Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 18 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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144 entgegen:— Ach Herr, kann Sünde bringen Segen?— O Gottesmann, nach Fug und Recht — bist du der Herr und ich der Knecht!" Doch jener winkt und dieser schweigt. — Bald findet ein Fürst sich auch geneigt,— ihm hundert Tausend baar zu geben, — dem Knecht die Freiheit noch daneben, — wenn der im Stand', ein Schloß zu bau'n, — wie keines mehr im Land zu schau'n. Geschlossen wird der Kaufvertrag. — Eliah schafft den ganzen Tag;— doch Nachts thät er zu Gott sich wenden: — „O hilf mir doch das Werk vollenden,— dem ich zu deines Namens Preis, — mich unterzog mit allem Fleiß;" Und sieh, bald fügt sich Stein auf Stein — und Wand an Wand erhebt sich fein, — von tausend unsichtbaren Händen, — du siehst den Bau sich rasch vollenden, — und als das Morgenroth erwacht, — steht da das Schloß in voller Pracht. Voll Staunens ruft der Fürst sodann: — „Kein Sclav bist du, ein Wundermann! — Du stehst mit Geistern ja im Bunde! — So sei denn frei von dieser Stunde!" — und kaum entflog dem Herrn das Wort, — war spurlos schon Eliah fort. Bemerkung. Elias, der Prophet wurde nicht blos als Verkünder, Vermittler und Beförderer der allgemeinen Erlösung Israels gehalten; er galt auch als derjenige Gottesbote, der wie in dem voranstehenden Liede dem Einzelnen auch in seiner individuellen Nothlage ungeahnte Hilfe zu bringen pflegt. Die verschiedenen Talmudu. Midraschstcllen, in denen Elias bald als Erlöser aus schwerer Noth, bald als Befreier von drückendem Mangel, bald als Warner vor drohender Gefahr, ja sogar als Bescheidgeber in zweifelhaften rituellen u. strittigen Punkten erscheint, sind eben so viele volkspoetische Gestaltungen, welche uns beweisen, daß der Volksglaube von jeher jede unverhoffte Rettung der Vermittlung dieses st-.ts Hilfbereitcn, zur Erlösung bestimmten Gottesboten zuschrieb. Noch heute kann man von so Manchem, dem ein dringlichst benöthigter unvorhergesehener Verdienst gekommen, den Ausruf hören: „der l. Gott hat mir den Propheten Elijahu geschickt". „Möge dir Elijahu, der Prophet begegnen!" hört man noch zuweilen dem Familienvater Nachrufen, wenn er dem ungewissen Erwerbe nuchgeht. Der Wunsch nach diesem Elias mußte aber besonders am Sabbathausgange rege werden und allgemeinen Ausdruck finden. Der Ucbergang vom Sabbath znm Werktagsleben, ron der sorglosen Ruhe u. vom freudigen himmlischen Genüsse zur oft mühevollen Thätigkeit und zum kummcrschweren Erwerbe der Lebensbedürfnisse, ist immer geeignet das Gemüth ernst zu stimmen und mancherlei Sorge über das Geschick der heranrückenden Woche wach zu rufen; dieß mußte aber noch mehr der Fall sein in der Zeit des finstern Mittelalters, welches für Israel viel früher begann und leider bedeutend länger anhielt, bis in unserer Jugendzeit hineinreichte, und hie und da noch dunkel und trübe genug ist. In dieser Zeit, in welcher beim Sabbathausgange im wörtlichsten Sinn „der Mann hinaus mußte ins feindliche Leben," in welcher der Lebensunterhalt Israels so schwer war, daß die Rabbiuen die Ernährung Israels für ein weit größeres Wunder als die Befreiung aus Egypten erklärten (Bereschit Rabba 20.) in dieser, des Trostes nur zu sehr bedürftigen Zeit, entstand allmälig die Liturgie des Sabbathausganges, die dem bangen Herzen Muth einznflößen, die sorgenbeschwerte Seele zu erheben bcstimint und geeignet ist, durch den Gedanken, daß Gott, der allmächtige, vor jeder Noth und Gefahr uns zu bewahren und Heil und Segen uns zu gewähren im Stande sei, daß wir daher keine Furcht zu haben brauchen; da in der höchsten Norh Gott seinen Boten den Elias senden werde, wie er dieß so oft gethan. Dieser Gedanke zieht sich wie ein rother Faden durch yrh T"°/ DV*3 \ti, “jS |rv"), m*ret und besonders durch die Eliasliedcr. Diese Eliaslieder sind demnach aus dem natürlichen Motive entstanden; sie sind aus dem Erhebung und Stär» kung bedürftigen Herzen erflossen, und haben, weil aus dem Herzen gekommen, auch in die Herzen Eingang gefunden, und weil sie „ein Wort zur Zeit" waren, ihre Wirkung nicht verfehlt; .erhoben, gestärkt und gekräftigt, durch sie ging der Jude ohne Furcht und ohne Bangen hinaus „ins feindliche Leben."*) *) Sonderbar ist die Motivirung des Eliasliedes bei Baal Haitur Abndarham nud Lebusch, es ist aber diesen Rabbinen, die aus ihren mEK '12 nicht herausglkommen und daher auch in diesem Jde« enkreis stets gebannt waren, ganz verzeihlich, wenn sie kein Verstandniß für das natürliche Motiv und wahrhaft poetische Gestaltung hatten; Verwunderung erregt es aber, wenn ein Mann der Neuzeit ein Mann von solchem poetischen Sinn und solch ästhetischem Geschmacke, wie Herr vr. Kämpf die genannte Motivirung acceptirt und im Kompertschen Jahrbuch 5626 für die gebildeten Leser der Jetztzeit reproducirt; Scheint ja selbst R. Moses Jsierls an der Motivirung seiner Vorgänger einen Geschmack gefunden zu haben. Außerdem scheint mir noch gar nicht sicher zu stehen, daß diese Lieder im Tempel gesungen worden sind. Wohl sagt es Abudarham; allein es wäre unerklärlich, warum dieß wieder außer Übung gekommen sei. Hält man doch noch heute an dem langen, lästigen geschmack.os zusammengewürfelten -fr;rVi wie hätte man die Eliahlieder aus dem Gotteshause zu bannen gewagt? Ich glaube daher, daß diese Lieder allgemein zur häuslichen Andacht von jeher gehört haben nnd daß sie höchstens in einigcu Gemeinden in der Synagoge gesungen wurden.*) *) Wie einfach nnd wahrscheinlich uns auch die Motivirung deS Herrn Verfassers erscheint, so hat doch gerade aus dem von ihm hervorgehobenen Unistande, daß die alten Rabbiner, denen doch größtentheilS die Erweiterung der Liturgie oblag, alle ihre Anschauungen aus dm 4 Ellen der Halacha holten, die Motivirung der angeführten rabbinischen Autoritäten. — Vieles für sich. — Der Redakteur. Kundmachung. An der Talmud-Tora-Schule findet die Aufnahme der Schüler der I. und II. Klaffe für das Schuljahr 1866—1867 am 27. und 28. September von 11 bis 12 Uhr Vormittag im Schullokale Nro. 230—5 statt. Spätere Anmeldungen bleiben unberücksichtigt. Von der Commission der Talmud-Tora-Schule. Prag, am 23. September 1866. Druck von Senders äe Brandeis in Prag.