Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 18 (20.9.1866)
- Date
- 1866-09-20
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Charakterlosigkeit der Berliner Juden den treuesten Bundesgenossen zählen und ihre Jahresberichte müßten weit günstigere Erfolge ihrer Wirksamkeit Nachweisen können — Der Fortschritt der Zeit bewährt sich eben am besten in der religiösen Freiheit, die jeder Überzeugung den nöthigen Raum im sozialen Leben gönnt. R. Erklärung einer thalmud. Stelle. ii. Gegen unsere Behauptung in N. 17 dieses geschätzten Blattes, daß die Frage des nr.222 ne "jee S'37 p X3'3n '2 ,2iv DH2 nexs rmnnxn 11122221 2iv 0,22 20x3 x*? ni3HPX2,2 .(X"y 2*3 P]2 X8p X22) nicht wie '"ir>2 meint, aufzufaffen sei, warum nämlich in dem Deca^og des 2. Buches Moses bei *p2X nx 222 das Versprechen “j*? 2v" paSl fehle, während es doch im Decalog des 5. Buches bei 222 gegeben wird, sondern der *?'3p p X3'3N '2 habe mit dem Wörtchen 2"iv die r.wm m2-n 1"' der ni3i2nx 111222 bezeichnet und nach allen D"i3tP gefragt. Gegen diese Behauptung haben wir selbst die Einwendung erhoben: wäre das die Frage des *?*37 p X3'3N '2 gewesen, würde ja der 'X*?'3n 22 oimn '2 mit seiner Antwort die Frage gar nicht berührt haben, sie wäre nach wie vor ungelöset. Heute wollen wir dieser Einwendung entgegen treten u. sie zu entkräften suchen. Bevor wir an die Lösung unserer Frage gehen, sei es uns gestattet eine kurze Erörterung voran zu schicken. Ob die 11131^X2.2 111222 und die H1311NX.2 111222 blos zwei Varianten ein und derselben mm*? sind, d. h. ob die H1222.2 mp? sowohl die des zweiten als die des fünften Buches Abschriften derselben mm*? enthalten; oder ob die irwy H1222.2 im zweiten Buche die Abschrift der ersten, der zerbrochenen mm*? und die im fünften Buche wieder die Abschrift der zweiten, dem Moses später gegebenen mm*? sind, darüber sind die Commentatoren verschiedener Meinung. X217 px ist der ersten Meinung. In ('x '2 mau») spricht er sich folgender Maßen darüber aus: VL».2 NX1.2 .28*202 D'21H2 D2 28*X2 D'222.2 1128*7 '2 72 1T38*2 D'222.2 1128*7 2'212 28*X2 2vX .28*8 t331 '121 dSd D28X .D.2'3'2 8*2>2N JpDD.2 f'XI ,D2t?.2p *?D *?X '2222 .2*?X.2 D'222.2 HX Wie er aber die D"i3'8* in den beiden 111222 zu erklären sucht, siehe dort die St. von '2*?x 2222 bis zu Ende. Saadja ist darüber wieder anderer Meinung. In 'x 2"*? X8*n '2 's hat X217 px folgende Stelle: 01'2 13123 0"38*.2 '2 0'318*X228 D*2223 D''38*.2 '2 J1X3.2 20X 2D" pöSl 2*112 D''38*21 '121 D'318*X22 p X*?1 D'21D3.2 D1'21 8*2p .'121 *p Daraus ist klar zu ersehen, er nimmt an, die 111222.2'' im zweiten Buche enthalten die Abschrift der ersten mm*?, während die 111222.2 nipp im fünften Buche wieder die Abschrift der zweiten mm*? enthalten. Für Saadja spricht offenbar unsere Talmudstelle, der Eine fragt: 2iv D.22 212x3 x*? 11131^x2.2 1112222 na '308 2ia D22 28X3 H1312NX 11122221 , und der Andere antwortet: 22118*2*7 piDl *?*xi.2, folglich standen alle die D"138» auf den ersten mm*? nicht. Nun wollen wir unsere oman 272 Stelle (i*a M D'222) noch einmal genau betrachten. Sie lautet: 1.211 21V f'382 ni318*X2,2 *?7 H13122X 111222 N^N' I112'11 1' .H1318*X22 |3*X8* ■}*? 2V" pa*? |X2 211,28* Das heißt demnach: Siebzehn Worte schrieb Gott auf den zweiten mm*? mehr als auf den ersten nach dem Zahlenwerthe 2*lv u. deutete dieses an in den Worten ~p 2v" poSi. Unsere Talmudstelle erklärt sich nun von selbst. *?'37 P X3'3I2 ’2 fragt: X*? H1318*X2.2 1112222 .2a '3DO 218 D.22 28X3 H13122X2 11122221 21V D.22 28X3, d. h. VNru» hat Gott die siebzehn Worte, das 2"iv, die auf den zweite» mm*? mehr stehen, nicht gleich auf die ersten geschrieben? Darauf antwortet ihm r Dimn '2 22ii8'.2*? piDl ^’XW?K28*'B .221V npDB D1*?8»1 DN '121. Gott sah in seiner Allwissenheit voraus, die ersten Tafeln werden zerbrochen werden, darum hielt er in seiner Allgüte siebzehn Worte noch zurück, schrieb sie, das 2'iv also, erst auf die zweiten Tafeln, damit das Gute Israel ewig bleibe. M. Adler ReligionS-Lehrer an den k. k. Gymxafie«. „Vas Andenken des Gerechten ist;rrm Segens Nie habe ich diesen altjüdischen, frommen Kernspruch mit mehr Andacht und tieferer Empfindung gesprochen als. da ich aus der Strakonitzer Corresponden; in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes die Kunde von dem Hinscheiden des in jedem Sinne „ehrwürdigen" Kreisrabbiners * Markus Pollak vernahm. In wehmuthsvollster Stimmung versetzt entrang sich mir der Klageruf: Also hat auch dich' schon der rauhe Todesstnrm geknikt, alte kernfeste Eiche, die du von immer mehr vereinsamten Höhen aus deine Schatte» warfst auf die ewig wogenden Saaten eines ruhe- und friedlosen Geschlechtes! halten Sie es, Herr Redakteur, der tief» gewurzeltcn Pietät eines Schülers des Verblichenen zu Gute, wenn ich mir es als eine Gunst von Ihnen erbitte, einige Blumen der Erinnerung auf das Grab dieses wahrhaft Gerechten streuen zu dürfen. -Und nicht unstatthaft und ganz nutzlos dürfte solch'ein frommes Beginnen namentlich in einer Zeit erscheinen, welcher der richtige Maßstab zur Werthschätzung des Charakterimmer mehr abhanden kommt, die sich immer mehr drin gefällt, den Menschen lediglich nach seinen Geistesgaben und nicht auch nach den Gaben seines Herzens zu richten und zu würdigen. Der Cultus des Genies ist ein wahrhaft excessiver geworden unter uns, wir haben nur mehr Sinn und Preis für Talente in der Kunst, weniger schon sticht Begabung in der Wissenschaft, namentlich wenn sie nicht zu glänzen versteht hervor, unendlich wenig aber kümmern wir uns darum, daß es auch „Virtuosen in der Tugend" gäbe — „tugendhafte Genies" wie schon der edle in Allem so klar richtende wie fein fühlende Lessing anerkennt. Steht denn der wahrhaft gute Mensch so unendlich tief unter dem w ah r- Haft Geistreichen, oder hat etwa die jetzige Gesellschaft solchen Ueberfluß an guten und solchen Mangel an geistreichen Menschen, daß wir über die maßlose Bewunderung der letztern den Erster» ganz und gar keine Anerkennung zu zollen vermögen, das „gute Herz" höchstens dann nur preisen, wenn es im Busen eines Reichen schlägt?— Wahrlich, man muß es als ein sehr trauriges Zeichen der Zeit erklären, daß man dem sogenannten „Genie" Alles zu Gute hält, selbst die tiefste Verworfenheit des Charakters durch den schillernden Mantel des Talentes genügend bedeckt glaubt — während man es völlig verkennt, wie viele Lebenswärme oft aus einer in stille Verborgenheit sich entfaltenden Herzensblume unS entgegenstrahlt, eine Wärme, an der insonderheit unsere jetzige Generation mit nie genug dringender Hast sich zu stärken und zu erquicken, eilen sollte. — Aber unS schreckt die' meist weniger glatte äußere Schale; — hier der kalte, aber wohl polirte Marmor — dort der schmucklose aber gemächlich^ warme Ofen — wahrlich wir würden in der ächt winterlichen Ocde und Kälte unseres Daseins nicht so sehr schwanken in der anscheinend so leichten Wahl, wenn wir nicht f»