Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 18 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Principien der religiösen Freiheit wie mit den Grundgesetzen der amerikanischen Verfassung im grellen Widerspruche steht, daß er bei dem gesunden liberalen Sinne der Amerikaner sicherlich niemals Gesetzeskraft erlangen wird. — Dieser Artikel schließt alle Nichtbekenner der christlichen Religion von jedem öffentlichen Dienste, von allen Civilämtern im Staate Nord Carolina aus. Der „Board of Delegates" der amerikanischen Israeliten zu New-Dork hat an alle Freunde der religiösen Freiheit in Nord-Carolina einen Aufruf erlassen, in welchem er mit energischen Worten auf das Inhumane -und Nachtheilige einer solchen Bestimmung hinweist, besonders die als eine Consequenz derselben hervorgehendc Anomalie hervorhebt, daß eine Klaffe der Bevölkerung die in der Union zu den höchsten Ehrenstetten wählbar sei, von dem geringsten öffentlichen Amte in Nord-Carolina ausgeschlossen wäre, und beschwört schließlich die Bürger des genannten Staates den erwähnten Artikel, und wenn es nöthig sei, dieses Artikels wegen, den ganzen Entwurf zu verwerfen— Bei dem deutschen Sängerfeste in LoniSville haben sich viele Israeliten betheiligt — Ein israelitischer Bürger dieser Stadt ist Vorstand des QnartiermeisteramtS — Der Rabbiner in Rochester, Herr vr. A. Günzburg veröffentlicht im „Hebrew Leader" einen Aufruf an israelitische Wohlthäter, in welchem er zur Unterstützung der durch den Krieg in Böhmen verunglückten GlandenSbrüder auffordert. Er selbst eröffnet den Reigen mit einer Spende von 10 Dollars für sich und seine Frau. Die Gemrindewirren, die oft in Europa so viel Zank und Zwiespalt herbeiführen, scheinen sich auch nach Amerika verpflanzt zu haben. — In Newbourgh wohnen gegen 25 jüdische Fau.ilien, die bisher in einem Herrn Thorncr ihren religiösen Funktionär hatten, der als für Alles, was der Eultus einer kleinen Commune bedarf, sorgte. In neuester Zeit haben sich wegen dieses Herrn Thorner zwei Partheien in Newbourgh gebildet. Die eine Parthei hält den Mann für unfähig den Schochetdienst zn versehen, die andere, aus seinen Verwandten und Freunden bestehend, will ihn durchaus nicht fallen lassen. Der Parteikampf führte schließlich zur Scheidung der ohnehin winzig kleinen Gemeinde in zwei Miniaturgemeinden, von denen die eine, die Thorner anerkennt, sich Rcformgemeinde nennt, die andere gegnerische den Namen „Orthodoxe Gemeinde "führt. So wenig Interesse der ganze Gegenstand für die Oeffentlichkeit biethet, so ist er doch zur Charaktcrisirung der jüdischen Zustände sehr bezeichnend, und bestötigt den bekannten alten Spruch — „Nur den Himmelsstrich, nicht den Geist wechseln jene, die über den Ozean ziehen". — Es ist der Geist der Opposition und der Parthciung, den viele jüdische Einwanderer aus Europa mitbringen, um ihn hier sorgfältig fortzupflegen. — Verus. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Rakel. (Preußen) Dem Landrath ist ein Rescript zugekommen des Inhalts, daß cs höhern Orts zur Sprache gekommen sei, wie es nicht als passend erscheine, daß die Rabbinen sich bei ihren religiösen Funktionen einer Amtstracht bedienen, die jener der evangelischen Pastoren ganz ähnlich sei. Es wurden in Folge dessen von Seiten mancher Ortsbehörden Recherchen angesteüt, auf deren Resultat man allgemein gespannt ist. — Kurylowka. Im Bezirk Lezajsk, fanden am 5. d. Exzesse gegen die dortigen Israeliten statt. — Der hievon benachrichtigte Bezirksvorsteher von Lezajsk eilte sofort mit einer Gendarmerie-Assistenz an Ort und Stelle, ließ sechs Rädelsführer verhaften und an'S Strafgericht abstellen und stellte Ruhe und Ordnung wieder her. Warschau. Das an die Juden in Polen erlassene Berboth, Dorfschänken zu halten hat unter den Israeliten eine große Bestürzung hcrvorgerufen, indem bisher ll/it aller Schankwirthschaften in den Händen der Juden waren. Paris. Der Mathematiker und Astronom, Herr Moritz Löwy gebürtig aus Wien, wurde vom Kaiser Napoleon zum Professor an der Universität zu Paris ernannt. Herr Löwy ist nun der sechste Israelite, der eine Professur an dieser Universität bekleidet. Irland. Nach dem Census von 1861 befinden sich im Südwesten von Irland nicht mehr als zwei Juden. Der Eine wohnt in Münster, der Andere in Connaught. Zwei Juden halten sich für eine Bevölkerung von drei Millionen hinreichend. Dieses ist gewiß ein statistisches Kuriosum; allein wenn man tiefer blickt, liegt noch ein anderer Grund darin meint die „Times." Die Juden können in keinem armen Lande, wo keine Manufaktur und kein Handel herrscht, aufkommen. Dies bestätigt sich, wenn man einen Blick anf die nordöstlichen Provinzen Irlands wirft. Bei Leinster wohnen 200 Juden und bei Belfast hat sich ebenfalls eine zahlreiche Kolonie niedergelassen. Diese Distrikte sind aber auch die wohlhabendsten Irlands. Palästina. Ein Edinburger Blatt meldet von einer, wenn sie sich bestätigt, merkwürdigen Entdeckung, die von einem Herrn Keith Johnson bei der jetzigen englischen Erforschungsexpedition in Palästina gemacht wurde. Es sei nähmlich im Tell-Hum der alte Tempel (soll wohl heißen Synagoge) von Kaparnaum ausgegraben worden und zwar in fast vollständig erhaltenem Zustande. Diese Synagoge wird für die im Evangelium erwähnte gehalten. Der fromme Mann. Uebersehung des 'wron nach der alten Melodie. von Professor M. Stößel. Es lebt' ein frommer Mann in Noth, — der hat im Haus kein Stückchen Brod, — kein Kleid den nackten Leib zu kleiden, — und mnß vor Scham die Straße meiden, — dazu ein Weib und Kinder vier, — die allelammt verhungert schier. Das Weib in Unmuth zu ihm spricht: — „Nein, länger noch ertrag ich's nicht! — Vertiefst dich da in Lehr' und Wissen, — indeß wir Alle darben müssen, — was nützt uns all dein Studium, — wenn wir vor Hunger kommen um? So mach' es doch, wie And're viel — und such' ein and'res Lebensziel! — Zu Markte mußt du dich begeben — und Brod zu schaffen dich bestreben;— Gott hilft nur, wenn wir selbst was thun, — wenn nicht im Schooß die Händ' uns ruh'n!" „So schaff" spricht er, „zum klugen Rath — mir doch das Mittel auch zur That! — Du solltest wohl von selber wissen,— daß ich, in Kleidern so verschlissen,— wenn kaum die Straß' betritt mein Fuß, — nur Hohn und Spott empfing zum Gruß." Sie geht bei Nachbarn nun umher, — entlehnt ihm Kleider nach Begehr, — er nimmt's und geht mit Gottvertrauen — hinaus zu Markt, nach Brod zu schauen, — und Weib und Kinder flehen bang: — O Gott, beglück' doch seinen Gang! Wie er nun sorgenvoll dort geht,— erscheint Eliah, der Prophet — und spricht zu ihm: Sei guten Muthes! — ich bring' von Gottes Thron dir Gutes; — ich steh als Sclav' dir zu Gebot, — zu lösen deines Hauses Noth. „O kauft 'nen Sclaven," ruft er laut, — „mit allen Künsten wohl vertraut!"— Zwar spricht der Fromme ihm