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Das Abendland · 1866-08-23 · 16 (23.8.1866) · p. Seite 127

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
16 (23.8.1866)
Date
1866-08-23
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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in ihr wiederzufinden". Ein ähnlicher aber verunglückter Versuch wurde auch in der jüngst vergangenen Zeit mit dem Buche Choreb gemacht. — In dieser Vorlesung vermissen wir aber die Charakterisirung Saadias als Metaphisiker und Eschatolog.— Die siebente Vorlesung beschäftigt sich mit den Juden in Spanien. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen über das Christenthum und den Islam, neben welchen die jüdische Nationalität, mit dem Iudenthum als Glauben, und dem Bestreben, die hebräische Sprache wieder zu erwecken, wird Chasdai Schaprut charakterisirt: „Ob Chasdai, heißt es S. 83, neben seiner leibärztlichen Stellung noch eine staatsmännifche bekleidet, ob er Minister Abdorhamanns gewesen, steht nicht fest, er wird nicht als Vezir bezeichnet." Wir verweisen den Leser auf Grätz 5, 360. Dort heißt es: „Chasdai war in einem gewissen Sinne Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Er hatte die auswärtigen Gesandten zu empfange», ihre Geschenke und Diplome entgegen zu nehmen, und ihnen Gegengeschenke von Seitm des Chalifen einzuhändigen. Er war aber zugleich Handels- und Finanzminister, indem durch seine Hände die Landeseinnahmen für Produkte und Zölle in die Staatskasse einfloßcn." Chasdai fehlte nur der officielle Titel, aber nicht das kort-keuille". Dann kömmt die Reihe an Menachem ben Soruk, an Dnnasch ben Librat und an ihr gegenseitiges Verhältniß. Neu und originell ist der Aufschluß, den H. G. über die Frage gibt: Was war es, was Chasdai zu solch strengem Verfahren aufstacheln konnte? H>. G. vermuthet mit Grund, daß Chasdai den Brief an den Chazaren-König nicht selbst schrieb, sondern durch Menachem schreiben ließ, in welchem Briefe deutliche Trümmer von dem Namen Menachem ben Soruk akrostihontisch entgegen treten, wodurch Menachem verdächtigt wurde*). Die ,.chte Vorlesung schildert die glänzenden Sterne am spanisch-arabischem Himmel : Chajug, Bachia und Gabirol, die unübertreffliche Schilderung des letztern ist den Lesern aus dem ersten Hefte der illustrirten Monatshefte bekannt, mit welcher dasselbe beginnt. In der neunten Vorlesung wird uns vor allem eine klare Anschauung von dem Unterschiede des östlich-arabischen und des westlich-arabischen Culturgradeö gegeben. Hier war die jüdische Bevölkerung aus schlichten Verhältnissen in die neue Bildung übergegangen, und dieselbe breitete sich nach allen Seiten hin gleichmäßig aus, philosophisch, sprachwissenschaftlich, auch talmudisch, Eines mit dem Andern friedlich vrrtkh'-' rend. Dort war eine talmudische Gelehrsamkeit schon aus der babilvnischcn Zeit her fest geworden, dort war der Sitz des Gaonats, jener talmudischen Excellenzen, die als höchste religiöse Autoritäten galten, und in ihrer talmudischen Gelehrsamkeit ihre Bedeutung suchten und fanden. Als die neue Bildung mit dem Islam entstand, wurde bald auch der Widerspruch empfunden, die Versuche zur Ausgleichung und Versöhnung reichten nicht ans oc. Wir fügen zu diesen trefflichen Worten hinzu: tont comme chez nous. Die Charakteristik des Hai ist nichts weniger als zutreffend. Wir begreifen nicht, wie H. G. sagen konnte, daß Hai der Wissenschaft als solcher, und namentlich der Philosophie nicht günstig gestimmt war? Wenn auch metaphisischc Forschung nicht Hais Sache war, ft war er doch ein tiefer Denker, und in allen Fächern der Wissenschaft, wie sie damals gelehrt wurden heimisch. Der mystische Glaube war ihm ein Irrlicht, die Wunde.thätigkeit und der Wunderglaube eine Schändung und Entweihung der Religion. „Wenn es jedermann möglich wäre, schrieb er den Kairuanern, durch Formeln Wunder zu thun, um die Naturordnung aufzuheben, wodurch wären dann die Propheten bevorzugt gewesen? S. oye 54 f. Man fragte bei ihm an, warum man im Anfänge der astronomischen Jahreszeiten sich scheue Wasser zu trinken, er crwiedertc, es sei dies ein lächerlicher Gebrauch. R. Hai gestattete auch den Umgang mit Karäern, und stand im littcrarischen Verkehr mit dem Katolikos von Bagdad. Geiger folgt in seiner Auffassung dieses letzten Gaons der Biographie Rappoports. Wenn Hai *) Vergleiche Geigers Anmerkung hiezu. für daS Talmudstudimn eifert, ft wollte er es nicht in seiner Exclusion, er wolltees nur nicht vom Studium ausgeschlossen haben. Ebenso Unrecht thut G. dem Hai, wenn er von ihm sagt, daß er an der natürlichen Auffassung aller talmudischen Stellen fest hält. Man fragte ihn einst, was von der talmudischen Verurtheilung des Gesetzes-Unkundigcn 2p) zu halten sei, Hai antwortete darauf scharf und entschieden, daß diejenigen, welche den Talmud in diesem Sinne auffaßten, verdienten vogelfrci erklärt zu werden (Schaare Teschuba Nro. 23), daß nach Hai auch die Später» haben Wunder verüben können, ist unwahr. S. Gratz 6, 410. Weiter wird uns eine anziehende Schilderung der damaligen kirchlichen Richtung gegeben. „Das Verlangen, das Leibliche und Geistige, das Sinnliche und das Alles Sinnliche Ueberragendc in einander zu schieben, klingt als oberster Grundsatz überall in der Kirche wieder." S. 118 Wenn aber H. G. sagt: „Die spätere jüdische Mystik ist ein Produkt dieser Einwirkung — der Kirche auf die Entwickelung des Judenthums — die Kabbala mit ihrem Streben nachzuweisen, wie die Gottheit sich selbst einschränkt, um das Irdische aus sich hervorgehen zu lassen, wie die irdischen Wesen ihrerseits durch die Ausübung der einzelnen Zeremonien in die geistige Welt cingreifen und so eine gegenseitige Durchdringung entsteht." S. 119; so ist dieses wieder unrichtig, denw die kirchliche und die synaqogale Richtung standen in solcher Opposition gegen einander, daß die kirchlich dogmatischen Anschauungen nur abstoßend auf das Bewußtsein der Juden wirkten. Der wesentliche Faktor des Mysticismus und der Kabbale ist im Talmud und im exclusiven Talmndstudium zu suchen. In der That liegen die Elemente der Mystik und der Kabbala im Talmud, ein Philosophircn mit der erhitzten Phantasie brachte diese sauere Frucht zur Reife. Eine meisterhafte Schilderung Juda Halewis, in welcher die Poesien ans Dukes Diwan entnommen find, beschließen diese Vorlesung. Gegen den Passus jedoch S. 121 „Nein — und hier ist cs besonders, wo der kirchliche Einfluß sichtbar wird— nein, sagt er. diese — göttlichen Vorschriften sind getränkt von dem göttlichen Geiste, sie wirken an und für sich veredelnd und vergeistigend, die in sie von Gott gelegte Weihe strömt aus diejenigen aus, welche sie üben", muß man protestiren, denn diese gläubige Befolgung der Zercmonialgesetze wurzelt im Talmud. Wir erinnern nur an die eine Stelle: Sage: ich möchte dieses Verbotene essen, aber mein Vater im Himmel hat es verboten*). Das Christenthum hat ja auch nur dogmatisches Glauben, wenn es auch der Vernunft entgegengesetzt ist, von dem das Judenthum nie wußte, es empfahl nur religiöse Thaten, von welcher die Vernunft sich keine Rechenschaft geben kann, und das Glauben, insoweit es der Vernunft nicht widerstrebt. — Die zehnte Vorlesung führt uns in die Zeit, in welcher der Fanatismus der Almohaden die Ruhe der Juden und Christen störte. Zwei Männer ragten hervor: Üben Efra und Maimonides. Beim Charakterbildc des erstern sagt H. E. G. S. 131. Wie es scheint, ist er über Nordafrika und Egypten nach den christlichen Landen, zunächst nach Italien gegangen, wo wir ihn in Rom, Lucia, Mantuasehen, dann nach der Provence, wo er in Nnrbonne. Beziers, Rhode; sich aufhält, dann nach Nordfrankreich." Allein diese Reiseroute ist zu eng gesteckt, A. E. sah auch Palästina, reiste nach Babilonien, war auch in Bagdad, nach einer Sage soll er als Gefangener nach Indien geschleppt worden sein. (Abudirhom Zu Hagada.) lieber Maimon hat G. zu tiefe und reichhaltige Studien gemacht, als daß etwas Mittelmäßiges von ihm zu erwarten wäre. Seine Schlußworte über die arabisch-spanische Periode bringen uns nnwillkührlich die Schlußworte der Rectoratsrede des Professor Lazarus an der Berner Hochschule in Erinnerung, die mir hieher zn setzen nicht umhin können. „Es sei denn, daß ein Volk reich ist an Gedanken, sonst ist cs kein reiches Volk; cs sei denn, daß es groß ist *) 2iebe Schemone Perakim Abschnitt 6

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