nach dem Fleische arbeiten, gelingen wird. Da wüßten wir denn doch noch einen natürlichem und einfachern Weg, die Juden ganz für die bürgerliche Laufbahn zu gewinnen, einen Weg, welchen Frankreich schon sehr lange in Algier und der russische Kaiser in neuester Zeit einzuschlagen versucht. — Die Juden nämlich als Vermittler und Pioniere der Cultur, in bisher noch unkultivirten Ländern zu verwenden. Man muß es offen aussprechen (sagt ein genauer Kenner Algeriens) überall in diesen Gegenden sind die Juden die besten Helfer am Civilisationswerke; durch Handel und Verkehr gelangen sie mit leichter Mühe dahin, wo eine Menge unübersteiglicher Hindernisse anderen Kundschaftern den Weg versperrt und ihre Wünsche, ihre Interessen und ihr Glaube ziehen sie zum Lichte hin. — Dieses hat fick in Algerien wie in anderen Gegenden bewahrheitet.— Die Juden sind die besten Vermittler wahrer Civilisation. Wir wollen die süßlich sauere Essenz zur Heilung socialer Mißstände dem Herrn Pastor überlassen, und nur auf das Unlogische des Vorschlages aufmerksam machen. — Die Unterscheidung zwischen aktiven und passiven, privaten und officiellen Rechten ist ein wahrer Nonsens, obgleich, jeder, der die Jnconsequenz der frühern Gesetzgebung in Bezug auf die Juden kennt, leicht erräth, daß der Verfasser an ein unorganisches Judenreglement ohne leitendes Princip denkt. dem man nach Belieben einen neuen Fetzen ansetzen oder abreißen kann. — Der Redakteur der Baltischen Monatschrift scheint dieß wohl gefühlt zu haben und er macht selbst hiezu folgende Anmerkung : Eine unseres Ermessens selbst für Kurland unhaltbare Distinktion, denn wie könnte, wie dürste man die dortigen Juden z. B. von allem Antheil an den Comunalangelcgenheiten, auch in Städten, wo sie die Mehrzahl der Einwohnerschaft bilden, ausschließen wollen? Wenn aber der Herr Vers, seinen Satz im allgemeinen Sinne nehmen sollte, so handelt es sich dabei um nichts geringeres als den Franzosen^ihren die Synagoge besuchenden Finanzminister und der Stadt London ihren, wir wissen nicht ob reformier orthodoxjüdischen Lordmajor abdanken und dergleichen ihnen auch für die Zukunft gelegt werde. — Das aber wäre nichts anderes als eine rückwärts gewendete Utopie! — Und bemerken wir hiezu, gleiche Gründe könnte das orthodox-griechische Czarenthum gegen seine römisch katholischen Unterthanen hervorsuchen und anwenden. Husch kalt! Wie mittelalterlich, wie frostig das alles klingt. — Das sind die Consequenzen, wenn man sich nicht mit ganzer und warmer Bruderliebe den Forderungen der Humanität und der religiösen Toleranz hingibt, und von den mittelalterlichen Vorurtheilen gerne retten möchte, was zu retten ist. — Uns tröstet die Hoffnung, daß der Weltgeist, der durch die Zeiten schreitet, unaufhaltsam seine Bahn wandelt, und daß Angriffe in denen noch hie und da der fanatische Pöbel sich gefällt, wie Verunglimpfungen, die noch zuweilen in der Presse auftauchen, nur das Eigenthum einer traurigen Vergangenheit bleiben werden. R. Lessing und seine jüdischen Freunde »on Leopold Wolf in Prag. ■ . (Schluß.) Dieselbe an Denselben. Hamburg 29. Juni 1781. Von Lessings nachgelassenen Schriften sagte Weffely daß er in Berlin gehört, der Bruder gebe kein Stück aus Händen, auch keine Privatcorrespondenz, welche sie auch sei! Doch soll er die Privatcorrespondenz zwischen Lessing und seiner Frau vor ihrer Heyrath, die viel interessante Stücke, Geist und Satire über manche bekannte Menschen enthält, schon aus den Händen gegeben haben. Ich werde vielleicht nächstens an Mendelssohn schreiben und auch wegen dessen, was an seiner zu kommenden Arbeit über Lessing wahr ist fragen. — Dieselbe an Denselben. Hamburg 18. September 1781. Daß Mendelssohn noch nichts von Lessings Biographie herausgibt, daran ist Lessings Bruder Schuld. Mendelssohn nämlich und Nicolai und noch ein Dritter wandten sich gleich nach Lessings Tode an den Herzog, um ihre Privatcorrespondenz herauszubitten. Der Herzog antwortete, daß er keinen Theil daran hatte, und verwies sic an denjenigen (ich glaube es ist ein Minister, Wessely hat den Namen vergessen) der alle seine Papiere in Händen habe, und sie ihnen allerdings aus- >ren soll. Dieselbe an denselb en. Hamburg den 30. October 1789. 8-,-,, Sie den beibenden Brief des Breslauers an unseren hlestgen Wessely, ld urtheilen Sie selbst, ob man bei Lessings Bruder, einem tanne der so sonderbar raisonnirt und so raisonnirend sich rtheidigt, glaubt auf etwas Consequentes für gesellschaftliche echtschaffenheit bauen zu können. Zwar hat nur Wessely iincr von ihm gesagt, e« wäre c», guter ehrlicher Bursche. >r kein Kopf wie der Bruder. — Daß muß aber wohl auch , der Art ncgativer Ehrlichkeit sein, wosiir man sicher ist, cht mit der Fanst tobt geschlagen z» werden, und die dach iher aus Unwissenheit oder Jnconsequenz sich s° manche»

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