Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 19 (4.10.1866)
- Date
- 1866-10-04
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Ton von Wahrheit und Weisheit! Insbesondere aber in dem, was Lessing betrifft. Das allein ist das echte Gefühl des Weisen. — Wissen Sie was, lieber Hennings, was wir mit diesem Briefe möchten? Daß er ins Musäum eingerückt würde. Doch nicht ohne Ihre, nicht ohne Mendelssohns Einwilligung. Mit oder ohne Namen, wie Sie es gut finden. Kein Mensch kann den Styl eines Mendelssohns darin verkennen, kein Mensch Lessings Charakter seine Ehrfurcht versagen. Auch Wessely hat diese Stelle des Briefes gesehen, und noch viel hinzugesetzt, was Mendelssohns Erfahrung aufs Vollkommenste bestättigt. — Dieselbe an Denselben. Hamburg 12. Juni 1781. Sie haben Rechtdaß Sie mir vorwerfen, ich sei nun selbst in Ansehung Lessings auf Ihre Seite getreten. Und doch ist's noch ein Unterschied: Das Zeugniß eines allgemein bekannten ehrwürdigen Mannes über seinen ganzen Charakter öffentlich bekannt zu machen, und dem Publicum einige abgerissene Brocken, obwohl von dem Manne selbst vorzuwerfen, davon es immer nur die Hälfte recht anwenden würde, weil ihm der Zusammenhang jfehlt. Ich bin indeß auch schon von dieser ersten Art des Bekanntmachens wieder zurückgekommen, da ja Mendelssohn, wie es heißt, mit der Zeit etwas Zusammenhängendes über Lessings Character herausgeben wird. Recht gerne würde ich auch alsdann dazu das Meine beitragen, wenn ich wüßte, daß meine Briefe etwas enthielten, das irgend ein Vorurtheil wegzutilgen im Stande wäre, das ein falsches Licht auf denselben gebracht. Ich wünsche, wie Sie, daß Mendelssohn nun nicht lange mehr damit zögern möge, sich selbst und seinem Freunde dieses Monument zu setzen, früher möchte es unter den kleinen u. großen Sandsteinpuppen nicht genug Aufmerksamkeit erregt habe. Itzt wird es als ein Meisterstück allen dastehen, und des Kenners ganzes Beachten für sich haben. (Schluß folgt.) Ein Prämienbuch. Jägerndorf 14. September. Vor wenigen Tagen hat mir der Zufall ein sogenanntes Prämienbüchelchen in die Hand gespielt. Dieses Opus, das zwei Erzählungen, die im Jahre 1861 sage achtzehnhundert ein und sechzig von einem „Erzieher" in Wien edirt wurden, enthält, ist der „Jugend" gewidmet, deshalb es auch vermochte gleich im ersten Momente unsere Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Allein wie groß war unsere Entrüstung als wir gleich in der ersten Erzählung, eigentlich Märchen, wo der Jugend mitgetheilt wird, daß ein alter Jude, der sich vom Glanze und Schimmer eines „Frauenbildes" hingerissen fühlte, taufen ließ, einem Passus nach dem andern begegneten, die durchaus nicht der Geist des neunzehnten Jahrhunderts, das sich das Jahrhundert des Fortschritts und der Cultur nennt, sondern der des grausamen finstern Mittelalters durchweht und belebt. So z. B. heißt es Seite 7. „Bald gewahrte der Geistliche den armen Juden, der, ohne Speise und Trank, kümmerlich im Winkel gekauert saß. Er äußerte sein Mitleid gegen den Kaufmann, und dieser, gleichfalls gerührt trug dem Juden aufs gastfreundlichste an, Theil an ihrem Mahle zu nehmen. — Der Jude kam schüchtern hervor, dankte aufs demüthigste für die hohe Gnade (?) und setzte sich an den Tisch.-^ Es war ein alter Mann, dessen Züge und ganzes Wesen etwas Anziehenderes hatten, als es bei den gewöhnlicheren Juden (?) der Fall ist. Zwar lag in seinen Zügen auch der schwere Druck des Schicksals ausgeprägt von einem ernst hochgewürdigten, nun aber verworfenen (?) Volke abzustammen, allein sein Blick war nicht scheu, nicht durch Schacher abgefeimt, sondern vielmehr ruhig und voll tiefen Schmerzes, als ob er ein besseres Geschick verdiene (?) und sich darnach sehne." Ferner heißt es auf derselben Seite: „Nachdem der Kaufmann ihn so sreuudlich bewirthet, und auch der Geistliche sich so wohlwollend gegen ihn bezeigt Hatte, ward der Jude zutraulicher. Man befragte ihn, wo er hingehe, und er erzählte, wie bereits erwähnt, daß er morgen in Marienburg eintreffen solle, um ein Geschäft abzuthun. — „Ja, Geschäfte habt ihr Israeliten immer" versetzte der Geistliche lächelnd,' ,/dfeiber ist es aber selten das Rechte." Wahrlich das Gefühl eines jeden besserdenkenden muß tief verletzt werden, wenn man sieht, wie sich ein sein wollender „Erzieher" trotz des fortschreitenden Zeitgeistes und der allgemeinen Aufklärung, nicht entblödet für die zarte Jugend, die zu gebildeten vorurtheilsfreien Bürgern herangebildet werden soll, für die Schule, die Pflanzstätte einer künftigen Generation, Jugendschristen zu ediren, die von Verleumdungen, Vorurtheilen und Verdächtigungen strotzen. Wir hätten zwar mit Verachtung stillschweigend dieses Machwerk aus den Händen gelegt so es nicht für die zarte Jugend geschrieben worden wäre, so wir nicht aus demselben, so unbedeutend es auch ist, mit Indignation entnommen hätten, daß man sich heutzutage nicht mehr damit begnügt, das Volk der Geschichte, das seit Jahrtausenden seiner erhabenen Mission sich stets in der würdigsten Weise entledigt hat, in den Journalen, wie in der zum Schwache der Besserdenkendcn sich nennenden „K. Zeitung" und „Volksfreund" u. a. m., zu verunglimpfen und zu verdächtigen, sondern daß man alle Hebel in Bewegung setzt um den mittelalterlichen Judenhaß heute noch in der noch unwissenden und unschuldigen zarten Jugend wach rufen zu können. Es befremdet uns nur, daß die Preßbehörde derartige Jugendschriften, die nur Unheil zu stiften und Vorurtheile zu verbreiten dienen, gar das Licht der Welt erblicken läßt. In Städten wo keine isr. öffentl. Haupt- oder Volksschulen bestehen, wie dies in Wien und fast in allen Städten Schlesiens der Fall ist, wo also die israelitischen Kinder mit den christlichen gemeinschaftlich eine Schule besuchen, und ein christlicher Schüler bekommt zufälliger Weise ein wie dieß in Rede stehende Prämienbuch, deren es in Abondance gibt, als Geschenk, wie verletzt, ja tief verletzt muß da das Gefühl des jüd. Schülers werden, wenn ihm sein christlicher College den Inhalt seines Prämienbuches mittheilt, wenn er ihm gar bei Gelegenheit die Schmähungen, die in seinem Prämienbuche stehen, vorwirft! Nein! solche Jugendschriften können durchaus nicht zur Verbreitung der Cultur, des Fortschrittes und der allgemeinen Bildung, deren wir in unserem geliebten Vaterlande sehr bedürfen, ihr Schärflein beitragen. Sie dienen vielmehr die Gluthen zu schüren, das Feuer des Hasses anzufachen und den alten Judenhaß des grausamen von der civilisirten Welt mit Recht verpönten Mittelalters in der Jugend rege zu machen. Möge daher die Preßbehörde auf solche Jugendschriften, die harmlos zu sein scheinen aber nichts destoweniger verderblich im Kreise der Menschheit wirken, durch die Journalistik aufmerksam gemacht werden, damit sie derartige Schriften aus dem Bereiche der Literatur banne. vr. M. H. Friedliinder Rabbiner. „Das Ändenke» )es Gerechte« ist zum Legen." (Schluß) Als Kreisrabbiner hatte nun Markus Pollak etwas mehr Mittel, seinen wohlthätigen Sinn zu entfalten. — an Gelegenheit hiezu hat es ja bekanntlich niemals und Niemanden gefehlt. — Die mehr als jüdische frugale Lebensweise des 19*