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Das Abendland · 1866-10-04 · 19 (4.10.1866) · p. Seite 149

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
19 (4.10.1866)
Date
1866-10-04
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 ab, daß der Gute alle Hoffnung auf die Unterstützung dieses Mächtigen fahren lassen zu müssen glaubte. — Vergebens sann er der Ursache nach. — Endlich löste sich durch Intervention eines einflußreichen jüdischen Gönners das Räthsel in beinahe tragi-komischcr Weise. — Der Vater Pollaks war inzwischen gestorben und dieser befand sich gerade in den „Schloschim" als er seine Aufwartung bei dem Baron machen mußte. Das für einen mit dem jüdischen Ceremonialwesen Vertrautern übrigens aus diesem Umstande leicht erklärliche reglementsundrespectwidrige Aussehenseiner untern Gesichtstheile war es gewesen, was den Bureaukraten so unwirsch gestimmt hatte. Glücklicherweise gelang es, denselben bald zu überzeugen, daß nicht Mangel an Respekt aus dieser üppigen Bartfülle hervorleuchtete und daß wenigstens ein Aspirant aus die Kreisrabbinatsstelle sich nicht so leicht über die Autorität des „Schulchan Aruch" hinwegsetzen dürfe. — Baron M. blieb ihm fürder ein wohlaffektionirter Gönner. Unsere obige Frage beantwortet sich daher nach all' dem Gesagten wohl von selbst dahin: Es ist die Ganzheit und Abgeschlossenheit eines Charakters, welche in jedem Falle imponirt, aber wenn Wohlwollen und Herzensreinheit d e s s e n Gr un d l a g en b ild e n auch unfehlbar gewinnt, mag auch das äußere Wesen minder zierlich und glatt selbst durch die sich unwillkommen hervordrängende Bartfülle der Schloschim" verunstaltet s e in. vr. I. Rosenauer. Corrrspondeiy. Prag. Am 29. v. M. wurde der §70jährige Geburtstag des durch 36 Jahre amtirenden Vorstehers der Edel Porgesschen Synagoge Herrn Jakob Simches in jsolenuer und einer dieses Mannes würdigen Weise gefeiert. Außerdem, daß die angeführte Synagoge am Tage während des Gottesdienstes festlich beleuchtet und der Betsitz des Gefeierten mit Blumen geschmückt war, hielt nach dem Gottesdienste der Synagogenrabbiner Hr. A. Klempercr an den Jubilar eine mit geistreichen talmudischen Stellen gewürzte Festrede, in der er die Verdienste desselben hervorhob, worauf der Angesprochme sichtlich gerührt in kurz gefaßten aber sinnigen Worten den Dank erwiederte. Bekanntlich ist Herr Simches Gründer und Cassier des Darlehenvereins für Unbemittelte ohne Unterschied der Confession, Mitglied fast sämmtlicher humanitärer Vereine und hat sich namentlich um den Umbau und die geschmackvolle Restaurirung der Edel Porgcs Synagoge verdient gemacht, welche ihm auch die Einführung der Niemanden lästig fallenden und verhältnismäßig billigen Gasbeleuchtung verdankt, die auch in anderen großen Synagogen Nachahmung gefunden. In seiner Behausung empfing Herr Simches eine Deputation seiner Synagoge, welche ihm eine von Hrn. I. Bindeles kallirafisch ausgeschmückte Beglückwünschungsadresse überreichte, überdieß noch andere Gratulationen der verschiedenen Vorstände, unter denen die des Vorstandes vom Kreuzervereine hervorragte, welche von einem Ehrengeschenke bestehend in einem prachtvollen silbernen Pokal, begleitet war. Denselben überreichte der Direktor dieses Vereines Herr Stadtrath, Karl Bondi, in einer weihevollen Ansprache. Der Vorstand des Derech Jescharavereines, dem der Jubilar seit einer Reihe von Jahren angehört glänzte — nur durch seine Abwesenheit. Die gerechte Würdigung eines solchen Mannes wie Herr Simches ist, der sich durch Bescheidenheit und Humanität auszeichnet liefert einerseits den eklatanten Beweis, daß doch nicht immer die reichen Herren das Patent auf Anerkennung für gute Thaten haben, anderseits, daß cs noch Männer in unserer Gemeinde gibt, die Gemeinnütziges zu üben verstehen, wenngleich sie auch nicht auf gewissen Candidatenlisten in fetten Lettern prangen, _ Br. . Prag 3. October. Die seit 3 Wochen rasch aufeinander folgenden Festtage sind vorüber und, Dank der göttlichen Vorsehung, auch glücklich ohne irgend welchen Unfall oder Störung abgelausen. Man hegte bei der leider noch immer herrschenden Epidemie namentlich wegen des Versöhnungssestes ernstliche Besorgnisse; doch auch die strenge Feier dieses heiligen Tages erlitt in ihrer religiösen Weihe nicht den geringsten Abbruch, und wie alljährlich an diesem Tage waren auch dießmal die Gotteshäuser und Betlokalstäten den ganzen Tag über von Andächtigen zahlreich besetzt. Die Cultusgemeinde - Repräsentanz hatte in Würdigung der dießjährigen sanitären Verhältnisse einige Anordnungen getroffen, um alle der Gesundheit nachtheiligen Folgen dieses Gottesdienstes fern zu halten, Anordnungen die in Zukunft auch bei einem normalen Gesundheitszustände beobachtet werden sollten. So mussten mehrere jedesmal über eine halbe Stunde währende Pausen im Gottesdienste gemacht werden, während welcher die Fenster geöffnet und dadurch die Synagogen hinreichend gelüftet wurden. Eine zweite Anordnung betras das Anzünden der vielen von Privaten gespendeten Kerzen, die durch ihre Hitze wie durch ihre Ausdünstung und Verrauchung nicht nur den Andächtigen höchst lästig werden, sondern auch auf deren Gesundheit nachtheilig wirken. Diese Lichterspenden der Privaten wurden dießmal über Anordnung der Repräsentanz nicht angenommen, und nur einige wenige von den Synagogenvorständen angeschaffte Kerzen wurden zur Erinnerung an die alte Sitte angezündet. Diese erwähnten Vorsichtsmaßregeln wurden hier wie in den meisten größern Gemeinden Oesterreichs getroffen. Wir müssen jedoch mit besonderer Anerkennung eine Veranstaltung von Seiten der Repräsentanz hervorheben, die ihrer Fürsorge für das leibliche und geistige Wohl der Gemeinde ein ehrenvolles Zeugniß gibt. Es ist nähmlich der Andrang der Andächtigen in den Synagogen an den hohen Feiertagen ein so großer, daß die Sitze für die Besucher bei weitem nicht ansreichen, und viele derselben sich mit Stehplätzen begnügen müssen, so daß beinahe kein freier Ranm im Gotteshause bleibt, was nicht nur für die Stehenden selbst höchst beschwerlich ist, sondern auch zu vielen Störungen und Unbequemlichkeiten Anlaß gibt. Diesem Uebelstande abzuhelfen, hat die Repräsentanz über Antrag ihres würdigen ZräseL^Herr vr. Tedesko, der in seiner Amtswirksamkeit einen rühmlichen Eifer für alles Gute, wie einen praktischen Sinn und richtigen Takt bei Ausführung desselben, Eigenschaften, die er auch in seiner parlamentarischen Thätigkeit als Landtagsabgcordneter bewährte, — entwickelt — beschlossen, in den Lokalitäten der Josefstädter Haupt- und Unterrealschule einen Gottesdienst für den Versöhnungstag einzurichten und dadurch einerseits der Ueberfüllnng in den Synagogen vorzubeugen, anderseits jenen, die keinen Sitzplatz in andern Bethäuseru erhalten konnten, eine bequeme und geeignete Andachtsstätte zu biethen. Unser edle, um die Hauptstadt so hochverdiente Bürgermeister Herr vr. Belsky hat über Ansuchen der Repräsentanz in humanster 'Welse den großen Prüfungssaal der genannten Schule zur Adaptirung für diesen Zweck bewilligt, und das mit der Ausführung der Angelegenheit betraute Repräsentauzmitglied, Herr Veit Osers hat seiner Aufgabe mit solchem Eifer und Geschick entsprochen, daß an dem allen Israeliten so heiligen Versöhnungstage in der genannten Lokalität ein würdiger weihevoller Gottesdienst abgehalten wurde, der alle Anwesenden zur Andacht stimmte. Erwähnen wollen wir noch, daß mehrere fromme, mit den erforderlichen Fähigkeiten begabte Männer um der guten Sache willen die anstrengende Funktion als Vorbeter übernahmen, die das Repräsentanzmitglied, Herr Allylch Schütz für diesen Zweck zu gewinnen suchte. Wie geringfügig auch die Sache an sich scheinen mag, so gereicht sie doch der hiesigen Gemeinde zur besondern Befriedigung, indem sie zeigt, welchen warmen Eifer unser geehrter Herr Cultusvorsteher den religiösen Interessen zuwen-! bet, und wir sind der festen Ueberzeugung, daß alle Cultus-! institute in ihm einen würdigen Vertreter und Förderer gej funden haben. x. T.

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