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Das Abendland · 1866-10-04 · 19 (4.10.1866) · p. Seite 150

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
19 (4.10.1866)
Date
1866-10-04
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 Amschelberg. Unser Rabbiner, Herr David Löwy, der seit einigen Jahren auch gleichzeitig das Berauncr Kreisrabbinat inne hatte, ist nach längerer Krankheit im 61. Lebensjahre mit Tode abgegangen. Sein Hinscheiden wird nicht bloß in den Gemeinden seines Kreises sondern auch von allen, die ihn kannten, tief bedauert. Ein tüchtiger Talmudist wie er war, begnügte er sich nicht nach Art der altern Rabbinen mit dem fleißigen Studium der Halacha, sondern wendete seinen Eifer der wissenschaftlichen, namentlich sprachlichen Behandlung des Talmud zu. Er machte besonders die Fortentwicklung der hebräischen Sprache im talmudischen Idiom zum Gegenstände seiner Forschungen, und verfasste auch ein Wörterbuch über den talmudischen Hebrüismus, von dem bereits vor vielen Jahren ein kleines Heftchen in die Oeffentlichkeit kam, das jedoch, trotz der Anerkennung, deren sich diese erste Probe bei den Fachmännern erfreute, wegen Mangel an Theiluahme und Unterstützung nicht ausgeführt werden konnte. Er war auch ein vorzüglicher hebräischer Stylist, wovon die in den letzten Jahren in hebräischen Zeitschriften und Jahrbüchern gelieferten exegetischen Beiträge Zeugniß ablegen. Zn einer bessern äußern Stellung hätte der Verstorbene viel Ersprießliches für die jüdische Wissenschaft leisten können. Mit seinem bedeutenden Wissen vereinigte er auch einen biedern Charakter, und war ebenso in seiner praktischen Brufsthätigkeit ein emsiger Förderer des Guten. Er erfreute sich auch der allgemeinen Hochachtung und Werthschätzung in seiner Gemeinde, die in ihm den treuen Seelenhirten, den innigen Freund und Rathgeber betrauert. Bei seinem Leichenbegängnisse fand sich ein zahlreiches Geleite ein; auch der k. k. Herr Bezirksvorsteher und mehrere Beamten des Ortes erwiesen ihm die letzte Ehre. Dem allgemein gefühlten Schmerze gab Herr Rabbiner Schiffmann aus Wottitz in seiner trefflichen Leichenrede einen würdigen beredeten Ausdruck. — o — Brünn. Fast in allen Gemeinden Mährens wurden in Berücksichtigung der ungünstigen Gesundheitsverhältnisse, die Gebetszeiten in den vergangenen heil. Feiertagen bedeutend modificirt. Fast überall hat man an n"n zwischen 10—11 Uhr schon geschlossen und am 2"' eine oder 2 Pausen gemacht, während deren die Synagogen geräumt und gelüftet wurden. In Nikolsburg hat Herr Rabbiner Dr. Feuchtwanger gegen einen Klansrabbi, der von der alten gewohnten Ordnung nichts verändern zu dürfen glaubte, einen harten Strauß zu bestehen gehabt und hat er gegen das „von xossuwus" des Klausners am Sabbath Schubah eine fulminante Rede gehalten. Dank der weisen Vorsichtsmaßregeln und Dank der gütigen göttlichen Vorsehung ist, soweit uns bekannt, in Mähren kein Erkrankungssall vorgekommen, der etwa dem Fasten und dem Synagogendienste zugeschrieben werden könnte. Wien den 16. Sept. 1866. Verehrtester Herr Redakteur! Gestern war Sabbat Schuba. Doch die alte Sitte, an diesem Sabbat Buße zu predigen, welche vielleicht nur in den Räumen der Orthodoxenj schule in der Schiffgasse in der Blüthc steht, hat sich hier! nicht wiederholt, Dr. Jellinek vertheilt seine Medizin pillenweise auf die einzelnen Predigten im Laufe des ganzen Jahres, vr. Güdemann, predigte gleichfalls nicht, Rabbiner Horrowrz ist etwas leidend. Nur im Beth-ha-Midrasch hielt des Nachmittags Herr I. H. Weiß, Herausgeber der Mechiltha, einen Vortrag aus dem Talmud. Und gerade dieser Vortrag liefert so zu sagen den schlagendsten Beweis für die Thatsache, daß die überlebten Formcn zur Neige gehen. H. Weiß fing mit dem eingehendsten, tief scholastischen Pilpulan; der feinste Witz wetteiferte im salto mortale mit haarscharfen loi gischen Ver- und Entwickelungen. Die aufmerksamen Hörer vernahmen mit Spannung die daraus gezogenen Schlüsse. Da aber wurden sie staunend überrascht. Seht „sprach H. Weiß" dieselben Resultate lassen sich viel kürzer auf dem Wege der exegetisch-kritischen Methode, lassen sich in schlichter neuwissenschaftlicher Formerschließen." Und nun geschah dieß; wir sind überzeugt, daß die Zuhörer von seinem Vortrag mit der Ueberzeugung schieden, daß die neuere Methode den Vorzug verdiene. Das Ganze machte den Eindruck 'eines Heinischcn Gedichtes. Anfangs ernst düster mit schalkhafter Pointe — ebenso vermummte sich H. Weiß anfangs in die Manier des altpolnischen Rabbi, um dann das Visier zu öffnen, und den modernen Kritiker zu zeigen. H. vr. Fischhoff hat über die politischen Verhältnisse ein Schreiben im Grazer „Telegraf" veröffentlicht, welches in allen Kreisen große Sensation hervorgerufen hat. L. Temesvar 30. September. Z Nach einer Notiz, die in mehren Wiener Zeitungen zu lesen war, fand am heil. Versöhnuugstag in unserem Tempel ein Conflict statt. Allein dieselbe ließ die Frage offen, ob ihn der Rabbiner, ob der Cantor verschuldet. Schon deshalb dürfte jene Notiz nur g er in g e Beachtung verdienen, da sie, wie es scheint, nur den Zweck hatte, vor aller Welt möglichst schnell zu constatiren, daß wieder einmal ein Prediger mit dem Cantor in Streit gerieth. Eine Notiz aber, die es sich zur Aufgabe gemacht hätte, den Sachverhalt s e l b st zu geben, würde ganz anders gelautet haben. Ist es doch von vornherein gewiß, daß in Bezug auf die Ordnung der Gebete der Rabbiner competent ist,*) wie gestaltet sich erst die Sache, wenn mau bedenkt, daß auf Seite unseres H. Predigers vr. Hirschfeld die Intelligenz unserer Gemeinde steht, für den Cantor aber nur untergeordnete Störenfriede Partei ergriffen, welche der Ordnung niemals ein Opfer bringen, und diesmal insbesondere einen günstigen Moment erhaschten, als H. Prediger in den alten Tempel ging. Wie anders gestaltet sich die Sache, wenn Sie bedenken, daß einige Worte des vom Vorstand zurück gerufenen H. Predigers genügten, den Streit beizulegen. Hätte also jene Notiz die Worte nicht gespart, so hätte man das Unbedeutende der ganzen Angelegenheit und ferner das würdevolle Auftreten des H. Predigers vr. Hirschfeld nicht erst auf Umwegen (und nach Zweifeln!) zu eruircn brauchen, sondern direkt erkannt. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Knttenplan. Unser Herr Rabbiner vr. Fein verlässt seinen hiesigen Posten zu unserem Bedauern. „Gewichtige Motive veranlassten ihn, wie er sich in seiner Demissionseingabe an den Vorstand ausdrückt, zu diesem Schritte. Ueber seinen *) Ich glaube, der Grundsatz sollte stststehen: Wao zu beim, ist Sache des Predigers, Wie zu beten, Sache des Cantors. Wenn der letztere den Ton zu bestimmen hat, muß der erste allein die Ordnung überwachen. So verhält er sich doch überall.*) *) Darin liegt eben der Uebelstand, daß wir keine Cultusordnung haben, die derartigen Competenzstreitigkeiten vorbeugt. Bei einer gesetzlich sanktionirten Cultusordnung könnten unliebsame Vorkommnisse in den Synagogen, wie sie fast alljährlich namentlich aus Ungarn in den Herbstfciertagen den öffentlichen Blättern zu einer ähnlichen das Judenthum verunglimpfenden Notiz Anlaß biethen, nicht so leicht stattfinden. Der Redakteur.

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