Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 17 (6.9.1866)
- Date
- 1866-09-06
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 schen Gegenden tief eingegraben ist, und manchen wehmüthigen Seufzer ihren längst gefallenen Mitbrüdern nachsenden, ist jedem Kenner der jüdischen Leidensgeschichte genugsam bekannt. . Chmel, der polnische Hadrian, der einen tiefen Hay und einen unversöhnlichen Groll gegen die Inden hegte, vorgebend, daß sie seine verräterischen Pläne den polnischen Feldherrn überbrachten einerseits, anderseits die als königliche Zollpächter besonders den Haß der Kosaken auf sich geladen hatten, fiel urplötzlich wie ein wüthendes Ungeheuer mit seinen Kosaken und den verbindeten Tartaren über die wehrlosen Juden her, und raffte mit diesen mordgierigen Gesellen in der Ukraine, Podolien, Lithaucn, Wolhynien, oc. in dem Zeiträume von einem Jahre 100,000 Juden (in Niemirow allein 6000) weg, und sein Vandalismus erstreckte sich weit über Warschau hinaus, bis ins Posen'sche hinein. Hab und Gut verlassend, ergriff ein Jeglicher die Flucht, wer sich retten konnte und froh nur sein nacktes Leben gerettet zu haben, kehrte jeder seinem Vaterlande den Rücken, um in Deutschland ein neues Vaterland zu finden. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Prag. Das seit Jahren sich kundgebende Streben in der Gemeinde, die Gotteshäuser äußerlich zu verschönern, und dadurch der Andacht eine würdige Stätte zu gründen, hat sich auch in der hiesigen Hochsynagoge Geltung verschafft — Dem frommen Eifer der Synagogcnvorsteher Herren M. Bendiner und Wilhelm Schütz, ist es endlich gelungen, in der Hochsynagogc einen innern Umbau und eine schöne zeitgemäße Renovirung mit bedeutenden Kosten vorzunehmen — Der Neubau ist bereits ganz vollendet, und soll, wie wir hören, in den nächsten Tagen die Einweihung stattfinden. Das Almemor ist an seiner srühern Stelle geblieben, hingegen ist der obere Theil der Andachtsstätte einer gänzlichen Umgestaltung unterzogen worden — Die heilige Lade ist mit wahrer Pracht und Eleganz ausgestattet — Die reichen Vergoldungen und namentlich die an beiden Seiten angebrachten Armleuchter machen einen imponirenden Eindruck, und das Ganze ist mit vielem Geschmack und Kunstsinn ausgeführt— Der Aufgang zur heil. Lade ist zweckmäßig hergerichtet, und die angebrachten Sitzreihen an beiden Seiten anstatt der srühern beweglichen sogenannten Ständer ist gleichfalls als ein erfreulicher Fortschritt zu bezeichnen — Die Parketirüng des Bodens, der gleichmäßige schöne Anstrich aller Betsitze und Pulte, die zweckmäßige Beleuchtung, der Umbau des Eingangsthores und der Aufgangstreppe, die einfache gelungene Malerei bilden ein Ensemble, welches die Hochsynagoge im Innern zu einer der schönsten, jüdischen Gotteshäuser Prags macht. — Wir glauben uns der Zustimmung sämmtlicher Gemeindemitglieder zu erfreuen, wenn wir hiemit den genannten Herren Vor-, stehern für das schöne Unternehmen und die glückliche Ausführung den innigsten Dank aussprechen— Wir wollen hoffen, daß mit der Zeit auch die von dem Neubau ganz unberührt gebliebene Frauenhalle, deren Zustand dringend einer Verbesserung bedarf, die gerechte Fürsorge der Herren Vorsteher wach rufen werde, um auch das andächtige Frauengeschlecht an der Hebung der Andacht durch den äußern Eindruck participiren zu lassen— Allerdings bieten die beschränkten Raumverhältnisse große Schwierigkeiten für einen durchgreifenden Umbau, doch wird es dem unbezweifelt guten Willen gelingen wenigstens einen Theil derselben zu besiegen, um auch diesem allgemein gefühlten Bedürfnisse nach Möglichkeit genügen zu können — Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß auch die zu dem Zwecke gewählten Mitglieder des Bau- Eomites, die Herrn Emanuel Winternitz, Emanuel Koppelmann, David Gerstel und Lazar Austerlitz, sehr eifrig für die Förderung des guten Werkes und dessen rechtzeitige Vollendung mit unverdrossener Mühenahme wirkten, besonders muß die unermüdliche Thätigkeit des Herrn David Gerstel gerühmt werden. R. Strakonitz, den 3. September 1866. Vorige Woche starb hier im hohen Grcisenalter der hochverdiente und allenthalben hochverehrte Kreisrabbiner Hr. Marcus Pollak, ein Mann von der gründlichsten Gelehrsamkeit in allen Zweigen des rabbinischen Wissens. Er war einer der ältesten und gewiß auch einer der würdigsten Rabbinen Böhmens. Seine Leichenfeier zeigte, wie sehr man ihn ehrte und achtete. Aus allen Gemeinden des Piseker Kreises, denen er mehr als 30 Jahre als Kreisabbiner Vorstand strömten seine Verehrer in Menge herbei, um an seinem Sarge zu trauern und Thränen des tief empfundenen Schmerzes zu weinen. Nicht nur die israelitische Gemeinde sondern auch sämmtliche Beamten und die übrigen Honoratioren der Stadt nebst einer großen Anzahl christlicher Bürger bildeten den Leichenzug. Jeder einzelne bestrebte sich durch Theilnahme an der Leichenfeier zu bezeugen, wie sehr die Verdienste des dahingeschiedeneu Seelenhirten gewürdigt und anerkannt werden. Und ein Seelenhirt war der Verblichene im vollsten edelsten Sinne des Wortes. Sorgsam überwachte er in allen ihm unterstehenden Gemeinden den Unterricht in der Bibel und Religionslehre. Er hatte strenge Aufsicht über alle, die in diesen Gemeinden gottesdienstliche oder sonstige rituelle Functionen ausübten. Insbesondere wendete er seine Aufmerksamkeit den kleinern Gemeinden zu, und seiner Fürsorge allein ist es zuzu' schreiben, daß selbst im kleinsten Eultusvereine das Nothwendige für Gottesdienst und Unterricht nicht mangelte. Noch mehr aber zeichnete er sich aus durch seinen Wohlthätigkeitssinn, durch seine Freundlichkeit und Milde. Er lebte zwar in sehr bescheidenen Verhältnissen; war aber dennoch unermüdlich und aufopfernd in einem weit höheren Maße als es seine Vermögenszustände zuließen, wenn es galt Nothleidenden zu Helsen, Witwen zu unterstützen und Waisen zu erziehen und auszustatten. Er war stets bereitwillig zu Rath und That, gegen Jeden, der ihn darum ansprach*) xSi pixn by San pawe Blitz. Wien den 29. August 1866. 'Seitdem Ihnen mein letzter Bericht zugegangen, habe ich von hier einen Ausflug in das schöne Steiermark gemacht. Wenn ich Ihnen alles mittheilen sollte, was ich dort von Judenhaß gesehen, müsste ich zuerst den herrlichen Eindruck, den die reizende Gegend auf mich gemacht, aus der Seele bannen. Hier klagte ein alter Wirth in der „Priesterstadt" Mariazell, daß Steiermark — sein schönstes Privilegium verlor: die Juden nicht über Nacht halten zu dürfen. Dort wollte ein junger Priester mit schönen Worten mich in sein Netz ziehen, indem er Juden Presse und Freimaurer!!! idcntifizirte und einen gleichen Abscheu vor allen Dreien predigte. Gott sei Dank! Ich bin zurück, und zwar unbekehrt. Schon in Graz athmete ich freier auf. Unter die - sen Umständen sollen die Juden in Oesterreich das große Verdienst des 0r. Jellinek würdigen, der in Graz, in der *) Zar Ergänzung obiger Eorresponden; bemerken wir nach andern uns zugekommenen Mittheilungen, daß bei dem Leichenbegängnisse 3 Trauernden von den Herren Rabbinern aus Wollin,Strakonitz und Kafsegowitz gehalten wurden. Der Verstorbene stand in seinem 75 Lebens- Der Redakteur.