Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 17 (6.9.1866)
- Date
- 1866-09-06
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 tarrptstadt eines so befangenen Landes, bei Gelegenheit der empelweihe im vorigen Jahre mit mächtiger Stimme gegen das V o rurth ei l gesprochen und hierin sollten die Prediger in Oesterreich unseren Prediger zum Vorbild wählen; das Vorurtheil sollen sie bekämpfen; die strahlende Leuchte des jüdischen Geistes muß den Nebel des alten Vorurtheils zerreißen. Auf meiner Durchreise durch Graz erfuhr ich — und das gereicht unserer Regierung zumLobe, daß ein jüdisches Fräulein eben die Befugniß erhielt, daselbst ein israelitisches Mädcheninstitut zu gründen. Verzeihen Sie — mein Ausflug trägt daran die Schuld — wenn ich auch heute über Dr. Güdemanns Reden noch nicht gründliche Berichte bringe — wir haben in ihm einen .sehr liebenswürdigen Menschen gewonnen. Es wird mit Freude bemerkt, wie zwischen Dr. Jellinek und 1)r. Güdemann, welch letzterem Dr. Jellinek mit Rath und That zur Seite steht, ein freundschaftliches Vcrhältniß besteht. Als interessante Notiz diene für diesmal die Mittheilung, daß dem Verein für israelitische Soldaten*) von Theaterdirektvr Treumann und H. Ascher 200fl. zugekommen sind. Der hiesige Cultusvorstand — in gerechter Rücksichtnahme auf die drohende Cholera-Gefahr bereitet ein Cirkular, an alle Synagogen vor, daß es am Jomkipur von der Sitte abkommen soll, nach welcher Private Kerzen im Tempel anzünden lassen, und daß die Synagogen im Lauf des Tages gelüftet werden mögen. **) B. Wien den 31. August. In meinem Berichte, der in der letzten Nummer Ihres werthen Blattes abgedruckt war, deutete ich an, daßdieKirchcnzeitung die Angelegenheit der „Neuen freien Presse" so darstellte, als wäre unser verehrter Dr. Jellinek der Majestätsbeleidigung angeklagt. Nun darf es niemand Wunder nehmen, daß H. Dr. Jellinek die Notiz der Kirchenzeitung völlig ignorirte. Was wärs für ihn auch nütze gewesen, das Blatt zu einem Widerrufe aufzufordern; ein Mann, wie er, gibt sich nicht mit- Lappalien ab. Nunmehr, wo die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die „NeueFreie Presse" eingestellt hat, ist es für die Leser Ihres werthen Blattes gewiß von Interesse zu erfahren, daß die Predigt vom Sabbat Chason, die Dr. Jellinek anknüpscnd an daß 1. Cap. Jesaia im Geiste dieses Propheten, man kann sagen, mit derselben Schärfe gehalten, hier eine großartige Sensation wach ries. Nur jene Patrioten, die so zu sagen „den Mund stumm, den Rücken krumm" haben, erschracken über die Kühnheit der gesprochenen Worte. Doch wie Jesaias sein Vaterland liebte, während seine Stimme donnerte, nicht minder liebt Dr. Jellinek sein Vaterland, wenn auch gewisse Verhältnisse von ihm mit unerschrockener Stimme scharf oebrandmarkt werden. Jetzt aber mögen sich jene Krämerpatrioten trösten und beruhigen. In höhern und selbst in höchsten namentlich aber in militärischen Kreisen ist die Vaterlandsliebe unseres verehrten Dr. Jellinek wohl bekannt und anerkannt. Was ich Ihnen da mitthcile, ist authentisch. Als Dr. I. vor der Behörde die Erklärung abgab, der „N. F. P." sei die bewusste Stelle jener Predigt, die das Stadtgespräch bildete, wahrscheinlich von einem, der nicht zugegen war, unrichtig mitgetheilt worden, und als Dr. Jellinek hinzufügte und begründete „auch die falsch zitirte Stelle enthalte nichts, was eine Majestätsbcleidigung involvirt, zwci- *) s. letzte Nummer. **) Wir scheu auch hier in Prag, wo der Andrang in den Synagogen an den hohen Feiertagen ein sehr großer ist, einer ähnlichen Verfügung von Seiten der Gemeinde-Repräsentanz entgegen. Tie Lichtspende am Versöhnungstage ist ein schöner Gebrauch, doch eben nicht mehr als Gebrauch, weder biblisches noch talmudisches Geboth, und kann aus Rücksicht der ungünstigen sanitären Zustände ohne religiöse Skrupel wegbleiben. D. Redakteur. felte niemand, daß jene Einstellung des Verfahrens erfolgen werde, die heute eine Thatsache ist. Oonsoletur eCClesia! Allgemeine Entrüstung herrscht hier — unter Israeliten wie unter Christen — über das Gebühren des clericalen „Volksfreund", welcher nicht genug Selbstverleugnung hatte und die Rede des Gemeinderaths Frankel gegen den ausschließlichen katholischen Charakter des Pädagogiums „wozu doch auch die Israeliten beisteuern" mit dem Schmähwort „infam" bezeichnet. Ein beschämendes Seitenstück zu solchem Gebühren ist doch die Thatsache, daß der einzige, der in Berlin den Muth hatte gegen Oesterreichs Ausschluß aus Deutschland zu sprechen, Dr. Johann Jakoby, ein Jude ist. B. Wien 2. Sept. An dem heutigen Tage, an dem der Friedensschluß besiegelt und beschlossen ist, ist es angemessen, dem nunmehr vollendeten Austritt Oesterreichs aus Deutschland einige tröstende Momente zuzusprechen. Es ist wahr, die Macht der Thatsachen ist groß; allein das erfüllt uns mit Hoffnung, daß größer noch die Macht des Geistes ist. Mit dieser moralischen Waffe müssen wir das zurückerobern, w.s wir bei Königgräz verloren. Und wieder, wieder sind es die verfolgten Juden, die auch in diesem neuen intelektuellen Kampf patriotisch mitziehen — ja voranzugehen scheinen. War alles Österreichische früher nicht ignorirt in Deutschland, auf literarischem, selbst auf jüdisch literarischem Gebiete? Nicht wahr? Doch lesen sie das letzte Heft von Geigers Zeitschrift Das Blatt das in Breslau erscheint, unterzieht zwei hier erschienene Schriften „Mechiltha" von I. H. Weiß u. „Sifre" von M. Friedmann einer eingehenden Kritik u. beide Werke erfreuen sich des Lobes jener preußischen Zeitschrift. Jene Herrn sind an dem von Dr. Jellinek begründeten Beth-Hamidrasch angestellt. Eine solche Anstalt ist auch geeignet die Männer zur geistigen Arbeit anzuspornen, die Schriftsteller materiell zu unterstützen. Sollen nicht auch hierin die Herren Prediger die von Dr. Jellinek — allerdings mit Ueberwindung von 1000 Hindernissen — betretene Bahn verfolgen! Diesem Beispiele, kann ich Ihnen sagen, werden selbst die Nichtjuden Oesterreichs folgen. Es heißt Deutschland mit dem Geist erobern— mitten im Frieden! B. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Wien. Der Rechenschaftsbericht des Vereins zur Unterstützung isr. Studenten weist für das abgelaufene Jahr ein Einkommen von 2780 fl. 40 kr. nach, die Auslagen, Regiekosten inbegriffen beliefen sich auf 1758 fl. 5 kr. — 49 Mediciner, 3 Techniker und 6 Rabbinatskandidaten erhielten Untatstützungen und Kollegiengelder, 51 Mediciner und Juristen Beiträge zu den Taxen für Rigorosen und zur Promotion. Der im Jahre 1861 gegründete Verein zählt gegenwärtig 151 Mitglieder — Pest. Von den Interessen eines durch den verstorbenen Wohlthäter Herrn Wolfgang Holitscher gemachten Legats werden im kommenden Monat bei 100 armen Schulknaben mit Wintergewändern bekleidet werden, die Interessen eines andern durch denselben Wohlthäter gemachten Legats aber werden 12 arme Bräute zur Aussteuer erhalten — (Im Pester israelitischen Kultustempel) hat am verflossenen Sonntag die erste Kopulation in ungarischer Sprache stattgefunden. Das glückliche Brautpaar waren Herr Anton Frank, Oberbuchhalter des Bodenkreditinsti-